Die Spätzlegabel – Bundesliga, ST15: FC Schalke 04.

spatzlegabel2-0Nach der Entlassung von Armin Veh am vergangenen Sonntag stand heute das Team in der Pflicht, zu zeigen, dass es das Fußballspielen nicht komplett verlernt hat. Das gelang zumindest teilweise. Der Weg zu alter Stärke ist dennoch ein weiter.

Bundesliga, 15. Spieltag:
VfB Stuttgart – FC Schalke 04 2:0 (0:0)

Nachdem man unter der Woche im UEFA-Cup zumindest einen Teilerfolg beim verdienten 1:1 in Genua feiern konnte und dort zumindest noch alles selbst in der Hand hat, stand nun heute das von vielen Medien als Krisengipfel titulierte Duell mit den derzeit auch schwächelnden Schalkern an. Und wie schon regelmäßig bei Armin Veh zuvor, wurden auch Markus Babbels Planungen in der Defensivabteilung wieder mal durcheinandergeworfen, nachdem sich sowohl Magnin als auch Delpierre verletzt abmelden mussten. So gab es zumindest für Khalid Boulahrouz die Möglichkeit endlich mal auf seiner Wunschposition in der Innenverteidigung an der Seite von Tasci zu spielen, während die Aussenpositionen von Osorio und Boka abgesichert werden sollten.

Dies funktionierte dann auch in den ersten 10 Minuten sehr prima, wie auch die Einstellung der gesamten Mannschaft zu Beginn sehr gut zu sein schien. Man ging aggressiv und lauffreudig zu Werke, der Ball lief recht sicher durch die eigenen Reihen – doch dann war diese Sicherheit plötzlich wieder wie weggewischt, nachdem Schalke mit einer tollen Kombination von Jones und Kuranyi durch einen löchrigen Stuttgarter Abwehrverbund schnitt und zu einer riesigen Doppelchance von Jones (Pfosten) und Farfan (Boka auf der Linie). Ersteres war Pech, zweiteres ziemlich kläglich. Und direkt zwei Minuten später war es dann wieder Farfan, der erneut eine Riesenchance vergab – dieses Mal einen berechtigten Elfmeter nach Foul an Kuranyi, den Lehmann recht souverän aus der Ecke fischte.
In der Folgezeit war Stuttgart hinten weiter anfällig, woraus die Schalker Offensive aber glücklicherweise wenig Kapital schlagen konnte, wohingegen die Stuttgarter nach vorne durchaus zu gefallen wussten, aber letztlich meist die Präzision fehlte, so dass es mit 0:0 in die Pause ging. Lediglich eine hauchdünn falsche Abseitsentscheidung gegen Gomez, die zu einem Tor geführt hätte, war noch erwähnenswert. Aber diese Abseitssituationen sind nun mal irre schwer zu erkennen (umso beeindruckender übrigens die 14 absolut korrekten Abseitsentscheidungen vom Schiedsrichtergespann in Dortmund heute abend).

In der Halbzeitpause schien dann der neue Teamchef Markus Babbel zu versuchen an seinem Image zu arbeiten, schließlich soll er ja den Stuttgartern ein gewisses „Bayern-Gen“ einimpfen. Jedenfalls standen sich die Schalker erst einmal ein paar Minuten die Beine in den Bauch, bevor die Stuttgarter dann auch den Platz betraten. Dass dieser kleine „Psycho-Trick“ die ohnehin schon mental angeschlagenen Schalker dann tatsächlich weiter verunsichert hat, will ich nicht behaupten – aber Fakt ist, dass von Schalke in der zweiten Halbzeit dann offensiv quasi nichts mehr zu sehen war. Das hatte sicherlich auch damit zu tun, dass die Schalker von vorneherein angeknockt waren und mit den beiden Nackenschlägen der vergebenen Hochkaräter zusätzliche Selbstzweifel gesät wurden, aber es hing sicherlich auch mit den nun wieder wesentlich engagierter und dominanter auftretenden Stuttgarter zusammen. Denn je länger das Spiel dauerte, umso selbstbewusster schien der VfB zu werden, so dass die beiden Tore dann irgendwann quasi erzwungen wurden.

Das erste Tor war dabei zwar von einigen Schalker Fehlern begünstigt, aber auch wirklich exzellent herausgespielt. Erst der tolle, öffnende Pass von Boulahrouz, der sonst nicht wirklich überzeugte, der den Ball lang in ein klaffendes Loch in der Schalker Hintermannschaft schlug und dabei perfekt in den Lauf von Simak gelang, der dann wiederum das Bällchen wunderschön über den unnötig herausstürmenden Neuer lupfte. Sicherlich ein Kandidat für das Tor des Monats, wenn man sieht wie perfekt der Ball sich dann in den langen Winkel senkte.

Simak wurde dabei nur 6 Minuten vorher von Babbel eingewechselt, der damit natürlich ein gewisses Image unterfüttert – zumal eigentlich seine erste Einwechslung weitaus wichtiger für Stuttgart war. Denn in der 57. Minute entschloss sich Babbel von einem 4-4-1 doch auf ein 4-4-2 umzustellen und gab Cacau die Möglichkeit das Vakuum zu füllen, dass in der vorangegangenen Stunde den Namen Marica trug. Ich will den Jungen ja nicht ungerecht behandeln und über die Maßen kritisieren, aber er scheint einfach nicht zu Gomez zu passen. Und auch die Leistungsbilanz spricht heute wieder Bände – weniger Ballkontakte und weniger Pässe in 60 Minuten als Cacau in der Hälfte der Zeit. Und so sah man heute mal wieder, wie wertvoll Cacau als wirbelnder, agiler Sturmpartner für Gomez ist bzw. sein kann, wenn er die Lücken reisst, in die Gomez stoßen kann. In der ersten Hälfte hingegen sah man Gomez ein ums andere Mal, wie er versuchte eben jene Lücken selbst zu reissen, wie er auf die erneut zu oft verwaisten Aussen auswich, um die Wege zu machen, die eigentlich Marica beackern müsste. Nur ist Gomez eben kein Flankengott, auch wenn er sich wie fast immer leidenschaftlich bemühte. Das Tor traf er dann kurz vor Schluss aber eben doch wieder – zum siebten Mal in dieser Bundesligasaison, schon zum 16. Mal insgesamt in einem Pflichtspiel.

Unter dem Strich kann der VfB somit die Punkte 19-21 auf seinem Konto verbuchen, die zwar glücklich in Anbetracht der Schalker Riesenchancen aus Halbzeit 1 sind – über das gesamte Spiel aber definitiv verdient sind, denn in der zweiten Hälfte war man einfach klar überlegen. Es ist jedenfalls existenziell, dass man in den verbliebenen drei Partien weiter die Leidenschaft an den Tag legt, die man über weite Strecken gegen Genua und Schalke zeigte. Wenn es dann noch gelingt, dass die Abstimmung in Abwehr und defensivem Mittelfeld endlich verbessert wird, dann hat man eventuell sogar die Chance gegen die Bayern einen Punkt zu holen und im UEFA-Cup die nächste Runde zu erreichen. Gegen Cottbus muss ein Sieg ohnehin Pflicht sein, wenn man in dieser Saison noch eine Rolle spiele will. Ein Selbstläufer wird dies zwar garantiert nicht, aber ich habe zumindest Anlass zur Hoffnung, dass die Mannschaft nun wieder den Willen hat, ein Spiel aggressiv und nach vorne gerichtet zu gestalten.

Seitenblick – Dritte Liga, Spieltag 17:
VfB Stuttgart II – BSV Kickers Emden 0:1 (0:1)

Nach vier unbesiegten Begegnungen setzte es für die Nachwuchsmannschaft des VfB zuletzt zwei 0:1-Niederlagen in Erfurt und nun gegen die Aufstiegskandidaten aus Emden. Somit liegt man derzeit auf Rang 10, also quasi genauso wie die Profis, nur dass der zehnte Platz für das zweite Teams durchaus im grünen Bereich ist. Schließlich hat man zur Abstiegszone derzeit noch beruhigende 8 Zähler Abstand. Allerdings sollte Adrion mit seinen Jungs nun allmählich mal wieder die Kurve kriegen und wenn möglich 4-6 Punkte aus den letzten drei Partien bis zur Winterpause holen sollten. Auch wenn mit Bayern II und Offenbach noch zwei Teams warten, die vor Stuttgart stehen. Und auch wenn beim gestrigen Spiel leider Kapitän Kovacevic nach einem Zusammenprall mit Torhüter Ulreich verletzt vom Platz musste und sich nicht nur eine Gehirnerschütterung sondern auch noch eine Schlüsselbeinfraktur zuzog – Pause bis mindestens Ende Februar. Durch den Ausfall des Routiniers stehen somit nun noch mehr die jungen Spieler in der Pflicht.

Nationalstürmer-Effektivitäts-Watch

Zwar war die vergangene Woche recht erfolgreich für die deutschen Stürmer, dennoch gab es nur zwei Positionsveränderungen – von denen eine dann auch noch durch Podolski vollzogen wurde, der selbst nur auf der Bank saß. Sein Mannschaftskollege Miro Klose ballerte sich hingegen beinahe ganz nach vorne mit 3 Treffern und einer Torvorlage, so dass das Führungstrio nun wirklich eng beisammen liegt – und somit auch seine Ansprüche für den Nationalmannschaftssturm eindrucksvoll untermauert. Nur Helmes blieb diesmal erfolglos. Eine sehr positive Woche war es auch für zwei bisher nicht sonderlich in Erscheinung getretene Stürmer: Mike Hanke und der häufig im Mittelfeld eingesetzte Aaron Hunt, die beide zwar keine Positionen gewinnen konnten, aber doch zumindest ihre Quoten dank diverser Tore und Torvorlagen stark aufpolieren konnten.

1. Patrick Helmes – 19 Spiele / 12 Tore / 3 Torvorlagen => NEW-Faktor 2,05
2. Miroslav Klose – 25 / 14 / 9 => 2,04
3.
Mario Gomez – 27 / 16 / 5 => 1,96
4. Stefan Kiessling* – 17 / 7 / 5 => 1,53
5. Jan Schlaudraff* – 14 / 6 / 1 => 1,36
[ Kevin „was macht der beruflich?“ Kuranyi – 24 / 8 / 4 => 1,17]
6. Lukas Podolski – 20 / 7 / 1 => 1,10
7. Sebastian Freis* – 17 / 6 / 0 => 1,06
8. Mike Hanke* – 14 / 3 / 1 => 0,71
9. Aaron Hunt* – 16/ 2 / 3 => 0,56
10. Oliver Neuville* – 9 / 0 / 1 => 0,11

Bestandteil dieses Rankings sind nur Einsätze in Pflichtspielen von Verein und Nationalmannschaft. Freundschaftsspiele wie das gegen England zählen nicht dazu. Das Ranking umfasst deutsche Stürmer der ersten Bundesliga (und rein theoretisch auch ausländischer erster Profiligen – wobei ich die drei erfolgreichen Stürmer in Österreich -Hofmann, Jancker, Zickler- davon ausklammere aufgrund mangelnden Niveaus der Liga).
Der Kneifer aus der Nutella-Werbung ist der Vollständigkeit halber auch noch mit aufgeführt damit man  sehen kann, welche Argumente er auf seiner Seite hätte.
* = derzeit nicht im Nationalmannschaftskader

2 Kommentare

Eingeordnet unter Ballgefühl

2 Antworten zu “Die Spätzlegabel – Bundesliga, ST15: FC Schalke 04.

  1. 4-4-1 :-))

    Zwar bin ich der Ansicht, dass auch Cacau derzeit nicht immer glücklich agiert; im Gegensatz zu Marica bringt er aber Tempo und offensichtliche Spielfreude ein, und das ist eine Menge wert.

  2. =)

    Keine Frage, ich bin weit davon entfernt, Cacau in den Himmel zu loben und gleichzeitig Marica zu verdammen. Aber gestern Abend war der Unterschied -gerade in der Auswirkung auf das Spiel von Gomez- drastisch! Und wir können es uns derzeit einfach nicht leisten, dass ein Gomez in der Form von einem Marica, der wie ein Fremdkörper wirkt, aus der Mitte verdrängt wird.

    Das Zusammenwirken von Cacau und Gomez ist da viel „organischer“ und, wie oben im Text geschrieben, wenn Cacau die Form hat, dann ist er einfach ein perfekter Sturmpartner für Gomez.

    Marica ist aus meiner Sicht eher eine Option als Back-Up für Gomez und nicht als Sturmpartner. Nur ist er dafür eigentlich zu teuer gewesen. Dennoch habe ich die Hoffnung in ihn noch nicht ganz verloren. Er macht ja zumindest ab und an seine Tore, wie am Donnerstag in Genua.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s