Fucking Crazy.

Es ist irgendwie seltsam. Es scheint beinahe so zu sein, dass meine Konzertbesuche immer nur „gehäuft“ auftreten, sprich, wenn ich einmal auf einem Konzert bin, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass ich nur kurze Zeit später oder früher auch ein anderes Konzert besucht habe (bzw. besuchen werde) – während hingegen manchmal mehrere Monate ohne einen einzigen Konzertbesuch vergehen… Keine Ahnung, was das nun über mich aussagen soll. (Fundierte Interpretationen bitte unten in den Kommentaren) 
Für dieses Blog bedeutet es jedenfalls, dass nun schon wieder eine Konzertkritik ansteht.

The Subways

Denn nach dem Besuch bei den doch sehr ruhigen I am Kloot vor rund zwei Wochen, war am vergangenen Donnerstag absolutes Kontrastprogramm angesagt: The Subways in der Kölner Live Music Hall.
Nun gehören die Subways nicht gerade zu den wirklich bevorzugten Bands, und ich kannte im Grunde nur die erste Erfolgssingle Rock & Roll Queen wirklich, aber manchmal macht man ja Konzertbesuche auch nur aus sozialen Gründen. =) Zudem war das bisschen was ich darüber hinaus von dem britischen Trio kannte nicht wirklich schlecht, und 18,70€ war durchaus ein fairer Kurs für ein Konzert dieser Größenordnung.

Im Laufe des Donnerstags trudelten denn also nach und nach meine Begleiter aus ganz Deutschland (oder so ähnlich) ein und es ergab sich tatsächlich, dass wir ziemlich weit vorne in der Schlange standen und dadurch einen Platz ganz vorne am „Wellenbrecher“ vor der Bühne fanden. Es befiel mich eine gewisse Skepsis (die sich prinzipiell als durchaus berechtigt herausstellen sollte), doch immerhin waren die Plätze sehr weit aussen, so dass man gegebenenfalls problemlos und ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen den Rückzug in hintere Gefilde durchziehen konnte.

Die Wartezeit auf den Konzertbeginn war dann im Wesentlich von einem umfassenden Briefing durch drei unserer Begleiter geplant – die waren nämlich am Vortabend schon beim Subways-Konzert in Frankfurt gewesen. Und am Abend davor beim deutschen Tourauftakt in Saarbrücken.

Freaks.

Jedenfalls wurde dort schon mal meine erste Hoffnung zerstört. Nämlich die Hoffnung darauf, einige der ruhigen Songs im Laufe des Konzerts zu hören. Die gefielen mir als zertifiziertem Weichei vom Dienst nämlich beim ausgiebigeren Vorbereitungshören des aktuellen Albums im Laufe der letzten Woche meist ausnahmlos sehr gut, doch leider sollte nur mit Strawberry Blonde zu rechnen sein – ein Song, der auch nur zum Teil als ruhig zu bezeichnen ist. Zudem wurden wir darauf geeicht, wie wir die Vorbands denn zu finden hätten. Die erste sei eine richtig, richtig, richtig gute Band aus den USA. Ganz jung, aber wirklich klasse. Die andere Vorband dagegen große Scheisse und furchtbar und überhaupt nicht mal im Ansatz erträglich.

Aber man soll sich ja seinen eigenen Eindruck bilden und das tat ich dann auch. Festzuhalten ist, dass ich zwei sehr junge Bands als Vorband gesehen habe, bei denen ich mir nahezu sicher bin, dass sie (relativ gesehen) beide einiges an Erfolg in den nächsten Jahren haben werden.

Den Auftakt machten blackmarket aus den USA, ein Quartett, das seit kurzem nur noch aus drei Leuten besteht (einer der Freunde entschied sich, zur Schule zurückzukehren) und ziemlich straighten Rock mit Drums, Gitarre und Bass produziert. Vor allem letzteres Instrument war sicherlich das Highlight während des rund 40minütigen Live-Auftritts, denn es wurde hier wirklich als eigenständiges Instrument genutzt und *gespielt*, und nicht wie sonst bei vielen Bands nur als rhythmische Begleitung verschwendet. Das verlieh den Songs eine wirklich beeindruckende Intensität und sehr viel Nachdruck, so dass das Publikum schon während dieses Auftritts ordentlich abrockte.
Bei den Studioversionen ist der Bass hingegen weit weniger dominant, was aber sicherlich auch damit zusammenhängen könnte, dass dort noch eine zweite Gitarrenspur für mehr Abwechslung sorgte. Mal schauen, ob ihnen ein Song wie „Sheila“ (oder „Night in Question“ oder „Remote [Control Freak]“) schon zum Durchbruch reicht, aber dass er kommen wird, da bin ich mir beinahe sicher. Der Auftritt von blackmarket kam beim Kölner Publikum (und wohl auch an den Abenden vorher) jedenfalls sehr gut an.

Bei der zweiten Vorband mit dem Namen Twin Atlantic war der Fall hingegen etwas ander gelagert. Wie oben schon angedeutet, kam die nämlich bei meinen Begleitern an den vorherigen beiden Abenden überhaupt gar nicht gut an, man könnte beinahe schon von einer Art Feindbild sprechen, das sich da aufgebaut hatte. Dementsprechend war ich natürlich sehr gespannt. Und ich muss natürlich zugeben, dass der Live-Auftritt an sich nicht wirklich gut war (für Begeisterung bei Teilen des Publikums reichte es nichtsdestotrotz – auch wenn sie leicht affige und bisweilen prätentiöse Manierismen an den Tag legten) und im direkten Vergleich zu blackmarket kurz vorher natürlich schon beinahe dramatisch abfiel.
Dennoch war einiges an Potential bei den Songs zu erkennen und wenn man es hinbekommt, den Sound der einzelnen Insturmente besser aufeinander abzustimmen, so dass die lauten Passagen nicht zu sehr nach Geräuschbrei klingen, dann kann das schon was werden. Nur haben Twin Atlantic auch ein großes Problem – den Lead-Sänger, dessen Stimme ist nämlich zu schwach, um mit dem powervollen Sound mitzuhalten. Zugleich scheint er allerdings auch eine Stärke der Band zu sein, denn bei der weiblichen Zielgruppe scheint er hervorragend zu funktionieren, wenn man sich mal so auf Spurensuche im Netz begibt.
Und da man Stimmen ja zumindest bei Aufnahmen „unterstützen“ kann, fällt das Stimmdefizit bei den Studioversionen auch nicht wirklich auf, so dass ich auch bei Twin Atlantic sicher bin, dass sie ihre Erfolge feiern können werden. Die Songs selbst sind nämlich sehr klasse und so irgendwo zwischen Soulfly, Yellowcard und Billy Talent anzusiedeln – ziemlich variabler Powerpop/Indierock halt.
Zu bemerken gilt jedenfalls noch dass die Band aus Glasgow noch absolut am Beginn ihrer Karriere steht und erst Anfang 2009 ihr Debütalbum veröffentlichen werden. Es ist also sicherlich noch genügend Raum für Entwicklung bei Twin Atlantic vorhanden.

Eigentlich am Beginn ihrer Karriere steht natürlich auch noch der Haupt-Act des Abends, The Subways. Schließlich liegt der Altersschnitt der Band bei gerade mal rund 21 zarten Jahren und ihr zweites Album „All or Nothing“ veröffentlichten sie erst in diesem Abend. Dennoch können sie schon auf einige beachtliche Erfolge mit ihrem Debüt „Young for Eternity“ zurückblicken, was sicherlich an der cleveren Marketingpolitik des Labels liegen könnte, dem es gelang einige Songs in größeren Werbekampagnen und Filmen wie Stirb Langsam 4.0 unterzubringen. Dementsprechend begehrt sind denn auch die Tickets für ihre Tour, auf der in Deutschland beinahe alle Konzerte ausverkauft sind (in Frankfurt wird sogar noch ein Zusatz-Konzert gegeben) und wo sie in Köln am Donnerstag vor ihrem bislang größten Indoor-Live-Publikum überhaupt spielten (ca. 1500 Menschen).

Und live sind die Drei wirklich eine Wucht. Zwar spielten sie „nur“ rund 70 Minuten, was bei bisher nur zwei Alben allerdings auch kein großes Wunder ist und zudem mit den rund 90 Minuten Nettospielzeit beider Vorbands auch durchaus in Ordnung ist. Zudem habe ich auch leichte Zweifel, ob sowohl Band als auch Publikum einen wesentlich längeren Auftritt überstanden hätten, denn vor allem Sänger und Gitarrist Billy Lunn wirbelt kräftigst über die Bühne und war schon nach dem ersten Song (Kalifornia) schweissnass. Aber auch die eher fragil wirkende Bassistin Charlotte Cooper stand ihrem Bandkollegen kaum nach und rockte die Bretter der LMH sehr amtlich.
Wie oben schon erwähnt, spielte das Trio aus Welwyn Garden City, nördlich von London, beinahe ausschließlich Songs der rockenderen Gangart und verzichtete auf die (von mir eigentlich sehr geschätzten Balladen wie das grandiose Lostboy). Diese Power übertrug sich denn auch sehr intensiv auf das Publikum wo nach Herzenslust kräftigst gepogt, gehüpft und gecrowdsurft wurde. Selten so etwas gesehen (wobei ich ja meist auch eher auf ruhigeren Konzerten zugegen bin) – und so ging es auch Billy Lunn, der das Kölner Publikum als das eindeutig verrückteste und am stärksten feiernde Publikum lobte. Beim Abschluss zu „Rock & Roll Queen“ surfte er dann selbst noch einmal quer durch die Halle bis er plötzlich auf einer Theke stand und sich mehrere Bierbecher über den Kopf kippte:

Insgesamt also wirklich eine Band, die ich live absolut empfehlen kann. Wer es nicht ganz so intensiv mag, der muss ja auch nicht wie wir ganz vorne stehen (bleiben). Wäre vermutlich auch gesünder für meine Ohren gewesen…

7 Kommentare

Eingeordnet unter Hast du Töne!?, Muss man wohl dabei gewesen sein...

7 Antworten zu “Fucking Crazy.

  1. Wann

    Netter Bericht und auch mal etwas neues. Twin Atlantic und blackmarket kannte ich nämlich noch nicht. Da hatte ich wohl aber bisher auch nichts verpasst. The subways erinnern mich dann doch etwas an the white stripes, mit denen ich wenig bis gar nichts anfangen kann.

    Da ich eh schon hier bin auch gleich noch ein paar Empfehlungen:
    http://www.lastfm.de/music/Ra+Ra+Riot
    http://www.myspace.com/glasvegas
    http://www.myspace.com/derfallboese

  2. Hätte auch nicht unbedingt erwartet, dass die beiden Bands direkt was für dich sind. Dazu ist das vermutlich zu straight und zu wenig verspielt für Dich. =)
    Die White Stripes sind ja dann doch noch eine ganze Kante „komplexer“ und „verschachtelter“ vom Sound her. Die Subways sind ja dagegen eher geradlinig.

    Ra Ra Riot gefällt mir schon mal ausgesprochen gut, auf den ersten Eindruck. Hat son bisschen was von The Cure meets Geigen.
    Glasvegas find ich hingegen ausgesprochen langweilig. Da klingt jeder Song wie der vorangegangene (zumindest bei den Songs auf myspace). Zudem ist das echt ein übles Cover von „Come as you are“.
    Mit der letzten Adresse scheint irgendwas nicht korrekt zu sein. Krieg da zumindest eine Fehlermeldung.

  3. QueenN

    Also erstmal möchte ich, dass das mit dem Freak zurückgenommen wird. Und zweitens haben die erwähnten drei ausgesprochenen Musikliebhaber und ~kenner (schlage vor den Begriff Freak durch diese Formulierungen zu ersetzten) in keinster Weiser versucht jemanden darauf zu eichen wie man den bitte was zu finden hätte. Wir sind für freie Meinungsbildung und wollen lediglich durch unser breit gefächertes musikalisches Grundwissen Denkanstöße geben. *g*
    So, habe fertig. Trotzdem schöner Bericht.

    Ps: WHITE STRIPES FOREVER^^

  4. Wann

    Also bei mir funktioniert der letzte Link. Der Fall Böse ist eine Hamburger Band und damit die 6. Gruppe aus dem Bundesland(sofern ich da nicht einer Täuschung erlegen bin), die dieses Jahr ein beachtenswertes Album herausgebracht hat.

  5. @QueenN

    Nein, das mit dem „Freak“ nehme ich nicht zurück – ist doch ein lieb gemeintes Kompliment für Eure Begeisterungsfähigkeit. =) Könnte das wirklich nicht durchziehen.

    *hüstel* Natürlich wart ihr komplett differenziert mit Eurer Meinung zu Twin Atlantic.😀

    Bin selbstverständlich gespannt auf Deine weiteren Erfahrungsberichte zur „November Rock Revolution“.

    Und natürlich sind die White Stripes überbewertet. Bis auf dieses eine Dödödödö-Lied, das sie für den Fußball geschrieben haben.😉

    @Wann
    Ja, muss mich da korrigieren. Kurz danach hats dann irgendwann doch geklappt. Hatte wohl ein Problem mit dem Internetzugang hier oder so.
    Ist ganz interessant, aber bin mir noch etwas unschlüssig, ob mir das wirklich gefallen soll.

  6. Habe „Freak“ auch nicht als Beleidigung aufgenommen!😉

    Tja, Twin Atlantic scheinen schon irgendwie zu spalten. Vieleicht stehen die Teeniegirls heutzutage auf hässliche Poser!^^ Der Sound ist zumindest live nicht so pralle gewesen, den Vorwurf müssen sie sich gefallen lassen. Aus dem Studio hat das Ganze (zugegeben) Potential. Abwarten! An den Subways kommen die eh nie vorbei!

  7. @mesuc
    Dich hab ich ja auch nicht zu den Freaks gezählt bei nur zwei Konzerten, die von unterschiedlichen Bands waren. =)

    Keine Frage, der Live-Sound von TA war alles andere als pralle – habe ich oben ja auch klar gemacht. Aber zum einen findet die meiste Verbreitung nun mal via „Studio-Songs“ statt und nicht über Live-Auftritte, und zum anderen kam ja eben dieser Live-Auftritt auch bei weitem nicht bei allen so schlecht an, wie bei uns (auch wenn mir dafür selbst die Erklärung fehlt).

    Und davon dass der Lead-Sänger nicht wirklich hässlich ist, kann man sich sehr gut bei diversen youtube-Videos von Accoustic-Sessions überzeugen – wo er zudem auch sehr ansprechend singt und wo sich in den Kommentaren zahlreiche „Girlies“ schmachtend tummeln.

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