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Beck’s, Drugs & Rock’n’Roll.

Es war einmal vor langer, langer Zeit.
Da war Musikfernsehen zwar nicht mehr ein Fernsehen für die Musik, aber es gab -im Gegensatz zu heute- auch noch tagsüber und abends im Programm dieser TV-Sender Inseln, auf denen Musik noch eine zentrale Rolle inne hatte, die über mehr als nur ihre Klingeltonkompatibilität als Kriterium hinausging.

In eben jene Zeit fiel unter anderem ein Sendung namens „Die Sarah Kuttner Show“ auf VIVA, genau eine dieser angesprochenen Inseln – die Älteren unter Ihnen mögen sich erinnern. Nun kann man zu Sarah Kuttner und ihrer Art durchaus stehen wie man will und man muss sie mit ihrer teils quäkigen Hektik nicht unbedingt mögen, aber sie gab damals zahlreichen unbekannten Künstlern die Möglichkeit ihre Musik einer (etwas) breiteren deutschen Öffentlichkeit zu präsentieren.

Zu den bevorzugt von ihr gefeatureten Künstlern zählte dabei neben einem jungen Mann namens Moneybrother ein weiterer junger Mann, der Adam Green hieß und mit eher skurrilen Texten von sich reden machte.

Als ich nun letzten Monat die Einladung bekam, anlässlich meines Geburtstags ein Konzert von diesem Adam Green im Kölner Gloria zu besuchen, musste ich daher nicht lange überlegen (zumal die Alternativvorschläge aus Attraktivitäts- oder Zeitgründen ausschieden). Schließlich hatte sich Green damals neben seinen unterhaltsamen Songs vor allem auch dadurch einen Ruf erworben, dass er bei öffentlichen Auftritten, sei es Konzert oder TV-Interview, sehr gerne einmal unter dem Einfluss bewusstseinserweiternder Mittel steht. Und das sollte man natürlich mal miterlebt haben. Rock’n’Roll und so…

Und meine Erwartungen wurden erfreulicherweise nicht enttäuscht. Denn natürlich kam Adam Green zu Beginn des Konzerts direkt mal mit einer Flasche Bier in der Hand auf die Bühne, die an diesem Abend nicht seine erste gewesen sein dürfte – und, wie wir selbst sehen konnten, auch nicht seine letzte war. Dementsprechend turnte er fröhlich auf der Bühne rum, während des Konzert und erschien dabei phasenweise extrem unkoordiniert – ohne dabei aber jemals in den Verdacht zu kommen, dass ihm sein Auftritt in irgendeiner Weise aus den Händen gleiten würde.

Gut, zumindest mein Begleiter, der mir dankenswerter Weise den Konzertbesuch geschenkt hat, warf mir nach den ersten Minuten schon einen leicht irritierten Blick zu und äußerte die Befürchtung, dass das Konzert womöglich nicht mehr allzu lange dauern dürfte. Er wusste über den regelmäßigen Rauschmittelgebrauch Greens vorab leider nicht Bescheid…

Aber Green brachte es eben dennoch absolut gut über die Bühne, so dass das Konzert insgesamt rund 90 Minuten dauerte, was ja mehr oder weniger Standard ist für Künstler dieser Preiskategorie. Wenngleich man bei fünf bisher veröffentlichten Alben vielleicht etwas mehr hätte erwarten können – zumal es nicht mal eine Zugabe gab, sondern das Konzert beendet wurde, indem sich Green eine junge Dame aus dem Publikum zog und das verdutzte Ding einfach mit in den Backstagebereich zerrte – und danach nicht mehr gesehen ward. [Was vermutlich gar nicht so schlimm war für die Dame -eher wohl für ihren Freund-, so wie auch ohnehin ein Großteil des Publikums aus Mädels und Frauen verschiedener Altersstufen bestand, die alle eins gemeinsa hatten: Sie waren rollig auf den Künstler.]

Neben der Optik hatte Green aber auch durchaus musikalisch einiges zu bieten. Manchmal leidete die Qualität, gerade bei den schnellen Nummern, doch ein klein wenig unter der clownesken Rumhampelei Greens auf der Bühne, aber schlecht war das dennoch nicht. Insgesamt hätte ich mir allerdings gewünscht, wenn Green ein paar mehr ruhige Songs eingebaut hätte, denn in diesen Momenten war er wirklich richtig, richtig gut. Nämlich dann, wenn die Band die Bühne verließ, er sich eine Gitarre schnappte, auf einen Barhocker setzte und einfach, ohne große Spirenzchen mit seiner markanten Stimme ein Lied vortrug. Das war groß, sehr groß. Aber eben insgesamt auch leider, für meinen Geschmack, zu selten.

So wäre unter dem Strich am Ende des Abends vermutlich ein Fazit herausgekommen, dass sich wohl irgendwo so bei „recht zufrieden“ bewegt hätte, da er auch viele seiner alten „Hits“ spielte, wie beispielsweise Jessica, Emily oder No legs und Nat King Cole, die sich aber natürlich abwechselten mit Songs des neuen Albums „Minor Love“.

Wenn, ja, wenn nicht die Vorband gewesen wäre. Denn die 3 Jungs von Jukebox the Ghost aus Washington haben mich schwer begeistert. Relativ klassische Zusammenstellung mit Gitarre, Keyboard und Drums, wobei sich sowohl Gitarrist als auch Keyboarder den Leadgesang untereinander aufteilen, je nach Song übernimmt das jemand anders.

Rein stilistisch haben sie mich beispielsweise etwas an „They Might Be Giants“ erinnert, da sie ähnlich abwechslungsreich sind und dabei ebenfalls sehr viel Spaß auf der Bühne verbreiten – wenngleich sicherlich auch einen Tick weniger albern als die Altmeister von TMBG. Aber auch sehr starke Parallelen zu Ben Folds, mit dem die Jungs schon auf Tour waren sind nicht von der Hand zu weisen, gerade was die unpeinlich leichtfüßigen Poppigkeit der Songs angeht.
Besonders live können sie wirklich begeistern, mit einer extremen Energie und Begeisterung, die wirklich deutlich macht, dass die Jungs mit Spaß bei der Sache sind – was das Publikum auch entsprechend honorierte mit verhältnismäßig großer Begeisterung seinerseits.

Hat mir auf jeden Fall derart viel Vergnügen bereitet, dass ich mir noch in der Umbaupause zwischen beiden Bands am Merchandising-Stand das Album „Let live & let ghosts“ (stammt aus dem Jahr 2008) zugelegt habe, bevor die paar vorhandenen Exemplare komplett weg waren.

Jukebox the Ghost – bitte merken, den Namen.

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Ein Spinatkonzert.

„Man mag es zwar nicht, aber es tut einem zumindest gut.“

So lautete die Selbstbeschreibung des Musikers Bernd Begemann im Laufe seines gestrigen Auftritts in Köln über selbiges Konzert – und kokettierte damit doch sehr heftig. Denn wenn man dem Enthusiasmus des gut gefüllten Publikums in der Kulturkirche in Köln-Nippes Glauben schenken durfte, dann wurde der Auftritt des Entertainers Begemann und seiner Band „Die Befreiung“ sehr gemocht. Gut tat es natürlich auch – denn Lachen ist schließlich sehr gesund.

Bernd Begemann (2.v.l.) & Die Befreiung

Die meisten der Leser hier werden jetzt aller Voraussicht nach sagen: Bernd Wer? Denn obwohl Begemann seit mittlerweile mehr als 20 Jahren aktiv im Musikbusiness unterwegs ist und für eine gewisse Musikrichtung durchaus mitprägend war, so ist er selbst doch immer eher ein kleiner Held weit abseits des Mainstreams gewesen. In den 80er Jahren war er Mitbegründer des Labels „Fast Weltweit“, das stilprägend für die Hamburger Schule war und aus deren Umfeld Bands wie Blumfeld oder Die Sterne entstanden sind.

Begemanns Band aus der damaligen Zeit, „Die Antwort“, löste sich dann in den 90ern irgendwann auf und seitdem ist er vorwiegend als Solokünstler unterwegs, bzw. seit seiner Zeit beim Hamburger Label „Grand Hotel van Cleef“ auch teilweise mit Unterstützung der Band „Die Befreiung“, die insgesamt aus drei Mitgliedern (Keyboard, Bass/Gitarre, Schlagzeug) besteht.

Aber gut, wer will, der kann das alles natürlich auch bei Wikipedia nachlesen…

Das Konzert am gestrigen Abend jedenfalls war schon unser zweiter Versuch*, ein Begemann-Konzert zu besuchen, was im ersten Anlauf vor ca. 5 Jahren allerdings daran scheiterte, dass wir uns dachten, er sei so unbekannt, dass es schon klappen würde, ohne Ticket zur Location zu gehen. Leider Pustekuchen, denn der Veranstaltungsort war mit einer Kapazität von 200 Zuschauern nicht gerade riesig und eine durchaus respektable Fangemeinde hat er sich dann eben doch über die Jahre erspielt. Nicht umsonst hatte sich sein Ruf, ein genialer Live-Musiker zu sein, ja auch bis zu uns herumgesprochen.

Gestern aber waren wir vorbereitet und stapften mit vorher erstandenen Tickets pünktlich zum auf der Karte angegebenen Einlassbeginn um 18.30h durch den Schnee im frostigen Nippes zum Veranstaltungsort – nur um dann festzustellen, dass die Pforte noch verschlossen war, sonst nur ein Mädel herumstand und die Band gerade beim Soundcheck war. Im Angesicht der -15°C drehten wir also um und gingen zur nächsten Eckkneipe auf einen Kaffee und ein Kölsch, sowie die erste Halbzeit von Stuttgart gegen Hoffenheim.

Nach dem mich überaus glücklich machenden Ausgleichstor durch Maicosuel in der 44. Minute, ging es wieder zurück zum Veranstaltungsort und es war glücklicherweise noch nicht übermäßig gefüllt, so dass sich ein Platz in der ersten Reihe ergab – direkt über einem Heizungsausgang. Ein Aspekt, der von einem kaum zu überschätzemdem Wert ist, angesichts der sibyrischen Aussentemperaturen und einem Konzert, dass in einer neogotischen Kirche stattfand.

In der Tat ist die Kulturkirche nicht einfach nur ein bloßer Name und erfreulicherweise handelt es sich bei der Kirche tatsächlich um einen klassischen Bau und nicht um einen dieser modernen trendy Neubauten, sondern eben ein 120 Jahre altes neogotisches Gebäude, das einen mehr als passenden stimmungsvollen Rahmen für den getragenen, sehnsuchtsvollen Sound zahlreicher Songs wie beispielsweise „Bleib zuhause im Sommer“. Aber auch die schnelleren, swingenden und rockenden Songs kamen adäquat kraftvoll in den hohen Gemäuern rüber und brachten uns im Publikum auf den Kirchenbänken anständig zum Wippen.

Doch aus noch einem weiteren Grund war die Kirche ein durchaus passender Rahmen, denn Bernd Begemann habe ich im ersten Absatz nicht umsonst einen „Entertainer“ genannt, schließlich ist es neben der guten Musik und den intelligenten Texten vor allem die extreme Bühnenpräsenz der Rampensau Begemann, die einen Konzertbesuch so lohnenswert machen. Und wenn er dann zwischen oder auch während der Songs beinahe anfängt über irgendwelche Themen zu sinnieren oder zu „predigen“, dann  passt das eben sehr gut an einen solchen Ort.

Die derzeitige Tour steht zwar ganz im Zeichen des neuen Albums „Ich erkläre diese Krise für beendet“ (sowas wie der inoffizielle Nachfolger seines 93er-Albums „Rezession, Baby“…), doch die Setlist des Abends umfasste nur einen Teil dieser neuen Stücke. So wie beispielsweise die gutgelaunte Single „Die neuen Mädchen sind da“, das verträumte „Sie gehört den Sternen“, das treibende „Sie redet Revolution“ und vor allem natürlich das ganz wunderbare „Du bist mein Niveau“. Und ja, man kann einen gewissen Themenschwerpunkt durchaus erkennen, wenn man sich diese Titel so anschaut. Aber gut, alleine mit diesem Thema kann man ja auch Berliner Olympiastadien füllen und MediaMarkt-Werbeverträge bekommen. (Es sei an dieser Stelle aber auch einfach noch mal Begemann aus seiner Anmoderation für „Du bist mein Niveau“ zitiert: „Mario Barth hat unrecht.“ Punkt.)

Abgesehen von diesen ca. Dreiviertel des neuen Album (das sehr schöne, aber dennoch leicht alberne „Wir Drei“ sollte noch erwähnt werden), die so etwas wie das Gerüst des gestrigen Abend bildeten, gab es allerdings allem Anschein nach keine wirkliche Setlist im klassischen Sinne. Begemann kam zwar zu Beginn des Konzerts mit einem Zettel auf die Bühne den er vor sich legte – dieser war allerdings ca. Größe DIN A1 und komplett in relativ kleiner Schriftgröße bekritzelt und listete mit Sicherheit weder alle Songtexte des Abends (zu wenig Platz) noch alle gespielten Songs (zu wenig Text) auf. Meine Vermutung ist eher, dass es sich dabei um eine Auswahl von ca. 100 (?) Songtiteln  handelt, so mehr oder weniger als Gedankenstütze, schätze ich. Bestätigt wird das zumindest, dass sehr viele Songs an diesem Abend so wirkten, als ob sich Begemann spontan dazu entschied, diesen oder jenen jetzt zu spielen und darüber dann die Band informierte – die an diesem Abend übrigens Keyboarderlos war (was eine prima Rahmenstory für „Unsere Band ist am Ende ergab).
Also, natürlich auch abseits der Songs, die er Zuschauerzuruf spielte, was so ca. 5-6 mal im Laufe des rund dreistündigen Konzerts der Fall war und zu einigen schönen Situationen der Interaktion zwischen Künstler und Publikum führte.

Um es zum Ende hin kurz zu machen: Es war ein wirklich exzellentes Konzert, dass mir extrem großen Spaß bereitet habe und ich kann nur jedem ans Herz legen, der etwas für deutschsprachigen Indie-Pop-Rock und die Hamburger Schule übrig hat, ein Konzert von Bernd Begemann zu besuchen. Es wird unter Garantie ein äußerst vergnüglicher Abend!

Zum Abschluss gibt es daher noch ein Video der aktuellen Singe „Die neuen Mädchen sind da“ versehen mit dem Hinweis, dass ich selbst Begemann aus dem Studio lediglich das Prädikat „gut“ verleihen würde, live aber eben ein „absolut großartig“.

PS: Neben dem ersten Konzertbesuch gab es übrigens noch ein weiteres erstes Mal an diesem Abend. Denn zum ersten Mal habe ich einem professionellen Musiker ins Gesicht gesagt, dass ich seine Musik mal illegal runtergeladen habe. Kann ich ebenfalls nur empfehlen, mal zu machen, gibt lustige Reaktionen (Finger in die Ohren und „lalalala“ rufende Musiker zum Beispiel).

PPS: Bernd Begemann hat übrigens auch einen Podcast, in dem er gemeinsam mit einem Bandkollegen und einem Filmemacher Filme bespricht.

*) Der Vollständigkeit halber sei zumindest noch kurz erwähnt, dass ich Begemann zumindest schon mal live vorher gesehen habe. Denn er hatte vor einigen Jahren mal einen Kurzauftritt im Rahmen der wunderbaren „Sarah Kuttner Show“ zu der Zeit als auf deutschen Musiksendern auch tagsüber noch Musik eine Rolle ausserhalb von Klingeltonreklamen fand und bei dieser Show saß ich im Publikum. Toller Auftritt aber natürlich viel zu kurz, um ihn wirklich beurteilen zu können. Immerhin hat er sich noch ein kurzes Wortgefecht mit Ferris MC geliefert, der sich damals aber auch dermaßen asozial benommen hatte, dass sogar ich ihn im Laufe der Sendung ausbuhen musste (was mich dann zumindest mal für einen kurzen Moment ins Bild brachte, nachdem mich die Kameramänner zuvor konsequent zugunsten der hübschen Mädels in den anderen Sofas und Sesseln ignorierten – ha, ihr seid so berechenbar, ihr Aufmerksamkeitshuren!)

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Die kleine Kneipe.

Was macht die hirngabel eigentlich privat so? Diese Frage haben Sie sicher schon häufig gefragt. Und falls nicht, macht das auch nichts, denn es wird heute ohnehin nicht so wirklich beantwortet.

Einen kleinen Einblick gibt es allerdings schon. Denn das Thema dieses Eintrags ist, wie der Titel schon vermuten lassen könnte, eine schnuckelige kleine Kneipe in meiner Heimatstadt, die eine durchaus zentrale Rolle in meiner Freizeitgestaltung einnimmt, wenngleich heute auch nur noch, wenn ich am Wochenende mal wieder bei meinen Eltern bin. Früher (sprich vor allem zu Zeiten der Oberstufe und in der Zeit zwischen Abitur und Studienbeginn) war diese Kneipe so etwas wie der ultimative Anlaufpunkt für mich, wenn ich nichts zu tun hatte. Okay, gut, das ist auch heute noch so. Damals aber, zu Hochzeiten, als auch der Rest meiner Freunde vor allem viel Zeit hatte, musste man sich nicht mal groß verabreden, sondern konnte einfach dorthin fahren/gehen, sich einen Kaffee bestellen und früher oder später würde schon jemand dort auftauchen. Hochgerechnet dürften wir in den vergangenen zehn Jahren in dieser kleinen Kneipe schon Monate unseres Lebens alleine mit Skat-, Backgammon und vor allem aber Doppelkopfspielen verschwendetbracht haben.

Das klingt zwar immer etwas sehr bieder und vor allem verdammt unsexy, aber so ist es halt gewesen und aus dieser verhältnismäßig heterogenen Gruppe ist ein Freundeskreis entstanden, den ich nach wie vor sehr schätze und auf den ich mich in den allermeisten Fällen verlassen kann. (Ja, es ist Weihnachten, da darf man auch mal ein klein wenig sentimental werden. Gefühle finden hier auf diesem Blog -ausser Verachtung und Hass- ohnehin selten genug Berücksichtigung)

Einmal im Jahr steht zudem mit großen Teilen dieser Gruppe ein hochwertiger Kultururlaub auf dem Plan, wo wir uns in das Land von Rembrandt, Vermeer, van Gogh und Erasmus begeben. Die wertvollen Erlebnisse dieser Reisen waren sogar schon Bestand eines Berichts in der Frühphase dieses Blogs.

Worum es mir heute aber eigentlich wirklich geht, ist die Tatsache, dass dieser kleinen Kneipe am Mittwoch durch den WDR im Rahmen seiner Adventskalenderserie in der Aktuellen Stunde ein kleines Denkmal gesetzt wurde. Und da das Fernsehen unsere Heimatstadt hauptsächlich nur bei Unfällen beachtet und man sonst ja doch eher nicht vorkommt, dachte ich mir das wäre mal ein durchaus angebrachter Anlass, um dieses Video hier im Blog zu verewigen.

Wen es also interessiert, wo hirngabel große Teile seiner Freizeit verbracht hat und manchmal noch verbringt, der klicke auf das untenstehende Bild oder folge diesem Link. Auch für diejenigen, die es nicht interessiert, es ist zumindest ein witzig gemachtes Video.

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Oral-Musik.

In meinem erweiterten Freundeskreis gibt es, schwer vereinfacht gesagt, zwei Gruppen an Musikvorlieben: Die Einen sind große Freunde von den Böhsen Onkelz, die anderen schwere Verehrer einer Kölner Combo namens Wise Guys. Überschneidungen gibt es nur sehr selten (also Leute, die für beide empfänglich sind) und bei unserem alljährlichen Trip nach Renesse wurden beide Bands schon mal gerne genutzt, um sich gegenseitig ein wenig auf den Senkel zu gehen. Und auch wenn beide Musikgruppen wohl unterschiedlicher kaum sein könnten, so haben sie dennoch eine wirklich große Gemeinsamkeit: Während sie in den Albumcharts regelmäßig große Erfolge feiern und ausverkaufte Hallen bei den Konzerten Standard sind, werden sie doch vom Radio, Musik-TV (so es denn mal existiert) und sonstigen Mainstream-Medien gerne mal weitestgehend ignoriert.

Dass ich selbst kein allzu großer Freund der Böhsen Onkelz bin, könnte sich der regelmäßige Leser vielleicht schon gedacht haben. Falls nicht, dann noch mal hier: Ich finde die Musik der Onkelz furchtbar. Selbst wenn man die diversen Gerüchte über eine gewisse „Rechtslastigkeit“ im „mind set“ der Musiker ausblendet, so bleibt am Ende doch immer noch eine Gruppe, die musikalisch sicherlich was drauf hat, aber einen unerträglichen Front“sänger“ mit einer grausligen Stimme ihr eigen nennt und zudem in der Mehrheit auch noch selten dämliche Texte vertonen, die vor allem auf ein „Uns findet jeder scheisse, aber das juckt uns doch nicht“ hinauslaufen.

Nein, bei uns im Freundeskreis zähle ich definitiv zu den Anhängern der Wise Guys und um die soll es in diesem Eintrag auch eigentlich gehen, schließlich stand gestern zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder ein Konzertbesuch bei diesem wirklich exzellenten Acapella-Quintetts aus Köln an. Wobei, Acapella machen sie nun nicht mehr, sondern Vokal-Pop (was immer noch dasselbe ist, nur ein zeitgemäßerer Name). Und aus Köln stammen sie offiziell nun leider auch nicht mehr so richtig, sondern aus Hürth bei Brühl in der Nähe von Köln.

Die Wise Guys sind: Eddi, Ferenc, Nils, Dän und Sari

Und noch eine weitere Änderung gab es in diesem Jahr: Denn nach 14 Jahren in unveränderter Besetzung entschied sich Clemens dazu, sich von nun an einem „richtigen“ Beruf zu widmen, so dass seit letztem Januar mit Tenor Nils Olfert frisches Blut den Sound der Wise Guys aufpeppt.

Doch trotz dieser verhältnismäßig vielen, mehr oder weniger gravierenden Veränderungen, war das gestrige Konzert in der Kölner Philharmonie doch im Grunde dasselbe, was ich aus vier Konzerten und von fünf Alben (die Wise Guys führen damit die Rangliste der Bands mit den von mir selbst gekauften Alben deutlich an vor -believe it or not- Wyclef Jean) kannte:

Exzellente Acapella-Musik, tolle Texte, überaus witzige und spitzfindige Zwischenmoderationen, ausgefeilte und nicht immer ganz ernst gemeinte Choreographien – kurzum: Rund zweieinhalb Stunden beste Unterhaltung!

Klar, Acapella-Musik (oder eben Vokal-Pop) ist für viele Menschen vermutlich erst einmal etwas befremdlich, da man mit dieser Stilrichtung doch sehr, sehr selten konfrontiert wird.
Ich würde sogar behaupten wollen, dass die letzten größeren Single-Charterfolge in Deutschland für reine Acapella-Musik schon locker 20 Jahre her sein dürften (Housemartins mit Caravan of Love und Flying Pickets mit Only You – oder fallen einem noch jüngere Beispiele ein?).

Nichtsdestotrotz haben sich die fünf Wise Guys in den vergangenen 14 Jahren eine zunehmend größere Fanbasis erspielt und sind mit den letzten drei Alben jeweils in den Top 10 der deutschen Albencharts eingestiegen, mit dem letzten Album „Frei!“ in 2008 sogar auf Platz 2. Zudem halten sie den Besucherrekord für Konzerte mit Eintritt einer einzelnen Vokalmusikgruppe (14.000 Besucher im Kölner Tanzbrunnen vergangenes Jahr – ein wirklich zu empfehendes alljährliches Event, dem ich schon zweimal beigewohnt habe!).

Auch gestern besuchten das „Heimspiel“ der Wise Guys wieder beinahe 2000 Menschen, die allem Anschein nach doch alle sehr begeistert waren – zumindest wurde, wie beinahe üblich trotz Bestuhlung bei einigen Songs wieder aufgestanden und mitgetanzt. Mitklatschen und Mitsingen ist sowieso Standard bei den Konzerten des Quintetts.

Im Vordergrund standen bei der Setlist an diesem Abend natürlich viele (teilweise noch potentielle) Songs für das kommende Album „Klassenfahrt“, das Ende Januar erscheinen wird, so dass für mich selbst einige Titel doch neu waren. Ein Favorit war mit Sicherheit „Schlechtes Karma“, der es hoffentlich auf jeden Fall auf das Album schaffen wird – wenngleich er zu einem nicht unbedeutenden Teil von der hervorragenden Choreo lebte. Aber auch „Moin“, „Im Flugzeug“ und „Der Mann, der alles zweimal machte“, sowie einige Balladen wie „Mit besten Grüßen“ wussten auf Anhieb (oder äh auf den zweiten Blick) absolut zu gefallen und steigern die Vorfreude auf die nächste Langspielplatte.
Ein weiterer Schwerpunkt war natürlich das aktuelle Album „Frei“ mit den Songs „Am Anfang“, „Es ist nicht immer leicht“, „Alles in die Luft“, „Sonnenschein“, „Seemann“ und natürlich den beiden aufwändig choreographierten „Quäl Dich Fit“ und der äh Michael Jackson-Hommage „Schiller“.
Dazu kam eine tolle Version von Robbie Williams „Angels“ und einige Quasi-Klassiker von älteren Alben wie „Radio“, „Hier und Jetzt“, „Wo der Pfeffer wächst“ oder auch die nahezu uralten, aber nach wie vor hervorragenden „Mädchen, lach doch mal“ und „Jetzt ist Sommer“.

Wie oben schon erwähnt, sind die Auftritte der Wise Guys, aber eben nicht nur das reine Runterspulen einer Setlist, sondern sie leben vor allem -neben den meist augenzwinkernden Choreographien- vor allem von den überaus unterhaltsamen Zwischenmoderationen, die meist von Dän Dickkopf oder Eddi Hüneke gehalten werden und gerne mal ein wenig kabarettistisch angehaucht sind und ab und an auch gerne das Publikum einbeziehen (wie in der obligatorischen Publikumsbefragung) und so eine sehr intime Atmosphäre bei ihren Konzerten kreieren. Was wohl auch eines der „Geheimnisse“ für ihren langanhaltenden und eigentlich im größer werdenden Erfolg ist.

Ihr merkt sicherlich meine Begeisterung für die Wise Guys und ich kann es nur wirklich jedem absolut ans Herz legen, mal ein Konzert des Quintetts besuchen. In den nächsten Wochen werden sie unter anderem in Hamburg, Siegen, Bayreuth, Kempten, Augsburg und Wien auftreten – also einfach mal auf die Webseite schauen und sich einen Ruck geben! Ich habe bisher noch niemanden erlebt, der einen Besuch bereut hätte (und ich habe schon einige „First timer“ mit dabei gehabt – auch heute wieder).

Um sich einen Eindruck zu verschaffen empfehle ich auf jeden Fall einen intensiveren Besuch auf der Homepage der fünf Jungs, wo sich u.a. alle Videos befinden – die ich aber leider hier nicht einbinden kann. Besonders empfehlenswert sind:
Sonnencremeküsse – einer meiner absoluten Lieblinge
Es ist nicht immer leicht – die letzte „Single“
Ohrwurm – ein absoluter äh Ohrwurm (dafür verbürge ich mich)

Der absolute Klassiker „Jetzt ist Sommer“ (von 2001) ist immerhin auch auf youtube zu finden und wird daher hier selbstverständlich eingebunden:

Um einen Einblick zu erhalten, wie denn so ein Live-Auftritt von den Wise Guys ausschaut, empfehle ich folgende Aufzeichnung eines Konzerts bei 3sat. Der Song ist eine… naja… Ballade namens „Nur für Dich“ – sicherlich einer der besten Texte, den sie je geschrieben haben.

Auch zum Abschluss einfach nur noch mal der Hinweis: Traut Euch, wagt Euch an Acapella-Musik heran – vor allem eben an die wunderbaren Wiseguys!

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Vertrauen.

Meine lieben Leser!

Mein Musikgeschmack dürfte den meisten meiner Stammleserschaft (insoweit es so etwas hier gibt) ja durchaus bekannt sein. Sollte Euch dieser Geschmack zusagen und ihr zufälligerweise aus München, Heidelberg, Wiesbaden oder Stuttgart (bzw. der Umgebung dieser Städte) kommen, dann tut mir -nein, tut Euch- einen Gefallen und seid mal spontan:

Besucht ein Konzert von Dear Reader!

Es fehlt mir leider an Zeit, um mich nun noch ausführlich darin zu ergehen, wie grandios, herausragend und überaus exzellent das gerade gesehene Konzert war (wird dann in einer Woche nachgeholt). Deswegen müsst ihr mir jetzt einfach mal Glauben, wenn ich sage, dass das eines der verdammt besten Konzerte war, die ich je gesehen habe.

Wer sich eine ungefähre Idee holen will, der schaut nochmal in meinen Bericht von vor ca. zwei Monaten, als ich sie das erste Mal sah – aber das heute abend war noch mal zwei Ligen drüber! Was zwei Monate Konzerterfahrung und eine bessere Location mit aufmerksamerem Publikum bewirken können, ließ mich heute einfach sprachlos und total begeistert zurück. Und nicht nur mich. Denn die Kommentare, die ich im Anschluss so im Vorbeigehen mitbekommen habe, waren einhellig absolut positiv.

Zudem habe ich selten einen solchen Andrang an einem Merchandisingstand nach einem Konzert gesehen (speziell wenn man ihn ins Verhältnis zur Zuschauerzahl setzt).

Diese Band wird steil gehen, da bin ich mir sehr sicher. Und wenn ihr Euch dieses Konzerterlebnis in einem noch kleinen Rahmen für einen Kartenpreis von unter 15€ nicht entgehen lassen wollt, dann solltet ihr mal kurzentschlossen sein und eines der noch ausstehenden vier Deutschland-Konzerte in den nächsten Tagen besuchen:

19. Apr. 2009 20:00
Ampere München
20. Apr. 2009 20:00
Karlstorbahnhof Heidelberg
21. Apr. 2009 20:00
Räucherkammer Wiesbaden
22. Apr. 2009 20:00
Schocken Stuttgart

Hier noch das brandneue Video dieser wunderbaren Indie-Pop-Gruppe zur Single „Dearheart“:

Und wer noch ein wenig Hilfe bei der Entscheidungsfindung brauchen sollte, der nehme sich bitte die Hörproben auf der Myspace-Seite vor:

http://www.myspace.com/dearreadermusic

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Schottenrock.

Zugegeben, wenn man sich das mal oberflächlich betrachtet, wessen Konzerte ich so in den letzten Monaten besucht habe (zumindest einen Teil dieser Konzerte), dann kann der eine oder andere sicherlich schnell der Vermutung erlegen, dass der Entscheidungsprozess bei mir auf einem bestimmten optischen Grundmuster basierte – aber das ist natürlich völliger Schwachsinn…

Aber gut, was will man machen, wenn es derzeit einfach so viele gutaussehende Damen Anfang Zwanzig gibt, die exzellente handgemachte Musik fabrizieren?

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Jugendkultur.

ego-shooter

Was man halt so zum Geburtstag von seinen Freunden geschenkt bekommt…

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Streicherlebnis.

Für gewöhnlich verwende ich meine eher raren Konzertbesuche ja auf zwar vielleicht nicht immer richtig bekannte, aber doch zumindest mir nicht gänzlich unbekannte Bands und Künstler auf. Denn auch wenn ich musikalisch (zumindest innerhalb bestimmter Parameter) relativ offen bin, so ist es mir doch schon wichtig ein wenig einschätzen zu können, ob es sich lohnt Geld und Zeit in einen Konzertbesuch zu investieren.

Als mich nun aber der -nicht wirklich bloggende- Kollege Unionjackstar fragte, ob ich Lust auf ein Konzert im Kölner Museum Ludwig hätte, siegte dann doch meine Neugier. Denn obwohl ich beide Bands, die im Rahmen der Konzertreihe „Intro Intim“ dort auftreten sollten, nicht wirklich kannte, gab es zwei Aspekte die spannend klangen.
Zum einen natürlich die Location -wann kann man schon mal ein Konzert in einem Museum erleben?- und zum anderen die Tatsache, dass der Quasi-Headliner des Abends eine Accoustic-Session mit Unterstützung eines Streicherquartetts darbieten sollte. Das versprach ein interessanter Abend zu werden – und ein wenig Kultur konnte ich ja schließlich auch mal wieder vertragen, denn das einzige Museum, das ich privat im letzten Jahrzehnt von innen gesehen habe, dürfte das Kölner Schokoladenmuseum gewesen sein…

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Die Resterampe 2008

Da der nächste Blogeintrag vermutlich noch ein wenig brauchen wird, aufgrund intensiver Vorbereitungsarbeiten, sich zudem im Laufe der letzten zwei Wochen noch ein paar vom Prinzip her bloggenswerte Dinge angesammelt haben und ich ausserdem weder ein Fazit zum abgelaufenen Jahr gezogen habe, noch eine Prognose für 2009 gegeben habe, gibt es jetzt mal einen kleinen Gemischtwareneintrag. Im Grunde einfach nur so ein paar Dinge, die keine große Relevanz haben, aber irgendwie doch mal kurz „raus“ müssen.

Wer also wichtige Themen erwartet, der kann sich hier direkt verabschieden (aber der ist hier im Blog ohnehin weitestgehend an der falschen Adresse).

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Fucking Crazy.

Es ist irgendwie seltsam. Es scheint beinahe so zu sein, dass meine Konzertbesuche immer nur „gehäuft“ auftreten, sprich, wenn ich einmal auf einem Konzert bin, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass ich nur kurze Zeit später oder früher auch ein anderes Konzert besucht habe (bzw. besuchen werde) – während hingegen manchmal mehrere Monate ohne einen einzigen Konzertbesuch vergehen… Keine Ahnung, was das nun über mich aussagen soll. (Fundierte Interpretationen bitte unten in den Kommentaren) 
Für dieses Blog bedeutet es jedenfalls, dass nun schon wieder eine Konzertkritik ansteht.

The Subways

Denn nach dem Besuch bei den doch sehr ruhigen I am Kloot vor rund zwei Wochen, war am vergangenen Donnerstag absolutes Kontrastprogramm angesagt: The Subways in der Kölner Live Music Hall.
Nun gehören die Subways nicht gerade zu den wirklich bevorzugten Bands, und ich kannte im Grunde nur die erste Erfolgssingle Rock & Roll Queen wirklich, aber manchmal macht man ja Konzertbesuche auch nur aus sozialen Gründen. =) Zudem war das bisschen was ich darüber hinaus von dem britischen Trio kannte nicht wirklich schlecht, und 18,70€ war durchaus ein fairer Kurs für ein Konzert dieser Größenordnung.

Im Laufe des Donnerstags trudelten denn also nach und nach meine Begleiter aus ganz Deutschland (oder so ähnlich) ein und es ergab sich tatsächlich, dass wir ziemlich weit vorne in der Schlange standen und dadurch einen Platz ganz vorne am „Wellenbrecher“ vor der Bühne fanden. Es befiel mich eine gewisse Skepsis (die sich prinzipiell als durchaus berechtigt herausstellen sollte), doch immerhin waren die Plätze sehr weit aussen, so dass man gegebenenfalls problemlos und ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen den Rückzug in hintere Gefilde durchziehen konnte.

Die Wartezeit auf den Konzertbeginn war dann im Wesentlich von einem umfassenden Briefing durch drei unserer Begleiter geplant – die waren nämlich am Vortabend schon beim Subways-Konzert in Frankfurt gewesen. Und am Abend davor beim deutschen Tourauftakt in Saarbrücken.

Freaks.

Jedenfalls wurde dort schon mal meine erste Hoffnung zerstört. Nämlich die Hoffnung darauf, einige der ruhigen Songs im Laufe des Konzerts zu hören. Die gefielen mir als zertifiziertem Weichei vom Dienst nämlich beim ausgiebigeren Vorbereitungshören des aktuellen Albums im Laufe der letzten Woche meist ausnahmlos sehr gut, doch leider sollte nur mit Strawberry Blonde zu rechnen sein – ein Song, der auch nur zum Teil als ruhig zu bezeichnen ist. Zudem wurden wir darauf geeicht, wie wir die Vorbands denn zu finden hätten. Die erste sei eine richtig, richtig, richtig gute Band aus den USA. Ganz jung, aber wirklich klasse. Die andere Vorband dagegen große Scheisse und furchtbar und überhaupt nicht mal im Ansatz erträglich.

Aber man soll sich ja seinen eigenen Eindruck bilden und das tat ich dann auch. Festzuhalten ist, dass ich zwei sehr junge Bands als Vorband gesehen habe, bei denen ich mir nahezu sicher bin, dass sie (relativ gesehen) beide einiges an Erfolg in den nächsten Jahren haben werden.

Den Auftakt machten blackmarket aus den USA, ein Quartett, das seit kurzem nur noch aus drei Leuten besteht (einer der Freunde entschied sich, zur Schule zurückzukehren) und ziemlich straighten Rock mit Drums, Gitarre und Bass produziert. Vor allem letzteres Instrument war sicherlich das Highlight während des rund 40minütigen Live-Auftritts, denn es wurde hier wirklich als eigenständiges Instrument genutzt und *gespielt*, und nicht wie sonst bei vielen Bands nur als rhythmische Begleitung verschwendet. Das verlieh den Songs eine wirklich beeindruckende Intensität und sehr viel Nachdruck, so dass das Publikum schon während dieses Auftritts ordentlich abrockte.
Bei den Studioversionen ist der Bass hingegen weit weniger dominant, was aber sicherlich auch damit zusammenhängen könnte, dass dort noch eine zweite Gitarrenspur für mehr Abwechslung sorgte. Mal schauen, ob ihnen ein Song wie „Sheila“ (oder „Night in Question“ oder „Remote [Control Freak]“) schon zum Durchbruch reicht, aber dass er kommen wird, da bin ich mir beinahe sicher. Der Auftritt von blackmarket kam beim Kölner Publikum (und wohl auch an den Abenden vorher) jedenfalls sehr gut an.

Bei der zweiten Vorband mit dem Namen Twin Atlantic war der Fall hingegen etwas ander gelagert. Wie oben schon angedeutet, kam die nämlich bei meinen Begleitern an den vorherigen beiden Abenden überhaupt gar nicht gut an, man könnte beinahe schon von einer Art Feindbild sprechen, das sich da aufgebaut hatte. Dementsprechend war ich natürlich sehr gespannt. Und ich muss natürlich zugeben, dass der Live-Auftritt an sich nicht wirklich gut war (für Begeisterung bei Teilen des Publikums reichte es nichtsdestotrotz – auch wenn sie leicht affige und bisweilen prätentiöse Manierismen an den Tag legten) und im direkten Vergleich zu blackmarket kurz vorher natürlich schon beinahe dramatisch abfiel.
Dennoch war einiges an Potential bei den Songs zu erkennen und wenn man es hinbekommt, den Sound der einzelnen Insturmente besser aufeinander abzustimmen, so dass die lauten Passagen nicht zu sehr nach Geräuschbrei klingen, dann kann das schon was werden. Nur haben Twin Atlantic auch ein großes Problem – den Lead-Sänger, dessen Stimme ist nämlich zu schwach, um mit dem powervollen Sound mitzuhalten. Zugleich scheint er allerdings auch eine Stärke der Band zu sein, denn bei der weiblichen Zielgruppe scheint er hervorragend zu funktionieren, wenn man sich mal so auf Spurensuche im Netz begibt.
Und da man Stimmen ja zumindest bei Aufnahmen „unterstützen“ kann, fällt das Stimmdefizit bei den Studioversionen auch nicht wirklich auf, so dass ich auch bei Twin Atlantic sicher bin, dass sie ihre Erfolge feiern können werden. Die Songs selbst sind nämlich sehr klasse und so irgendwo zwischen Soulfly, Yellowcard und Billy Talent anzusiedeln – ziemlich variabler Powerpop/Indierock halt.
Zu bemerken gilt jedenfalls noch dass die Band aus Glasgow noch absolut am Beginn ihrer Karriere steht und erst Anfang 2009 ihr Debütalbum veröffentlichen werden. Es ist also sicherlich noch genügend Raum für Entwicklung bei Twin Atlantic vorhanden.

Eigentlich am Beginn ihrer Karriere steht natürlich auch noch der Haupt-Act des Abends, The Subways. Schließlich liegt der Altersschnitt der Band bei gerade mal rund 21 zarten Jahren und ihr zweites Album „All or Nothing“ veröffentlichten sie erst in diesem Abend. Dennoch können sie schon auf einige beachtliche Erfolge mit ihrem Debüt „Young for Eternity“ zurückblicken, was sicherlich an der cleveren Marketingpolitik des Labels liegen könnte, dem es gelang einige Songs in größeren Werbekampagnen und Filmen wie Stirb Langsam 4.0 unterzubringen. Dementsprechend begehrt sind denn auch die Tickets für ihre Tour, auf der in Deutschland beinahe alle Konzerte ausverkauft sind (in Frankfurt wird sogar noch ein Zusatz-Konzert gegeben) und wo sie in Köln am Donnerstag vor ihrem bislang größten Indoor-Live-Publikum überhaupt spielten (ca. 1500 Menschen).

Und live sind die Drei wirklich eine Wucht. Zwar spielten sie „nur“ rund 70 Minuten, was bei bisher nur zwei Alben allerdings auch kein großes Wunder ist und zudem mit den rund 90 Minuten Nettospielzeit beider Vorbands auch durchaus in Ordnung ist. Zudem habe ich auch leichte Zweifel, ob sowohl Band als auch Publikum einen wesentlich längeren Auftritt überstanden hätten, denn vor allem Sänger und Gitarrist Billy Lunn wirbelt kräftigst über die Bühne und war schon nach dem ersten Song (Kalifornia) schweissnass. Aber auch die eher fragil wirkende Bassistin Charlotte Cooper stand ihrem Bandkollegen kaum nach und rockte die Bretter der LMH sehr amtlich.
Wie oben schon erwähnt, spielte das Trio aus Welwyn Garden City, nördlich von London, beinahe ausschließlich Songs der rockenderen Gangart und verzichtete auf die (von mir eigentlich sehr geschätzten Balladen wie das grandiose Lostboy). Diese Power übertrug sich denn auch sehr intensiv auf das Publikum wo nach Herzenslust kräftigst gepogt, gehüpft und gecrowdsurft wurde. Selten so etwas gesehen (wobei ich ja meist auch eher auf ruhigeren Konzerten zugegen bin) – und so ging es auch Billy Lunn, der das Kölner Publikum als das eindeutig verrückteste und am stärksten feiernde Publikum lobte. Beim Abschluss zu „Rock & Roll Queen“ surfte er dann selbst noch einmal quer durch die Halle bis er plötzlich auf einer Theke stand und sich mehrere Bierbecher über den Kopf kippte:

Insgesamt also wirklich eine Band, die ich live absolut empfehlen kann. Wer es nicht ganz so intensiv mag, der muss ja auch nicht wie wir ganz vorne stehen (bleiben). Wäre vermutlich auch gesünder für meine Ohren gewesen…

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