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Geht doch, liebe Besetzer.

Viel gibt es von meiner Seite über die Besetzung des Gebäudes auf der anderen Seite meiner Straße derzeit nicht zu berichten. Alles scheint sich soweit arrangiert zu haben und insgesamt ist die Straße auf jeden Fall etwas belebter geworden. Die äussere Gestaltung des Gebäudes ist sicherlich noch ausbaufähig (besonders was die eher unschöne Holzplattenverschanzung am Zaun angeht, auf den ich direkt von meinem Fenster blicke, aber gut, irgendwas gibt’s ja immer zu meckern).

Allerdings gibt es durchaus noch was zu berichten, denn seit rund zwei Wochen ist ein neues Videokommuniqué der Besetzer auf youtube veröffentlicht worden und erfreulicherweise wird das beherzigt, was ich (und andere) hier im Blog und vermutlich auch an anderen Stellen schon geäussert haben.

Warum man sich darüber lustig machen muss („böseböse vermummte Autonome“ und „Weichspülerversion“) ist mir nicht ganz klar, da die Besetzer sich ihrerseits im Klaren sein sollten, dass nicht jedem das mit dem Schutz vor der Polizei klar ist, sondern so etwas in erster Linie einmal bedrohlich/militant wirkt.

Aber gut, wichtig ist, dass das Video dieses Mal insgesamt wesentlich freundlicher und einladender aufgezogen wurde und die, auch hier im Blog schon vorgeschlagene, Videotour durch das Gebäude den Hauptbestandteil des Videos markiert.

Von daher: Sehr gelungenes Video. Danke, liebe Besetzer.

PS: Beim nächsten Mal arbeiten wir dann hoffentlich noch etwas am Stimmverzerrungssound, der etwas anstrengend ausgefallen ist und zudem etwas Konzentration erfordert, um alles zu verstehen. Alternativ, wie in den youtube-Kommentaren vorgeschlagen: Untertitel…

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Besetzt.

Oder: Warum meine Straße jetzt unter Polizeischutz steht.

Seit November 2006 wohne ich nun mittlerweile in meiner Hochparterrewohnung im Kölner Stadtviertel Kalk, einem „Veedel“, das nicht unbedingt den besten Ruf genießt (nicht zuletzt dank Tom Gerhardt). Aber wie das mit „Rufen“ oft so ist, entspricht dieser nicht immer so wirklich den Tatsachen und ich fühle mich hier sehr wohl.

Das hat natürlich auch mit der recht speziellen Lage meiner Wohnung zu tun, die in einer Seitenstraße der zentralen Einkaufsstraße des Viertels liegt und darüberhinaus auch eine Sackgasse ist. Dementsprechend ist man einerseits sehr nah an den diversen Einkaufsmöglichkeiten und auch der U-Bahn-Haltestelle, andererseits ist es aber auch sehr ruhig, da es eben keinerlei Durchgangsverkehr gibt. Hinzu kommt dann noch, dass die Wohnung nach hinten raus (wo sich auch mein Schlafzimmer befindet) an eine Art sehr großen und vor allem äußerst grünen „Innenhof“ (oder mag man es Atrium nennen? Dunno…) grenzt und es auch dort eben nicht nur schön grün sondern eben auch sehr ruhig ist.

Hinzu kommt dann noch eine nette Vermieterin, die direkt über mir wohnt, sowie nette bzw. angenehm unauffällige Nachbarn, eine 10 Minuten U-Bahn-Distanz zum Büro und natürlich, dass mein Brüderchen seit gut einem Jahr im selben Haus wohnt. Kurzum: Hier lässt es wirklich sehr gut wohnen und das einzige, was zu meinem wirklichen Wohnglück fehlt ist eigentlich nur ein Balkon. Aber man kann ja nicht alles haben.

Nicht gerade von Nachteil für die „Atmosphäre“ der Straße, ist es zudem, dass die andere Seite unseres Straßenabschnitts nicht mit Wohnhäusern bestückt ist, sondern mit einer Turnhalle, sowie einem größeren Gebäude, das bis September 2008 von einer freikirchlichen evangelischen Gemeinde genutzt wurde, seitdem aber -bis auf eine kurze Unterbrechung bedingt durch Filmaufnahmen- leersteht. Dementsprechend gibt es auch -fast- immer ausreichend Parkplätze für alle Anwohner – auch ein nicht zu verachtender Faktor…

Am Freitag nun kam ich gegen etwa 1.00 Uhr nachts mit meinem Mietwagen von einer einwöchigen Geschäftsreise  quer durch NRW (inkl. Kerkrade) zurück in meine Straße – und stellte plötzlich fest, dass die Fenster des Gebäudes auf der anderen Straßenseite erleuchtet waren. Und nicht nur das, es hingen auch diverse Banner und Plakate am Gebäude und zudem liefen diverse, teils vermummte, schwarzgewandete Menschen auf dem Dach herum – und an der Straßenecke parkte ein Streifenwagen. Alles Dinge, die so nicht wirklich ins übliche Straßenbild passten.

Bis auf einen „Pro Köln stoppen“-Banner, erkannte ich im Zwielicht der Straßenlaternenbeleuchtung auch erst einmal nicht so richtig viel, so dass ich schnell meine Klamotten aus dem Auto zusammenraffte und rein ging, um mich dort umgehend an den Rechner zu setzen und zu recherchieren, was überhaupt los sei. Und siehe da: Schon die zweite google Abfrage förderte ein aufschlussreiches Ergebnis zutage.

„Die Kampagne „pyranha – für ein Autonomes Zentrum (mit Tanzfläche)“ gibt bekannt: In Köln-Kalk wurde soeben ein Autonomes Zentrum gegründet. In der Wiersbergstr. 44 wird dafür seit dem frühen Freitag Abend ein (dem Zweck entsprechend großes) leer stehendes Gebäude genutzt (ugs. „besetzt“).
Erklärtes Ziel ist es, ein autonomes, also selbstverwaltetes, unabhängiges und unkommerzielles Zentrum für Kunst, Kultur und Politik in Köln zu etablieren.“

Quelle

Jetzt habe ich also tatsächlich und wortwörtlich direkt vor meiner Haustüre eine Hausbesetzung durch linke Politaktivisten aus dem Antifa-Umfeld – fühlt sich seltsam an. Ich bin, als politisch so ungefähr Mitte-Links-orientierter Mensch, dem ganzen erstmal durchaus positiv eingestellt und hätte da absolut nichts gegen, wenn sich hier direkt ein politisch-kulturelles Zentrum bilden würde, das die Gegend hier nochmal zusätzlich belegt. Ich mein, warum auch nicht?

Allerdings kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass dies von der Stadt einfach so mir nichts, dir nichts geduldet wird, dass hier einfach ein Gebäude besetzt wird. Die seit Freitagabend andauernde Polizeibeobachtung mit mindestens einem Streifenwagen spricht da ja schon eine deutliche Sprache und gestern Nachmittag/Abend hat es wohl an allen Zufahrts- und Zugangswegen zur Straße Ausweiskontrollen gegeben, da eine „Einweihungsfeier“ angekündigt war. Und auch gerade eben waren solche Kontrollen zumindest an einem Zugang auch schon wieder der Fall.

Die Frage für mich als unmittelbaren Anwohner ist natürlich inwiefern sich das ganze auf mich auswirkt und da hoffe ich halt, dass die neuen Nachbarn hier nicht für „Ärger“ sorgen – was im Wesentlichen halt das Thema „Vandalismus“ mit einbezieht. Aber bislang hat sich diesbezüglich hier noch nichts geregt und mit solchem Verhalten würde man sich bei der Etablierung eines solchen Autonomen Zentrums natürlich nur selbst ins Fleisch schneiden, eben weil die Polizei hier ein scharfes Auge drauf hat (deren Dienststelle übrigens lustigerweise keine 100 Meter entfernt in einer Querstraße liegt…). Dementsprechend habe ich diesbezüglich auch keine zuuu großen Befürchtungen. Und mit Lautstärke habe ich sowieso kein wirkliches Problem, da ich selbst gern laut bin und mein Schlafzimmer eben nach hinten raus ist, ebenso wie mein Wohnzimmer.

Der einzige Aspekt, der mir ein wenig Sorgen bereitet, ist, was es für Vorkommnisse geben wird, sollte es tatsächlich irgendwann mal zu einer gewaltsamen Räumung des Gebäudes durch die Polizei kommen. Die Brüder und Schwestern von der Antifa sind ja nun mal nicht gerade als allzu zimperliche Genossen bekannt…

Bis es soweit allerdings ist, wird sicherlich noch ein wenig Zeit vergehen, da die Mühlen der Bürokratie ja bekannterweise gemächlich mahlen. Solange bin ich auf jeden Fall sehr neugierig, wie sich das AZ präsentieren wird (ob man vielleicht auch mit der Nachbarschaft in Kontakt tritt) und welche Programmangebote dort tatsächlich gegeben werden. Heute stehen beispielsweise schon mal Workshops für Street-Art, Jonglage und Fotografie auf der Tagesordnung, sowie eine Arbeitslosenberatung und ein Vortrag über Häuserbesetzungen in den 70ern und 80ern. Mal sehen, ob ich demnächst auch mal reinschauen werde.

In der Zwischenzeit, und das ist ja das Schöne an diesem Ding namens Internetz, gibt es zumindest einen mehr oder weniger offiziellen Kommunikationskanal in Form eines Blogs, der unter unsersquat.blogsport.eu erreichbar ist und einen kleinen Einblick in aktuelle Entwicklungen und die Hintergründe der Hausbesetzung gibt.
Ein weiterer interessanter Anlaufpunkt ist der Blog des Zusammenschlusses pyranha, der sich für diese ganze Aktion verantwortlich zeichnet und schon seit langem Lobbyarbeit für die Einrichtung eines solchen Zentrums betreibt.

So oder so ist meine Straße momentan jedenfalls die wohl am besten bewachte Straße Kölns. Und das ist ja auch mal was.

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