PR-Berater(in) gesucht.

Einer der Aspekte des vor kurzem geendeten US-Präsidentschaftswahlkampfs, der mich einerseits am meisten gruselte, aber andererseits sicherlich auch für die meisten und besten Unterhaltungsmomente gesorgt hat, war sicherlich die Nominierung der vorher weitgehend unbekannten Sarah Palin als McCains Kandidatin für den Vizepräsidentinnen-Job und deren daraufhin folgenden Auftritte in der Öffentlichkeit.

Bisher habe ich weitestgehend darauf verzichtet, dies hier zum Thema zu machen, wie ja auch insgesamt der Wahlkampf keine große Rolle hier gespielt. Zwar habe ich diesen Wahlkampf alleine schon aus beruflichem Interesse äusserst intensiv verfolgt, aber mir fehlt es dann doch an politischer Eloquenz, um mich hier fundiert zu äussern. Und die Fehler Palins wurden ja selbst hier in deutschen Blogs zur Genüge ausgebreitet.

Heute aber stieß ich dann doch wieder auf einen kleinen Clip mit Palin im Mittelpunkt, der mich einmal mehr sprachlos zurückließ. Wobei es hier gar nicht so sehr Palin selbst ist, sondern mehr die Tatsache, dass ihr Beraterteam (und sie ist schließlich immer noch Gouverneurin Alaskas) scheinbar nicht mal ansatzweise eine Ahnung von seinem Job hat.

Der Clip an sich ist schon absurd-komisch auf eine sehr morbide Art und Weise (die im Prinzip so auch in einer South Park-Folge hätte vorkommen können). Wenn man sich aber dann noch vergegenwärtigt, was die Begleitumstände dieses Interviews eines lokalen TV-Senders aus Alaska sind, dann schlackert man nicht nur als im PR- und Marketing-Bereich Arbeitender gehörig mit den Ohren.

In den USA gibt es die Tradition im Weissen Haus, dass der jeweilige Präsident jedes Jahr zum Thanksgiving einen Truthahn „begnadigt“, der dann doch nicht zum Fest verspeist wird. Eine Tradition, die der Legende nach bis zu Abraham Lincoln zurückreicht, und die mit der Zeit auch von niedrigeren Politikern übernommen wurde.

Wie eben beispielsweise die Gouverin des Bundesstaates Alaska, die sich nun also vor wenigen Tagen zu einer Truthahnfarm begab, um diese Tradition zu zelebrieren und natürlich auch die Möglichkeit zu nutzen, dies medial in Form eines bodenständigen Interviews auszuwerten.
Nun, wie gesagt, der Anlass des Interviews ist also die Bewahrung eines Truthahns vor dem Tod und das sollte man dann mal im Hinterkopf behalten, wenn man sich (lange Vorrede) dieses Video anschaut:

[via]

Wie gesagt, es geht mir nicht um einen Fehltritt von Palin (davon hatte sie während des Wahlkampfs schon mehr als genug) und auch nicht um Aufregung über die Tötung der Truthähne (die müssen nun mal irgendwoher kommen). Aber, dass das PR-Team einer sehr hochgestellten politischen Persönlichkeit ein solches weit über drei Minuten dauerndes Interview so zulässt, ist mir unerklärlich. Da gehört m.E. jemand ganz schnell gefeuert (oder aber zumindest gehörig der Kopf gewaschen).

5 Kommentare

Eingeordnet unter Menace to Reality

5 Antworten zu “PR-Berater(in) gesucht.

  1. :mrgreen:

    Man darf nur nicht genauer drüber nachdenken. Oder Fragen stellen: Gibt es ein Kraut gegen Blödheit? Wer wähl eine solche Frau auf diesen Posten? Welcher Scherzkeks steckt hinter der ganzen Sache? Wo ist der Typ mit der versteckten Kamera, der den Amerikanern erklärt, dass alles nur Spa war? Aber der hätte schon vor ein paar Jahren kommen müssen, als George W. nicht ins Weiße Haus gewählt wurde und doch drin saß …

  2. p.s.: Ich kaufe ein „t“ und ein „ß“ ;o)

  3. Man könnte fast schon Absicht dahinter vermuten. Vielleicht will die Partei Palin bewusst demontieren, um sie leichter absägen zu können? Das hier als „Fehler“ zu sehen fällt mir auf jeden Fall sehr schwer. Vielleicht ist auch nur die Maske von Tina Fey besser geworden…😉

  4. @mesuc
    Naja, ich denke mir, dass Palin zumindest auf lokaler Ebene schon recht gut funktioniert durch ihre Volksnähe und sie hat zumindest für Alaska schon den Dreh rausgehabt, was die Bevölkerung dort hören will. Dafür spricht ja auch ihre hohe Zustimmungsrate zuvor.
    Nur höheren Aufgaben ist sie, und das haben die vergangenen zwei, drei Monate mehr als deutlich gemacht, überhaupt nicht gewachsen.

    @bullion
    Ja, der Gedanke mit Fey kam mir auch kurz. =) Das war einfach zu absurd.
    Ich glaube es gibt nicht wenige bei den Republikanern, die Palin zumindest eine Mitschuld geben und die einiges daran setzen werden, dass sie nie wieder auf nationaler, politischer Ebene auftauchen wird. Aber das hier scheint mir einfach nur eine ganz, ganz schlechte Beratung gewesen zu sein. Sie wird sich sicherlich dort nicht mit Leuten umgeben, die ihr was Böses wollen. Aber da muss einfach jemand eingreifen…

  5. Finde ich gut, dass Du auch mal die Leute hinter Frau Palins Performance ins Spiel bringst.

    Äh, war so nicht geplant, aber zur Klarstellung: ich meine nicht die, die im Spot hinter ihr agieren, sondern die Menschen hinter ihrer Kampagne.

    „PR-Berater(in) gesucht“, sehr schön.

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