Die Spätzlegabel – Bundesliga, ST11: 1. FC Köln.

Die eine Statistik reisst (Heimsiege gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte), weil die andere, ältere Statistik stärker zu sein scheint (kein Bundesligasieg gegen Köln seit 1997).

Bundesliga, 11. Spieltag:
VfB Stuttgart – 1. FC Köln 1:3 (0:1)

Nun haben wir mittlerweile rund ein Drittel der Spielzeit absolviert und so langsam habe ich doch ein wenig die Schnauze voll. Voll davon, dass es grob gesagt jede Woche dieselbe Scheiße ist, die sich da auf den Spielfeldern der Republik abspielt, wenn eines der beteiligten Teams VfB Stuttgart lautet. Es ist ja nicht so, als ob der VfB wirklich schlecht spielen würde, aber es sind doch Spieltag um Spieltag die gleichen zwei Aspekte, die man am Spiel kritisieren muss und die mittlerweile immer häufiger dazu führen, dass der Gegner am Ende mehr Tore auf dem eigenen Konto hat, als wir.

Zum einen ist da die Defensive. Im Grunde erlaubt man fast in jedem Spiel durch eigene Fehler und Naivitäten, dass der Gegner ein bis drei richtig große Chancen bekommt. Und diese werden dann in der Regel natürlich auf diesem Niveau dann auch ausgenutzt. Das fängt bei Torwart Lehmann an, der immer mal wieder für einen Bock gut ist und reicht über mangelnde Abstimmung in der Innenverteidigung und schlechtes Stellungspiel bei den Aussenverteidigern bis hinein ins defensive Mittelfeld, wo man die Gegner laufen lässt oder wie heute dem Gegner sogar den Ball vorlegt.
Das ist umso tragischer, weil man die überwiegende Spielzeit zumeist recht sicher steht und den Gegner defensiv im Griff zu haben scheint. Doch kann sich der Gegner sicher sein, dass irgendwann im Laufe des Spiels so ein Aussetzer in irgendeinem der angesprochenen Mannschaftsteile passieren wird und da kann man derzeit leider auch niemanden von ausnehmen.

In diesem Spiel war das wieder sehr beispielhaft zu beobachten. Vor dem 0:1 pennte man erst auf aussen und ließ Brecko alleine über die eigene linke Seite laufen und zum flanken kommen, während man in der Mitte jegliche Zuordnung vermissen ließ, wo Radu am Fünfmeterraum völlig unbedrängt köpfen und Novakovic den von Lehmann abgeklatschten Ball ebenso unbedrängt einschieben konnte.
Beim 0:2 war es dann ein Aussetzer vom sonst eigentlich so zuverlässigen Hitzlsperger, der den Ball perfekt durch die Schnittstelle der eigenen Innenverteidigung köpfte, wo Novakovic dann erneut nur noch vollstrecken musste. Das dritte Gegentor war dann natürlich nicht mehr so richtig aussagekräftig, da es in der vierten Minute der Nachspielzeit fiel, aber dennoch irgendwie bezeichnend. Denn diesmal war es Hilbert, der komplett pennte und nahezu unbedrängt am eigenen Strafraum Petit den Ball übergab, der dann mit dem vor Schreck stolpernden Lehmann keine Probleme mehr hatte

Diese Defensivaussetzer wären ja nicht ganz so schlimm (solange sie nicht so gehäuft vorkommen wie heute), wenn man denn wenigstens vorne die entsprechende Durchschlagskraft hätte, um die Fehler im Defensivbereich auszubügeln. Doch wie im Grunde in jedem Spiel der letzten Wochen konnte man sich zwar die Überlegenheit in Sachen Ballbesitz und auch bei den Torchancen (Köln hatte insgesamt 4 ernsthafte Chancen) erarbeiten, aber wenn es darum geht, diese optische Überlegenheit in Torgefährlichkeit umzumünzen, dann ist die Stuttgarter Offensive Woche um Woche sehr schnell am Ende des eigenen spielerischen Lateins. Da wird der Ball weitestegehend uninspiriert zwischen der Mittellinie und dem gegnerischen Strafraum hin- und hergepasst, in der vagen Hoffnung darauf, dass sich irgendwann mal eine Lücke in der gegnerischen Abwehr ergibt.
Es ist erschreckend, wenn man bedenkt, dass es vor wenigen Wochen noch perfekt funktioniert hat im Spiel gegen Bremen. Die waren sicherlich sehr anfällig hinten, aber dort wurde wenigstens der Ball schnell über die Aussen gespielt, da kam die entscheidende Flanke von der Torauslinie in den Rückraum und da konnte man schnelles Passspiel sehen. Mittlerweile ist das Spiel nur noch statisch und ganz selten mal wirklich dynamisch. Ratlosigkeit ist da der vorherrschende Zustand im offensiven Mittelfeld, wenn man sich einem konzentrierten Defensivverbund gegenüber sieht, wie ihn die Kölner heute von der ersten bis zur 95. Minute perfekt auf den Platz gebracht haben.

Und Ratlosigkeit ist denn auch mein derzeit vorherrschender Gemütszustand. Denn ich weiss derzeit ehrlich gesagt nicht, woher konkrete Verbesserung kommen soll.

Natürlich kann man sagen, dass sich in den bisherigen gut zwanzig Pflichtspielen aufgrund diverser Verletzungen nie wirklich eine Stammformation einspielen konnte. Nur selten durfte dieselbe Verteidigungsreihe mal zwei Spiele hintereinander absolvieren und auch heute musste Boulahrouz irgendwann nach einem Foul in der 55. Minute wieder verletzt ausgewechselt werden. Und auch im offensiven Mittelfeld konnte keiner der beiden Hoffnungsträger Simak oder auch Bastürk bisher die erhofften Ideen einbringen, da sie ihre Arbeitszeit meist in der toll eingerichteten VfB Rehawelt absolvieren.

Und dennoch kann dies nicht als Ausrede für das bislang meist so ideenlose Auftreten ohne jegliche Selbstsicherheit gelten. Denn auch in dem Team, das derzeit auf dem Platz steht, steckt eigentlich ausreichend Potential, um einen Gegner wie Köln knacken zu können. Wieso das nicht funktioniert? Ich weiss es nicht, und ich weiss auch nicht, welches Personal Armin Veh stattdessen einsetzen sollte.

Wie gesagt, ich bin ratlos und ich kann derzeit keinen Anlass für Optimismus finden, ausser der mehr als vagen Hoffnung auf ein generelles Aufbäumen, eine kollektive Leistungssteigerung und einen kleinen Lauf, der dem Team Selbstvertrauen und Lust am Spiel verleiht. Woher das aber kommen soll, das weiss ich leider nicht. Daher habe ich diese Bundesligasaison für mich erst einmal abgehakt. Trotz nur vier Punkten Rückstand auf Platz 4, habe ich derzeit die Befürchtung, dass es für uns diese Saison nur zum Kampf um einen einstelligen Tabellenplatz reicht, wenn so eine wie oben erhoffte Serie nicht bald eintritt.

Also volle Konzentration auf UEFA-Cup und DFB-Pokal. Oder so. :-D

Aber vielleicht, vielleicht strafen sie mich ja lügen, indem die beiden nächsten Partien gegen Belgrad im UEFA-Cup und am kommenden Sonntag in Frankfurt überzeugend gewonnen werden…

Nationalstürmer-Effektivitäts-Watch:

Zum ersten Mal in dieser Saison steht Helmes im Ranking nicht mehr vorne. Aufgrund der Sekundärkriterien (Anzahl von Toren und Assists) wurde er von Miroslav Klose eingeholt. Insgesamt ein recht erfolgreicher Spieltag bislang für die deutschen Stürmer. Auch Kießling, Freis, Podolski und Schlaudraff konnten erstmals seit längerer Zeit wieder punkten. Neuville könnte morgen noch gegen Frankfurt nachlegen und sich um einige Position nach vorne schieben.

1. Miroslav Klose – 19 Spiele / 10 Tore / 8 Torvorlagen => NEW-Faktor 2,00
2. Patrick Helmes – 14 / 9 / 3 => 2,00
3. Mario Gomez – 21 / 12 / 4 => 1,90
4. Stefan Kiessling* – 13 / 5 / 5 => 1,54
[ Kevin „Geli“ Kuranyi – 18 / 7 / 4 => 1,39]
5. Sebastian Freis* – 13 / 6 / 0 => 1,38
6. Lukas Podolski – 19 / 7 / 1 => 1,16
7. Jan Schlaudraff* – 12 / 4 / 1 => 1,08
8. Mike Hanke* – 10 / 1 / 1 => 0,40
9. Aaron Hunt* – 11/ 1 / 1 => 0,36
10. Oliver Neuville* – 8 / 0 / 1 => 0,13

Bestandteil dieses Rankings sind nur Einsätze in Pflichtspielen von Verein und Nationalmannschaft. Freundschaftsspiele zählen nicht dazu. Das Ranking umfasst deutsche Stürmer der ersten Bundesliga (und rein theoretisch auch ausländischer erster Profiligen).
Der Kneifer aus der Nutella-Werbung ist der Vollständigkeit halber auch noch mit aufgeführt damit man  sehen kann, welche Argumente er auf seiner Seite hätte.
* = derzeit nicht im Nationalmannschaftskader

6 Kommentare

Eingeordnet unter Ballgefühl

6 Antworten zu “Die Spätzlegabel – Bundesliga, ST11: 1. FC Köln.

  1. Pingback: 95 Minuten reichen nicht. « angedacht

  2. Zustimmung. Uneingeschränkt.

  3. Widerspruch wäre mir lieber…

  4. Als Außenstehender bzw. Anhänger der verteidigenden Mannschaft: Gegen Bremen ist es halt relativ einfach über die Außen zu spielen und bis an die Grundlinie zu kommen, wenn sie ihr in dieser Saison normales Defensivverhalten zeigen. Da hat man es gegen den FC schon etwas schwerer.
    Aber: wenn Bastürk und Simak Eure Alternativen für das offensive Mittelfeld sind, habt Ihr ein Problem bzw. schlecht eingekauft. Von beiden ist nun schon seit Jahren bekannt, dass sie die Reha-Zentren dem Fußballplatz vorziehen.

  5. Also Widerspruch :o)

    Ich sehe die Defensive gar nicht als große Schwachstelle. Die meisten Gegentore, die der VfB zuletzt bekommen hat, resultierten fast ausschließlich aus Unkonzentriertheiten und individuellen Fehlern. Und wer so wenig Durchschlagskraft nach vorne zeigt, der verliert halt auch mal. Leider.

    Ich hab mich zuletzt immer wieder ertappt, wie ich mit Bastürk zurück auf den Platz wünsche. Denn im Mittelfeld fehlt es schlichtweg an allem. Und Bastürk kann zumindest den Ball halten. Auch wenn das Spiel davon nicht unbedingt attraktiver wird, so schließt das doch zumindest mal eine eklatante Fehlerquelle der letzten Partien aus.

    Für höhere Weihen fehlt einfach die Qualität in der Breite, wie man so schön sagt. Beim Vergleich auf die Transferausgaben sieht man, was der eine oder andere Bundesligist dem VfB voraus hat. Das spiegelt sich zumindest zum jetzigen Zeitpunkt in der Tabelle wieder…

  6. @Stefan
    Keine Frage, Bremen mit seiner offensiveren Grundausrichtung und der einen oder anderen Nachlässigkeit im Defensivverbund kam dem Stuttgarter Spiel natürlich ungleich mehr entgegen, als der Beton, den ihr angerührt habt. Solche Spiele, wie gegen Euch (frei nach dem Motto „Einer geht immer irgendwann rein“), scheitern dann halt, wenn man hinten selbst nicht aufpasst. Und das war am vergangenen Spieltag eben leider vogelwild. Wäre man aufmerksam gewesen, wie gegen Bochum, dann hätten wir es wohl gewonnen – so aber leider nicht.
    Nichtsdestotrotz bin ich von Eurer Defensivarbeit wirklich beeindruckt und die sollte definitiv reichen für den Klassenerhalt. Um aber über einen Platz zwischen 11 und 15 hinaus zu kommen, müsst ihr in der Winterpause an Qualität in der Offensive zulegen. Die wenigsten Gegner werden es Euch so leicht machen wie wir.
    Aber vielleicht bekommt ihr ja Poldi zurück. =) (Was ich für ihn nicht hoffen will)

    Was Bastürk angeht, stimme ich Dir da durchaus zu. Das war auch ein Transfer, den ich nie so recht nachvollziehen konnte. Auch wenn er ohne Verletzung sicherlich stark wäre. Die Betonung liegt aber nun mal leider auf „wäre“.
    Bezüglich Simak muss ich da widersprechen. Der hat letzte Saison 29 Zweitligaspiele verletzungsfrei durchgespielt (von Gelbsperren abgesehen) bis er dann einen Leistenbruch hatte, was sicherlich nichts mit genereller Verletzungsanfälligkeit zu tun hatte. Blöd halt, dass diese Verletzung nach der Verpflichtung durch Stuttgart zustande kam…
    Die psychischen Probleme stehen da auf einem anderen Blatt und sind – aus meiner Ferndiagnosenposition aus betrachtet- wohl auch abgehakt.

    @jeffrey
    Danke für den Widerspruch. =) Ich gehe auch mit Dir soweit konform, dass es in der Abwehr kein Qualitätsmangel ist. Aber Fakt ist, dass diese individuellen Fehler ständig auftreten in dieser Saison. Es gab fast kein Spiel ohne einen schwereren Aussetzer, der zu einer Großchance des Gegners führte und solange das nicht abgestellt wird, bleibt für mich die Abwehr weiterhin einer der großen Schwachpunkte im Spiel.
    Die Probleme im Mittelfeld sind sicherlich gravierender weil grundsätzlicher. Eigentlich müsste man da in der Winterpause Verstärkung holen, nur wachsen offensive zentrale Mittelfeldspieler ja nun nicht wirklich auf den Bäumen.
    Ich verstehe halt einfach nicht warum man nicht das Spiel auf den vorhandenen Kader anpasst und wesentlich mehr probiert die Gegner durch schnelles Passspiel über die Aussen wie Boka und Hilbert zu knacken. Zumindest wird das meiner Meinung nach zu selten versucht.

    *Eigentlich* sollten wir mit dem Kader trotz geringerer Transferausgaben auch um die UEFA-Cup-Ränge mitspielen können, davon bin ich nach wie vor überzeugt. Allerdings muss dafür eben alles annähernd so passen wie 06/07 – der Kader damals war zumindest auch nicht wirklich stärker.
    Schauen wir mal, wie es am Donnerstag gegen Belgrad weitergeht. Werd’s nur leider nicht sehen können, da ich auf einem Konzert sein werde. Aber vielleicht auch besser so.😀

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