Schottenrock.

Zugegeben, wenn man sich das mal oberflächlich betrachtet, wessen Konzerte ich so in den letzten Monaten besucht habe (zumindest einen Teil dieser Konzerte), dann kann der eine oder andere sicherlich schnell der Vermutung erlegen, dass der Entscheidungsprozess bei mir auf einem bestimmten optischen Grundmuster basierte – aber das ist natürlich völliger Schwachsinn…

Aber gut, was will man machen, wenn es derzeit einfach so viele gutaussehende Damen Anfang Zwanzig gibt, die exzellente handgemachte Musik fabrizieren?

Dementsprechend war es im Grunde auch nur logisch, dass ich mich nun am vergangenen Donnerstag gemeinsam mit 3 guten Freunden auf den Weg nach Bochum machte, um uns dort von der jungen Schottin Amy MacDonald verzaubern zu lassen. Sie wurde von mir ja schon vor einigen Monaten hier im Blog vorgestellt und ging anschließend ziemlich durch die Decke, bekam am vergangenen Wochenende gar einen Echo als Beste Newcomerin (ein zwingender kausaler Zusammenhang zu meinem Blogpost muss hier allerdings nicht unbedingt reininterpretiert werden).

Dementsprechend finden ihre Konzerte natürlich nunmehr in nicht ganz so kleinen Locations statt, in meinem Falle war dies die Jahrhunderthalle in Bochum – ein ganz cooler Veranstaltungsort mit spannender Atmosphäre, da es sich um eine alte Fabrikhalle mit viel Beton, riesigen Stahlträgern und sogar noch Lagerkränen handelt, die allerdings leider auch eher schmal und recht langgezogen war und so die 3500 Zuschauer ziemlich in die Länge zog. Aufgrund von jeder Menge Stau auf dem Weg durchs Ruhrgebiet kamen wir leider auch sehr spät an, so dass wir uns im hinteren Drittel der Zuschauermasse wiederfanden, was den Genuß des Konzertes ein wenig trübte (und mich zudem darin bestätigte, dass ich kleine Konzerte einfach wesentlich mehr mag).

Insgesamt war ich im Vorfeld des Konzerts doch ein wenig skeptisch. Zum Einen hatte ich leichte Zweifel, ob diese junge Künstlerin mit ihrer grundsätzlich eher etwas ruhigen Musik überhaupt in der Lage war, in einer solch großen Halle entsprechende Wirkung zu erzielen und zum Anderen deuteten einige vorher angehörte Live-Aufnahmen von MacDonald an, dass ihre tatsächliche Stimme teilweise nicht ganz so viel zu tun hat mit dem, was von den Studio-Aufnahmen kennt und doch sehr ungewohnt klang. Doch erfreulicherweise stellte sich bald heraus, dass zumindest diese beiden Befürchtungen unbegründet waren.

Schwarz in Schwarz: Die fünf Styler von MOKE

Schwarz in Schwarz: Die fünf Styler von MOKE

Zuerst stand aber direkt nach unserer Ankunft erst einmal der Auftritt der Vorband an, die in diesem Fall eine (für das Publikum) erstaunlich laut rockende Band aus Holland mit irischem Frontmann war. Moke, so der Name des komplett in schwarz gekleideten Quintetts (wohl von Karl Lagerfeld ausgestattet), spielen dabei eine recht gut klingende, aber für meinen Geschmack auch recht spannungsarme Mischung aus Neo-Wave und Indierock, die sich irgendwo im Spannungsfeld von Placebo (nicht nur aufgrund der stimmlichen Ähnlichkeiten beider Frontsänger), Muse  und den Killers. Wie gesagt, das klingt alles recht gefällig (vor allem Live), lässt aber die wirklich begeisternden Momente vermissen und wirkt ähnlich durchkalkuliert, wie der gesamte Auftritt und die Aussenwirkung der Band in Sachen PR-Arbeit. Bin mir aber dennoch fast sicher, dass sie, nach ihrem Erfolg in Holland, auch in Deutschland recht erfolgreich abschneiden dürften in diesem Jahr.

Nach diesem okayen Auftakt stand dann aber natürlich die Headlinerin des Abends schon in den Startlöcherin und räumte, gemeinsam mit ihrer vierköpfigen Band erstmal kräftig mit den ersten Befürchtungen auf.
Nachdem das Licht in der Halle ausging, erklangen erst einmal, ganz dem Klischee entsprechend, klassische Dudelsacktöne, die dann aber jäh von drängenden, verzerrten Gitarrenriffs unterbrochen wurden und sich schnell als Begleitung von „Poison Prince“ herausstellten und somit schon mal direkt klar machten, wo der Hase lang läuft: Amy MacDonald live ist definitiv eine ziemlich andere Hausnummer als die Amy MacDonald aus der Konserve.

Live klingen die schnelleren Songs wesentlich dreckiger und aggressiver, stellen die Rockerseite weitaus mehr in den

Die bezaubernde Amy in Bochum

Die bezaubernde Amy in Bochum

Vordergrund, als es in den teilweise etwas glattgebügelten Albumversionen der Fall ist. Besonders auffällig wurde das bei ihrer Hitsingle „This is the life“, das auf dem Album zwar die melodische Seite sehr gut zur Geltung kommen lässt, aber doch auf Dauer etwas platt wirkt und auf der Bühne dann eine ungleich kraftvollere und spaßigere Wirkung entfaltet, woran auch Amys in der Realität wesentlich markigere, rauere Stimme, die auch sehr gut bei einem Pubmusiker aufgehoben wäre, eine gehörige „Mitschuld“ trägt. Ähnliches gilt dann auch für „A wish for something more“, das im Verlaufe der Tour sogar umarrangiert wurde, um bühnentauglicher zu werden – Experiment definitiv gelungen, zumal man hier besonders merkte, wie hervorragend auch die Chemie zwischen Amy MacDonald und ihren Mitmusikern passte, zu denen neben Drummer, Gitarrist und Keyboarder auch ein Trompete spielender Bassist gehörte, der zudem auch für die Backing Vocals zuständig war. Und auch „Barrowland Ballroom“, die Ode an ihren Lieblingsclub in Glasgow, kommt live exzellent rüber – aber der macht ja auch schon im Autoradio von der CD ebenso viel Spaß, wie es auch bei Let’s Start a Band der Fall ist, dem Song, der das ganze Konzert passend und stimmungsvoll abschloss. Doch auch bei den ruhigeren Songs wie „The long way home“ oder „Footballer’s Wife“ vermochten es Amy MacDonald und ihre Band, die Masse in ihren Bann zu ziehen und konnte so meine Bedenken sehr gut zerstreuen. Bemerkenswert sicherlich auch, wie souverän sie sich, in Anbetracht ihres doch noch jungen Alters, auf der Bühne zwischen den Songs bewegt und das Publikum während der Anmoderationen mit Schlagfertigkeit und auch einem Schuss Koketterie gut im Griff hat. Insgesamt also eine wirklich absolut runde, kurzweilige Angelegenheit.

Lediglich eine Befürchtung/Vorahnung/Vermutung, die ich im Vorfeld hatte, bestätigte sich an diesem Abend: Es war nämlich mit handgestoppten 68 Minuten, eine nicht nur sehr kurzweilige, sondern eben auch sehr kurze Veranstaltung.

Damit war aber, wie gesagt, wenn man ehrlich zu rechnen, denn schließlich hat die gute Amy erst ein Album mit 45 Minuten Laufzeit rausgebracht, die denn auch, wenn ich mich nicht vertue, komplett gespielt wurde. Nun waren aber die restlichen 23 Minuten nicht nur Moderationen, verlängerte Laufzeiten der Live-Versionen und Pause zwischen Konzert und Zugabe – sondern es gab auch noch zwei neugeschriebene (oder zumindest nicht auf dem Album erschienene) Songs zu hören, sowie zwei Cover-Songs.

Amy MacDonald am 26.2. in der Jahrhunderhalle Bochum

Amy MacDonald am 26.2. in der Jahrhunderhalle Bochum

Die beiden neuen Tracks fügten sich dabei auf den ersten Blick sehr gut in den typischen Amy-Stil ein, ohne aber jetzt übermäßig positiv herauszustechen. „Next Big Thing“ ist eine relativ unspektakuläre Uptempo-Nummer gewesen und ging im allgemeinen Set etwas unter, während „Troubled Soul“ als zweiter Zugabensong eine etwas exponiertere Stellung genoß und eine nette Ballade zum Träumen ist.

Die zwei Cover-Songs, die die Gesamtzahl auf 15 Songs aufstockte, waren hingegen schon ungleich auffälliger – nicht zuletzt weil man die Originale ja schon kannte. Beim ersten Cover war das leider nicht von Vorteil, denn „Mr. Brightside“ von den Killers ist für mich nun mal einer der besten Songs dieses Jahrzehnts – und fand in der Version von Amy MacDonald überhaupt nicht Anklang bei mir. Zumindest wirkte es im Publikum am Donnerstag doch ein ganzes Stück weniger furchtbar, als es auf der Live-CD von MacDonald klingt, wo es mich extremst ankotzt.

Ganz im Gegensatz dazu dann das andere Cover des Abends, das als erste von drei Zugaben eingesetzt wurde: „Dancing in the Dark“, im Original vom Boss Bruce Springsteen, wurde als komplett reduzierte Ballade von Amy nur mit Akkustik-Gitarre interpretiert und war wirklich ganz fantastisch!

Als Fazit kann man also von einem wirklich rundum gelungenen Konzert sprechen, dass musikalisch wirklich erstklassig war und nur den kleinen Wermutstropfen der Kürze hatte (wobei es immer noch wesentlich länger war als der damalige Debakelauftritt von Blink 182, die -hoffentlich- auf ewig meine Nummer 1 der größten Konzertunverschämtheiten bleiben wird).
Daher würde ich mir aus rein egoistischen Motiven fast wünschen, dass Amy MacDonalds zweites Album kommerziell ein absoluter Megaflop wird. Dann würden nämlich die Chancen steigen, dass ich dann in naher Zukunft die Möglichkeit bekomme, einen längeres Konzert von ihr in einem Pub-/Eckkneipen-/Club-Ambiente erleben darf – das wäre nämlich, glaube ich, so richtig großartig.

Setlist – Amy MacDonald, 26.2.09 in der Jahrhunderthalle Bochum:
1. Poison Prince
2. L.A.
3. Youth of Today
4. Barrowland Ballroom
5. Footballer’s Wife
6. Mr. Brightside
7. A wish for something more
8. Mr. Rock & Roll
9. Next Big Thing
10. This is the life
11. Road to Home
12. Run
13. Dancing in the Dark (Z)
14. Troubled Soul (Z)
15. Let’s start a Band (Z)

5 Kommentare

Eingeordnet unter Hast du Töne!?, Muss man wohl dabei gewesen sein...

5 Antworten zu “Schottenrock.

  1. So kurz finde ich die 68 Minuten plus Vorband gar nicht. Farin Urlaub hat damals seine Songs beim Konzert zum ersten Album teils einfach doppelt gespielt, um nicht Songs von den Ärzten spielen zu müssen. Wenn die Qualität aber nicht stimmt, ist das natürlich eine andere Sache …

  2. Naja, das kommt halt immer auf die Betrachtungsweise an. Wenn mein nächstes Konzert von der Hauptband am Donnerstag 68 Minuten dauert – dann ist das völlig akzeptabel, bei einem Preis von 12,10€ (zumal ja noch eine Vorband dabei ist).

    Aber wenn ich 31€ zahle (bzw. gezahlt hätte), dann sind eben 68 Minuten schon knapp, da auch die Vorband nicht einmal eine halbe Stunde spielte.

    Ich mein, die Subways haben letztes Jahr -bei immerhin zwei veröffentlichten Alben- auch nicht wirklich länger gespielt, nur hatten die eben zwei Vorbands. Das ist dann auch völlig in Ordnung (egal was man von Twin Atlantic hielt).

    Bei der Amy stimmte aber die Qualität absolut! Und von daher ging ich eben auch keineswegs mit Magengrimmen von dannen. =)

    Re: Farin Urlaub
    Songs doppelt spielen finde ich dann aber auch schon ein wenig grenzwertig. Da fand ich die Lösung mit Coversongs vom Prinzip her schon besser.

  3. Der Farin hat das Ganze schon so verkauft, dass es einen Mordsspaß machte. Es waren quasi auch nur die Stimmungsmacher, die er nochmals spielte (z.B. „Zehn“). Gut, günstig sind die 31 € natürlich nicht. Für Amy hätte ich die auch nie ausgegeben. Aber 68 Minuten Muse für 31 € – jederzeit ;o) Dass die Künstler heutzutage mit Konzerten ihre Kohle scheffeln müssen, ist eine Entwicklung, die man akzeptieren muss. So gesehen sind die paar Euros für die Subways gut investiertes Geld.

  4. Ja, das glaub ich beim guten Herrn Urlaub natürlich. Und es stand am Wochenende auch kurz zur Debatte, diesen Sommer das Racing Team zu bewundern – die NRW-Konzerte passen zeitlich nur leider nicht (eine FURT-USA-Tour zu der Zeit wäre besser).

    Apropro Muse: Mal in Moke reingehört? Könnte eventuell sein.

    Bisher gabs auch noch kaum Konzerte, die ich ernsthaft bereut hätte. Vielleicht mal abgesehen vom Blink-Debakel. Und das Beastie Boys-Konzert hätte im Nachhinein auch nicht sein müssen. Ansonsten lass ich das Geld auch recht gerne da – zumal es ja bei mir in der Regelfall auch unter den Bereich Nachwuchsförderung fällt, wie am Donnerstag dann mit Blackmarket und Auletta (falls Du danach schaust, nicht die hier)

  5. Wann

    In der Intro war Moke als eine der neuen Bands mit Potential aufgeführt. Der Song gefällt mir ganz gut, muss Dir aber recht geben, dass das ziemlich kalkuliert aussieht. Sie werden aber den Durchbruch nicht schaffen. Sie kommen schließlich aus Holland. Das haben sie nicht bedacht.😉

    Dancing in the Dark klingt ganz nett, wenn man nach einer halben Ewigkeit endlich hört, was das werden soll.

    The Dears – Money Babies http://www.youtube.com/watch?v=58X68rQ4GJE

    Chauchat – eyelash http://www.lastfm.de/music/Chauchat/_/eyelash?autostart
    (Falls das gefallen sollte, es befinden sich auf lastfm fast zwei komplette CDs als MP3-Download)

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