Die Spätzlegabel – Bundesliga, ST26: VfL Bochum.

spatzlegabel2-1Nachdem es vor der Länderspielpause noch der (nun nur noch Ex-)Tabellenführer relativ souverän geschlagen wurde, stand nun mit dem VfL Bochum ein Gegner aus dem Abstiegssumpf an – und es wurde der erwartet schwere „Arbeitssieg“. Wenn auch mit recht langem Anlauf.

Bundesliga, 26. Spieltag:
VfL Bochum – VfB Stuttgart 1:2 (0:0)

Die erste Halbzeit verlief dabei so, wie Auswärtsspiele meistens gegen Teams aus dieser Tabellenregion ablaufen: Relativ zäh und unspektakulär. Ohne allerdings wirklich schlecht zu sein, nur halt ohne großartige Höhepunkte. Unter dem Strich waren die Ruhrpottler sogar leicht überlegen, ohne aber wirkliche Gefahr auszustrahlen. Das meiste spielte sich doch eher im zentralen Bereich des grünen Rasens ab und war eher unter dem Begriff „Mittelfeldgeplänkel“ zusammenzufassen, wenngleich sich der 90elf-Reporter zur Halbzeitpause sicher war, dass es in der zweiten Hälfte auf jeden Fall noch Tore geben würde.

Und er sollte dann auch recht behalten – leider klingelte es aber erst einmal auf der falschen Seite im Tor. Eine wohl verunglückte Flanke senkte sich kurz vor der Latte in Richtung VfB-Tor und wurde dort in der Luft zur sicheren Beute unseres Torhüters Jens Lehmann. Der schien allerdings durch die ganzen Vertragsverhandlungen und das absurde-Ansprüche-auf-die-Nationalelf-stellen scheinbar nicht mehr so ganz per Du mit den Gesetzen von Schwerkraft, Physik und Co.. Und so landete er dann leider mit dem gefangenen Ball hinter der eigenen Torlinie – 1:0 für Bochum. Fausten wäre hier womöglich die etwas bessere Lösung gewesen. Aber gut.

Zumindest war der Führungstreffer für die Bochumer zu diesem Zeitpunkt durchaus in Ordnung, denn Stuttgart war insgesamt leicht unterlegen und vor allem starteten die Mannen von Koller wesentlich besser in die zweite Halbzeit. Doch erfreulicherweise zeigte der VfB eine gute Reaktion auf den Rückstand und legte plötzlich zwei, drei zusätzliche Hölzer ins Feuer und waren nun endlich im Spiel drinnen, so dass zehn Minuten nach dem Gegentor der Ausgleich zu bejubeln war: Eine Ecke, ein bisschen Flipper von Lanig und Klimowicz und am langen Pfosten brauchte Cacau nur noch einzunicken.

Das war dann das Startsignal für eine richtig gute Phase des VfB, die nun 30 Minuten lang wirklich stark nach vorne spielten, ohne allerdings genug Fortune im Abschluss zu besitzen. Charakteristisch wohl vor allem die Szene von Hilbert, der in der 81. Minute den Ball aus drei Metern neben das leere Tor setzte. Da war ich schon bereit, das Spiel innerlich aufzugeben und nicht mehr an den Sieg zu glauben.

Doch dann führte Hitzlsperger in der 89. eine Ecke schnell aus, der Ball kommt wieder zu Lanig, der erneut perfekt quer vors Tor köpft wo dieses Mal der am Mittwoch recht stark kritisierte Tasci nur noch abzustauben brauchte.

Wichtig. Nein, sogar sehr wichtig!

Denn dadurch sind wir nun tatsächlich wieder auf einem UEFA-Cup-Platz. Zum ersten Mal seit dem neunten Spieltag dieser Saison, als wir einen 2:0 Sieg feiern konnten – gegen Bochum…

Und das sollte auch erst mal der zu großen Euphorie den Wind aus den Segeln nehmen. Schließlich ging es in der Hinrunde dann nach dem Erfolg gegen Bochum erstmal relativ konsequent bergab bis dann der Wechsel zu Babbel erfolgte. Zwar haben wir nun schon immerhin 4 Zähler mehr als zum gleichen Zeitpunkt der Hinserie auf dem Konto, aber die wahren Prüfsteine, gegen die wir in den Hinspielen schlecht aussahen, stehen eben noch aus. So zum Beispiel am kommenden Wochenende gegen Hamburg, die uns 2:0 nach Hause schickten, bevor es dann noch die Scharte des peinlichen Heimspiels gegen Köln auszuwetzen gilt. Und auch im Anschluss gegen Frankfurt und Bielefeld gilt es Wiedergutmachung für die mageren Unentschieden vorzunehmen, bevor man dann zur ultimativen Revanche Wolfsburg empfängt, die ja für unseren bisherigen Tiefpunkt der Saison gesorgt hatten.

Gehen wir aus diesen 5 Spielen mit 10 Punkten (statt mit zwei), DANN können wir gerne darüber reden, was tatsächlich ganz oben noch möglich ist.

Nationalstürmer-Effektivitäts-Watch

Viel, sehr viel, nein, ZU viel wurde in den vergangenen zwei Wochen über die Stürmer der deutschen Nationalmannschaft geredet und geschrieben. Vor allem war natürlich Mario Gomez im Fokus, bei dem es scheinbar völlig irrelevant war, dass er einer der treffsichersten Stürmer mit deutschem Pass überhaupt ist – und das schon seit ungefähr zwei Jahren. Aber nun gut, ich will gar nicht mehr groß dazu äußern, auch wenn das asoziale Leipziger Publikum für das Pfeifkonzert gesammelt einen ordentlichen Schlag in die Fresse verdient hätte. Doch ich will mich lieber darauf konzentrieren, wie schon seit Beginn der Saison, einfach das nackte Zahlenwerk für sich sprechen zu lassen.

Mittlerweile ist der verletzte Miroslav Klose nun im Ranking auf die Spitzenposition gerückt, da er derzeit ja gar nicht mehr die Chance bekommt, nicht zu punkten – und ich würde auch fast vermuten, dass er da bis zum Ende der Saison deswegen auch bleiben wird. Aber das ist nur so ein Gefühl, schließlich sind dahinter weiterhin Helmes und Gomez noch in Schlagdistanz. Gewinner dieses Spieltags sind sicherlich vor allem Kießling mit Tor und Assist, sowie Cacau, der seit seiner Einbürgerung recht konsequent auf der Überholspur ist und demnächst auch Poldi einholen könnte.

1. Miroslav Klose – 39 Spiele / 23 Tore / 12 Torvorlagen => NEW-Faktor 2,10
2. Patrick Helmes – 34 / 21 / 5 => 2,00
3. Mario Gomez – 40 / 25 / 7 => 1,95
4. Stefan Kiessling – 30 / 12 / 8 => 1,47
[Kevin „Kneifer“ Kuranyi – 37 / 13 / 7 => 1,24]
5. Lukas Podolski – 30 / 11 / 3 => 1,20
6. Jan Schlaudraff* – 18 / 6 / 2 => 1,11
7. Cacau* – 19 / 5 / 4 => 1,00
8. Sebastian Freis* – 28 / 8 / 0 => 0,86
9. Mike Hanke* – 22 / 4 / 1 => 0,59
10. Aaron Hunt* – 23 / 2 / 3 => 0,39

*= derzeit nicht im Nationalmannschaftskader

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9 Kommentare

Eingeordnet unter Ballgefühl

9 Antworten zu “Die Spätzlegabel – Bundesliga, ST26: VfL Bochum.

  1. Pingback: Bundesliga: Das war der 26. Spieltag - Wolfsburg ballert sich zum Tabellenführer | Heimkabine.de

  2. Eigentlich wollte ich hier nur zwei Zahlen ablegen (die 5 und die 1), muss jetzt aber etwas mehr loswerden: Der VfL wird natürlich nicht geschlagen, da könnt Ihr mal etwas Luft heraus lassen. Dagegen darf gegen den HSV gern gewonnen werden! Danke!
    😉

    Achja: 5:1 :mrgreen:

  3. Tja, das war schon eine beeindruckende Leistung hinten raus gegen die Bayern.

    Wobei ich sagen muss, dass das 5:1 der Bayern im Pokal gegen uns krasser war, als Euer Sieg. Bei uns war es ja eine Demontage erster Güte. Bei Euch muss man ja schon sagen, dass die ersten rund 60 Minuten oder so (also bis zum 2:1) ein ziemlich ausgeglichenes Spiel war.

    Der Knackpunkt war halt dieses komplette Auseinandebrechen der Bayern bei gleichzeitiger beinahe 100%iger Chancenauswertung durch Eure Stürmer.
    Das Endergebnis spiegelte daher nicht die wirklichen Kräfteverhältnisse wider.

    Nichtsdestotrotz bin ich natürlich der Meinung, dass der Titel nur über Euch geht. Dementsprechend habe ich natürlich ein bisschen Sorge was das Duell mit Euch angeht und wäre da sicherlich mit einem Remis durchaus zufrieden.
    Wobei, das Spiel findet ja nicht in Wolfsburg statt… =)

    Der HSV ist sicherlich eine ganze Kante schwächer als ihr momentan. Von daher mit Sicherheit schlagbarer.

  4. Die Zeilen über das Leipziger Publikum erinnern mich dann doch daran, dass Du bekanntlich Killerspiele spielst 😉 … und in der Sache natürlich recht hast!

    10 statt 2 ist eine gute Formel für die nächsten Spiele (war mir so nicht bewusst, zu sehr ist diese Vorrunde bereits verdrängt…). Und mit dem künftigen Nationaltorhüter sollte das ja wohl drin sein…

  5. Na, Vorsicht! Nicht dass ich hier noch durch die Androhung von Gewalt gegen Menschenmassen und die Erwähnung von Killerspielen im gleichen Abschnitt der Seite in irgendwelche Internetsuchfilterschleifen gerate und falsche Verdächtigungen zustande kommen. =)

    Tja, mir war das auch gar nicht so wirklich bewusst. Wollte nur nachschauen, wann wir das letzte Mal auf einem UEFA-Cup-Platz standen und siehe da: Es war nach dem Hinspiel gegen Bochum.
    Und als ich dann nachschaute, was danach noch so passierte offenbarte sich plötzlich wieder das ganze Grauen der Hinrunde.
    Vor allem die beiden Remis gegen Frankurt und Bielefeld sowie das Desaster gegen Köln… Irks!
    Unter normalen Umständen sollten wir aus diesen Spielen eigentlich mit 9 Punkten rausgehen können – behaupte ich mal. Dazu hat die Mannschaft einerseits genug Qualität und andererseits halt auch das Momentum diesmal auf ihrer Seite, während es in der Hinrunde ja doch insgesamt eher eine negative Atmosphäre rund um das Team war. Trotz der UEFA-Cup-Platzierung.

  6. hirngabel, zur kleinen Spielanalyse von Dir natürlich Zustimmung. Der VfL spielt momentan äußerst effizient. Da braucht man sich nur mal die jeweiligen Ballbesitzstatistiken anzusehen. Weniger Ballbesitz, größere Fitness und schnelleres Spiel führen zu einer guten Chancenauswertung, die uns meist gewinnen lässt. In der Hinrunde gab es noch knappe und unglückliche Auswärtsniederlagen gegen die Großen, die jetzt aber alle noch zu uns kommen müssen – bis auf den VfB eben.

    Das wird noch eine heiße Endphase, es sind ja noch einige Spiele …

  7. Naja, den letzten Tabellenführer, der durch seine Effizienz zu bestechen wusste und bei dem wir in der Hinrunde verloren hatten, haben wir ja auch jüngst zu Hause niedergemetzelt. 😀

    Eine heiße Endphase wird es allemal noch werden. Ich bin echt gespannt.

    Mein Problem ist nur: Ich werde den 34. Spieltag nicht in Deutschland sondern in den USA sein – eine erschreckende Parallele zu 2007 übrigens, als ich das entscheidende Spiel um den Meistertitel per SMS im Bett einer Ranch im Süden Arizonas verfolgen musste…
    Mal schauen ob das ein Omen ist… =)

  8. Das der Freis noch in einer Rangliste über Effektivität auftaucht…

  9. ROFL

    Naja, hängt wohl mit der eher mageren Gesamtzahl an *deutschen* Stürmern in der Bundesliga zusammen.
    Es sind jämmerliche 13 Stürmer mit deutschem Pass bei 18 Mannschaften, die mindestens einen Scorer-Punkt verzeichnen konnten. Und da ist dann schon jemand wie Hunt dabei, der meist im Mittelfeld agiert…

    Von daher tun wir auch gerne Euch Karlsruhern mal was Gutes und loben Freis. =)

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