Die Spätzlegabel – Bundesliga, ST30: DSC Arminia Bielefeld.

spatzlegabel2-2Was ist dieses komische Gefühl im Innern meines Körpers? Irgendwoher kommt es mir bekannt vor, wie ein Besucher aus längst vergangenen Tagen… Rätselhaft fremd und doch leider erschreckend vertraut… Ja… ich glaube, es ist das Gefühl von… Unzufriedenheit.

Bundesliga, 30. Spieltag:
DSC Arminia Bielefeld – VfB Stuttgart 2:2 (1:2)

Vor exakt einer halben Saison, nämlich nach dem torlosen Remis im Hinspiel gegen Bielefeld, stellte ich mir erstmals ernsthaft und öffentlich (im begrenzten Rahmen dieses Blogs) die Frage nach der Zweckmäßigkeit eines Trainerwechsels – die dann auch prompt eine Woche später schon deutlichst beantwortet wurde, mit der zügigen Demission von Armin Veh.

Dies ist heute natürlich ganz anders, denn Babbel steht derzeit natürlich trotz des schmerzhaften Punktverlusts bei mir nicht ernsthaft zur Diskussion – schließlich habe ich mir damals sogar noch Gedanken in Richtung Abstiegsplätze gemacht, während ich nun den Rückschlag im Kampf ums internationale Geschäft betrauere. Die Meisterschaft ist nun erstmal (erfreulicherweise möchte ich sagen) wieder in weitere Ferne gerückt, so dass nicht jeder Medienvertreter in jedem Bericht über Stuttgart darauf hinweisen muss, dass es „wie 2007“ ist. Denn schließlich, und das habe ich ja auch letzte Woche schon gesagt, geht es für uns in erster Linie nun mal darum, Platz 5 zu sichern. Und dafür waren, bei der momentanen Serie der Dortmunder, eigentlich drei Zähler nötig und nicht nur ein mageres Pünktchen bei den sonst so harmlosen Bielefeldern, die heute wohl eine, wenn nicht die beste Leistung der Saison zeigten und wahnwitzigerweise gleich zwei Treffer in einem Spiel erzielten – und dann auch noch beide gänzlich ohne Mitwirkung von Artur Wichniarek…

Klar, es gehören immer zwei dazu, und so hat der VfB sicherlich auch nicht so stark und dominant gespielt, wie es teilweise (nicht immer!) in den vergangenen Wochen der Fall war. Aber Stuttgart hat eben auch nicht schlecht gespielt, sondern Bielefeld hat heute eine wirklich engagierte, aggressive und vor allem leidenschaftliche und nach vorne gerichtete Leistung gezeigt, die der Stuttgarter Defensive einige Probleme bereitete.

Ich möchte mich jetzt ungern auf Boulahrouz als Sündenbock einschießen, der zumindest keine dramatischen Fehler im Spiel hatte, aber es war doch schon ein merklicher Verlust für die Stuttgarter Defensive, dass Tasci mit Verletzung zu Hause bleiben musste und so, wieder mal, eine selten erprobte Viererkette auf dem Platz stand. Die Kombination Träsch-Boulahrouz-Delpierre-Magnin dürfte zumindest noch nicht häufig in dieser Saison auf dem Platz gestanden haben.

Ob es nur daran lag, dass das heute teilweise haarsträubend in der Defensive war, oder ob es generell einfach ein Scheiss-Tag war, kann ich nicht sagen, aber die Aneinanderreihung von individuellem und kollektivem Versagen im Abwehrverhalten vor den Toren (und auch während einigen anderen Szenen) war schon ein bisserl erschreckend.
So beispielsweise vor dem ersten Gegentor, wo erst Delpierre den Ball recht unkoordiniert dem Gegner in den Fuß „klärt“, während im Sechzehner Träsch schon abgedreht war, in der Annahme, dass sich die Gefahr erledigt hatte – wodurch dann Katongo derart freistand, dass selbst ein Karlsruher nicht mehr hätte vergeben können.

Der erste Rückschlag an diesem Nachmittag, der eigentlich recht erfreulich begann mit dem frühen Führungstor durch eben jenen später patzenden Delpierre. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich tatsächlich, dass es wieder ein sehr geruhsamer Samstag werden würde – was sollte schon bei einer Führung in Bielefeld schief gehen? Ich ließ mich sogar schon zu der Aussage hinreissen, dass ich jetzt doch ein wenig auf einen Kantersieg hoffen würde – aber Pustekuchen, denn es wurde mal wieder das gute alte Sprichwort ausgepackt, dass sich jeder Spieler auf den Unterarm tätowieren sollte: Hochmut kommt vor dem Fall.

Und nach dem 1:1-Ausgleich sah es denn auch kurz mal aus, als könne es richtig dicke kommen. Bis dann zur zwischenzeitlichen Beruhigung Hitz den Hammer auspackte und mit etwas Fortune (und Torben Marx‘ Schlappen) den Ball unter die Torlatte bugsierte. So ging es dann erneut mit gutem Gefühl in die Pause, zumal es zu diesem Zeitpunkt für Dortmund nur zu einem mageren 0:0 reichte, die Schalker sogar klar zurücklagen und deutlich unterlegen schienen. Selbst die Wolfsburger holperten sich gegen die mental kaputten Hoffenheimer nur so halbwegs was zusammen.

Leider aber dauern Spiele nun mal 90 Minuten und in der zweiten Halbzeit gab es dann leider den erneuten Ausgleich, der wieder durch stümperhaftes Defensivverhalten verursacht wurde. Marx ging auf der rechten Bielefelder Seite durch, Cacau war davon irgendwie überfordert, der Armine stieß in den Strafraum. Hitzlsperger versuchte noch zu grätschen, bewies dabei aber ein unfassbar schlechtes Timing (siehe Hinspiel Hamburg gegen Jarolim) und zwang den Schiri dadurch förmlich Elfmeter zu geben. Eine Mitschuld hatte da aber auch definitiv Ludovic Magnin, der, statt auf den in den leeren Strafraum eindringenden Marx zu achten, lieber irgendwo nach draussen in Richtung Tribüne schaute (oder wo auch immer er sich in diesem Moment gerade hin orientierte), so dass Hitzlsperger kaum eine andere Wahl übrig blieb – auch wenn ich ehrlich gesagt glaube, dass er ihn auch hätte laufen lassen können, da zumindest mittig noch ausreichend Spieler übrig waren, die die dann sicherlich sehr brenzlige Situation dennoch hätten entschärfen können. Dazu kam es dann aber nicht, sondern leider zum Elfmeter, den Munteanu verwandelte – und damit dafür sorgte, dass jeder Spielbericht wieder eine schön menschelnde Story mit einbauen konnte.

In der Folge, nein, eigentlich ja -wieder mal- die ganze zweite Halbzeit, versuchte der VfB dann sehr viel, um das dritte Tor zu erzielen, doch war dann nach dem glücklichen Treffer des Käpt’ns scheinbar alles Glück abhanden gekommen, so dass der Ball ein ums andere Mal knapp am Tor vorbeistrich, gegen den Pfosten klatschte oder aber von Eilhoff entschärft werden konnte – oder man wurde vom Schiedsrichter zurückgepfiffen (leider auch einmal zu Unrecht, was eine wirklich exzellente Möglichkeit vereitelte).

Es hat wohl dieses Mal einfach nicht sein sollen. Dies bedeutet nun hoffentlich, dass man sich in der kommenden Woche also halbwegs in Ruhe auf das kommende Spitzenspiel gegen Wolfsburg vorbereiten kann. Ein Sieg dort wäre natürlich sicherlich Gold wert, könnte man so doch die Ambitionen auf das internationale Geschäft dann doch noch etwas verstärken. Und mit den Wölfen gibt es ja auch noch ein Hühnchen zu rupfen, um das desaströse 1:4, das zu Vehs Entlassung führte, wieder gut zu machen.

Leider haben wir seit diesem Wochenende aber auch ein zusätzliches Handicap für die Begegnung mit Wolfsburg, hat doch heute Delpierre die ungünstige 5. Gelbe bekommen – was definitiv erneute Änderungen im Abwehrverbund nach sich ziehen wird. Sollte tatsächlich Tasci bis dahin nicht wieder fit werden, dann werden wir wohl mit einer Innenverteidigung bestehend aus Boulahrouz und dem jungen Georg Niedermeier antreten müssen und das wird natürlich gegen die wahnsinnig starken Grafite und Deko kein Zuckerschlecken. Aber immerhin ein Auswärtsspiel für Wolfsburg…

Schauen wir mal, wie es laufen wird. Jetzt müssen wir erst einmal abwarten, wie sich heute abend Hertha und Hamburg hoffentlich gegenseitig die Punkte stehlen – ein Remis wäre hier auf jeden Fall das wünschenswerteste (oder im Zweifelsfalle ein Sieg für Hamburg).

Ich werde nächste Woche übrigens meinen Saisonabschluss feiern, da ich an den letzten drei Spieltagen auf einem anderen Kontinent weilen werde und Zeitmangel, Zeitunterschied sowie vermutlich ein Technikdefizit dazu führen werden, dass ich von den abschließenden Spielen nur noch indirekte Eindrücke bekomme. Aber schauen wir mal, vielleicht hab ich ja auch Glück und ich habe zu den Spielzeiten gerade doch Zeit und nen Internetzugang.

Jedenfalls gibt es am kommenden Samstag also für mich einen vorgezogenen Saisonabschluss, der immerhin standesgemäß zelebriert werden kann: In der Mercedes-Benz-Arena!

Zwar ist es „nur“ ein Platz im Block 64 in der Untertürkheimer Kurve, aber endlich wieder ein Heimspiel sehen können und das dann auch noch im Spitzenspiel gegen den Tabellenführer – das ist wirklich ein Grund zum Freuen!

4 Kommentare

Eingeordnet unter Ballgefühl

4 Antworten zu “Die Spätzlegabel – Bundesliga, ST30: DSC Arminia Bielefeld.

  1. Dein Wunsch mit dem Unentschieden heute Abend ist in Erfüllung gegangen. Passt mir natürlich auch. Nächstes Wochenende gibt es dann das von mir gefürchtete Spitzenspiel zw. VfB und VfL. Wir fahren aber mit der Geschäftsstelle zum nächsten Auswärtsspiel nach Hannover und nicht nach Stuttgart. Wäre bestimmt lustig gewesen, wenn wir uns im Ländle getroffen hätten. So drücke ich aus der Ferne den Grün-Weißen die Daumen. Leider gibt es inzwischen einen von der Presse geschürten Gegenwind auf der Zielgeraden, der mir gar nicht passt. Das 4:0 gestern zeigt aber, dass es die Mannschaft noch drauf hat. Es bleibt spannend …

  2. Pingback: Kleine Fußballweisheiten. « angedacht

  3. So so, Du machst Dich also aus dem Staub, bevor’s ernst wird…😉

    Wenn Du am Samstag Lust auf ein vorbereitendes Kaltgetränk hast (oder so), meld Dich einfach im Lauf der Woche mal.

  4. @heinz
    Tja, die Arbeit ruft (zu einem dreiwöchigen USA-Trip). Leider musst Du dann die VfB-Fahne in Sachen Bloggerei alleine (naja fast) hoch halten. Aber die weiß ich ja bei Dir in guten Händen. =)

    Gegen ein vorbereitendes Kaltgetränk hätte ich in der Tat nix einzuwenden! Ich muss nochmal schauen, wie wir zeitlich geplant haben. Melde mich dann mal per Email.

    @mesuc
    Jup, das Remis war durchaus angenehm heute. Vor allem dadurch, dass es für niemanden so auch ein wirklich positives Gefühl gab (naja, vielleicht für Hertha).
    Das Blöde in der nächsten Woche ist aber, dass im Grunde alle Konkurrenten eher leichte Aufgaben vor der Brust haben mit Bochum, KSC und Cottbus. Lediglich der HSV hat mit Bremen nominell einen etwas schwierigeren Gegner – aber da wird es genauso klar einen Hamburger Sieg geben, wie es im Pokal einen Bremer Sieg gab…

    SOLLTE der VfB tatsächlich gewinnen und alles andere so laufen wie erwartet, dann gäbe es die aberwitzige Situation, dass von Platz 1 bis Platz 5 lächerliche 2 Punkte Unterschied sind – das wäre natürlich noch das I-Tüpfelchen auf diese ohnehin schon wunderbar unterhaltsame BuLi-Saison!
    Ich könnte aber auch mit einem Remis schon ziemlich gut leben gegen Eure Offensiv-Magier.

    Aber mit Cacau und Gomez haben wir ja auch zwei brauchbare Pfeile im Köcher, um auf Wolfsjagd zu gehen. =)

    Schade, dass Ihr nicht in Stuttgart seid. Hätte mich gefreut! Und witzig wäre es auf jeden Fall gewesen. =)

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