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Geht doch, liebe Besetzer.

Viel gibt es von meiner Seite über die Besetzung des Gebäudes auf der anderen Seite meiner Straße derzeit nicht zu berichten. Alles scheint sich soweit arrangiert zu haben und insgesamt ist die Straße auf jeden Fall etwas belebter geworden. Die äussere Gestaltung des Gebäudes ist sicherlich noch ausbaufähig (besonders was die eher unschöne Holzplattenverschanzung am Zaun angeht, auf den ich direkt von meinem Fenster blicke, aber gut, irgendwas gibt’s ja immer zu meckern).

Allerdings gibt es durchaus noch was zu berichten, denn seit rund zwei Wochen ist ein neues Videokommuniqué der Besetzer auf youtube veröffentlicht worden und erfreulicherweise wird das beherzigt, was ich (und andere) hier im Blog und vermutlich auch an anderen Stellen schon geäussert haben.

Warum man sich darüber lustig machen muss („böseböse vermummte Autonome“ und „Weichspülerversion“) ist mir nicht ganz klar, da die Besetzer sich ihrerseits im Klaren sein sollten, dass nicht jedem das mit dem Schutz vor der Polizei klar ist, sondern so etwas in erster Linie einmal bedrohlich/militant wirkt.

Aber gut, wichtig ist, dass das Video dieses Mal insgesamt wesentlich freundlicher und einladender aufgezogen wurde und die, auch hier im Blog schon vorgeschlagene, Videotour durch das Gebäude den Hauptbestandteil des Videos markiert.

Von daher: Sehr gelungenes Video. Danke, liebe Besetzer.

PS: Beim nächsten Mal arbeiten wir dann hoffentlich noch etwas am Stimmverzerrungssound, der etwas anstrengend ausgefallen ist und zudem etwas Konzentration erfordert, um alles zu verstehen. Alternativ, wie in den youtube-Kommentaren vorgeschlagen: Untertitel…

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Besetzt.

Oder: Warum meine Straße jetzt unter Polizeischutz steht.

Seit November 2006 wohne ich nun mittlerweile in meiner Hochparterrewohnung im Kölner Stadtviertel Kalk, einem „Veedel“, das nicht unbedingt den besten Ruf genießt (nicht zuletzt dank Tom Gerhardt). Aber wie das mit „Rufen“ oft so ist, entspricht dieser nicht immer so wirklich den Tatsachen und ich fühle mich hier sehr wohl.

Das hat natürlich auch mit der recht speziellen Lage meiner Wohnung zu tun, die in einer Seitenstraße der zentralen Einkaufsstraße des Viertels liegt und darüberhinaus auch eine Sackgasse ist. Dementsprechend ist man einerseits sehr nah an den diversen Einkaufsmöglichkeiten und auch der U-Bahn-Haltestelle, andererseits ist es aber auch sehr ruhig, da es eben keinerlei Durchgangsverkehr gibt. Hinzu kommt dann noch, dass die Wohnung nach hinten raus (wo sich auch mein Schlafzimmer befindet) an eine Art sehr großen und vor allem äußerst grünen „Innenhof“ (oder mag man es Atrium nennen? Dunno…) grenzt und es auch dort eben nicht nur schön grün sondern eben auch sehr ruhig ist.

Hinzu kommt dann noch eine nette Vermieterin, die direkt über mir wohnt, sowie nette bzw. angenehm unauffällige Nachbarn, eine 10 Minuten U-Bahn-Distanz zum Büro und natürlich, dass mein Brüderchen seit gut einem Jahr im selben Haus wohnt. Kurzum: Hier lässt es wirklich sehr gut wohnen und das einzige, was zu meinem wirklichen Wohnglück fehlt ist eigentlich nur ein Balkon. Aber man kann ja nicht alles haben.

Nicht gerade von Nachteil für die „Atmosphäre“ der Straße, ist es zudem, dass die andere Seite unseres Straßenabschnitts nicht mit Wohnhäusern bestückt ist, sondern mit einer Turnhalle, sowie einem größeren Gebäude, das bis September 2008 von einer freikirchlichen evangelischen Gemeinde genutzt wurde, seitdem aber -bis auf eine kurze Unterbrechung bedingt durch Filmaufnahmen- leersteht. Dementsprechend gibt es auch -fast- immer ausreichend Parkplätze für alle Anwohner – auch ein nicht zu verachtender Faktor…

Am Freitag nun kam ich gegen etwa 1.00 Uhr nachts mit meinem Mietwagen von einer einwöchigen Geschäftsreise  quer durch NRW (inkl. Kerkrade) zurück in meine Straße – und stellte plötzlich fest, dass die Fenster des Gebäudes auf der anderen Straßenseite erleuchtet waren. Und nicht nur das, es hingen auch diverse Banner und Plakate am Gebäude und zudem liefen diverse, teils vermummte, schwarzgewandete Menschen auf dem Dach herum – und an der Straßenecke parkte ein Streifenwagen. Alles Dinge, die so nicht wirklich ins übliche Straßenbild passten.

Bis auf einen „Pro Köln stoppen“-Banner, erkannte ich im Zwielicht der Straßenlaternenbeleuchtung auch erst einmal nicht so richtig viel, so dass ich schnell meine Klamotten aus dem Auto zusammenraffte und rein ging, um mich dort umgehend an den Rechner zu setzen und zu recherchieren, was überhaupt los sei. Und siehe da: Schon die zweite google Abfrage förderte ein aufschlussreiches Ergebnis zutage.

„Die Kampagne „pyranha – für ein Autonomes Zentrum (mit Tanzfläche)“ gibt bekannt: In Köln-Kalk wurde soeben ein Autonomes Zentrum gegründet. In der Wiersbergstr. 44 wird dafür seit dem frühen Freitag Abend ein (dem Zweck entsprechend großes) leer stehendes Gebäude genutzt (ugs. „besetzt“).
Erklärtes Ziel ist es, ein autonomes, also selbstverwaltetes, unabhängiges und unkommerzielles Zentrum für Kunst, Kultur und Politik in Köln zu etablieren.“

Quelle

Jetzt habe ich also tatsächlich und wortwörtlich direkt vor meiner Haustüre eine Hausbesetzung durch linke Politaktivisten aus dem Antifa-Umfeld – fühlt sich seltsam an. Ich bin, als politisch so ungefähr Mitte-Links-orientierter Mensch, dem ganzen erstmal durchaus positiv eingestellt und hätte da absolut nichts gegen, wenn sich hier direkt ein politisch-kulturelles Zentrum bilden würde, das die Gegend hier nochmal zusätzlich belegt. Ich mein, warum auch nicht?

Allerdings kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass dies von der Stadt einfach so mir nichts, dir nichts geduldet wird, dass hier einfach ein Gebäude besetzt wird. Die seit Freitagabend andauernde Polizeibeobachtung mit mindestens einem Streifenwagen spricht da ja schon eine deutliche Sprache und gestern Nachmittag/Abend hat es wohl an allen Zufahrts- und Zugangswegen zur Straße Ausweiskontrollen gegeben, da eine „Einweihungsfeier“ angekündigt war. Und auch gerade eben waren solche Kontrollen zumindest an einem Zugang auch schon wieder der Fall.

Die Frage für mich als unmittelbaren Anwohner ist natürlich inwiefern sich das ganze auf mich auswirkt und da hoffe ich halt, dass die neuen Nachbarn hier nicht für „Ärger“ sorgen – was im Wesentlichen halt das Thema „Vandalismus“ mit einbezieht. Aber bislang hat sich diesbezüglich hier noch nichts geregt und mit solchem Verhalten würde man sich bei der Etablierung eines solchen Autonomen Zentrums natürlich nur selbst ins Fleisch schneiden, eben weil die Polizei hier ein scharfes Auge drauf hat (deren Dienststelle übrigens lustigerweise keine 100 Meter entfernt in einer Querstraße liegt…). Dementsprechend habe ich diesbezüglich auch keine zuuu großen Befürchtungen. Und mit Lautstärke habe ich sowieso kein wirkliches Problem, da ich selbst gern laut bin und mein Schlafzimmer eben nach hinten raus ist, ebenso wie mein Wohnzimmer.

Der einzige Aspekt, der mir ein wenig Sorgen bereitet, ist, was es für Vorkommnisse geben wird, sollte es tatsächlich irgendwann mal zu einer gewaltsamen Räumung des Gebäudes durch die Polizei kommen. Die Brüder und Schwestern von der Antifa sind ja nun mal nicht gerade als allzu zimperliche Genossen bekannt…

Bis es soweit allerdings ist, wird sicherlich noch ein wenig Zeit vergehen, da die Mühlen der Bürokratie ja bekannterweise gemächlich mahlen. Solange bin ich auf jeden Fall sehr neugierig, wie sich das AZ präsentieren wird (ob man vielleicht auch mit der Nachbarschaft in Kontakt tritt) und welche Programmangebote dort tatsächlich gegeben werden. Heute stehen beispielsweise schon mal Workshops für Street-Art, Jonglage und Fotografie auf der Tagesordnung, sowie eine Arbeitslosenberatung und ein Vortrag über Häuserbesetzungen in den 70ern und 80ern. Mal sehen, ob ich demnächst auch mal reinschauen werde.

In der Zwischenzeit, und das ist ja das Schöne an diesem Ding namens Internetz, gibt es zumindest einen mehr oder weniger offiziellen Kommunikationskanal in Form eines Blogs, der unter unsersquat.blogsport.eu erreichbar ist und einen kleinen Einblick in aktuelle Entwicklungen und die Hintergründe der Hausbesetzung gibt.
Ein weiterer interessanter Anlaufpunkt ist der Blog des Zusammenschlusses pyranha, der sich für diese ganze Aktion verantwortlich zeichnet und schon seit langem Lobbyarbeit für die Einrichtung eines solchen Zentrums betreibt.

So oder so ist meine Straße momentan jedenfalls die wohl am besten bewachte Straße Kölns. Und das ist ja auch mal was.

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UnGlücksfall Twitter.

Auch wenn ich als bloggender Mensch ja nicht gerade im Verdacht der Technikfeindlichkeit stehe, so war mir Twitter [eine Art „Mikroblogging“-Plattform für Mitteilungen, die maximal 140 Zeichen lang sind] bisher immer relativ suspekt, bzw. habe ich in dieser Software keinen wirklichen Mehrwert gesehen. Natürlich sind so Geschichten wie bei allesaussersport, wo Kai sie als Quasi-Ticker nutzt, schon ganz praktisch, aber sicherlich nichts was den Hype legitimiert, der sich teilweise darum entfacht hat, in den vergangenen ein, zwei Jahren. Für mich war das im Prinzip weitestgehend einfach nur kommunikatives Grundrauschen, das mir viel zu aufwändig wäre, um da nun auch noch über diesen Kanal regelmäßig mit eher weniger relevanten „Meldungen“ zugekleistert zu werden. Auch ein Grund, warum ich mich beispielsweise auch auf nur eine Social Networking Plattform beschränke, die zudem auch nur recht sporadisch gepflegt wird (zumindest muss man ja Gesicht zeigen).

Nun habe ich aber natürlich auch mitbekommen, dass Twitter immer mal wieder im Zusammenhang mit Unfällen, Umweltkatastrophen und ähnlichem (bspw. die Notwasserung auf dem Hudson River) genannt wurde und auf einigen, nennen wir sie mal „technikfreundlichen“, Blogs gerne als ultimatives Medium für die schnelle und authentische Informationsvermittlung bezeichnet wurden, die traditionelle Medien und deren Internetportale aber mal ganz locker in die Tasche stecken könnten.

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Fucking Crazy.

Es ist irgendwie seltsam. Es scheint beinahe so zu sein, dass meine Konzertbesuche immer nur „gehäuft“ auftreten, sprich, wenn ich einmal auf einem Konzert bin, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass ich nur kurze Zeit später oder früher auch ein anderes Konzert besucht habe (bzw. besuchen werde) – während hingegen manchmal mehrere Monate ohne einen einzigen Konzertbesuch vergehen… Keine Ahnung, was das nun über mich aussagen soll. (Fundierte Interpretationen bitte unten in den Kommentaren) 
Für dieses Blog bedeutet es jedenfalls, dass nun schon wieder eine Konzertkritik ansteht.

The Subways

Denn nach dem Besuch bei den doch sehr ruhigen I am Kloot vor rund zwei Wochen, war am vergangenen Donnerstag absolutes Kontrastprogramm angesagt: The Subways in der Kölner Live Music Hall.
Nun gehören die Subways nicht gerade zu den wirklich bevorzugten Bands, und ich kannte im Grunde nur die erste Erfolgssingle Rock & Roll Queen wirklich, aber manchmal macht man ja Konzertbesuche auch nur aus sozialen Gründen. =) Zudem war das bisschen was ich darüber hinaus von dem britischen Trio kannte nicht wirklich schlecht, und 18,70€ war durchaus ein fairer Kurs für ein Konzert dieser Größenordnung.

Im Laufe des Donnerstags trudelten denn also nach und nach meine Begleiter aus ganz Deutschland (oder so ähnlich) ein und es ergab sich tatsächlich, dass wir ziemlich weit vorne in der Schlange standen und dadurch einen Platz ganz vorne am „Wellenbrecher“ vor der Bühne fanden. Es befiel mich eine gewisse Skepsis (die sich prinzipiell als durchaus berechtigt herausstellen sollte), doch immerhin waren die Plätze sehr weit aussen, so dass man gegebenenfalls problemlos und ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen den Rückzug in hintere Gefilde durchziehen konnte.

Die Wartezeit auf den Konzertbeginn war dann im Wesentlich von einem umfassenden Briefing durch drei unserer Begleiter geplant – die waren nämlich am Vortabend schon beim Subways-Konzert in Frankfurt gewesen. Und am Abend davor beim deutschen Tourauftakt in Saarbrücken.

Freaks.

Jedenfalls wurde dort schon mal meine erste Hoffnung zerstört. Nämlich die Hoffnung darauf, einige der ruhigen Songs im Laufe des Konzerts zu hören. Die gefielen mir als zertifiziertem Weichei vom Dienst nämlich beim ausgiebigeren Vorbereitungshören des aktuellen Albums im Laufe der letzten Woche meist ausnahmlos sehr gut, doch leider sollte nur mit Strawberry Blonde zu rechnen sein – ein Song, der auch nur zum Teil als ruhig zu bezeichnen ist. Zudem wurden wir darauf geeicht, wie wir die Vorbands denn zu finden hätten. Die erste sei eine richtig, richtig, richtig gute Band aus den USA. Ganz jung, aber wirklich klasse. Die andere Vorband dagegen große Scheisse und furchtbar und überhaupt nicht mal im Ansatz erträglich.

Aber man soll sich ja seinen eigenen Eindruck bilden und das tat ich dann auch. Festzuhalten ist, dass ich zwei sehr junge Bands als Vorband gesehen habe, bei denen ich mir nahezu sicher bin, dass sie (relativ gesehen) beide einiges an Erfolg in den nächsten Jahren haben werden.

Den Auftakt machten blackmarket aus den USA, ein Quartett, das seit kurzem nur noch aus drei Leuten besteht (einer der Freunde entschied sich, zur Schule zurückzukehren) und ziemlich straighten Rock mit Drums, Gitarre und Bass produziert. Vor allem letzteres Instrument war sicherlich das Highlight während des rund 40minütigen Live-Auftritts, denn es wurde hier wirklich als eigenständiges Instrument genutzt und *gespielt*, und nicht wie sonst bei vielen Bands nur als rhythmische Begleitung verschwendet. Das verlieh den Songs eine wirklich beeindruckende Intensität und sehr viel Nachdruck, so dass das Publikum schon während dieses Auftritts ordentlich abrockte.
Bei den Studioversionen ist der Bass hingegen weit weniger dominant, was aber sicherlich auch damit zusammenhängen könnte, dass dort noch eine zweite Gitarrenspur für mehr Abwechslung sorgte. Mal schauen, ob ihnen ein Song wie „Sheila“ (oder „Night in Question“ oder „Remote [Control Freak]“) schon zum Durchbruch reicht, aber dass er kommen wird, da bin ich mir beinahe sicher. Der Auftritt von blackmarket kam beim Kölner Publikum (und wohl auch an den Abenden vorher) jedenfalls sehr gut an.

Bei der zweiten Vorband mit dem Namen Twin Atlantic war der Fall hingegen etwas ander gelagert. Wie oben schon angedeutet, kam die nämlich bei meinen Begleitern an den vorherigen beiden Abenden überhaupt gar nicht gut an, man könnte beinahe schon von einer Art Feindbild sprechen, das sich da aufgebaut hatte. Dementsprechend war ich natürlich sehr gespannt. Und ich muss natürlich zugeben, dass der Live-Auftritt an sich nicht wirklich gut war (für Begeisterung bei Teilen des Publikums reichte es nichtsdestotrotz – auch wenn sie leicht affige und bisweilen prätentiöse Manierismen an den Tag legten) und im direkten Vergleich zu blackmarket kurz vorher natürlich schon beinahe dramatisch abfiel.
Dennoch war einiges an Potential bei den Songs zu erkennen und wenn man es hinbekommt, den Sound der einzelnen Insturmente besser aufeinander abzustimmen, so dass die lauten Passagen nicht zu sehr nach Geräuschbrei klingen, dann kann das schon was werden. Nur haben Twin Atlantic auch ein großes Problem – den Lead-Sänger, dessen Stimme ist nämlich zu schwach, um mit dem powervollen Sound mitzuhalten. Zugleich scheint er allerdings auch eine Stärke der Band zu sein, denn bei der weiblichen Zielgruppe scheint er hervorragend zu funktionieren, wenn man sich mal so auf Spurensuche im Netz begibt.
Und da man Stimmen ja zumindest bei Aufnahmen „unterstützen“ kann, fällt das Stimmdefizit bei den Studioversionen auch nicht wirklich auf, so dass ich auch bei Twin Atlantic sicher bin, dass sie ihre Erfolge feiern können werden. Die Songs selbst sind nämlich sehr klasse und so irgendwo zwischen Soulfly, Yellowcard und Billy Talent anzusiedeln – ziemlich variabler Powerpop/Indierock halt.
Zu bemerken gilt jedenfalls noch dass die Band aus Glasgow noch absolut am Beginn ihrer Karriere steht und erst Anfang 2009 ihr Debütalbum veröffentlichen werden. Es ist also sicherlich noch genügend Raum für Entwicklung bei Twin Atlantic vorhanden.

Eigentlich am Beginn ihrer Karriere steht natürlich auch noch der Haupt-Act des Abends, The Subways. Schließlich liegt der Altersschnitt der Band bei gerade mal rund 21 zarten Jahren und ihr zweites Album „All or Nothing“ veröffentlichten sie erst in diesem Abend. Dennoch können sie schon auf einige beachtliche Erfolge mit ihrem Debüt „Young for Eternity“ zurückblicken, was sicherlich an der cleveren Marketingpolitik des Labels liegen könnte, dem es gelang einige Songs in größeren Werbekampagnen und Filmen wie Stirb Langsam 4.0 unterzubringen. Dementsprechend begehrt sind denn auch die Tickets für ihre Tour, auf der in Deutschland beinahe alle Konzerte ausverkauft sind (in Frankfurt wird sogar noch ein Zusatz-Konzert gegeben) und wo sie in Köln am Donnerstag vor ihrem bislang größten Indoor-Live-Publikum überhaupt spielten (ca. 1500 Menschen).

Und live sind die Drei wirklich eine Wucht. Zwar spielten sie „nur“ rund 70 Minuten, was bei bisher nur zwei Alben allerdings auch kein großes Wunder ist und zudem mit den rund 90 Minuten Nettospielzeit beider Vorbands auch durchaus in Ordnung ist. Zudem habe ich auch leichte Zweifel, ob sowohl Band als auch Publikum einen wesentlich längeren Auftritt überstanden hätten, denn vor allem Sänger und Gitarrist Billy Lunn wirbelt kräftigst über die Bühne und war schon nach dem ersten Song (Kalifornia) schweissnass. Aber auch die eher fragil wirkende Bassistin Charlotte Cooper stand ihrem Bandkollegen kaum nach und rockte die Bretter der LMH sehr amtlich.
Wie oben schon erwähnt, spielte das Trio aus Welwyn Garden City, nördlich von London, beinahe ausschließlich Songs der rockenderen Gangart und verzichtete auf die (von mir eigentlich sehr geschätzten Balladen wie das grandiose Lostboy). Diese Power übertrug sich denn auch sehr intensiv auf das Publikum wo nach Herzenslust kräftigst gepogt, gehüpft und gecrowdsurft wurde. Selten so etwas gesehen (wobei ich ja meist auch eher auf ruhigeren Konzerten zugegen bin) – und so ging es auch Billy Lunn, der das Kölner Publikum als das eindeutig verrückteste und am stärksten feiernde Publikum lobte. Beim Abschluss zu „Rock & Roll Queen“ surfte er dann selbst noch einmal quer durch die Halle bis er plötzlich auf einer Theke stand und sich mehrere Bierbecher über den Kopf kippte:

Insgesamt also wirklich eine Band, die ich live absolut empfehlen kann. Wer es nicht ganz so intensiv mag, der muss ja auch nicht wie wir ganz vorne stehen (bleiben). Wäre vermutlich auch gesünder für meine Ohren gewesen…

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I’m in a promising local band.

Gestern war es endlich mal wieder soweit und ich durfte einen meiner beiden blogeigenen HypeKünstler live sehen (der andere Gehypte wird dann in einem Monat wieder bejubelt).

Denn Sam Duckworth, besser bekannt (naja, etwas besser) unter dem Pseudonym Get Cape. Wear Cape. Fly, trat gestern im Kölner Blue Shell auf, um dort sein neues, zweites Album „Searching for the Hows and Whys“ zu promoten, das in den UK-Charts vor wenigen Wochen schon von 0 auf 11 eingestiegen ist. Weiterlesen

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Klavier mit Schleife.

…für timo

Ich habe mich verliebt.
Verliebt in eine englische Rotzgöre mit dem Gesicht eines pausbäckigen Engels und dem Mundwerk eines Bierkutschers.

Sie hat mich in ihr kuscheliges Wohnzimmer eingeladen. Ein gemütliches kleines Wohnzimmer mit roten Samtvorhängen und ganz viel Nippes. Eine kleine Porzellaneule, eine Porzellanballerina und jede Menge Plastikblumen umrahmen das zentrale Element ihres Wohnzimmers, das bei meinem Schatz allerdings kein Sofa oder Tisch ist sondern ein stoffbehangenes rotes Piano mit einer kleinen, süßen Schleife ist.

Leider musste ich noch ein wenig auf sie warten, da sie noch auf eine kleine Stippvisite in Bochum vorbeischauen musste. Doch glücklicherweise hat mir ihr sehr sympathischer Mitbewohner Sam die Wartezeit vertrieben, der immer ein kleiner Superheld sein wollte und sich deshalb auch Get Cape. Wear Cape. Fly nennt.
Er packte nämlich seinen schicken Laptop aus, ein Apple Notebook, und zeigte mir einige technische Frickeleien, die er mit ein wenig Gesang und Gitarrenspiel unterlegte. Und das gelang ihm wirklich für fast 40 Minuten derart gut, dass ich mir später am Abend extra noch ein kleines rundes, silbernes Andenken von ihm mitnehmen musste. Und wer Sam [bzw. Get Cape. Wear Cape. Fly] mal irgendwo begegnet, der sollte ihn definitiv mal anschauen und -hören, denn das ist schon richtig großes Tennis, was der Junge da so fabriziert.

Er hat auch noch einige tollle Videos aus seinem Leben gemacht, die ich wärmstens empfehlen kann.

Im Anschluss hörten wir dann noch was von der Plattensammlung meiner Angebeteten, die einige Schätzchen bereithielt, wie z.B. Songs von Yann Tiersen aus dem Amelie-Score, „Big Rock Candy Mountain“ (bekannt aus „Oh Brother, where art thou“) oder „Je t’aime“ von Serge Gainsbourg und Jane Birkin. Oder auch die Harry Belafonte Songs „Zombie Jamboree“ und „Jump in the line“ (Shake Shake Shake Senora), der am Ende von Beetlejuice gespielt wird. Und sogar „Heartbeats“ von The Knife’s, das 2004 von José Gonzalez wirklich bekannt gemacht wurde. Ja, sie hat schon Geschmack, meine Käthe.

Nach einer guten Stunde war es dann aber so weit und mein Cutie-Pie war aus Bochum zurückgekehrt und ließ sich von einem wunderbar stimmungsvollen Filmscore-Intro ankündigen (sie liebt halt die kleine große Show), um anschließend durch die roten Plüschvorhänge in das Wohnzimmer zu schweben und mir ein verschüchtertes Lächeln und ein zartes Winken zukommen zu lassen.

Dann nahm sie an ihrem roten Klavier mit Schleife Platz und sang für mich.

Sie sang von Liebe und Trennungsschmerz, aber auch von der Schönheit des Lebens und zwischendurch, da fluchte sie immer mal wieder gerne mit ihrem schnuckeligen breiten britischen Akzent.
Denn auch wenn sie immer wieder gerne mit ihrem unschuldigen Auftreten kokettierte, so hat sie es doch schon recht faustdick hinter den Ohren, für eine gerade mal 20 Jährige. Wobei man ihr schon ein wenig die Unsicherheit anmerkte, wenn sie sich mit mir unterhalten musste und sich nicht hinter ihren Instrumenten verstecken konnte. Aber das verzeihe ich gerne, wenn sie so nett lächelt, mit den Augen blinzelt oder einfach nur verstohlen seufzt.

Wenn sie aber in ihren Songs eintaucht, dann merkt man wie sehr sie sich öffnet, wie sehr es ihre Geschichten sind, die sie mir erzählt und das erwärmt mein Herz. Und wenn man dann noch hört wie toll sie singt (oder auch „rappt“), und sieht wie sehr sie sowohl Klavier wie auch Gitarre beherrscht, dann bedauere ich es von ganzem Herzen, dass es nur eine kurze gut einstündige Affäre war die wir hatten. Immerhin eine Affäre made of bricks die auf wirklich soliden Foundations basiert. Und wenn meine Katie dann mal etwas mehr Zeit und noch mehr Geschichten mitbringt, dann werde ich sie sicher wieder in ihrem kuscheligen, roten Wohnzimmer besuchen und ihr ein wenig pumpkin soup kochen.
Schließlich war ich wirklich very merry happy mit ihr und ihrem Klavier mit Schleife!

Und über allem schwebte leuchtend ihr neongelber Name:
Kate Nash

Kate Nash
„Made of Bricks“
6.12.2007
Kantine, Köln
Vorband: Get Cape. Wear Cape. Fly

(Die folgenden Video sind allerdings nicht von diesem Konzert, das zweite noch nicht mal ein offizielles, aber ein schön gemachtes und ein ganz, großartiger Song namens „Birds“)

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[Müssen

Eben war es endlich mal wieder soweit – ein Live-Konzert. Wir sind Helden.

Zum zweiten Mal nach dem Konzert im März 2004 -oh my gosh, ist es wirklich schon so lange her?- in der Düsseldorfer Phillipshalle hatte ich nun das Vergnügen eine der erfolgreichsten Bands Deutschland zu sehen und mich davon überzeugen, warum dem denn eigentlich so ist.

Wenn man es etwas vereinfacht auf einen Nenner bringen möchte, dann erklärt sich das „Warum?“ durch einen Namen: Judith Holofernes.

Man, was hat diese Frau ein Charisma! Und trotzdem schöne Zähne.

Es ist schon wirklich beeindruckend mit welcher lockeren Leichtigkeit sie da über die Bühne hüpft und kreiselt und -um mal eine Phrase zu vermeiden- mit ihrem Lächeln einfach so das ganze Publikum bezaubert.

Aber eigentlich ist dieser Grund natürlich viel zu kurz gegriffen, denn eigentlich ist es die Harmonie der ganzen Bandmitglieder, denen ihr Auftritt einfach Spaß zu machen scheint, so dass man ihnen ihre Begeisterung ohne wenn und aber abnimmt. Und das schöne ist, dass dies auf dem damaligen Konzert schon ganz genauso war.

Es ist einfach eine wahre Freude zu sehen, wie sich die 4 Helden in ihrer Haut pudelwohl fühlen, so dass der berühmt-berüchtigte Funke da wie selbstverständlich aufs Publikum überspringt – selbst wenn eine solche „Konsensband“ natürlich ein äußerst gemischtes Publikum mit sich bringt, so dass man hinter sich auch mal einen 4 Jährigen mit Ohropax im Ohr stehen hat (bzw. auf den Schultern seines Vaters sitzen hat).  Finde das aber auch irgendwie ganz nett und man muss ja auch nicht immer pogen – nur frage ich dann, weshalb man sich mit einem so kleinen Jungen nur drei Meter direkt vor die Boxen stellt…

Aber bevor ich abschweife, wieder zurück zum Konzert. Denn neben der bandinternen Chemie und den sich daraus ergebenden unterhaltsam bis intellektuell-witzigen Zwischenmoderationen -die man so sonst meist nur von den Ärzten kennt-, überzeugen die Helden auch musikalisch absolut. Auch wenn die Erinnerungen nicht mehr ganz so frisch sind, so würde ich doch schwören, dass die Helden sich musikalisch wirklich auch noch weiterentwickelt haben was das Live-Spiel angeht. Aber das kann auch täuschen.

Ein Gewinn ist definitiv die Unterstützung durch das Bläser-Trio „Die Piloten“ (leider keine Homepage auffindbar), die den Sound der Helden nicht nur wunderbar abrunden, sondern auch ihrerseits absolut die Bühne zu rocken verstehen. Und zudem von den Helden auch schön mit einbezogen werden.

Ich hätte an dieser Stelle nun auch noch gerne eine Setlist aufgeführt, doch leider ist mein Gedächtnis schon seit Jahren derart morsch, dass ich solche Dinge immer ganz schnell vergesse, wenn sie mir nicht jemand aufschreibt. Ich kann nur sagen, dass es eine wirklich gelungene Mischung aus allen ihrer bisherigen Alben war, angefangen von „Heldenzeit“, „Ist das so?“ und „Aurelie“ vom Debüt „Reklamation“ über „Gekommen um zu bleiben“, „Echolot“, „Nur ein Wort“ und „Von hier an blind“ vom gleichnamigen Nachfolger, bis natürlich hin zu den vielen Songs vom starken Neuling „Soundso„. Gespickt mit dem einen oder anderen Cover und zwei denkwürdigen Crowdsurfingeinlagen -beim zweiten Mal „surfte“ während „Nur ein Wort“ gar gleich die komplette Band, und was hatten sie einen Spaß dabei…- reichte dies für ein schön gemixtes Bühnenprogramm von knapp zwei Stunden, das mich prima unterhalten hat.

Der einzige Wermutstropfen des ganzen Abends -abgesehen von diversen emotionalen Wirrungen meinerseits, an denen die Schnulzensongs der Helden natürlich nicht ganz unschuldig waren- war lediglich die Vorband. Hier ging der Punktsieg definitiv an das erste Helden-Konzert, bei dem die damals noch herzlich unbekannten Franz Ferdinand die Einheizer geben durften. Dieses Mal „mussten“ wir leider mit einer 5er-Combo aus Frankreich vorlieb nehmen, die sich „one-two“ nennen [„One for the money, two for the show“… gähn…]. Leider konnte der Live-Auftritt von ihnen nicht mal im Ansatz mit dem mithalten, was die Songs auf ihrer mySpace-Seite teilweise versprachen. Es war musikalisch nicht wirklich ausgereift und Bühnenpräsenz ging den Jungs leider auch weitestgehend ab.  Nur ein, zwei Songs klangen wirklich brauchbar auf der Bühne. Schade eigentlich.

 PS: Und beim nächsten Mal nehm ich auch ne Kamera mit um das ganze mit ein paar Fotos untermalen zu können….

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