Die Spätzlegabel – Bundesliga, ST 27: Hamburger SV.

spatzlegabel1Heute nachmittag schaute mal wieder alles nach einem klassischen „Was wäre wenn“-Spiel aus. In diesem Falle: „Was wäre gewesen, wenn der Schiedsrichter das klare Handspiel von Boateng nach knapp 10 Minuten mit Elfmeter und Rot wegen Torverhinderung bewertet hätte?“. Doch erfreulicherweise schlug nach 91 Minuten Mr. Krise himself zu – der größte Hammerwerfer, der je ein deutsches Stürmertrikot tragen durfte, Mario Gomez erzielte seinen 26. Pflichtspieltreffer in dieser Saison und bescherte dem VfB zwei zusätzliche Punkte.

Bundesliga, 27. Spieltag: VfB Stuttgart – Hamburger SV 1:0 (0:0)

Vorab sei mal eines gesagt: Es war kein schönes Spiel und auch kein wirklich unterhaltsames, dennoch war es insgesamt schon ein ganz gutes Spiel. Zumindest, wenn man es aus Stuttgarter Sicht betrachtet – und das nicht nur wegen des Ergebnisses. Denn der VfB hat mir insgesamt doch recht gut gefallen, war es doch heute ein über weite Strecken sehr engagierte und leidenschaftliche Leistung des Teams, an dessen Ende ein verdienter Sieg stand.

Klar, man mag mir jetzt ein wenig Verklärung in Anbetracht des Sieges unterstellen, aber wenn man das Spiel in seiner Gänze betrachtet, dann war Stuttgart definitiv die überlegene Mannschaft mit 55% Ballbesitz sowie insgesamt 24 Torschüssen (HSV mit 12). Es haperte leider einmal mehr an der letzten Konsequenz im Abschluss über weite Strecken – aber auch hier muss man sagen, dass es scheinbar eine Qualität geworden ist, dass es der VfB immer und immer wieder probiert. Und es besonders auch schafft mit zunehmender Spieldauer immer mal eine Schippe drauf zu legen.
Das war schon in der Vorwoche gegen VfL Bochum so, als man in den letzten 30 Minuten das Spiel klar dominierte und das war nun auch heute wieder so, als man in der Schlussviertelstunde sukzessive das Tempo erhöhte und verstärkt Druck auf den HSV ausübte. Demzufolge war das Siegtor eigentlich nur logisch gegen größtenteils harmlose Hamburger.

Gut, die waren natürlich noch müde vom UEFA Cup-Spiel gegen Man City – aber ich war eigentlich immer schon der Meinung, dass das nie als Ausrede herhalten darf. Wie Armin Veh im Premiere-Studio schon sagte: Ein Spiel alle 3 Tage ist eigentlich sehr gut zu verkraften (zumal der HSV am Donnerstag ein Heimspiel hatte!), es muss halt mental nur stimmen. Und das war scheinbar bei den Hamburgern nicht der Fall, wenn Marcell Jansen dies bei seinem schwer analytischen Kommentar im Interview kurz nach Spielende direkt als einen der ersten Gründe erwähnt. So redet man sich das „Plattsein“ halt selbst ein…

Die Auto-Suggestion funktioniert da bei unseren Jungs schon wesentlich besser. Denn laut Statistik ist der VfB tatsächlich die Mannschaft, die die meisten Tore in der Schlussviertelstunde erzielt. War mir bislang so nicht bewusst, aber das ist natürlich eine absolut wertvolle Qualität, die dem Selbstverständnis eines Teams nur gut tun kann – wie man auch heute sehr gut erkennen konnte.

Letzten Endes bleibt so nun also ein weiterer knapper aber verdienter Sieg gegen ein Teams aus der Tabellenspitze und mit diesen zusätzlichen drei Punkten für den VfB eine nun wirklich sehr zufriedenstelle Ausgangslage für den Schlussspurt der Bundesliga.

Es hätte heute nämlich richtig blöd werden können. Bei einer Niederlage gegen den HSV und gleichzeitigem Sieg der Leverkusener wäre man plötzlich 4 Punkte Rückstand auf Rang 4, aber dafür gleich 4 Teams, die innerhalb von 2 Punkten direkt hinter uns in der Tabelle gelegen hätten.

So aber liegen wir nun plötzlich in Schlagdistanz (also 3 Punkte) hinter dem ruhmreichen FC Bayern, der derzeit Wolfsburgs Verfolger Nummero Uno. Und ehrlich gesagt bin ich momentan überzeugt davon, dass wir die Hertha, die nun nur noch einen Punkt vor uns liegt, auf jeden Fall kriegen werden. Die schwächeln momentan einfach zu sehr und haben zudem noch mit Voronin ihren stärksten Stürmer dank einer unfassbar dämlichen Roten Karte verloren (die mir nun zusätzliche Minuspunkte im kicker Managerspiel bescheren wird – nicht dass mir Carlos Eduardo mit seinem Platzverweis schon gereicht hätte – vielen Dank auch, ihr Idioten!).

Aber zurück zum Spiel und zur eigenen Mannschaft.

Abgesehen davon, dass ich mich äusserst darüber gefreut habe, dass Gomez nach der unfassbaren Negativserie von drei Bundesligaspielen ohne Tor endlich wieder getroffen hat (und dann noch so!), gab es noch ein paar Spieler, die mir sehr positiv aufgefallen sind. Da wäre zum einen Christian Träsch, der auf der rechten Verteidigerposition ein äußerst gutes Spiel gemacht hat und beinahe jegliche Angriffsversuche von Olic oder Pitroipa (später Petric) sehr souverän unterbinden konnte. Das hat mir äusserst gut gefallen. Ebenfalls positiv aufgefallen ist mir erneut Marco Timo Gebhart, der ein erstaunlich forsches Auftreten an den Tag legt und in sehr vielen Situationen, gerade auch bei Standards die Verantwortung auf sich nimmt. Wenn er noch ein wenig mehr Ruhe in seine Aktionen bekommt und damit mehr Übersicht, dann wird aus ihm ein sehr, sehr wertvoller Spieler für den VfB werden.

Etwas mehr Ruhe hätte heute auch Julian Schieber vertragen können, als er in Halbzeit zwei für den einmal mehr enttäuschenden Marica reinkam (der mir heut vor allem in Sachen Defensivverhalten gar nicht gefiel). Zwar mit viel Aufwand und Laufbereitschaft wirkte er doch ziemlich nervös und verlor mehrfach überhastet den Ball. Immerhin deutete er mit seinem Kracher ans Hamburger Lattenkreuz mal kurz seine Qualitäten an und zeigte eben zumindest deutliche Einsatzfreude. Auch da ist sicherlich Potential vorhanden – und auch bitter nötig, denn auf der Sturmposition muss sich für die kommende Saison auf jeden Fall noch was tun.

Die andere Position auf der wir zwingend Handlungsbedarf haben, ist -wie ich glaube ich hier schon mehrfach angemerkt habe- der Linksverteidigerposten. Auch heute war Magnin in der Vorwärtsbewegung zwar wieder recht auffällig (im positiven Sinne), aber sein Stellungsspiel im Defensivverhalten ist leider einfach nicht bundesligatauglich. Gott sei Dank haben die Hamburger es kaum über seine Seite versucht, sondern schickten meist lange Bälle über links auf Olic oder Pitroipa. (Oder lenkt das VfB-Mittelfeld sogar schon bewusst auf die eigene rechte Seite?)

Hitzlsperger war der gewohnt gute Motor des VfB-Spiels, der dann auch ursächlich für das Gomez-Tor war. Hilbert war gewohnt bemüht, aber eben in dieser Saison leider auch oftmals glücklos. Zumindest versucht er es aber auch immer und immer wieder – und das halte ich ihm absolut zugute. Die Innenverteidiger erhielten heute eher wenige Chancen zu glänzen. Delpierre war dabei gewohnt konstant (und vor allem immer wieder mit tollem Passspiel nach vorne, wie vor dem 1:0), Tasci hatte hingegen zwei, drei schwächere Situationen und war vor allem verantwortlich für den Lattenschuss von Olic. Allerdings zeigte er auch häufig seine große Stärke: Den schnellen Übergang von Lösen einer brenzligen Defensivsituation zum konstruktiven Spielaufbau.
Der bisher nicht erwähnte Lanig machte seine Sache ordentlich, konnte aber bis auf einen sehr schwachen Freistoß wenig positive Akzente setzen – ebenso wie der eingewechselte Simak, der aber zumindest ein, zwei Vorstöße in Richtung gegnerischer Grundlinie vortrug.

Achja, machen wir noch den Gegencheck zu meiner prognostizierten Hoffnungsvorhersage für die Spieltage 27-31, der Phase des Grauens in der Hinrunde:
Sieg gegen Hamburg, gegen die wir in der Hinrunde noch 2:0 verloren hatten, macht: Plus 3 Punkte.

Nationalstürmer-Effektivitäts-Watch

Über Mario Gomez habe ich ja nun im vorangegangen Spielbericht schon einige Worte verloren, daneben durfte Mike Hanke endlich mal wieder über einen Treffer jubeln. Mit Kuranyi konnte sich zudem ein weiterer Stürmer in die Torschützenliste eintragen – aber der wird im Ranking ja bekanntermaßen nur der Vollständigkeit halber aufgeführt. Da daneben nur noch Hunt einen Assist für sich verbuchen konnte, gab es dementsprechend herzlich wenig Veränderungen im NEW-Ranking – nur Gomez konnte sich mal wieder vor seinen momentan schwächelnden Nationalmannschaftskollegen Helmes schieben.

1. Miroslav Klose – 39 Spiele / 23 Tore / 12 Torvorlagen => NEW-Faktor 2,08
2. Mario Gomez – 44 / 26 / 9 => 1,98
3. Patrick Helmes – 35 / 21 / 5 => 1,94
4. Stefan Kiessling – 31 / 12 / 8 => 1,42
[Kevin „Kneifer“ Kuranyi – 38 / 14 / 7 => 1,29]
5. Lukas Podolski – 31 / 11 / 3 => 1,16
6. Jan Schlaudraff* – 18 / 6 / 2 => 1,11
7. Cacau* – 19 / 5 / 4 => 1,00
8. Sebastian Freis* – 29 / 8 / 0 => 0,83
9. Mike Hanke* – 23 / 5 / 1 => 0,70
10. Aaron Hunt* – 25 / 2 / 4 => 0,40

*= derzeit nicht im Nationalmannschaftskader

7 Kommentare

Eingeordnet unter Ballgefühl

7 Antworten zu “Die Spätzlegabel – Bundesliga, ST 27: Hamburger SV.

  1. pibe

    kein unterhaltsames spiel?

    marco gebhart?

    trash verteidigte gegen pitroipa? der pitroipa, der sonntag ganz klassisch über rechts kam und 90min von magnin beackert wurde, während trash es die ganze zeit mit olic und troche, später dann petric zu tun hatte?

    interessantes spiel, welches sie da gesehen haben…..

  2. @pibe

    Oha, das mit Marco Gebhart muss ich natürlich relativieren. Selbstverständlich heisst der gute Mann Timo mit Vornamen. Sehr peinlich – aber passiert leider.

    Aber das mit Träsch vs. Pitroipa stimmt schon. Olic und Pitroipa haben nämlich des Öfteren rotiert (eine der Sachen, die sie so gefährlich machen) – und genau das hatte ich ja auch geschrieben.
    Duelle mit Trochowski gab es für Träsch hingegen eher weniger, da der oftmals eher zentral kam oder eben, wie oben erwähnt, gar nicht erst in Träschs Einzugsbereich kam, da er die vor ihm spielenden Kollegen mit langen Bällen fütterte.

    Über den Unterhaltungswert eines Fußballspiels kann man natürlich immer streiten, da das eine sehr, sehr subjektive Geschichte ist. Aber alleine die erste halbe Stunde der zweiten Halbzeit war, wenn man mal ehrlich ist, doch eine recht laue Geschichte, die bis auf den Gewaltfreistoß von Hitzlsperger eher geringe Adrenalinausschüttung verursachte.
    Und auch in der ersten Halbzeit gab es in der „Mitte“ einen ca. 20minütigen Durchhänger, der vorwiegend durch Mittelfeldgeplänkel geprägt war und sicherlich nicht durch spektakuläre Torraumszenen.

    Das Spiel lebte über weite Strecken vor allem von seiner Spannung (so sagt man doch immer so schön) und eben der exzellenten Schlussphase.
    Und falls es noch ein Argument braucht: Schau einfach mal im Vergleich dazu, dass andere Sonntagsspiel an – das war wirklich ein *unterhaltsames* Spiel.

    Kann ich Dich ein wenig davon überzeugen, dass mein Text damit nicht kompletter Bockmist ist?

  3. pibe

    naja – ist wie gesagt sehr sehr subjektiv. ich hab es anders wahrgenommen.

    viele torraumszenen = hoher unterhaltungswert – diese gleichung geht für mich nicht auf. den unterhaltungswert eines fussballspiels kann man nicht nur daran festmachen. ich hab auch keinen durchhänger gesehen, sondern hamburger, die sich ein letztes mal anschickten, vielleicht doch noch mehr als nur nen punkt abzugreifen; und stuttgarter, die (wie schon die ganze saison über, trotz gutem umschalten)traditionell präszision und effizienz beim letzten und vorletzten ball/pass haben vermissen lassen. lau oder mit durchhänger fand ich die nummer in summe jedoch mitnichten – aber wie schon mehrmals gesagt – ist halt alles subjektiv und man kann sich trefflich drüber „streiten“….

    anyway, weiter so, les den senf gern!

    salu2, el pibe

  4. Danke fürs Kompliment. =) Freue mich sehr über jeden Leser, der auch noch kommentiert!

    Klar, die Gleichung hinkt natürlich ein wenig. Deswegen schrob ich ja auch ganz zu Beginn, dass ich es ja dennoch als gutes Spiel empfand. Vielleicht hätte ich einfach statt „unterhaltsam“ ein anderes Adjektiv, wie beispielsweise „spektakulär“ verwenden sollen.
    Unter dem Strich liegen wir ja jedenfalls in der Einschätzung nicht ganz so weit auseinander, wage ich mal zu behaupten.

    Übrigens eine ganz interessante Randnotiz des Wochenendes: Durch die unfassbar dumme Tätlichkeit von Voronin sind wir jetzt mit Mönchengladbach die einzige Mannschaft, die in dieser Saison weder Gelb-Rot noch Rot bekommen hat.
    Zwar haben wir trotz Verwarnungsfreiheit am Samstag verhältnismäßig viele Gelbe Karten erhalten (kurioserweise übrigens genauso viele wie Gladbach), aber eventuell ergibt sich dadurch ja noch eine „Fallback-Lösung“ für den Weg ins internationale Geschäft…

  5. Pingback: Stuttgart 5 - Marseille 1 « angedacht

  6. Ha, eher kommt unsere Klassensprecher-Truppe durch die Fair-Play-Wertung noch nach Europa!

  7. Ich kann mir kaum vorstellen, dass der DFB Badenser in den UEFA-CUP, verzeihung: Europa League, einziehen lässt. =)

    Ausserdem: Wird Maik Franz nicht jetzt auch wieder gesund? Dann wird sich das eh wieder relativieren…

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