Die Spätzlegabel – Bundesliga, ST12: SG Eintracht Frankfurt.

spatzlegabel2-2Und täglich grüßt das Murmeltier… sollte eigentlich der Auftakt zu diesem Spielbericht lauten – doch zumindest die Schlussphase war dann zumindest nicht ganz so alltäglich.

Bundesliga, 12. Spieltag:
SG Eintracht Frankfurt – VfB Stuttgart 2:2 (1:0)

Diese Saison bleibt weiterhin frustrierend seltsam für einen Anhänger des VfB Stuttgart.
Nach dem Sieg im UEFA-Cup gegen Partizan, den ich mir leider (oder glücklicherweise – die Spielberichte waren da irgendwie uneinheitlich) nicht anschauen konnte, hatte ich doch ein wenig Hoffnung, dass die Spieler vielleicht wieder etwas Selbstvertrauen schöpfen konnten und dies dann auch gegen Frankfurt auf dem Platz mal in einem Auswärtsspiel demonstrieren und erfolgreich ummünzen würden können.

Und prinzipiell funktionierte das ja auch, denn einmal mehr war man die spielerisch überlegene Mannschaft mit den größeren Spielanteilen, der deutlichen Mehrheit an Torchancen. Leider war man aber auch einmal mehr wieder die Mannschaft, die uninspiriert im Mittelfeld den Ball umherkickte, ohne mal konsequent gegen die hessischen Abwehrreihen anzugehen, um wirkliche Großchancen zu erzwingen. Nicht umsonst resultierte das Meiste, was unter der Rubrik Torchancen geführt wurde, vor allem entweder aus Standards oder aus Flanken aus dem Halbfeld heraus.

Man verzweifelt einfach vor dem Fernseher, wenn man sehen muss, dass es vorne so gut wie nie ein Kreuzen gibt, so gut wie nie mal ein Offensivspieler ohne Ball in die (vorhandenen) Lücken zwischen Strafraum und Aussenlinie stößt, um einen Pass aus dem Halbfeld zu fordern oder zumindest mal einen oder zwei gegnerische Verteidiger zu binden bzw. zu irritieren. Stattdessen bleibt jeder Spieler ohne Ball ungefähr da stehen, wo Veh in der Mannschaftssitzung das rote Magnetplättchen auf das Flipchart gepappt hatte. Vielleicht ist das tatsächlich eine Frage der Kondition nach teilweise rund 25 Pflichtspielen, die man seit dem Sommer zu bewältigen hatte.
Wenn ich dann aber sehe, wie man nach dem 0:2 in den letzten 25 Minuten (inkl. Nachspielzeit) den Kampf angenommen hat und wirklich willens war, sich gegen die drohende Niederlage und die gefühlte Benachteiligung durch das Schiedsrichtergespann zu stemmen, dann muss man sich ernsthaft fragen, warum man bis dahin erneut so lethargisch agierte und zu glauben schien, dass man das Spiel schon irgendwie überstehen und gewinnen könnte.

Eventuell brauchte es ja das übersehene, klare Foul von Liberopoulos an Elson, welches dann zum zweiten Gegentor führte, um die Kampfgeister bei Stuttgart zu erwecken. Oder die Einwechslung von mehr Kreativität in Form von Simak, der endlich wieder genesen ist.
Oder es war einfach nur Glück, dass sich die Frankfurter Hintermannschaft von der allgemeinen Hektik in der Schlussphase hat anstecken lassen und so den Stuttgartern mehr Chancen eröffnete, den Weg auf einfachere Art zum Tor zu finden.

Wie dem auch sei. Fakt ist, dass man nach dem Spielverlauf zwar froh über den einen Punkt sein kann, er aber letztlich zu wenig ist, um höheren Ambitionen gerecht werden zu können. Fakt ist ebenso, dass nach wie vor ein großes Defizit im Bemühen um das Erspielen von Torchancen herrscht und das beginnt mir allmählich Sorgen zu machen. Fakt ist auch weiterhin, dass die Defensive nicht sattelfest ist und man sich bei beiden Gegentoren wieder mal auf den Aussen hat ausspielen lassen (exakt durch die Spielzüge übrigens, die unsere Offensive vermissen lässt).

Ich kann mich da nur, Woche um Woche, wiederholen: So lange die beiden letztgenannten Defizite nicht abgestellt oder zumindest auf ein vertretbares Maß minimiert werden, wird aus dieser Saison nichts werden. Man kann nur hoffen, dass die obere Hälfte der Liga bis dahin nicht zu weit enteilt ist. Noch ist es nicht zu dramatisch, aber es sind derzeit einfach zu viele Teams im Rennen um die UEFA-Cup-Ränge, als dass man sich eine ernsthafte, lange Schwächephase erlauben könnte. Gegen Bielefeld muss nächste Woche zwingend ein Sieg her!

Im UEFA-Cup sieht es derweil nach dem Sieg gegen Belgrad zwar nicht übel aus, aber die Gruppenkonstellation ist derzeit durchaus diffizil. Vor allem dadurch, dass Lüttich überraschenderweise Sevilla zuhause mit 1:0 schlagen konnte, wird es womöglich komplizierter als erwartet, stehen doch jetzt gleich vier Teams punktgleich. Nur die besiegten Serben sind noch ohne Zähler, nachdem sie am ersten Spieltag schon gegen die nun spielfreien Genuesen verloren hatte. Und die sind dann in rund zwei Wochen auch nächster Gegner von Stuttgart. Wenn da ein Punkt gelänge, wäre da schon ziemlich hilfreich – ein Sieg vermutlich schon beinahe gleichbedeutend mit dem Einzug in die nächste Runde. Dazu müsste aber mal die Auswärtseffektivitätsschwäche abgelegt werden…

Seitenblick – Dritte Liga: Jahn Regensburg – VfB Stuttgart II 1:1 (0:1)

Auch der kleine VfB musste dieses Wochenende auswärts ran und auch der kleine VfB kam nicht über ein Unentscheiden beim Gastspiel in Regensburg hinaus. Im Gegensatz zu den Profis ging man allerdings selbst in Führung – und das eher glücklich mit dem ersten Angriff, der zu einem von Sebastian Rudy verwandelten Foulelfmeter führte. Die Regensburger waren dabei eigentlich die überlegene Mannschaft, kamen aber erst nach der Pause zum Ausgleich durch Beigang. Nach dem Remis in der vergangenen Woche gegen Sandhausen steht man damit weiterhin im gesicherten Mittelfeld auf Platz 9 mit 20 Zählern aus 14 Spielen. Mit 9 Punkten Abstand zu den Abstiegsplätzen sieht das definitiv vielversprechend aus, um frühzeitig den Klassenerhalt unter Dach und Fach bringen zu können.
Die Kickers konnten übrigens mit einem 2:1 gegen Dresden tatsächlich endlich ihren ersten Saisonsieg feiern. Da steckt also tatsächlich noch ein wenig Leben in unseren Stadionmitbewohnern…

 

Nationalstürmer-Effektivitäts-Watch

Nachdem am vergangenen Sonntagabend Miroslav Klose zum ersten Mal die Spitzenposition in diesem Ranking erobern konnte, fiel dieser nach zwei Null-Spielen wieder auf Rang 3 zurück, während sich Gomez nach einer wirklich starken Woche mit 3 Toren aus Spielen ganz nach oben schoss. Auch die beiden Leverkusener konnten ebenso wieder mal einen Treffer verzeichnen, wie auch Schlaudraff, der nun Podolski überholte.

1. Mario Gomez – 23 Spiele / 15 Tore / 4 Torvorlagen => NEW-Faktor 2,13
2. Patrick Helmes – 16 / 10 / 3 => 2,06
3. Miroslav Klose – 21 / 10 / 8 => 1,81
4. Stefan Kiessling* – 14 / 6 / 5 => 1,64
5. Sebastian Freis* – 14 / 6 / 0 => 1,29
[ Kevin „ich will auf einmal doch wieder in die Nationalelf“ Kuranyi – 20 / 7 / 4 => 1,25]
7. Jan Schlaudraff* – 13 / 5 / 1 => 1,23
6. Lukas Podolski – 20 / 7 / 1 => 1,10
8. Mike Hanke* – 11 / 1 / 1 => 0,36
9. Aaron Hunt* – 12/ 1 / 1 => 0,33
10. Oliver Neuville* – 9 / 0 / 1 => 0,11

Bestandteil dieses Rankings sind nur Einsätze in Pflichtspielen von Verein und Nationalmannschaft. Freundschaftsspiele zählen nicht dazu. Das Ranking umfasst deutsche Stürmer der ersten Bundesliga (und rein theoretisch auch ausländischer erster Profiligen).
Der Kneifer aus der Nutella-Werbung ist der Vollständigkeit halber auch noch mit aufgeführt damit man  sehen kann, welche Argumente er auf seiner Seite hätte.
* = derzeit nicht im Nationalmannschaftskader

Nachtrag:
Jens Lehmann soll endlich mal aufhören, ständig über jede Situation und jede Entscheidung zu meckern, nörgeln und zu mosern. Sowohl auf dem Platz als auch nachher bei den Interviews. So langsam geht mir sein Gesabbel echt auf den Keks. Jens, konzentrier Dich zur Hölle nochmal aufs Fußballspielen! Meckert ja auch niemand daran rum, dass Du den Ball vor dem ersten Gegentor nicht richtig nach aussen faustest!

Nachtrag 2:
Gerade bei den (glücklicherweise sich nicht nur mit puren Verschwörungstheorien beschäftigenden) Kommentaren im Frankfurter Blog-G gelesen, dass man auf den TV-Bildern wohl hören und sehen könne, dass Rafati das Spiel per Pfiff unterbrochen hat bevor der Kopfball von Gomez zum 2:2 die Torlinie überschritt. Das wäre natürlich schon ein kleiner Hammer, denn das würde bedeuten, dass somit das Tor irregulär wäre, selbst wenn Rafati dann nachträglich nicht auf Foul entscheiden würde. Dementsprechend hätte das Spiel dann mit SR-Ball fortgesetzt werden müssen, beim Stand von 2:1 für Frankfurt – wenn das tatsächlich korrekt ist.
Und da das keine Tatsachenentscheidung wäre, sondern ein klarer Regelverstoß des Schiedsrichters müsste es ein Wiederholungsspiel geben.

Die Frage ist, wer daran Interesse hätte, dieses hochzukochen. Stuttgart natürlich nicht. Die Frankfurter (seitens Verein) wohl eher auch nicht, da man mit einem Punkt gegen Stuttgart sicherlich gut leben kann. Die Medien müssten es spätestens morgen aufgreifen, Dienstag wäre das Thema schon quasi veraltet und so interessant sind beide Vereine nun mal auch nicht für große Teile der Republik. Zudem ist der Sachverhalt vielleicht sogar ein bisschen zu komplex für eine „Skandalmeldung“ – ist halt kein „Phantom-Tor“, was jeder direkt versteht. Von daher glaube ich nicht, dass was draus würde. Zumal der DfB wohl auch kein großes Interesse daran hätte, hier von sich aus und ohne Mediendruck etwas zu unternehmen.
Von daher glaube ich nicht, dass -selbst wenn es stimmt- wirklich ein Skandal mit Konsequenzen draus wird.

Und wenn doch: Mit einem Wiederholungsspiel könnte ich gut leben. Würde es doch die Chance geben, ein wenig „Wiedergutmachung“ zu betreiben. Und ein Sieg wäre definitiv machbar.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Ballgefühl

3 Antworten zu “Die Spätzlegabel – Bundesliga, ST12: SG Eintracht Frankfurt.

  1. In Spanien gab’s mal einen ähnlichen Fall, als das Spiel aber irgendwo in der 2. HZ fortgesetzt wurde. Ich kenn‘ die DFB-Regularien nicht, aber das hieße eine Fortsetzung in der 87. Minute beim Stand von 2:1. Schwachsinn.

  2. Hi pivu, stimmt, wo Du es erwähnst, mein ich mich auch an den Fall in Spanien erinnern zu können.

    Ich würde allerdings eher die Parallele zu einem deutschen Fall suchen und da liegt natürlich das „Phantom-Tor“ aus dem Spiel zwischen Bayern und Nürnberg in den 90ern nahe. Und da wurde ja dann das komplette Spiel wiederholt, wenn ich mich recht entsinne.

    Allerdings wurde die Geschichte heute vom DSF auch nicht aufgegriffen, obwohl man gerade einen ausführlichen Bericht zum Thema Schiedsrichterleistungen gebracht hat.

  3. Pingback: Theater « angedacht

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