Hirngabels kleiner Serienguide zur Season 08/09: Friday Night Lights, Fringe.

In dieser Rubrik wird es, ähnlich wie im letzten Jahr, wieder meine Eindrücke zu den Serien geben, die ich in den letzten rund 12-15 Monaten gesehen habe. Meine Einschätzungen sind subjektiv, aber unumstößlich und können sich auch durchaus mal auf Serienstaffeln beziehen, die schon etwas älter sind. In alphabetischer Reihenfolge wird es hier nach und nach kurze Kommentare zu jeder dieser Serien geben.

Bisher besprochen:

Die „Misfits“
Being Erica
Better Off Ted
The Big Bang Theory
Breaking Bad
Burn Notice
Californication
Chuck
Crusoe

Damages
Dexter

Dollhouse
Drop Dead Diva

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Friday Night Lights

Mehrmals habe ich ja schon beschrieben, dass ich beruflich Gruppen von Reiseveranstaltern oder Reisebüromitarbeitern in die USA begleite, um ihnen „unsere“ Regionen zu zeigen. Fester Bestandteil dieser Reisen ist auch immer ein Besuch in einer Shopping Mall – ohne geht einfach nicht. Da ich nicht jedes Mal mein ganzes Geld für Klamotten und Schuhe raushauen will, vertreibe ich mir die Zeit, die die Gruppe mit von Shop zu Shop rennen verbringt, in der Regel in den dortigen DVD-Läden (sofern es welche gibt – leider werden solche Läden in den US-Malls irgendwie seltener).  Schließlich habe ich meist Aufträge von Freunden, die es zu erfüllen gilt, sind DVDs, besonders Serien-Boxen meist in den USA wesentlich günstiger (und natürlich auch früher) zu erhalten als hier in Deutschland.
Vor allem wenn es mal wieder schöne Aktionen a la „Buy one, get one free“ gibt, wie es zum Beispiel letztes Jahr in Miami der Fall war. „Unglücklicherweise“ hatte ich allerdings eine ungerade Zahl an Bestellungen, so dass ich für die Ausschöpfung des B1G1F-Angebots noch eine weitere DVD mitnehmen konnte und mich damals spontan für die erste Staffel von Friday Night Lights entschied, eine Serie von der ich schon einiges Positives gehört hatte.

Die Box verstaubte dann ein knappes Jahr lang in meinem Regal, bis ich  in diesem Sommer auf einmal nichts mehr „zu gucken“ hatte (abgesehen von den 6 Staffeln Sopranos, die hier noch drohend neben meinem TV-Gerät stehen *hüstel*), so dass ich mich dann mal dazu aufraffte, mit FNL zu beginnen.

Und etwa einen Monat später mit dem Ende von Staffel 3 aufhörte.

Sollte das als Argument noch nicht ausreichen, um Euch dazu zu bewegen, möglichst dringend, mit Friday Night Lights zu beginnen, dann gehe ich nun auch gerne noch etwas mehr ins Detail:
Hauptfigur der Serie ist Eric Taylor, der Headcoach des High School Football Teams einer Kleinstadt im ländlichen Texas namens Dillon, doch auch zahlreiche Mitglieder des Teams und Personen im Umfeld werden näher beleuchtet, so dass die Serie zwar eine starke Football-Lastigkeit hat, aber doch viel mehr ist: Ein äußerst intensives und absolut authentisch wirkendes Portrait des Lebens in einer amerikanischen Kleinstadt.
Die Authentizität und Intensität wird vor allem durch die spezielle Inszenierung erreicht, denn nicht nur handelt es sich bei vielen Jungschauspielern um Laien, sondern auch das Filmen der Szenen wird meist in einer Einstellung ohne Unterbrechungen vorgenommen und den Schauspielern dabei relativ freie Hand beim Improvisieren gegeben. Diese „Rauheit“, unterstützt durch eine teils dokumentarähnliche Kameraführung, die dennoch absolut hochwertig wirkt, vermittelt eine wirklich intensive Atmosphäre, die mich selbst ohne größere Cliffhanger wirklich fesselte und den bekannten und ebenso gehassten wie geliebten Sogeffekt bewirkte, der zum dauernden Wiedereinschalten führt.

Hinzu kommt, dass die Macher um Produzent Peter Berg, der schon 2004 für die Verfilmung des gleichnamigen Buchs verantwortlich war, ein perfektes Gefühl für das Storytelling und die Weiterentwicklung der Geschichte haben, und auch nicht vor durchaus harten Schnitten wie dem „Entfernen“ zentraler Charaktere haben, um die Geschichte glaubwürdig zu halten. Und bei einer Geschichte mit vielen Protagonisten in ihrer High School Zeit ist ein solches Herauswachsen nun mal unumgänglich. Zudem werden auch bei den erwachsenen Hauptfiguren die Weiterentwicklungen bis zu einem gewissen Maße nicht außer Acht gelassen – vor allem natürlich im jüngsten Sprung von Staffel 3 zu 4 (der hier aber natürlich erstmal aussen vor gelassen werden soll).

Wie schon erwähnt, steht im Mittelpunkt von Friday Night Lights, Headcoach Eric Taylor, dessen Darstellung durch Kyle Chandler mich ein ums andere Mal schwer begeistert. Die Balance zwischen hartem Hund und sorgendem Familienvater (und diversen Nuancen dazwischen) ist wirklich hochgradig beeindruckend und ergänzt sich perfekt mit dem Spiel von Connie Britton, die seine Frau portraitiert (was sie übrigens auch schon im Kinofilm machte). Darüber hinaus sind es aber natürlich die zahlreichen Jungschauspieler, die hier Woche für Woche beeindruckende Leistungen hinlegen und die Serie eben erst zu dem ganz speziellen Erlebnis machen, dass sie ist.

Für einen Eindruck von der Stimmung, die die Serie transportiert, empfehle ich auf jeden Fall einen Blick auf die Opening Credits zu werfen, die trotz ihrer Konventionalität mit zu den besten gehören, die es in Sachen TV Serien momentan gibt. (Wobei das hier die von S04 sind und mit den Original-Credits nicht mehr ganz mithalten können)

Ausgestrahlt wird die Serie übrigens auf NBC, sowie seit Staffel 3 auch vorab im Bezahlsendern DirecTV, was dazu führte, dass die Finanzierung auf derart soliden Beinen steht, dass die Serie, aktuell gerade in Staffel 4 gestartet, schon für eine fünfte Season verlängert wurde.

Meine Wertung: 10 von 10 umfassenden Gabeln [für die ersten drei Staffeln]

Fringe

Nachdem die Tage von LOST gezählt sind, sind die amerikanischen TV-Sender logischerweise auf der Suche nach einem würdigen Nachfolger,  der bei den Fans für entsprechenden Buzz sorgen und den Bedarf für ordentliche Mystery decken kann. Und was läge näher als den Macher von Lost, JJ Abrams, für ein solche Substitut zu verpflichten? FOX versuchte dies 2008 mit der Serie Fringe, was allerdings leider nur so mittelgut gelang.
Als weltweit eine Reihe von unerklärlichen und physikalisch als schwer möglich erscheinenden Ereignissen auftritt, wird im FBI eine „Fringe Division“ gegründet, die wissenschaftliche Hintergründe und die Zusammenhänge zwischen diesen Phänomenen erforschen soll. Federführend in dieser „Abteilung“ ist FBI Agentin Olivia Dunham, die  gemeinsam mit dem Grenzwissenschaftler Walter Bishop und dessen Sohn Peter, hauptsächlich als „Übersetzer“ und „Kindermädchen für seinen exzentrischen Vater tätig, sowie einer weiteren Agentin namens Astrid, versucht Licht in die Mysterien zu bringen.

Wie viele andere Serien, braucht auch Fringe zu Beginn der Debütstaffel ein paar Folgen, um sich selbst zu positionieren, einen gewissen „Groove“ zu finden und dadurch den Zuschauer auch wirklich bei der Stange halten zu können. Mit der Zeit wird Fringe dann tatsächlich zu einer sehr soliden SF/Mystery-Serie, bei der es durchaus Spaß macht zuzuschauen und dran zu bleiben, allerdings bauen die Macher um Abrams leider immer mal wieder Folgen ein, die lediglich ein „Case of the week“ sind, und wenig zur Mythologie der Serie beitragen. Dabei ist Fringe, meines Erachtens immer dann wirklich gut (zumindest in den späteren Folgen), wenn es auch um die Beleuchtung der Hintergründe geht und immer wieder dann, wenn mit „Massive Dynamic“ der undurchschaubare Big Player im Hintergrund wieder seine Finger mit im Spiel zu haben scheint. Natürlich verstehe ich, dass JJ Abrams es bei Fringe explizit darauf angelegt hat, eine Mystery-Serie zu schaffen, die auch für den Gelegenheitszuschauer halbwegs nachvollziehbar bleibt – nur geraten meines Erachtens dadurch eben einige Episoden als komplett überflüssig, da sie kaum bis gar nichts zum Fortschreiten der Serie an sich beitragen, sondern rein um der Schaueffekte willen inszeniert zu sein scheinen. Und das gefällt mir persönlich dann eben nicht mehr gut, da die komplette Metaebene quasi wegfällt.

Achja, für das „Wissenschaft Prison“ hat die Serie natürlich jetzt schon seinen Eintrag in den Geschichtsbüchern sicher. =)

Meine Wertung: 7 von 10 Gabeln [für Season 1]

6 Kommentare

Eingeordnet unter Serientäter

6 Antworten zu “Hirngabels kleiner Serienguide zur Season 08/09: Friday Night Lights, Fringe.

  1. „Friday Night Lights“ habe ich immer noch nicht gesehen. Schande über mich. Dafür kann ich sagen, dass ich „Fringe“ ähnlich sehe, wie du, aber dennoch einen Tick besser bewertet hatte. Mit mehr Konzentration auf die übergreifende Storyline, dann kann das wirklich was werden.

  2. Und zudem auch Dreck und kleine Steine über Dich. =) Naja, man kann halt nicht alles sehen, aber wenn Du FNL mit diesem Text ein wenig weiter nach oben auf Deiner Prioritätenliste schieben würdest, dann wäre ja schon mal was erreicht durch diesen Text. Quasi so als Anschlussprogramm nach den Sopranos. =)

    Bei „Fringe“ ist mir das halt leider teilweise zu zäh und zu sehr nur auf „Case of the week“ beschränkt. Das mag etwas ungerecht sein, da die Serie eben doch etwas anderes ist, als ich von ihr erwarte – aber so ist es halt. Daher „nur“ 7 von 10.

  3. Mal ne blöde Frage, aber gibt es bei den DVDs nicht Probleme mit den Ländercodes? Ich dachte, da wäre so was…

  4. Ja, da ist sowas. =)

    Aber DVD-Player werden in aller Regel länderneutral produziert und dann erst nachträglich auf einen bestimmten Ländercode programmiert. Das bedeutet, man kann kann viele DVD-Player nachträglich wieder freischalten. Haken an der Sache ist, dass dadurch offiziell dann die Garantie erlischt – wo ich aber nur ein Problem sehe, wenn man mechanisch eingreifen muss. Bei vielen Geräten sind es aber bestimmte Tastenkombinationen, die man drücken muss.
    Was man jeweils eingeben muss für das entsprechende Gerät findet man sehr schnell mit der entsprechenden google-Suche für Codefree-Schaltungen heraus.

    Zudem haben viele Händler mittlerweile auch schon DVD-Player im Angebot, die von Werk aus „codefree“ sind. Und auch manche Spielekonsolen sind, soweit ich recht informiert bin, mittlerweile in der Lage jegliche DVDs unabhängig vom Ländercode abzuspielen.

    Und als letzte Möglichkeit gibt es natürlich auch immer noch die Option den Laptop/Computer ans TV-Gerät anzuschließen (sofern die technische Ausstattung vorhanden ist) und die Fremdcode-DVD über ein Programm wie den VLC-Player abzuspielen.

    Wenn man also keine Probleme mit englisch- oder generell fremdsprachigen Serien hat, dann lohnt sich das oftmals schon, DVD-Boxen im Ausland zu bestellen, da gerade TV-Serien dort gerne mal wesentlich günstiger zu holen sind.
    Wobei es sehr häufig auch die Möglichkeit gibt, US-Serien über UK-Versände zu beziehen, die durch den momentanen Pfund-Kurs ebenfalls gerne mal preislich sehr attraktiv sind – und zudem den Vorteil haben, mit europäischem Ländercode versehen zu sein.

    Hoffe das hilft. =)

  5. Friday Night Lights gehört zum Pflichtprogramm =)
    Einer meiner Lieblingsserien und ich freu mich riesig, wenn ich mich in den Ferien an die vierte Staffel ranmachen kann.😀 (womöglich mit erneuter Sichtung von S01-03 ;D)

  6. Kein Widerspruch von mir hier. Hat mich von Beginn an komplett in ihren Bann gezogen und eine Wiederholung der frühen Staffeln würde ich auch bei mir nicht komplett ausschließen (wobei, wenn ich was wiederhole dann ist es meistens How I Met Your Mother oder Chuck).

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