Schlagwort-Archive: Musik

Beck’s, Drugs & Rock’n’Roll.

Es war einmal vor langer, langer Zeit.
Da war Musikfernsehen zwar nicht mehr ein Fernsehen für die Musik, aber es gab -im Gegensatz zu heute- auch noch tagsüber und abends im Programm dieser TV-Sender Inseln, auf denen Musik noch eine zentrale Rolle inne hatte, die über mehr als nur ihre Klingeltonkompatibilität als Kriterium hinausging.

In eben jene Zeit fiel unter anderem ein Sendung namens „Die Sarah Kuttner Show“ auf VIVA, genau eine dieser angesprochenen Inseln – die Älteren unter Ihnen mögen sich erinnern. Nun kann man zu Sarah Kuttner und ihrer Art durchaus stehen wie man will und man muss sie mit ihrer teils quäkigen Hektik nicht unbedingt mögen, aber sie gab damals zahlreichen unbekannten Künstlern die Möglichkeit ihre Musik einer (etwas) breiteren deutschen Öffentlichkeit zu präsentieren.

Zu den bevorzugt von ihr gefeatureten Künstlern zählte dabei neben einem jungen Mann namens Moneybrother ein weiterer junger Mann, der Adam Green hieß und mit eher skurrilen Texten von sich reden machte.

Als ich nun letzten Monat die Einladung bekam, anlässlich meines Geburtstags ein Konzert von diesem Adam Green im Kölner Gloria zu besuchen, musste ich daher nicht lange überlegen (zumal die Alternativvorschläge aus Attraktivitäts- oder Zeitgründen ausschieden). Schließlich hatte sich Green damals neben seinen unterhaltsamen Songs vor allem auch dadurch einen Ruf erworben, dass er bei öffentlichen Auftritten, sei es Konzert oder TV-Interview, sehr gerne einmal unter dem Einfluss bewusstseinserweiternder Mittel steht. Und das sollte man natürlich mal miterlebt haben. Rock’n’Roll und so…

Und meine Erwartungen wurden erfreulicherweise nicht enttäuscht. Denn natürlich kam Adam Green zu Beginn des Konzerts direkt mal mit einer Flasche Bier in der Hand auf die Bühne, die an diesem Abend nicht seine erste gewesen sein dürfte – und, wie wir selbst sehen konnten, auch nicht seine letzte war. Dementsprechend turnte er fröhlich auf der Bühne rum, während des Konzert und erschien dabei phasenweise extrem unkoordiniert – ohne dabei aber jemals in den Verdacht zu kommen, dass ihm sein Auftritt in irgendeiner Weise aus den Händen gleiten würde.

Gut, zumindest mein Begleiter, der mir dankenswerter Weise den Konzertbesuch geschenkt hat, warf mir nach den ersten Minuten schon einen leicht irritierten Blick zu und äußerte die Befürchtung, dass das Konzert womöglich nicht mehr allzu lange dauern dürfte. Er wusste über den regelmäßigen Rauschmittelgebrauch Greens vorab leider nicht Bescheid…

Aber Green brachte es eben dennoch absolut gut über die Bühne, so dass das Konzert insgesamt rund 90 Minuten dauerte, was ja mehr oder weniger Standard ist für Künstler dieser Preiskategorie. Wenngleich man bei fünf bisher veröffentlichten Alben vielleicht etwas mehr hätte erwarten können – zumal es nicht mal eine Zugabe gab, sondern das Konzert beendet wurde, indem sich Green eine junge Dame aus dem Publikum zog und das verdutzte Ding einfach mit in den Backstagebereich zerrte – und danach nicht mehr gesehen ward. [Was vermutlich gar nicht so schlimm war für die Dame -eher wohl für ihren Freund-, so wie auch ohnehin ein Großteil des Publikums aus Mädels und Frauen verschiedener Altersstufen bestand, die alle eins gemeinsa hatten: Sie waren rollig auf den Künstler.]

Neben der Optik hatte Green aber auch durchaus musikalisch einiges zu bieten. Manchmal leidete die Qualität, gerade bei den schnellen Nummern, doch ein klein wenig unter der clownesken Rumhampelei Greens auf der Bühne, aber schlecht war das dennoch nicht. Insgesamt hätte ich mir allerdings gewünscht, wenn Green ein paar mehr ruhige Songs eingebaut hätte, denn in diesen Momenten war er wirklich richtig, richtig gut. Nämlich dann, wenn die Band die Bühne verließ, er sich eine Gitarre schnappte, auf einen Barhocker setzte und einfach, ohne große Spirenzchen mit seiner markanten Stimme ein Lied vortrug. Das war groß, sehr groß. Aber eben insgesamt auch leider, für meinen Geschmack, zu selten.

So wäre unter dem Strich am Ende des Abends vermutlich ein Fazit herausgekommen, dass sich wohl irgendwo so bei „recht zufrieden“ bewegt hätte, da er auch viele seiner alten „Hits“ spielte, wie beispielsweise Jessica, Emily oder No legs und Nat King Cole, die sich aber natürlich abwechselten mit Songs des neuen Albums „Minor Love“.

Wenn, ja, wenn nicht die Vorband gewesen wäre. Denn die 3 Jungs von Jukebox the Ghost aus Washington haben mich schwer begeistert. Relativ klassische Zusammenstellung mit Gitarre, Keyboard und Drums, wobei sich sowohl Gitarrist als auch Keyboarder den Leadgesang untereinander aufteilen, je nach Song übernimmt das jemand anders.

Rein stilistisch haben sie mich beispielsweise etwas an „They Might Be Giants“ erinnert, da sie ähnlich abwechslungsreich sind und dabei ebenfalls sehr viel Spaß auf der Bühne verbreiten – wenngleich sicherlich auch einen Tick weniger albern als die Altmeister von TMBG. Aber auch sehr starke Parallelen zu Ben Folds, mit dem die Jungs schon auf Tour waren sind nicht von der Hand zu weisen, gerade was die unpeinlich leichtfüßigen Poppigkeit der Songs angeht.
Besonders live können sie wirklich begeistern, mit einer extremen Energie und Begeisterung, die wirklich deutlich macht, dass die Jungs mit Spaß bei der Sache sind – was das Publikum auch entsprechend honorierte mit verhältnismäßig großer Begeisterung seinerseits.

Hat mir auf jeden Fall derart viel Vergnügen bereitet, dass ich mir noch in der Umbaupause zwischen beiden Bands am Merchandising-Stand das Album „Let live & let ghosts“ (stammt aus dem Jahr 2008) zugelegt habe, bevor die paar vorhandenen Exemplare komplett weg waren.

Jukebox the Ghost – bitte merken, den Namen.

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter Hast du Töne!?, Muss man wohl dabei gewesen sein...

Rückblick kann doch wirklich jeder – Der Best of 2009-Sampler [CD1].

Ein frohes neues Jahr, liebe Lesergemeinde! Ich hoffe, ihr hattet alle einen guten Rutsch mit einem anständigen Kater.

Um hier mal wieder ein bisschen mehr Leben reinzubekommen, schließen wir heute mal thematisch direkt an den letzten Eintrag von 2009 an und widmen uns wieder der Musik. Und wie der Titel des Eintrags schon vermuten lässt, beschäftigt sich dieser Post mit der musikalischen Ausbeute des abgelaufenen Jahres. Allerdings nicht als schnöde Liste sondern als richtiger Sampler, der auch in diesem Jahr (wie schon 2007) wieder 2 CDs beinhalten wird.

Die Regeln sind dabei ganz simpel:

1) Die Songs müssen ihren offiziellen Release im abgelaufenen Kalenderjahr in Deutschland gehabt haben (entweder auf einem Album oder als Single – oder wahlweise auch als Download)!
2) Der Sampler muss auf eine oder auf zwei Audio-CDs passen – also max. eine Laufzeit von 60-80 Minuten pro CD!
3) Nur ein Song pro Künstler!

Selbstredend sollte man natürlich bei der Zusammenstellung der Trackliste auf einen gewissen Hörfluss achten und darauf dass die Songs jeweils zusammenpassen. Regelwerke dafür wurden ja schon zuhauf zusammengestellt (sei es bei High Fidelity oder bei How I Met Your Mother [„All Rise!“]). Aber das ist natürlich eigentlich Ehrensache eines Mixtape-Machers.

Wer sich selbst einmal daran versuchen möchte, der sei hiermit herzlichst eingeladen. Da ich selbst daran Interesse haben, wie andere Sampler ausschauen und vor allem, was ich alles so verpasst habe, würde ich mich über einen Trackback natürlich freuen.

Wie schon erwähnt wird der Sampler insgesamt 2 CDs umfassen, heute kümmern wir uns aber nur um den ersten Teil des Samplers, der mehr die „untypische“ Seite meines Geschmacks reflektiert und Ausflüge in die Genres Rap, HipHop, Elektro und Mainstream-Pop machen wird. Die zweite CD wird dahingehend wesentlich straighter und gitarrenbezogener sein.

=======================================

Wer parallel zum Lesen den Sampler hören möchte der klicke bitte hier,
um zur entsprechenden Playlist (jetzt komplett!) bei grooveshark zu gelangen.

Weiterlesen…

9 Kommentare

Eingeordnet unter Hast du Töne!?

Projekt Hörsturz #11

Bisher habe ich mich auf diesem Blog weitestgehend aus so Geschichten wie Blogstöckchen und ähnlichem herausgehalten, aber kürzlich bin ich im Blog von BeetFreeQ auf eine Aktion gestoßen, die mir wirklich sehr gut gefallen hat, da der Gegenstand etwas ist, was ich hier selbst sehr gerne mache: Das Bewerten und Empfehlen von (neuer) Musik. Name dieser Aktion ist „Projekt Hörsturz“  und man befindet sich mittlerweile schon in Runde 11.

Grob vereinfach werden in jeder Runde fünf vorher von den Teilnehmern vorgeschlagene und per Zufall ausgewählte Lieder zur Diskussion und Bewertung freigegeben und können dann von jedem Teilnehmer in ihrem Blog mit 0-5 Punkten bewertet werden. Der beste Punkteschnitt „gewinnt“ – wobei es natürlich in erster Linie darum geht, neue Musik kennenzulernen bzw. einem breiteren Publikum vorstellen zu können. Schöne Idee, wie ich finde, und deshalb nehme ich, nachdem ich bei der Weihnachtsrunde ausgesetzt habe, jetzt gerne teil.

Ausführliche Erläuterungen gibt es natürlich im entsprechenden Regelbeitrag im freeqnet.

Nun aber zur aktuellen Runde:

1) Weird Al Yankovic – I’m Fat (von Sir Donnerbold)

Ich glaube „I’m Fat“ war die erste Parodie von Weird Al Yankovic, mit der ich in Kontakt gekommen bin. Und das dürfte auch noch weit vor Zeiten des Internets gewesen sein. WAY finde ich persönlich okay, aber auch nicht mehr, da seine Parodien auch gerne mal einfach nur albern und platt sind, ohne besonders einfallsreich zu sein. Die Verballhornung des Michael Jackson-Hits gehört dabei sicherlich zu seinen besseren Stücken, da es insgesamt sehr konsequent umgesetzt ist und gerade auch im Zusammenspiel mit dem Videoclip schon recht gelungen ist. Hinzu kommt für mich noch ein kleiner Nostalgie-Bonus, der somit zur folgenden Wertung führt:

3 von 5 Gabeln

2) Painbastard – Torn (von Kerstin)

Also, wenn ich böse wäre, dann würde ich diesen Song mit dem Prädikat „Grufti-Schlager“ betiteln. Aber das bin ich ja eigentlich nicht und es wäre auch ein wenig unfair, denn so richtig schlecht ist der Song schließlich nicht – aber eben doch etwas zu sehr „Depeche Mode light“ für meinen Geschmack. Die große Geste, die Dramatik des Stücks wirkt mir einfach etwas zu künstlich und beinahe kitschig, gerade im Zusammenhang mit der eher billig wirkenden Rythmusabteilung aus dem Computer. Das klingt jetzt alles etwas härter als ich tatsächlich werte:

2 von 5 Gabeln

3) Jupiter One – Flaming Arrow (von Laura)

Und schon hat sich die Teilnahme am Projekt Hörsturz gelohnt, denn dieser Song gefällt mir wirklich ausgesprochen gut! Erinnert phasenweise an die etwas beschwingteren Songs von Kings of Convenience, die zu meinen Lieblings-Hintergrundmusik-Bands gehören (und das ist vollauf positiv gemeint). Dieses Lied von Jupiter One ist allerdings etwas „voller“ instrumentiert und sehr klassischer, beschwingter Gitarren-Indie-Pop, der von seiner positiven Grundstimmung her wesentlich besser in den Frühling als in den Winter passen würde. Ist ein bisschen Mädchenmusik, aber ich mag Mädchenmusik:

4 von 5 Gabeln


4) Messer Chups – Super Megera (von LemonHead)

Alles, aber auch wirklich alles an diesem Song schreit „Verwendet mich als Soundtrack in einem Film“. Und viel mehr gibt es meiner Meinung nach auch nicht dazu zu sagen. Denn als musikalische Untermalung in einem entsprechenden Film (Tarrantino, Rodriguez & Co liegen natürlich nahe) kann dieses Stück absolut passen, schlecht ist das schließlich nicht – als Song zum reinen Hören für meinen Geschmack leider nicht (oder nur in sehr, sehr speziellen Situationen). Daher fällt meine Wertung eher verhalten aus:

1.5 von 5 Gabeln


5) Volbeat – Sad Man’s Tongue (von Konna)

Was als klassische Uptempo-Country-Nummer inklusive Johnny Cash-Hommage beginnt, kippt nach rund 40 Sekunden in einen knochentrockenen Metallsong zum Headbangen über. Da ich Country grundsätzlich sehr gerne mag und auch härteren Gitarrenklängen (solange sie melodisch sind und nicht mit Gegrunze garniert) nicht abgeneigt bin, gefällt mir dieser Country-Metall-Hybrid ziemlich gut. Nichts für jede Situation, aber dennoch ein guter Song:

3.5 von 5 Gabeln

Mein Vorschlag für die kommende Runde wird, unter dem Eindruck meines letzten Konzertbesuchs, natürlich ein Song von Bernd Begemann & Die Befreiung sein und zwar mein Favorit vom neuen Album „Ich erkläre diese Krise für beendet“:

Bernd Begemann & Die Befreiung – Du bist mein Niveau

Legal beim Label „tapete records“ herunterladbar.

4 Kommentare

Eingeordnet unter Digi-Tales. Stories from the Blog., Hast du Töne!?

Whatever happened to the Eighties?

Ich will mir hier keinesfalls nachsagen lassen, ich würde nicht auf meine Leserwünsche eingehen. Daher gibt es heute endlich mal wieder etwas zum Thema Musik und eine kleine Songempfehlung.

Der folgende Clip wurde mir von meinem geschätzten brustring-Co-Autor felix empfohlen, gemeinsam mit dem Attribut „gaga“. Dieses kann ich nur unterschreiben, denn das trifft sowohl Videoclip als auch Song ziemlich genau. Dennoch, wenn man den ersten Schock überwunden hat, wird man nicht drumherum kommen, zuzugeben: Das Teil ist verdammt heisser Scheiss und extrem eingängig. Würde mich nicht komplett überraschen, wenn das Ding die Indie-Clubs weltweit zum Brennen bringt in naher Zukunft (sofern das nicht schon der Fall ist).

Für die volle Entfaltung der Wirkung empfehle ich übrigens die Vollbildfunktion zu aktivieren, um es wirklich genießen zu können.
Sofern man nix mit Epilepsie o.ä. am Hut hat.

Viel äh Spaß.

Direkt bei youtube

Und hier sind Natalie Portman’s Shaved Head bei Myspace zu finden.

4 Kommentare

Eingeordnet unter Hast du Töne!?

Slomo.

Heute mal was aus der Kategorie „Bandnamen, die man sich fürs nächste Jahr mal merken sollte“:

The Whispertown 2000


Direktlink zu „Old Times“

Eine bezaubernde, noch unbekannte Indie-Band aus Kalifornien, die wohl kurzfristig nicht durchstarten werden wird – aber wenn es dann so weit sein wird, dann soll zumindest hier schon mal festgehalten sein, dass ich sie empfohlen habe. Muss ja schließlich dem Geek-Code Folge leisten…

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Hast du Töne!?

Brawl.

In meinem unerschütterlichen Kampf um mehr Aufmerksamkeit für ebenso unbekannte wie exzellente Bands gibt es heute mal wieder einen weiteren Versuch, die Bekanntheit einer solchen durch einen Eintrag in diesem Blog in schwindelerregende Höhen zu katapultieren. Denn gestern weilte ich nach mehreren Monaten endlich mal wieder bei einem Konzert. Auf dem Programm stand dieses Mal die britische Band I am Kloot.

 

John Bramwell, Andy Hargreaves, Peter Jobson sind I am Kloot

Wie unzählige andere britische Bands, stammen auch I am Kloot aus Manchester, zählen aber sicherlich bislang zu den Geheimtipps, die, vor allem in Deutschland, nur einem eher übersichtlichen Personenkreis bekannt ist. Dementsprechend war am gestrigen Abend das Luxor in Köln auch nur zu maximal zwei Drittel gefüllt, mit handgeschätzten knapp 300 Gästen. Diese wurden allerdings erstmals kräftig versetzt.

Während es ja durchaus üblich ist, dass bei Konzerten mal ein wenig Verzögerung zu Beginn vorkommt und die Band erst 15-20 Minuten nach der ausgeschriebenen Anfangszeit mit ihrem Auftritt beginnt, haben sich I am Kloot geschlagene 60 Minuten Zeit gelassen, bevor sie mit ihrem Gig loslegten – das war nicht wirklich angemessen, zumal nicht mal ein „Sorry“ seitens der Band kam. Und als die Musiker dann auch allesamt so aussahen, als ob sie die zusätzliche Stunde vorwiegend dazu genutzt haben Sportzigaretten und/oder alkoholhaltige Erfrischungsgetränke zu konsumieren, beschlich mich die leise Ahnung hier eine Art Pete Doherty-Nachahmer-Ensemble vor mir zu haben.

Doch wenn dann Sänger und Leadgitarrist John Bramwell, den man eher als Kopf einer Fußballhooligantruppe erwartet (zumindest aber als Türsteher eines kleinen Pubs im ländlichen Mittelengland), ansetzt um einen der meist melancholischen Songs mit seiner rauchigen, eindringlichen Stimme zum Besten zu geben, verfliegen diese Bedenken im Nu. Unterstützt wird Bramwell dabei von seinen zwei Bandmitgliedern Peter Jobson (Bass) und Drummer Andy Hargreaves, der häufiger an die Muppetshow erinnerte, sowie ihrem Live-Stammpersonal, den zwei McLeod-Brüdern Norman (2. Gitarre / Pedal Steel Guitar) und Keyboarder Colin, der auch als Produzent der Truppe fungiert.

Die musikalische Richtung der Band liegt, wie schon erwähnt, im Bereich „melancholische, melodiöse Ballade“, stilistisch z.B. an Elbow erinnernd (die ihnen bei ihrem Debüt Natural History in 2001 wohl auch unter die Arme griffen), wenngleich eine ganze Kante unaufwändiger, sperriger und weniger leicht zugänglich. Die Songs sind dabei mal eher ins Folkige tendierend, mal eher in Richtung Britpop, mal mit Anleihen aus dem Blues, und mal sogar groovend & swingend. Gemeinsam haben sie aber immer, dass sie eine meist wunderbare Melodiösität sowie wunderbar zynische Lyrics aufweisen – und natürlich über allem Bramwells markante Stimme.

Während die Lieder ihrer, bislang vier, Alben den Indiefreund beim Hören aus der Konserve schon frohlocken lassen, entfalten sie bei den Live-Auftritten eine richtige intensive Wirkung, die den Zuhörer gebannt dastehen und entzückt zuhören lässt. Eigentlich interessant, da die Songs live erstaunlich ähnlich wie auf dem Album klingen. Etwas, was mir grundsätzlich eigentlich nicht gefällt. Doch bei I am Kloot habe ich den Eindruck, dass es hier genau andersrum da ist und es I am Kloot eher gelingt ihren Live-Sound auf die Alben zu übertragen, was im Übrigen auch erklärtes Ziel bei ihrem neuen Album I am Kloot play Moolah Rouge war, welches sie innerhalb weniger Tage aufgenommen haben. Doch dies gilt im Grunde auch für die Songs ihrer vorigen Alben, die sie gestern spielten.
Die gestrige Setlist enthielt nämlich bei weitem nicht nur Songs aus dem aktuellen Release, sondern auch aus den drei Vorgängern Natural History, I am Kloot (2004) und Gods and Monsters (2005) – wobei letzteres mehr als deutlich unterrepräsentiert war. Insgesamt spielten die Jungs dabei gut 20 Songs innerhalb ihres etwa 100 Minuten dauernden Auftritts, die überaus gut aufeinander abgestimmt waren und ein wirklich äh homogenes Lineup bildeten.

Um Euch einen kleinen Eindruck zu verschaffen ist hier mal ein kleines Video vom gestrigen Auftritt. Der Song heisst „From your favourite sky“ vom zweiten, selbstbetitelten Album. Das Video ist dabei nicht von mir.

Und wem dies gefällt, dem seien hier noch drei meiner Lieblingssongs von I am Kloot ans Herz gelegt

Proof (schöne Idee irgendwie, auf jeden Fall passend)

Over my shoulder (leider gestern nicht gespielt worden)

Twist (einer ihrer ersten Songs – großartige Lyrics)

Alles in allem war der gestrige Abend also wirklich gelungen und ich würde es dieser sympathischen Band wirklich sehr gönnen, den Erfolg zu bekommen, den sie eigentlich verdient hätten. Bislang reichte es dazu aber leider noch nicht, wenn auch zumindest einige achtbare Chartplatzierungen in UK zu verzeichnen sind.

 

Zum Abschluss noch ein Gruß an das blonde Arschloch-Pärchen von gestern:

Wer tatsächlich glaubt, dass man sich ZU ZWEIT bei einem Konzert wie diesem (ergo: wo nicht gepogt und gehüpft wird) nach einer Stunde Wartezeit während des zweiten Songs einfach so nach vorne drängeln könnte und einfach IRGENDWO mitten drin stehen bleibt wo EINDEUTIG kein Platz mehr ist (zwischen mir und meinem Vordermann waren keine 30cm Abstand!!), und dann noch nicht mal die Eier hat einen anzuschauen, geschweige denn zu antworten, wenn man gebeten wird, bitte wieder von dort wegzugehen, der braucht sich bitte nicht zu wundern, dass er in den darauffolgenden 45 Minuten ständig angerempelt wird, beim Klatschen Ellenbogen in den Rücken bekommt und alle paar Minuten einen Fuß in die Achillesferse gehauen kriegt.
Ich bin ja echt eigentlich ein ruhiger Mensch (wenn ich nicht gerade beim Doko aufgrund der Unfähigkeit meiner Mitspieler verliere), der nie zu Handgreiflichkeiten neigt – aber ein derartig asoziales, rücksichtsloses und zudem noch im negativsten Sinne arrogantes Verhalten hat mich gestern wirklich zum Rasen gebracht und mir für einige Minuten den Spaß am Konzert beinahe vergällt. Ich kann sowas einfach nicht verstehen – vielleicht bin ich von meinen Eltern einfach zu gut erzogen worden (auch wenn ich im Anschluss sicherlich ein wenig meine gute Kinderstube vergessen ließ).

Der Hohn an der Geschichte war übrigens, dass Madame dann nach einer Dreiviertelstunde doch wieder den Platz verließ, weil es ihr aufgrund des Luftzugs aus der Belüftungsanlage zu kühl wurde. Unfassbar.

4 Kommentare

Eingeordnet unter Hast du Töne!?, Muss man wohl dabei gewesen sein...

Das beste The Shins-Album seit „Chutes to Narrow“.

Okay, zugegeben, „Wincing the night away“ war 2007 kein wirklich schlechtes Album. Und zugegeben, hier geht es eigentlich gar nicht um die wundervolle Band The Shins, die ich quasi als meine Lieblingsband der letzten Jahre bezeichnen würde (Alltime-Heroen à la Queen nehme ich jetzt mal aus). Es geht vielmehr, um eine Gruppe namens Band of Horses, die ich vor kurzem für mich entdecken durfte, und bei deren Stil sich Vergleiche zu den Shins einfach aufdrängen, da die Songs definitiv eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Stil der Kollegen aus New Mexico aufweisen. 

Wenn man es also nicht besser wüsste, dann könnte man beim ersten Hören einiger Songs vom Album „Cease to begin“ eben meinen, dass The Shins sich dieses Mal nicht wieder ein knappes halbes Jahrzehnt Zeit gelassen hätten für ein neues Album. Doch da ich Band of Horses nicht im Radio sondern ausgerechnet im TV zum ersten Mal gehört habe, ist mir dieses Versehen zumindest nicht passiert.

Ja, ihr habt richtig gelesen, ich habe eine gute Band im TV entdeckt, ja im deutschen Musikfernsehen, richtig, bei MTV!!! Gut, es war nachts um ca. 2 Uhr unter der Woche – aber hey, immerhin mal wieder eine Entdeckung auf einem der beiden Musiksender-Karikaturen!

Der rockige Sound mit Hang zum melancholisch Verspieltem hat mich dann auch sofort angefixt, so dass ich mir dann natürlich mehr oder weniger umgehend das Album zulegen musste. Und dies begeistert schon mit einem wunderschönen Artwork des Covers. Ein Vollmond der über einem schwarzen Meer steht – da spiegelt sich genau das erwähnte verspielt Melancholische schon direkt wieder. Einfach schön.

Und so ist der Opener denn auch direkt die schon erwähnte Single-Auskopplung mit dem Namen „Is there a ghost“, die so getragen beginnt, als ob der Sänger am Ufer eben dieses Meeres steht und in die Nacht rein-brunstet, bevor dann das Tempo und die Lautstärkeregler plötzlich aufgedreht werden. Ich würde ja sagen, dass es sich hier um einen perfekten Song für Liebeskummer handelt, aber dazu schwingt in dem Lied doch irgendwie zu viel Lebensmut und Optimismus mit – vielleicht etwas für jemanden der gerade dabei ist mit seinem früheren Liebeskummer abzuschließen?!
Das würde dann zumindest insofern prima passen, da sich der zweite Titel „Ode to LRC“, direkt das zweite große Highlight des Albums, nahtlos in diese Theorie einfügen würde. Ist dieses Lied doch schließlich auch wieder perfekt dazu geeignet, den Hörer in beste Laune zu versetzen mit seiner positiven Melodie und dem hinten raus hemmungslos wiederholten Slogan „The world is such a wonderful place“.

Track 3 wäre dann zugegebenermaßen wieder ein kleiner Rückfall, handelt es sich doch um eine mindestens ebenso hemmungslose Ballade mit dem Titel „No one’s gonna love you“ (mit dem Zusatz „more than I do“), die einen Platz auf jedem Mixtape haben muss, dass man einer Angebeteten mit dem Anspruch schenkt, darauf Musik aus diesem Jahrzehnt draufpacken zu wollen. Dabei dürfte eigentlich kein Frauenherz ungeschmolzen bleiben (und wenn doch, dann schießt sie in den Wind!).

Verträumt geht es dann auch direkt weiter mit dem wunderschönen Kuschelsong, der auf den gänzlich unkuschligen Namen „Detlef Schrempf“ lautet. Keine Ahnung wie der Bezug dazu kommt, aber als Patriot freut mich eine solche Hommage natürlich sehr, und der Song an sich ist einfach… schön!

Zur Mitte von „Cease to begin“ nehmen die Horses dann wieder an Tempo auf und legen mit dem vom Klavier dominierten „The General Specific“ eine herrlich gutgelaunte und beschwingte Sohle aufs Parkett, bevor das Klavier wieder an die Seite geschoben wird und mit „Islands on the coast“ ein Uptempo-Song in bester Shins-Tradition nachgelegt wird, mit einem treibenden, aber nicht aufdringlichen Gitarrenriff, vielen Tempo-Wechseln und dem markanten Gesang von Ben Bridwell.

Mit dem „Marry Song“ gibt es dann noch mal eine erfreuliche unkitschige Liebeserklärung, was wohl vor allem mit der sehr reduzierten instrumentalen Begleitung zusammenhängt, der aber wunderbar mit dem schon  fast Country-artigen Gesang harmoniert. Und Textzeilen wie „When you smile,  the sun, it peaks through clouds“ gehen natürlich runter wie warmer Honig.

Passend zum gerade angesprochenen Thema „Heiraten“ kommt dann neben mein, neben den ersten beiden Songs, absoluter Lieblingssong des Albums „Cigarettes, wedding bands“. Okay, nur vom Titel her passend, denn „Cigarettes, wedding bands“ ist im Gegensatz zu den 8 vorherigen Stücken sowohl musikalisch als vor allem auch textlich wesentlich pessimistischer und aggressiver, teilweise wie hingerotzt (vielleicht avancierte es gerade deshalb zu meinem Lieblingssong…), aber immer ziemlich ausgefeilt und vom Ablauf her wunderbar durchkomponiert.

Der versöhnliche Abschluss nach der kleinen emotionalen Achterfahrt durch das Album kommt dann mit dem zehnten und letzten Stück der Platte, dem „Windows Blues“. Man ist sozusagen wieder am Meer in der Vollmondnacht angekommen und sitzen wieder am Ufer, während eben jene Nacht so allmählich durch ein zartes Morgengrauen zurückgedrängt wird und man sich allmählich mal wieder nach Hause begeben könnte, um einfach etwas erquickenden Schlaf zu bekommen. Oder so.

Für mich nach den Chroniken eines bohèmen Teenagers das zweitbeste Album 2007 – sehr bezeichnend für diesen kulturell überwiegend sehr mauen bis hochgradig entäuschenden Jahrgang, dass beide Alben erst in den letzten Atemzügen des Jahres den Weg in meine Gehörgänge finden konnten. Wer also The Shins mag, der kann hier nicht viel falsch machen, die Songs der Jungs aus South Carolina sind lediglich etwas rocklastiger. Also: Kaufen!


Youtube-Direktlink

8 Kommentare

Eingeordnet unter Hast du Töne!?