Die Spätzlegabel – Bundesliga, ST21: TSG 1899 Hoffenheim.

spatzlegabel3-31Und täglich grüßt das Gegentor… Momentan macht es wenig Spaß VfB-Blogger zu sein, aber zumindest macht es halbwegs Spaß den Spielen zuzuschauen – und das sollte ja auch das wesentlich Wichtigere sein. Jedenfalls ist derzeit bei Spielen mit Stuttgarter Beteiligung eine gewisse Torquoute quasi garantiert.

Bundesliga, 21. Spieltag:
VfB Stuttgart – TSG Hoffenheim 3:3 (2:2)

Mir wurde hier ja schon nachgesagt, dass ich mit meiner Meinung zu den VfB-Auftritten gerne mal gegen den Strom schwimme – und das mag ich auch gar nicht bestreiten. Schließlich liegen mir Meinungen entgegen der Mehrheit ohnehin und zum anderen habe ich, denke ich, ohnehin auch einen etwas anderen Blickwinkel auf den VfB, da ich ja überhaupt gar nicht in der Fan-Szene drin bin und zudem auch kaum was von den Stuttgarter Medien mitbekomme.
Daher werde ich das auch heute tun und beginne hiermit offiziell die Trainerdiskussion: Markus Babbel muss möglichst bald durch einen besseren Trainer ersetzt werden.

Okay, auch wenn ich gerade karnevalsbedingt nicht fahrtauglich bin, will ich dieses Fass natürlich nicht aufmachen. Aber ich muss doch, gerade im Zusammenhang mit meiner Spielanalyse vom vorangegangenen Spieltag, festhalten, dass es Babbel bislang nicht gelungen ist, die grundlegenden Defizite des Teams abzustellen, denn die Auftritte ähneln sich Woche für Woche – und das nicht nur wegen der ähnlichen (torreichen) Ergebnisse. So gab es auch am Samstag gegen Hoffenheim wieder die selben Muster, sowohl im positiven wie auch im negativen, auf dem Platz zu beobachten.

Keine Frage, Babbel scheint der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt gewesen zu sein, denn der Wechsel von Veh zu ihm hat, wie ich damals ja auch schon feststellte, bewirkt, dass sich die offensichtlich vorhandenen psychischen Blockaden gelöst haben und das Team wieder befreiter aufspielen konnte, so dass man damit wieder näher am Potential ist, dass die Mannschaft eigentlich besitzt.

Damit stellt sich dann aber gleichzeitig die Frage der Weiterentwicklung des Teams. Und hier sehe ich momentan nicht viele Fortschritte, die jenseits der Tatsache liegen, dass sich die Mannschaft nicht mehr so schnell aufgibt und ständig an seine Chance glaubt (und für diese auch fightet). Das führt dann wiederum direkt zur Frage, wo denn eigentlich das Problem bzw. vielmehr die Ursache für die fehlende Weiterentwicklung liegt: Ist der Trainer dazu nicht in der Lage oder hängt es vielmehr mit dem vorhandenen Potential des Kaders zu tun, das schon an seine Grenzen gestoßen ist.

Ob der Trainer dies nicht leisten kann, lässt sich natürlich nach so wenigen Spielen noch überhaupt nicht beurteilen.  (Um das damit auch nochmal klar zu machen: Ich fordere selbstverständlich überhaupt nicht die sofortige Ablösung von Babbel!) Was sich allerdings, denke ich, durchaus feststellen lässt, ist die Beobachtung, dass wir definitiv auf gewissen Positionen im Defensivbereich ein Qualitätsproblem haben.

In der letzten Woche hatte ich ja schon Magnin kritisiert, denn ich zwar grundsätzlich als sehr sympathischen Typ empfinde, der aber leider in der Defensive häufig zu schwach, zu ungeschickt, zu langsam und zu nachlässig ist. Ich denke er könnte ein Top-Spieler in Liga 2 sein, aber für die schnellen Stürmer der Topteams im Oberhaus (geschweige denn international) ist er einfach nicht stark genug. Babbel schien das auch erkannt zu haben und setzte mit Boka die einzig wirklich vorhandene Alternative auf der LV-Position ein. Der ist zwar auch nicht wirklich stark und hat zu häuufig Probleme in Sachen Stellungsspiel, aber ist doch grundsätzlich agiler als der oftmals etwas hüftsteife Schweizer. Und das war gegen Hoffenheim natürlich vonnöten.

Blöderweise wurde Boka dann allerdings in der 30. Minute ziemlich rüde (aber sicherlich nicht rotwürdig) von Salihovic gefoult, was dazu führte, dass er ausgewechselt werden musste und eben jener Magnin wieder die Linksverteidiger-Position einnehmen durfte. Und der führte sich dann auch kurze Zeit später prompt „gut“ ein, indem er einen völlig unnötigen Fehlpass im Mittelfeld spielte, der dann zu einem der überfallartigen Angriffe führte, für die die Hoffenheimer so berüchtigt sind – was dann auch zum (nach Hannover  erneuten) Ausgleichstreffer gegen Stuttgart unmittelbar vor der Pause führte.

Auch vor dem dritten Treffer von Ibisevic Ba stellte er wieder mangelhaftes Stellungsspiel zur Schau – auch wenn an diesem Gegentor sein Nebenmann Boulahrouz noch größere Schuld trug, der Ba komplett aus den Augen verlor, weil er als einziger auf Abseits spielte. Übrigens schade, dass der starke Auftritt des Niederländers gegen Leverkusen nur ein Strohfeuer gewesen zu sein schien und keine Trendwende. So ist auch er für mich eigentlich nur zweite Wahl und ich sehe mit Sehnsucht der Genesung Delpierres entgegen.

Aber zurück zu Magnin, denn der hatte ja noch einen weiteren denkwürdigen Auftritt in diesem Spiel. Man schrieb die 92. Minute der Nachspielzeit und Carlos Eduardo schickte sich an von links in den Stuttgarter Strafraum einzudringen. Sein Gegenspieler war Magnin und ich ahnte, nein ich rief lauthals Schlimmstes (wie meine Mitgucker bestätigen können) – denn ich hatte ein Deja-Vu, gab es doch ähnliche Szenen schon gegen Hannover UND gegen Leverkusen, die jeweils zu Gegentoren führten, weil entweder die Gegner durchkamen oder -weithaus häufiger- Magnin sich so ungeschickt anstellte, dass es zum Foul und anschließendem Freistoß mit Torerfolg für den Gegner kam.

Dieses Mal setzte er noch einen drauf, denn das Foul passierte im Strafraum und es fand zudem bei Gleichstand in der Nachspielzeit statt. Und auch wenn man den Elfer nicht hätte geben müssen, da es meiner Meinung nach kein eindeutiges Foul im klassischen Sinne war, so war das Verhalten des Schweizers einfach nur dermaßen absebar und stümperhaft, dass ich spontan für wenige Sekunden aus dem Raum flüchten musste, um meine Sofanachbarn nicht zu sehr mit meinem Wutgebrüll zu belästigen.

Aber, immerhin, das Ding ging nicht rein, so dass wir uns am Ende doch über einen gewonnenen Punkt freuen konnten, was nach dem intensiven Kampf gegen St. Petersburg auf noch schlechterem Geläuf als am vergangenen Samstag schon akzeptabel ist.

Zumal wir unter dem Strich zwar einen Tabellenplatz verloren, aber dafür den punktemäßigen Rückstand auf Platz 5 nochmal reduziert haben, nachdem bei Bayer Leverkusen wieder der Fluch der LTU-Arena zugeschlagen hat. Und so bleibt auch dieses Mal wieder festzuhalten, dass wir unter Babbel -und damit schließt sich der Kreis des Beitrags- weiterhin ungeschlagen durch die Bundesliga wandeln und die Distanz zum UEFA-Cup nach der Winterpause von 7 auf 3 verkürzen konnten. Das reine Zahlenwerk ist also weiterhin eindeutig auf Babbels Seite, und wenn dann am Donnerstag der Einzug in die nächste UEFA-Cup-Runde gelingen sollte, dann beginnt er wohl so allmählich einen Mythos um sich aufbauen zu können.

Und beim KSC am kommenden Sonntag sollten dann auch mal wieder volle 3 Punkte und nicht „nur“ 3 Tore auf dem Haben-Konto verbucht werden. Dann sollten wir zumindest die Wolfsburger, die beim neuen Tabellenführer HSV antreten müssen, hinter uns lassen können.

Nationalstürmer-Effektivitäts-Watch

Ich glaube ich muss nicht so viel sagen. Patrick Helmes verteidigt durch einen weiteren Treffer noch seine Führung, allerdings trumpft unser Super-Mario in dieser Rückrunde einfach wahnsinnig auf. 8 Tore in 6 Pflichtspielen ist die gigantische Quote, die er in 2009 auf seine ohnehin schon beeindruckende Bilanz der ersten Halbserie noch draufsetzen konnte. Dazu gelang ihm heute dann auch mal wieder ein Assist, als er wunderbar auf Comebacker Cacau spielte. Klose hat dabei ein wenig das Nachsehen, zumal ihm ein eigentlich regulärer Treffer aberkannt wurde.
Erwähnenswert natürlich noch Fußballgott Kuranyi, der ein tatsächlich absolut sehenswertes Tor gegen den BVB erzielte und natürlich Oliver Neuville, dem bei seinem Samstagnachmittagsausflug aus dem Altersheim tatsächlich sein erstes Pflichtspieltor gelang – für eine Erwähnung in den Top10 reicht es allerdings noch nicht.

1. Patrick Helmes – 26 Spiele / 18 Tore / 5 Torvorlagen => NEW-Faktor 2,27
2. Mario Gomez – 35 / 24 / 6 => 2,23
3. Miroslav Klose – 33 / 19 / 9 => 2,00
4. Stefan Kiessling – 24 / 10 / 7 => 1,54
[Kevin „Kneifer“ Kuranyi – 31 / 11 / 5 => 1,23]
5. Jan Schlaudraff* – 16 / 6 / 1 => 1,19
6. Lukas Podolski – 21 / 7 / 1 => 1,05
7. Sebastian Freis* – 23 / 8 / 0 => 1,04
8. Mike Hanke* – 19 / 3 / 1 => 0,53
9. Aaron Hunt* – 19 / 2 / 3 => 0,47
10. Gerald Asamoah* – 24 / 3 / 0 => 0,39

*= derzeit nicht im Nationalmannschaftskader

7 Kommentare

Eingeordnet unter Ballgefühl

7 Antworten zu “Die Spätzlegabel – Bundesliga, ST21: TSG 1899 Hoffenheim.

  1. Ute

    Tja, da frage ich mich doch ein weiteres Mal, warum ich in der Managerliga nicht noch einen verkaufen durfte, sonst wäre Magnin sicher nicht mehr drin…😦

    Karneval und Fußball in dem Maß klingt aber stressig.

    Da beschränke ich mich doch weiterhin auf Fasnet und fast kein Fußball, Honarro!😉

    PS:
    Hm, ich glaube ich hab letztes Mal auch auf benachrichtigen gedrückt, kann mich aber nicht erinnern eine Mail bei den nachfolgenden Kommentaren bekommen zu haben. Ich werde es beobachten und mich im Zweifel nochmal melden…

  2. Pingback: Bundesliga: Das war der 21. Spieltag - HSV neuer Tabellenführer | Heimkabine.de

  3. Was heißt, es macht wenig Spaß?
    Über das Spiel vom Samstag hätte ich mit Freude drei Texte schreiben können und dennoch vieles weglassen müssen. (Ok, mag auch damit zu tun haben, dass ich im Gegensazu zu Dir im Stadion war).
    Dass das allerdings nicht alles positiv ist, steht außer Frage😉

    Aus der Babbelfrage halte ich mich raus.

    Und wann taucht Cacau in der Ststistik auf?😉

  4. @Ute
    Naja, ich bin nicht so ein heftiger Karnevalist. War früher schon nur Donnerstag und Sonntag feiertechnisch unterwegs, mittlerweile aber sogar nur noch Sonntags zum Karnevalszug in der Heimatstadt (oder wie letztes Jahr gar nicht).

    Das mit der Kommentarbenachrichtigung ist natürlich blöd. Allerdings weiss ich auch nicht, inwieweit ich da Einfluss drauf nehmen kann.

    Und Magnin wird zumindest bis auf Weiteres spielen – gibt ja keine wirkliche Alternative zu ihm, so ohne Boka.

    @heinzkamke
    Wenig Spaß, weil es einerseits andauernd derselbe Kram ist und andererseits…. weil ich gut einen im Tee hatte, da schreibt man halt sowas. =)

    Und natürlich könnte ich noch einen komplett eigenständigen Beitrag schreiben über diese banale Situation um Lehmann und den Schuhwurf – aber das Aufregen übernehmen ja derzeit alle Medien.

    Die Babbelfrage stellt sich ja für mich auch überhaupt nicht wirklich. Ich denke, das dürfte auch aus dem Text klar geworden sein. Es ging einfach nur nochmal darum, meinen leichten Unmut darüber festzuhalten, dass derzeit jede Woche dasselbe abläuft – nur mal mit dem einen und mal mit dem anderen Ergebnis (wir hatten das ja schon mal mit den Kleinigkeiten).

    Cacau wollte ich gestern eigentlich schon mit aufgenommen haben – habs dann aber irgendwie doch verschlafen. Zur Info: Er würde sehr klar zwischen Freis und Hanke auf Platz 8 liegen, mit einem Wert von 0,81 (16 Einsätze, 3 Tore, 4 Assists). Also noch kein ernsthafter Kandidat für Jogi.😀

  5. FAN !

    Das Spiel war unterhaltsam was ich allerdings feststelle der Schwachpunkt (aus meiner sicht) liegt bei Lehmann. Er wirkt irgendwie schwerfällig kommt nicht schnell genug auf dem Boden. Aber auch die Verteidigung sollte mal besser aufpassen. Stuttgart kann sich glücklich schätzen das das der Hoffe-Elfer nicht rein gegangen ist.

  6. Also ich bin weit davon entfernt, Lehmann als unfehlbar zu bezeichnen und hätte sicherlich nichts dagegen, wenn wir ihn zur nächsten Saison gegen Enke (im Optimalfall) austauschen würden.

    Aber gegen Hoffenheim lag das Problem eindeutig bei der Abwehr bzw. im Abwehrverhalten des kompletten Teams, während ich Lehmann bei keinem der Gegentore einen Vorwurf mache.
    Das 1:0 war ein Gewaltschuss, der aus meiner Sicht vielleicht nicht unhaltbar aber zumindest nur mit ganz viel Glück zu halten gewesen wäre. Hier lag der Fehler bei, ich glaube, Boulahrouz, der sich nicht vernünftig dazwischen geworfen hat.
    Beim 2:2 war das Problem erstmal natürlich der unfassbare Fehlpass von Magnin und dann ging die Innenverteidigung nicht konsequent genug zu Werke bzw. glänzte vor allem durch mangelhaftes Stellungsstellungsspiel.
    Auch beim letzten Gegentor war es vor allem wieder schlechtes Stellungsspiel und mangelhafte Abstimmung, da mancher nach vorne auf Abseits spielte und mancher hinter den Hoffenheimern her rannte.
    Hier muss vor allem in Hinblick auf die nächste Saison definitiv was passieren – auch wenn glücklicherweise die wenigsten Teams in der Liga so schnell nach vorne spielen wie die Hoffenheimer.

    Und ja, natürlich können wir froh sein, dass der Elfer nicht reingegangen ist. Aber die Hoffenheimer können auch froh sein, dass sie ihn überhaupt bekommen haben. *vereinsbrillewiederabsetz* =)

  7. FAN !

    Ja der Elfer für Hoffe war wirklich keiner, wurde dann auch gleich bestraft das er nicht drin war. Man muß es positiv sehen dem Zuschauer wird was geboten (Tore).

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