Monatsarchiv: November 2008

Das Ohrgäbelchen #07: Ben Folds.

Titel: Cologne
Künstler: Ben Folds
Album: Way to Normal
Highlights: Bitch went nuts, Cologne, EffingtonHiroshima (B B Benny hit his head)
Referenzen: The Beautiful South, Duke Special, Elton John, Billie Joel, The Beatles
Hörproben: http://www.myspace.com/benfolds (Vorsicht: Die Songs dort sind teilweise nicht die Originalversionen sondern stammen von einem vor dem Release absichtlich geleakten Fake-Album)
Notizen: Zugegeben, Ben Folds ist nicht mehr wirklich ein Geheimtipp, aber ich habe ihn erst mit diesem Album so richtig entdeckt. Schöne melodische Songs, sehr abwechslungsreich und vor allem viel Spaß während des kompletten Albums. Angefangen bei Hiroshima über einen Zwischenfall in Japan, wo er von einer Bühne fiel (welches gleichzeitig auch noch eine wunderbare Hommage an Elton John ist), über das durchgeknallte Bitch Went Nuts bis hin zur ironischen Hymne an einen Ort namens Effington. Dazwischen finden sich immer wieder komplett anders gestrickte Songs: Balladen wie das absolut wunderschöne Cologne, das auch auf einem Konzert in Köln entstanden ist, funkige Elektro-Variationen bei Free Coffee und sogar ein HipHop-beeinflusstes Duett mit der großartigen Regina Spektor (You don’t know me). Sicherlich eines der abwechslungsreichsten und bestgelauntesten Alben des Jahres.
Und erfreulicherweise ist auch schon das nächste Projekt in Aussicht: Im Dezember plant er gemeinsam mit einem meiner Lieblingsautoren Nick Hornby, der die Lyrics verfassen wird, ein Album innerhalb von drei Tagen zu produzieren.

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Ein Kommentar

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Die Spätzlegabel – Bundesliga, ST14: VfL Wolfsburg.

spatzlegabel1-4„VfB letzte halbe Stunde ‚lost in space‘. Ohne Abwehr gehts nicht. Saß in der 2. Halbzeit nur 10m von Lehmann entfernt – hochinteressant!“
sms meines Vaters aus Wolfsburg am gestrigen Abend

Bundesliga, Spieltag 14:
VfL Wolfsburg – VfB Stuttgart 4:1 (0:1)

Was bin ich dem VfB dankbar. Denn wenn sie Armin Veh heute morgen nicht gefeuert hätten, dann hätte ich jetzt das Problem gehabt, dass ich mir einen Spielbericht aus den Fingern hätte saugen müssen, da ich bis auf die Tore eigentlich nix vom Spiel gesehen habe, nachdem die Rückreise vom RheinEnergie-Stadion zu lang ausfiel, um rechtzeitig zur Sportschau wieder zu Hause zu sein. Und die ZDF Sportstudio-Zusammenfassung bot halt über die Tore hianus so gut wie gar keinen Mehrwert.

Anyway. Nun ist es also soweit, der VfB und Armin Veh gehen ab sofort getrennte Wege, nachdem sich die Vereinsoberen heute morgen dazu entschieden haben, den Meistertrainer von 2007 zu beurlauben. Das Training werden von nun an Markus Babbel als Teamchef und der ehemalige Co-Trainer des VfB II, Rainer Widmayer, als Trainer übernehmen. Die gestrige 4:1-Niederlage in Wolfsburg, bei der das Team am Ende völlig in sich zusammenbrach, war wohl der Auslöser für die Entscheidung, die allerdings sicherlich noch weit mehr durch die Misserfolgsserie der vergangenen Wochen, sowie der generellen sportlichen Entwicklung seit dem Titelgewinn beeinflusst worden ist. Soviel zu der rein nüchternen Analyse.

Wie ist nun meine Meinung zu diesem Vorgang? Grundsätzlich kann ich das eigentlich nur begrüßen – schließlich habe ich die Trainerfrage schon in der vergangenen Woche nach dem Bielefeld-Spiel ausführlich besprochen und bin zu dem Schluss gekommen, dass es mit Veh eigentlich nicht weitergehen kann. Die Gründe habe ich damals schon recht ausführlich dargelegt. Im Wesentlichen war es der Vorwurf, dass es Veh (gemeinsam mit Heldt) nicht gelungen ist, ein dauerhaft schlagkräftiges Mittelfeld zu formen, was einerseits an der suboptimalen Personalpolitik liegt, aber auch am scheinbar fehlenden Offensivkonzept. Denn man sah keine Entwicklung im Spiel des Teams der letzten Wochen. Spieltag für Spieltag die gleichen Probleme, die gleichen Schwächen, die gleichen Defizite, ohne dass es auch nur irgendeinen Anlass für Hoffnung auf Besserung gegeben hätte.
Zudem scheint es so -zumindest wenn ich den Aussagen meines Vaters, der in Wolfburg im Stadion war, Glauben schenken kann-, dass das Klima innerhalb der Mannschaft sehr vergiftet ist und es wohl diverse Brandherde gibt, die wohl nicht wenig mit den Neueinkäufen wie Lehmann oder Boulahrouz zu tun haben.

Von daher wurde es wohl Zeit, mal wieder einen Schnitt zu setzen, um auch die Mannschaft mal wieder durchzulüften und neue Reizpunke zu geben, auch neue Hoffnungen zu schüren, für Spieler, die sich vielleicht schon abgemeldet sahen. Denn die letzten Wochen deuteten einfach sehr stark darauf hin, dass alle zu sehr in ihrem eigenen Saft schmorten und sich alles nur noch damit zufrieden gab, dass man sich von Spiel zu Spiel hangelte, in der vagen Hoffnung, dass es irgendwann irgendwie schon besser werden wird. Wie das aber gelingen sollte, das wusste wohl niemand so recht.

Wie soll es nun weitergehen? Der VfB hat sich erstmal nicht deutlich geäussert, ob man im Duo Babbel/Widmayer nur eine Übergangslösung sieht, oder eine zukunftsträchtige Variante. Das ist einerseits nicht so richtig prickelnd, da man dieses Duo so schon mal leicht angreifbar macht – andererseits führte uns die letzte „Übergangslösung“ zum Meistertitel.
Ausserdem setzt sich die Vereinsführung so nicht dem Druck aus, unbedingt direkt einen neuen Trainer zu finden. Und das finde ich begrüßenswert, denn wenn es nach mir ginge, dann würde das Duo jetzt bis zur Winterpause mit der Mannschaft daran arbeiten, die letzten drei Bundesligaspiele (die mit Heimspielen gegen Schalke und Bayern sowie einem Auswärsspiel bei Cottbus alles andere als leicht sind) halbwegs gut über die Bühne zu bekommen und aus den letzten beiden UEFA-Cup-Partien noch einen Sieg zu holen, damit die nächste Runde erreicht wird. Das sollte machbar sein.
Parallel kann dann die Vereinsführung in Ruhe (mehr oder weniger) daran arbeiten zur Winterpause einen neuen Trainer zu bekommen, der sich dann über den Jahreswechsel mit strukturellen Dingen, wie potentiellen Neueinkäufen, befassen kann und dann direkt von Beginn an das Training der Mannschaft leitet.

Wer dieser neue Trainer sein soll? Gute Frage. Arsene Wenger wäre natürlich super, schließlich bekäme er hier mit unserer exzellenten Jugendarbeit auch noch mal ein schickes, kleines Projekt an die Hand. Aber äh, das ist dann doch eher nicht unsere Liga und Preisklasse. (Wobei ja nix unmöglich ist, schließlich haben Guns’n’Roses jetzt tatsächlich „Chinese Democracy“ veröffentlicht – das erschien ja ähnlich unrealistisch…)
Die wahrscheinlicheren Optionen werden aber entweder einen deutschen Namen tragen oder aber früher mal beim VfB gespielt haben. Als allererstes kam mir, letzte Woche schon, Mirko Slomka in den Sinn, dem ich auch zutrauen würde, eine mittelfristige Planung zu entwickeln.
Die Frage ist nur, ob er, der zumindest von der Aussenwirkung her ein ähnlich ruhiger Typ wie Veh ist, wirklich der passende Charakter für das scheinbar kaputte Innenleben der Mannschaft ist. Ähnliches gilt auch für Volker Finke, der ebenfalls gehandelt wird, und den ich rein von der konzeptionellen Seite (Stichwort Jugendarbeit) auch äusserst gerne beim VfB sehen würde. Aber eben die Frage, ob er im Team für Ordnung und Disziplin sorgen kann…

Zwei gehandelte Trainer, die ich keinesfalls bei uns sehen möchte, wären Thomas Doll und Klaus Augenthaler. Doll hat zweimal unter Beweis gestellt, dass er wenig mehr als ein Strohfeuer entfachen kann. Und Auge ist mir als Grantler einfach sehr unsympathisch und hat selten in fußballerischer Hinsicht überzeugt.

Daneben wurden heute in der DSF-Dummschwätzer-Runde noch zwei Ex-Spieler in den Ring geworfen, namentlich Krassimir Balakov und Zvonimir Soldo, die beide zwei der prägendsten Figuren der letzten VfB-Jahrzehnte waren. Die Vita des bulgarischen Spielmachers liest sich bislang eher bescheiden, mit einem vierten Platz 2006 für die Grashoppers Zürich als größtem Erfolg (zu dem sich eine sehr gelungene Hinrunde 06/07 gesellte) und einem Abstieg mit dem FC St. Gallen in der vergangenen Saison.
Soldo hat hingegen immerhin einen großen Erfolg zu verzeichnen, als er in diesem Frühjahr mit Dinamo Zagreb schon vorzeitig kroatischer Meister wurde. Danach trat er allerdings ohne Angabe von Gründen zurück, obwohl er nur wenige Monate im Amt war. Bei beiden spricht also die bisherige Karriere nicht so wirklich dafür, sie zu nehmen – dann kann man mMn auch gleich bei Babbel/Widmayer bleiben.

Man ist gespannt, wie es weitergehen wird. Ich kann nur hoffen, dass es diesmal nicht wie sonst üblich eine Übergangsphase gibt, in der nach einer langen Trainerperiode jetzt wieder mehrere kurze folgen…

Dennoch zum Schluss sei gesagt:
Vielen Dank, Armin Veh, für die geleistete Arbeit und den Meistertitel!

Nationalstürmer-Effektivitäts-Watch

An diesem Wochenende gab es zur Abwechslung nur sehr wenige Veränderungen. Helmes konnte immerhin treffen, aber die Niederlage nicht verhindern, so allerdings zumindest seine Führung ausbauen, da auch Gomez für sich nur einen Assist verbuchen konnte. Etwas aufholen konnte Miroslav Klose, der durch seinen Treffer beim Scheibenschiessen gegen Cottbus, den Abstand nach oben verkleinern und sich gleichzeitig von Kiessling absetzen konnte. Alle anderen des Rankings konnten an diesem Wochenende nicht punkten, wobei zumindest Aaron Hunt heute abend noch die Gelegenheit dazu im Duell mit dem HSV hätte.

1. Patrick Helmes – 18 Spiele / 12 Tore / 3 Torvorlagen => NEW-Faktor 2,17
2. Mario Gomez – 25 / 15 / 5 => 2,00
3. Miroslav Klose – 23 / 11 / 8 => 1,78
4. Stefan Kiessling* – 16 / 7 / 5 => 1,63
5. Jan Schlaudraff* – 14 / 6 / 1 => 1,36
[ Kevin „was macht der beruflich?“ Kuranyi – 22 / 8 / 4 => 1,27]
7. Sebastian Freis* – 16 / 6 / 0 => 1,13
6. Lukas Podolski – 20 / 7 / 1 => 1,10
8. Mike Hanke* – 13 / 1 / 1 => 0,31
    Aaron Hunt* – 13/ 1 / 1 => 0,31
10. Oliver Neuville* – 9 / 0 / 1 => 0,11

Bestandteil dieses Rankings sind nur Einsätze in Pflichtspielen von Verein und Nationalmannschaft. Freundschaftsspiele wie das gegen England zählen nicht dazu. Das Ranking umfasst deutsche Stürmer der ersten Bundesliga (und rein theoretisch auch ausländischer erster Profiligen – wobei ich die drei erfolgreichen Stürmer in Österreich -Hofmann, Jancker, Zickler- davon ausklammere aufgrund mangelnden Niveaus der Liga).
Der Kneifer aus der Nutella-Werbung ist der Vollständigkeit halber auch noch mit aufgeführt damit man  sehen kann, welche Argumente er auf seiner Seite hätte.
* = derzeit nicht im Nationalmannschaftskader

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Die Spätzlegabel – Edition „Kölsch“: Von Hasen und Igeln.

spatzlegabel-edition-kolschAuch wenn ich meine Daumen immer nur für den VfB Stuttgart richtig drücke, so bin ich doch in erster Linie einmal ganz generell Fußball-Fan. Das spiegelt sich wohl schon darin wider, dass meine Besuche von Bundesligapartien ohne Stuttgarter Beteiligung die der Partien mit dem VfB um ein Vielfaches übersteigt. Die meisten dieser Stadienbesuche fanden dann natürlich aus logistischen Gründen entweder in Leverkusen (vor allem in den späten 90ern, wo Bayer die Tickets noch zu Tausenden verschenkte) oder eben in Köln, wo es mich heute nach einigen Jahren auch mal wieder hin verschlagen hat. [Hier war übrigens auch mein letzter Stadionbesuch: beim Confed-Cup 2005 gegen Tunesien; soviel zu meiner Besuchsfrequenz…]

Mit dem Effzeh verbindet mich selbstverständlich auch ein gewisses emotionales Band, schließlich bin ich in Köln geboren, im Hinterland der Domstadt heimisch und den Großteil meines Schullebens in der wohl kölschesten Stadt ausserhalb Kölns verbracht. Und wie das halt so ist, wenn man hier aufwächst, dann wird man ständig und überall mit dem Geissbock-Verein konfrontiert, egal ob auf dem Schulhof oder beim morgendlichen Blick in die Bergische Landeszeitung (die bis auf die Spiele von Leverkusen kaum weitergehende Fußballberichterstattung bietet). Der Effzeh ist hier nur schwer zu vermeiden und so entwickelte ich im Laufe der Jahre eine Beziehung, die man irgendwie als eine Mischung aus liebevoll, amüsiert, fasziniert, katastrophengeil und dem Respekt gegenüber der Begeisterungs- wie auch Leidensfähigkeit der Fans bezeichnen kann.

Heute ging es dann also zur Begegnung mit dem neureichen und kühl durchgeplanten Aufstiegskollegen aus Hoffenheim, dem Quasi-Gegenentwurf zum traditionsbewussten, oftmals chaotischen Großstadtclub. Und auch rein fußballerisch sind beide Teams reines Kontrastprogramm: Hier die stählerne Defensivmannschaft, die vorne einen Stürmer hat, von dem der Erfolg extrem abhängig ist – dort der begeisternde Offensivwirbel mit einem großen Defizit im defensiven Mittelfeld und auch einer Abwehr die teilweise zu sehr nach vorne spielt.

Verstärkt wurde der Reiz dieses Kräftemessens dann noch dadurch, dass der FC das einzige Team in der vergangenen Zweitligasaison war, das beide Duelle gegen Hoffenheim gewinnen konnte. Zumal der 3:1-Heimsieg im vergangenen Mai eine äusserst hitzige Angelegenheit war, in der die Hoffenheimer sich in Köln wenig Freunde gemacht haben aufgrund von einiger Schauspielerei und Provokationen, während der damalige Kölner Suazo seinem Gegenspieler Salihovic eine Kopfnuss verpasste, durch die dieser einen Zahn verlor. Und an diese eindeutig feindselige Stimmung wurde heut nahtlos angeknüpft.
Doch erstmal zum Spiel selbst.

Es war ein wirklich faszinierender Spielverlauf. Erst einmal legten die Hoffenheimer mit der breiten Brust einer bislang hochgradig erfolgreichen Saison richtig los und dominierten das Spiel deutlich. Doch versäumte man es, das Spiel vorne breit zu machen und rannte sich so mehrfach trotz klarer technischer und spielerischer Überlegenheit ein ums andere Mal in der exzellent stehenden Kölner Defensive fest. So ergaben sich dann gute Chancen vorwiegend nur durch Standardsituationen Der Effzeh wiederum tat in diesen ersten zwanzig Minuten gar nichts fürs Spiel, sondern beschränkte sich vorwiegend auf das Zerstören. Und wenn man es dann mal versuchte, scheiterte man entweder an den aufmerksamen Hoffenheimer, die meist einen Schritt schneller waren, oder an der eigenen mangelhaften Technik – entweder versprangen die Bälle bei der Annahme meterweit, oder die Pässe kamen ungenau.

Doch nach den zwanzig Minuten wurde Hoffenheim weniger druckvoll, während der FC seinerseits auf einmal doch den Zug nach vorne fand und zwei, drei richtig große Chancen hatten, die eigentlich den Führungstreffer zur Folge hätten haben müssen – doch mal stand ein heute starker Haas im Weg, mal der Pfosten und dann auch mal wieder eigene Unzulänglichkeiten, wie beim insgesamt heute sehr schwachen Vucicevic (wobei dessen Treffer ansonsten wohl zu Unrecht wegen Abseits nicht anerkannt worden wäre).

Aber wie das halt so ist, wenn man selbst mehr für die Offensive tut: Die eigene Hälfte ist nicht mehr so sehr zugestellt. Und dass die Hoffenheimer wissen, wie man mit freien Räumen umzugehen hat, stellten sie dann in der 32. Minute unter Beweis, als Eduardo einen schönen Steilpass auf Ibisevic spielt, der den Ball zum frei im Strafraum stehenden Ba abtropfen lässt, dessen Tor dann nur noch Formsache war.
Dadurch hatten die Hoffenheimer dann die Oberhand wieder zurückgewonnen und bis zur Pause spielte sich das Geschehen dann hauptsächlich im Mittelfeld ab, meist in Form hart umkämpfter Duelle, wo uns schon klar wurde, dass dieses Spiel nicht mit 11 gegen 11 zu Ende gehen wird.

Denn Kampf war dann auch das dominierende Mittel in der zweiten Halbzeit. Zu Beginn konnte man zwar klar erkennen, dass Rangnick seinen Hoffenheimern die deutliche Anweisung mehr über die Flügel zu spielen, doch Fußball trat dann ganz schnell in den Hintergrund. Denn die umkämpften Duelle kippten ganz schnell ins hitzige, ins Unfaire über. Kulminationspunkt war dann natürlich der Platzverweis für McKenna, den wir im Stadion genauso sahen, beim Studium der Fernsehbilder würde ich zumindest auf „Hart, aber vertretbar“ zurückstufen. Danach war die Atmosphäre auf jeden Fall endgültig vergiftet und es ging nur noch um Kampf und den Gegner foulen. Schön war das nicht, aber zumindest spannend und hochinteressant, zumal dann mit Gustavo auch noch ein Hoffenheimer den Platz verlassen musste. Hätte ich live nicht so gesehen, ist aber mit dem Wissen der Fernsehbilder durchaus vertretbar – ähnlich eigentlich wie der Platzverweis für McKenna.

Danach war weiterhin erstmal nicht viel Fußball zu sehen, weil beide Mannschaften ihre taktischen Konzepte scheinbar völlig vergessen hatten. Erst in der 67. Minute verstanden es dann die Hoffenheimer die neu entstandenen Räume so zu nutzen und zeigten wieder einen ihrer Sahneangriffe über die Aussen, den Salihovic nicht nutzen konnte, da Mondragon seinen Schuss hielt, doch den Abpraller machte dann einmal mehr der unwiderstehliche Ibisevic. Für mich war das Spiel anschließend im Grunde durch und auch die Stimmung näherte sich nun den frostigen Temperaturen an. Und auch die Hoffenheimer begannen nun schon mit kleineren Kabinettstückchen, entwickelten aber zu wenig direkt zum Kölner Tor.

Doch wie es heute so oft passierte, änderte sich das Momentum des Spiels ein weiteres Mal, als die Hoffenheimer Abwehr in der 78. Minute bei einem Freistoß von Petit keine Mauer zusammenbekam, so dass ein alleine stehender Ba den Ball unhaltbar ins Tor abfälschte. Und sofort war das Publikum wieder da und die Mannschaft wurde nach vorne gepeitscht, drängte nun auf den Ausgleich – doch ohne so richtig Durchschlagskraft zu entwickeln, denn auch hier agierte man wieder zu kopflos, so dass bis auf eine Kopfballchance von Novakovic, die wiederum Haas großartig aus dem Winkel pflückte, wenige Chancen in Erinnerung blieben.

Den Schlusspunkt setzte dann einmal mehr Vedad Ibisevic, der mit seinem 16. Saisontreffer den 3:1-Endstand herstellt. Der Scorer-Punkt hierfür sollte allerdings eigentlich an Petit kriegen. Wie der portugiesische Nationalspieler hier über 20-25m in respektvollem Abstand neben Ibisevic hertrabte ohne ihn auch nur ansatzweise zu bedrängen, habe ich in meinem Leben noch nie gesehen. Unfassbar!

Und damit kommen wir dann nun mal zu den Nebenschauplätzen.

Wie gesagt, es war eine mehr als hitzige Stimmung im Stadion. Hoffenheim war klares Feindbild und auch der Schiedsrichter hat ausschließlich für die TSG gepfiffen – so die einhellige Meinung im Kölner Fanblock um uns herum. Eine Einschätzung, der ich mich absolut nicht anschließen kann. Denn Deniz Aytekin und sein Gespann haben für mich heute eine nahezu fehlerfreie Leistung absolviert, bei denen ich im Grunde nur zwei große Fehler ausgemacht habe: Zum einen war die kläglich vergebene Schusschance für Vucicevic deutlich kein Abseits und zudem hätte Mondragon eindeutig vom Platz gestellt gehört.

Selten einen Spieler gesehen, der so sehr um seinen Platzverweis gebettelt hat. Mehrfach stand er bei Schieds- oder Linienrichter, um irgendeine Entscheidung (die zudem auch immer korrekt getroffen worden war) lautstark zu reklamieren. Spätestens bei den Diskussionen nach dem Platzverweis für McKenna, die beinahe an der Mittellinie (!) stattfand, hätte er Gelb-Rot kriegen müssen. Aber das hätte dann wohl das Stadion endgültig zum Ausrasten gebracht…

Ohnehin, diese Sache mit dem Reklamieren. Es ist ein Hohn, dass sich Daum nach dem Spiel hinstellt und über die unfairen, protestierenden Hoffenheimer zetert, wenn man vorher gesehen hat, wie die Kölner mehrfach den Schiedsrichter belagerten und gegen dessen korrekte Entscheidungen lautstark protestieren. Bestes Beispiel war da das 0:1, bei dem die Kölner Abwehrspieler schon im laufenden Spiel mit erhobenem Arm stehen blieben und die gegnerischen Stürmer unbedrängt gewähren ließen. Gleiches war dann auch beim zweiten Gegentor der Fall, als man erneut vergeblich auf Abseits spielte und -ich glaube- Petit wieder mit erhobenem Arm stehen blieb und Salihovic einsam laufen lies. Für mich völlig unverständlich, dass die Trainer hier nicht mal intensiver dagegen angehen. Aber Daum is wohl mehr damit beschäftigt, mit der bösen, bösen Welt zu hadern…

Eine absolute Unart scheint sich übrigens auch auf der Tribüne mittlerweile eingebürgert zu haben: Bierbecherwerfen. Da Spiel heute verfolgte ich auf dem Oberrang der Südtribüne, in Reihe 23 – und im Laufe der zweiten Halbzeit flogen ca. 4 oder 5 Bierbecher über meinen Kopf hinweg und bedeckten mich jedes Mal mit leckerem, aber leider auch stark riechendem Kölsch. Eine abolute Unsitte, die Aggressionen so auszuleben, denn den einzigen Effekt, den das hat, ist die eigenen Fankollegen, von denen nicht wenige noch Kinder sind, mit Bier vollzusauen. Solchen Leuten würde ich gehörig die Meinung geigen, wäre ich FC-Fan und stünde daneben.

Aber bevor ich mich hier nun in Rage rede, zum Abschluss noch ein kleines Fazit.
Wenn man mal die ganzen Nebenschauplätze beiseite nimmt, dann muss man sagen, dass Hoffenheim als verdienter Sieger aus diesem unterhaltsamen Spiel hervorgegangen ist. Auch wenn Köln eigentlich den ersten Treffer hätte erzielen können (wenn nicht müssen), so war Hoffenheim bis auf jeweils 10 Minuten in jeder Halbzeit eigentlich jederzeit Herr der Lage. Technisch, spielerisch und auch athletisch überlegen waren sie den Kölnern sowieso. Wenn man sieht, wie sie ständig den Gegner doppeln und bedrängen (oder auch schon mal zu dritt den Gegner einkesseln), während auf Seiten des FCs der im Ballbesitz befindliche Mitspieler häufig völlig alleine gelassen wurde, dann spricht das schon eine deutliche Sprache. Und fast immer waren sie einen Schritt schneller am freien Ball als der jeweilige Kölner. Die Offensivqualitäten der Hoffenheimer sind sowieso unbestritten und teilweise wirklich wunderbar anzusehen.

Die Kölner ihrerseits haben (abgesehen von den Undiszipliniertheiten) vor allem einen Fehler begangen: Man hat nach 20 Minuten das taktische Defensivkonzept verworfen, das bis dahin sehr gut funktionierte. Hier hätte man konsequenter bleiben und die Offensivbemühungen strukturierter fahren müssen, ohne die Dichte im defensiven Mittelfeld zu verlieren. Dadurch wurde das Spiel in meinen Augen verloren. Denn danach spielte eigentlich alles in die Karten der Hoffenheimer, die sich selbst durch die Hitzigkeit nicht entscheidend genug aus dem eigenen Konzept bringen ließen.

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PR-Berater(in) gesucht.

Einer der Aspekte des vor kurzem geendeten US-Präsidentschaftswahlkampfs, der mich einerseits am meisten gruselte, aber andererseits sicherlich auch für die meisten und besten Unterhaltungsmomente gesorgt hat, war sicherlich die Nominierung der vorher weitgehend unbekannten Sarah Palin als McCains Kandidatin für den Vizepräsidentinnen-Job und deren daraufhin folgenden Auftritte in der Öffentlichkeit.

Bisher habe ich weitestgehend darauf verzichtet, dies hier zum Thema zu machen, wie ja auch insgesamt der Wahlkampf keine große Rolle hier gespielt. Zwar habe ich diesen Wahlkampf alleine schon aus beruflichem Interesse äusserst intensiv verfolgt, aber mir fehlt es dann doch an politischer Eloquenz, um mich hier fundiert zu äussern. Und die Fehler Palins wurden ja selbst hier in deutschen Blogs zur Genüge ausgebreitet.

Heute aber stieß ich dann doch wieder auf einen kleinen Clip mit Palin im Mittelpunkt, der mich einmal mehr sprachlos zurückließ. Wobei es hier gar nicht so sehr Palin selbst ist, sondern mehr die Tatsache, dass ihr Beraterteam (und sie ist schließlich immer noch Gouverneurin Alaskas) scheinbar nicht mal ansatzweise eine Ahnung von seinem Job hat.

Der Clip an sich ist schon absurd-komisch auf eine sehr morbide Art und Weise (die im Prinzip so auch in einer South Park-Folge hätte vorkommen können). Wenn man sich aber dann noch vergegenwärtigt, was die Begleitumstände dieses Interviews eines lokalen TV-Senders aus Alaska sind, dann schlackert man nicht nur als im PR- und Marketing-Bereich Arbeitender gehörig mit den Ohren.

In den USA gibt es die Tradition im Weissen Haus, dass der jeweilige Präsident jedes Jahr zum Thanksgiving einen Truthahn „begnadigt“, der dann doch nicht zum Fest verspeist wird. Eine Tradition, die der Legende nach bis zu Abraham Lincoln zurückreicht, und die mit der Zeit auch von niedrigeren Politikern übernommen wurde.

Wie eben beispielsweise die Gouverin des Bundesstaates Alaska, die sich nun also vor wenigen Tagen zu einer Truthahnfarm begab, um diese Tradition zu zelebrieren und natürlich auch die Möglichkeit zu nutzen, dies medial in Form eines bodenständigen Interviews auszuwerten.
Nun, wie gesagt, der Anlass des Interviews ist also die Bewahrung eines Truthahns vor dem Tod und das sollte man dann mal im Hinterkopf behalten, wenn man sich (lange Vorrede) dieses Video anschaut:

[via]

Wie gesagt, es geht mir nicht um einen Fehltritt von Palin (davon hatte sie während des Wahlkampfs schon mehr als genug) und auch nicht um Aufregung über die Tötung der Truthähne (die müssen nun mal irgendwoher kommen). Aber, dass das PR-Team einer sehr hochgestellten politischen Persönlichkeit ein solches weit über drei Minuten dauerndes Interview so zulässt, ist mir unerklärlich. Da gehört m.E. jemand ganz schnell gefeuert (oder aber zumindest gehörig der Kopf gewaschen).

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Die Spätzlegabel – Bundesliga, ST13: Arminia Bielefeld.

spatzlegabel0-0Wenn man erst zu Hause gegen einen Aufsteiger mit zwei Toren Differenz verliert, dann bei einer stark personalgeschwächten Frankfurter Eintracht nur gerade noch ein Remis holt und darüber hinaus noch gegen einen der großen Abstiegsfavoriten zu Hause nicht ein einziges Törchen zustande bringt, dann muss man wohl oder über allmählich das Wort Krise in den Mund nehmen. Oder auf die Tastatur.

Bundesliga, 13. Spieltag:
VfB Stuttgart – Arminia Bielefeld 0:0

Es ist ja nun noch nicht allzu lange her, dass ich mit dem Vereinsbloggen begonnen habe, genauer gesagt noch nicht einmal eine halbe Saison. Daher habe ich großen Respekt vor denjenigen, die das schon einige Saisons lang durchziehen. Mir gehen nämlich so lange die Worte aus, das zu beschreiben, was ich mir Woche für Woche anschauen muss. Denn leider wiederholen sich Woche um Woche die selben Spielszenen, die selben Schwächen und leider auch die selben Ausreden und müden Erklärungsversuche der Verantwortlichen, wenn der VfB bei einem Bundesliga- oder Europacup-Spiel eine der teilnehmenden Mannschaften ist.

An jedem verdammten Samstag(/Sonntag/Freitag/Dienstag/Mittwoch/Donnerstag) rennt der VfB ideenlos gegen einen defensiv cleveren Gegner an, ohne auch nur den Hauch einer Inspiriertheit anzubieten und ich bin allmählich müde, dies an jedem verdammten Sonntag(/Montag/…/etc.) wieder anzusprechen. Deswegen muss ich so langsam anfangen, weitergehende Fragen zu stellen.

Dass das Spiel des VfB im Mittelfeld am meisten lahmt, habe ich ja schon mehrfach hier erwähnt und man sollte annehmen, dass auch die sportliche Leitung rund um Armin Veh dieses krasse Manko mittlerweile ebenfalls ausgemacht haben dürfte. Dafür sprich sicherlich das verstärkte Wechselspiel in diesem Bereich der Aufstellung, die diesmal dazu geführt haben, dass mit Kapitän Hitzlsperger nun auch noch die zweite Säule des Meisterjahres neben Robert Hilbert zu Beginn draussen bleiben musste, die beide zuletzt noch meistens das Vertrauen von Veh genossen. Dementsprechen sah das Mittelfeld in der Kombination Pardo-Khedira-Elson-Lanig eher ungewohnt aus.

Der Effekt blieb dennoch gleich Null. Denn auch gestern wurde der Raum zwischen gegnerischem Strafraum und Seitenauslinie wieder zum Rasenschutzgebiet erklärt und das VfB-Mittelfeld agierte wie an den letzten Spieltagen schon so, als ob man Geld von einer Forschungsgruppe bekäme, die gerade an einer Langzeitstudie über das Gefährdungspotential von Flanken aus dem Halbfeld arbeitet.

Und damit kommen wir dann zu einem Punkt, den ich nur ungern anspreche: Das Thema Trainerdiskussion. In der letzten Woche wurde ich zwei Mal angesprochen, ob ich glaube, dass bis zur Winterpause noch Trainer fliegen werden und wenn ja wer. Und beide Male kam mir in diesen Momenten als einer der ersten Namen „Armin Veh“ in den Sinn. Zwar hinkt Dieter Hecking mit seinen Hannoveranern noch weiter hinter den eigenen Ambitionen her und auch die Bremer waren bis heute abend ziemlich in der Krise, aber Stuttgart ist mir nun mal wesentlich näher und die Gesamtsituation doch etwas klarer.

Ich schrieb ja oben schon davon, dass Veh das Defizit im offensiven Mittelfeld eigentlich klar sein müsste, da er personell regelmäßig versucht darauf zu reagieren. Nur kann es eigentlich nicht sein, dass man versucht dies durch verschiedenes Personal in der Raute zu beheben, wenn man doch vor der Saison schon wusste, dass es da ein Defizit gibt, solange Bastürk sich vornehmlich in der VfB RehaWelt aufhält. Und dass man dies damals schon wusste, zeigt ja der Einkauf von Simak, der genau für dieses Loch verpflichtet wurde, nachdem sich auch Antonio Da Silva auf dieser Position im letzten Jahr nicht bewährte.

Dass sich Jan Simak dann kurz nach der Bekanntgabe des Transfers recht schwer verletzte war ärgerlich, hätte aber meiner Meinung nach dazu führen müssen, dass man dann eben versuchen muss, das vorhandene Personal besser nutzen muss und Umstellungen im Offensivspiel vorzunehmen. Eben ein Spiel, dass mehr über die Aussen läuft, ein Spiel, dass es darauf anlegt, durch entsprechende Laufwege und schnelles Passspiel, Lücken in die gegnerischen Defensivreihen zu reissen.
An diesem Punkt gibt es dann nicht viele Optionen: Entweder die Spieler schaffen es nicht solche von Veh gegebenen Anweisungen umzusetzen (was aber in der Meistersaison mit größtenteils ähnlichem Personal noch funktionierte) oder aber Veh hat es schlicht versäumt, ein Offensivspiel ohne einen klassischen Zehner zu trainieren – beides wäre sicherlich kein Argument für die Arbeit von Veh.

Nun bin ich mir absolut bewusst, dass ein Trainerwechsel kein Allheilmittel ist und bis auf den noch nicht sonderlich erprobten Mirko Slomka sehe ich auch keine allzu interessanten Alternativen, allein mir fehlt es an konkreten Anhaltspunkten für den Glauben an eine bessere Zukunft in dieser Saison. Zum derzeitigen Saisonzeitpunkt habe ich einfach jegliche Hoffnung darauf verloren, dass wir noch in irgendeiner Weise in die Kämpfe um das internationale Geschäft mit eingreifen könnten. Woher sollte denn auch die Besserung kommen, wenn es an jedem Spieltag keine Weiterentwicklung innerhalb der Mannschaft gibt? Es kann und darf eigentlich nicht sein, dass sich die selben Macken so häufig wiederholen. Und es kann auch nicht sein, dass man sich scheinbar nur daran aufrecht hält, dass man darauf hofft, dass bestimmte Spieler wieder gesund werden (Bastürk, Simak und auch Boulahrouz) bzw. dass andere Spieler ihre Schwächephase überwinden (im Prinzip fast alle ausser Gomez und in Ansätzen Elson und Lanig). Der einzige Strohhalm, den ich tatsächlich derzeit sehe, wäre ein neuer Trainer, der frischen Wind reinbringt und die womöglich verkrusteten Strukturen aufbricht. Und dass es soweit gekommen ist, dass ich hier schon ernsthaft den Wunsch nach einem Messias als eine ernsthafte Option in Betracht ziehe, spricht schon Bände.
Mir graut’s vor mir.

Auch, dass die Bayern sich mal wieder etwas blamiert haben, kann da kein wirklicher Anlass für Trost sein.
Da beruhigt mich schon eher, dass wir hinter uns zumindest ein halbwegs dickes 5 Punkte-Polster haben und auch generell zu viele schwache Teams (Cottbus, Bielefeld, Karlsruhe, Bochum) noch hinter uns stehen, als dass man sich ernsthaft mit dem Abstiegskampf beschäftigen müsste. Also eigentlich.

Seitenblick – Dritte Liga, 15. Spieltag: VfB Stuttgart II – Erzgebirge Aue 3:0 (3:0)

Immerhin ein wenig positives gab es aus der Nachwuchsabteilung des VfB zu vermelden, wo die zweite Mannschaft mal wieder dreifach punkten konnte, und das auch erfreulich souverän. Gegen den immerhin seit sieben Spielen ungeschlagenen Zweitligaabsteiger Erzgebirge Aue kam man schnell durch einen Treffer von Manuel Fischer (dem Veh mal etwas mehr Erstligaeinsatzzeit gönnen sollte, bevor der auch wieder abhaut) in Front, woraufhin sein Sturmkollege Julian Schieber bis zur Pause noch zweimal nachlegte, ohne dass man ernsthaft selbst in Gefahr geriet. Der 19jährige Schieber steht nun übrigens bei 8 Toren aus den letzten 10 Regionalliga-Begegnungen – sicherlich auch eine Option für das erste Team, wenn da nicht Gomez wäre… Er hätte in der zweiten Hälfte bei einem der diversen Konter gegen weiterhin eher harmlose Auer sogar noch durchaus nachlegen können.
Die Veilchen aus dem Erzgebirge hinken damit übrigens weiterhin recht weit ihren Ambitionen hinterher und kämpfen wohl in dieser Saison um den Klassenerhalt, während für den VfB II weiterhin alles im grünen Bereich ist und man sich durch den Erfolg sogar schon auf Rang 7 vorschieben konnte. Von daher könnte man wohl beruhigt einige der Stützen für Einsätze bei den schwächelnden Profis ausprobieren…

Nationalstürmer-Effektivitäts-Watch

Und schon wieder gibt es einen Führungswechsel im hochoffiziellen NEW-Ranking, denn da Gomez patzte, während Helmes wieder traf, darf sich letzterer wieder die aus frischen Spätzle geflochtene Krone für den erfolgreichsten deutschen Stürmer der Bundesliga aufsetzen. Zudem konnte der designierte nächste Nationalstürmer Nummer 5, Stefan Kiessling, endlich zu Miro Klose wieder aufschliessen nach seinem zweiten Treffer in Folge. Und auch der frühere Nationalstümer Jan Schlaudraff konnte wieder treffen und dadurch Kevin Kuranyi trotz dessen Anschlusstreffer gegen Leverkusen hinter sich lassen. Unser aller Poldi sowie der verletzte Rentner Neuville waren die einzigen beiden der Top10, die keine Chance bekamen, ihre Ausbeute zu verbessern.

1. Patrick Helmes – 17 Spiele / 11 Tore / 3 Torvorlagen => NEW-Faktor 2,12
2. Mario Gomez – 24 / 15 / 4 => 2,04
3. Miroslav Klose – 22 / 10 / 8 => 1,73
Stefan Kiessling* – 15 / 7 / 5 => 1,73
5. Jan Schlaudraff* – 14 / 6 / 1 => 1,36
[ Kevin „was macht der beruflich?“ Kuranyi – 21 / 8 / 4 => 1,33]
7. Sebastian Freis* – 15 / 6 / 0 => 1,20
6. Lukas Podolski – 20 / 7 / 1 => 1,10
8. Mike Hanke* – 12 / 1 / 1 => 0,33
9. Aaron Hunt* – 13/ 1 / 1 => 0,30
10. Oliver Neuville* – 9 / 0 / 1 => 0,11

Bestandteil dieses Rankings sind nur Einsätze in Pflichtspielen von Verein und Nationalmannschaft. Freundschaftsspiele zählen nicht dazu. Das Ranking umfasst deutsche Stürmer der ersten Bundesliga (und rein theoretisch auch ausländischer erster Profiligen).
Der Kneifer aus der Nutella-Werbung ist der Vollständigkeit halber auch noch mit aufgeführt damit man  sehen kann, welche Argumente er auf seiner Seite hätte.
* = derzeit nicht im Nationalmannschaftskader

Die Rote Karte

Eigentlich kann man mit einer simplen roten Karte als Analogie bei folgender Geschichte nicht mehr auskommen. Denn für das was sich gewisse Verbandsfunktionäre derzeit meinen leisten zu können, müsste man im Sportbereich schon zu einer mehrmonatigen Sperre aufgrund von vorsätzlich gewalttätigem Spiel greifen. Nein, eigentlich ist es zu schwach.
Für diejenigen meiner Leser, die sich nicht so in Blogs rumtreiben, hier eine ganz kurze Zusammenfassung:
Vor ca. 4 Monaten bezeichnete der Sportjournalist Jens Weinreich, dessen vorzüglichen Blog ich regelmäßig besuche, den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger als „unglaublichen Demagogen“ in einer Diskussion über dessen Verhalten rund um Kartellamt und TV-Rechte, die im Blog Direkter Freistoss stattfand. Das passte Zwanziger natürlich gar nicht, so dass der Fall im Oktober bei einem Berliner Gericht landete. Die entschieden dann, dass die Bezeichnung gar nicht so schlimm ist, und Zwanziger nicht wie von ihm (bzw. seinen Anwälten) behauptet, eindeutig und unumstößlich in einen Nazi-Zusammenhang stellt. Und das bestätigte dann eine weitere Gerichtskammer kurz darauf erneut.
Aber da der DFB natürlich sowas mit sich nicht machen lässt, drohten sie Weinreich erst mit einer weiteren Klage – um dann am vergangenen Freitag eine Pressemitteilung rauszugeben, die so unfassbar, so voll Lügen und so diffamierend ist, dass mir gestern förmlich die Spucke wegblieb.
Wolfgang Niersbach verschickte eine von Harald Stenger verfasste Pressemitteilung an diverse hochrangige Sportfunktionäre und Journalisten, die einzig und allein darauf ausgerichtet ist, die Karriere von Jens Weinreich möglichst nachhaltig zu schädigen. Man versucht ihm eine Hetzkampagne anzudichten, die auch objektiv betrachtet nicht stattgefunden hat, man stellt Behauptungen auf, die vorher von zwei Gerichten widerlegt wurden und verschweigt diese beiden Urteile zu allem Übel auch noch.

Der Vorfall ist fein säuberlich dokumentiert im Blog von Jens Weinreich nachzulesen und sehr übersichtlich zusammengefasst bei allesaussersport. Ich kann nur allen empfehlen, sich diesen Fall mal in Ruhe komplett durchzulesen, denn es treibt mir als Fußball-Fan die Zornesröte ins Gesicht, mit welchem Selbstverständnis Zwanziger und der DFB hier versuchen, eine klare Niederlage wegzulügen und dabei einen unbequemen Journalisten zu zerstören.

Auch wenn ich keine Ahnung von Jura habe, kann ich nur hoffen, dass Weinreich dagegen eine Handhabe finden wird und das Demagogen und Lügner-Team um Zwanziger, Niersbach und Co verklagen wird.

Es ist einfach eine himmelsschreiende Sauerei, die mich, der ich doch eher ein ruhiger Zeitgenosse bin, extrem wütend und richtig sauer macht!

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Fucking Crazy.

Es ist irgendwie seltsam. Es scheint beinahe so zu sein, dass meine Konzertbesuche immer nur „gehäuft“ auftreten, sprich, wenn ich einmal auf einem Konzert bin, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass ich nur kurze Zeit später oder früher auch ein anderes Konzert besucht habe (bzw. besuchen werde) – während hingegen manchmal mehrere Monate ohne einen einzigen Konzertbesuch vergehen… Keine Ahnung, was das nun über mich aussagen soll. (Fundierte Interpretationen bitte unten in den Kommentaren) 
Für dieses Blog bedeutet es jedenfalls, dass nun schon wieder eine Konzertkritik ansteht.

The Subways

Denn nach dem Besuch bei den doch sehr ruhigen I am Kloot vor rund zwei Wochen, war am vergangenen Donnerstag absolutes Kontrastprogramm angesagt: The Subways in der Kölner Live Music Hall.
Nun gehören die Subways nicht gerade zu den wirklich bevorzugten Bands, und ich kannte im Grunde nur die erste Erfolgssingle Rock & Roll Queen wirklich, aber manchmal macht man ja Konzertbesuche auch nur aus sozialen Gründen. =) Zudem war das bisschen was ich darüber hinaus von dem britischen Trio kannte nicht wirklich schlecht, und 18,70€ war durchaus ein fairer Kurs für ein Konzert dieser Größenordnung.

Im Laufe des Donnerstags trudelten denn also nach und nach meine Begleiter aus ganz Deutschland (oder so ähnlich) ein und es ergab sich tatsächlich, dass wir ziemlich weit vorne in der Schlange standen und dadurch einen Platz ganz vorne am „Wellenbrecher“ vor der Bühne fanden. Es befiel mich eine gewisse Skepsis (die sich prinzipiell als durchaus berechtigt herausstellen sollte), doch immerhin waren die Plätze sehr weit aussen, so dass man gegebenenfalls problemlos und ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen den Rückzug in hintere Gefilde durchziehen konnte.

Die Wartezeit auf den Konzertbeginn war dann im Wesentlich von einem umfassenden Briefing durch drei unserer Begleiter geplant – die waren nämlich am Vortabend schon beim Subways-Konzert in Frankfurt gewesen. Und am Abend davor beim deutschen Tourauftakt in Saarbrücken.

Freaks.

Jedenfalls wurde dort schon mal meine erste Hoffnung zerstört. Nämlich die Hoffnung darauf, einige der ruhigen Songs im Laufe des Konzerts zu hören. Die gefielen mir als zertifiziertem Weichei vom Dienst nämlich beim ausgiebigeren Vorbereitungshören des aktuellen Albums im Laufe der letzten Woche meist ausnahmlos sehr gut, doch leider sollte nur mit Strawberry Blonde zu rechnen sein – ein Song, der auch nur zum Teil als ruhig zu bezeichnen ist. Zudem wurden wir darauf geeicht, wie wir die Vorbands denn zu finden hätten. Die erste sei eine richtig, richtig, richtig gute Band aus den USA. Ganz jung, aber wirklich klasse. Die andere Vorband dagegen große Scheisse und furchtbar und überhaupt nicht mal im Ansatz erträglich.

Aber man soll sich ja seinen eigenen Eindruck bilden und das tat ich dann auch. Festzuhalten ist, dass ich zwei sehr junge Bands als Vorband gesehen habe, bei denen ich mir nahezu sicher bin, dass sie (relativ gesehen) beide einiges an Erfolg in den nächsten Jahren haben werden.

Den Auftakt machten blackmarket aus den USA, ein Quartett, das seit kurzem nur noch aus drei Leuten besteht (einer der Freunde entschied sich, zur Schule zurückzukehren) und ziemlich straighten Rock mit Drums, Gitarre und Bass produziert. Vor allem letzteres Instrument war sicherlich das Highlight während des rund 40minütigen Live-Auftritts, denn es wurde hier wirklich als eigenständiges Instrument genutzt und *gespielt*, und nicht wie sonst bei vielen Bands nur als rhythmische Begleitung verschwendet. Das verlieh den Songs eine wirklich beeindruckende Intensität und sehr viel Nachdruck, so dass das Publikum schon während dieses Auftritts ordentlich abrockte.
Bei den Studioversionen ist der Bass hingegen weit weniger dominant, was aber sicherlich auch damit zusammenhängen könnte, dass dort noch eine zweite Gitarrenspur für mehr Abwechslung sorgte. Mal schauen, ob ihnen ein Song wie „Sheila“ (oder „Night in Question“ oder „Remote [Control Freak]“) schon zum Durchbruch reicht, aber dass er kommen wird, da bin ich mir beinahe sicher. Der Auftritt von blackmarket kam beim Kölner Publikum (und wohl auch an den Abenden vorher) jedenfalls sehr gut an.

Bei der zweiten Vorband mit dem Namen Twin Atlantic war der Fall hingegen etwas ander gelagert. Wie oben schon angedeutet, kam die nämlich bei meinen Begleitern an den vorherigen beiden Abenden überhaupt gar nicht gut an, man könnte beinahe schon von einer Art Feindbild sprechen, das sich da aufgebaut hatte. Dementsprechend war ich natürlich sehr gespannt. Und ich muss natürlich zugeben, dass der Live-Auftritt an sich nicht wirklich gut war (für Begeisterung bei Teilen des Publikums reichte es nichtsdestotrotz – auch wenn sie leicht affige und bisweilen prätentiöse Manierismen an den Tag legten) und im direkten Vergleich zu blackmarket kurz vorher natürlich schon beinahe dramatisch abfiel.
Dennoch war einiges an Potential bei den Songs zu erkennen und wenn man es hinbekommt, den Sound der einzelnen Insturmente besser aufeinander abzustimmen, so dass die lauten Passagen nicht zu sehr nach Geräuschbrei klingen, dann kann das schon was werden. Nur haben Twin Atlantic auch ein großes Problem – den Lead-Sänger, dessen Stimme ist nämlich zu schwach, um mit dem powervollen Sound mitzuhalten. Zugleich scheint er allerdings auch eine Stärke der Band zu sein, denn bei der weiblichen Zielgruppe scheint er hervorragend zu funktionieren, wenn man sich mal so auf Spurensuche im Netz begibt.
Und da man Stimmen ja zumindest bei Aufnahmen „unterstützen“ kann, fällt das Stimmdefizit bei den Studioversionen auch nicht wirklich auf, so dass ich auch bei Twin Atlantic sicher bin, dass sie ihre Erfolge feiern können werden. Die Songs selbst sind nämlich sehr klasse und so irgendwo zwischen Soulfly, Yellowcard und Billy Talent anzusiedeln – ziemlich variabler Powerpop/Indierock halt.
Zu bemerken gilt jedenfalls noch dass die Band aus Glasgow noch absolut am Beginn ihrer Karriere steht und erst Anfang 2009 ihr Debütalbum veröffentlichen werden. Es ist also sicherlich noch genügend Raum für Entwicklung bei Twin Atlantic vorhanden.

Eigentlich am Beginn ihrer Karriere steht natürlich auch noch der Haupt-Act des Abends, The Subways. Schließlich liegt der Altersschnitt der Band bei gerade mal rund 21 zarten Jahren und ihr zweites Album „All or Nothing“ veröffentlichten sie erst in diesem Abend. Dennoch können sie schon auf einige beachtliche Erfolge mit ihrem Debüt „Young for Eternity“ zurückblicken, was sicherlich an der cleveren Marketingpolitik des Labels liegen könnte, dem es gelang einige Songs in größeren Werbekampagnen und Filmen wie Stirb Langsam 4.0 unterzubringen. Dementsprechend begehrt sind denn auch die Tickets für ihre Tour, auf der in Deutschland beinahe alle Konzerte ausverkauft sind (in Frankfurt wird sogar noch ein Zusatz-Konzert gegeben) und wo sie in Köln am Donnerstag vor ihrem bislang größten Indoor-Live-Publikum überhaupt spielten (ca. 1500 Menschen).

Und live sind die Drei wirklich eine Wucht. Zwar spielten sie „nur“ rund 70 Minuten, was bei bisher nur zwei Alben allerdings auch kein großes Wunder ist und zudem mit den rund 90 Minuten Nettospielzeit beider Vorbands auch durchaus in Ordnung ist. Zudem habe ich auch leichte Zweifel, ob sowohl Band als auch Publikum einen wesentlich längeren Auftritt überstanden hätten, denn vor allem Sänger und Gitarrist Billy Lunn wirbelt kräftigst über die Bühne und war schon nach dem ersten Song (Kalifornia) schweissnass. Aber auch die eher fragil wirkende Bassistin Charlotte Cooper stand ihrem Bandkollegen kaum nach und rockte die Bretter der LMH sehr amtlich.
Wie oben schon erwähnt, spielte das Trio aus Welwyn Garden City, nördlich von London, beinahe ausschließlich Songs der rockenderen Gangart und verzichtete auf die (von mir eigentlich sehr geschätzten Balladen wie das grandiose Lostboy). Diese Power übertrug sich denn auch sehr intensiv auf das Publikum wo nach Herzenslust kräftigst gepogt, gehüpft und gecrowdsurft wurde. Selten so etwas gesehen (wobei ich ja meist auch eher auf ruhigeren Konzerten zugegen bin) – und so ging es auch Billy Lunn, der das Kölner Publikum als das eindeutig verrückteste und am stärksten feiernde Publikum lobte. Beim Abschluss zu „Rock & Roll Queen“ surfte er dann selbst noch einmal quer durch die Halle bis er plötzlich auf einer Theke stand und sich mehrere Bierbecher über den Kopf kippte:

Insgesamt also wirklich eine Band, die ich live absolut empfehlen kann. Wer es nicht ganz so intensiv mag, der muss ja auch nicht wie wir ganz vorne stehen (bleiben). Wäre vermutlich auch gesünder für meine Ohren gewesen…

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Eingeordnet unter Hast du Töne!?, Muss man wohl dabei gewesen sein...

Die Spätzlegabel – Bundesliga, ST12: SG Eintracht Frankfurt.

spatzlegabel2-2Und täglich grüßt das Murmeltier… sollte eigentlich der Auftakt zu diesem Spielbericht lauten – doch zumindest die Schlussphase war dann zumindest nicht ganz so alltäglich.

Bundesliga, 12. Spieltag:
SG Eintracht Frankfurt – VfB Stuttgart 2:2 (1:0)

Diese Saison bleibt weiterhin frustrierend seltsam für einen Anhänger des VfB Stuttgart.
Nach dem Sieg im UEFA-Cup gegen Partizan, den ich mir leider (oder glücklicherweise – die Spielberichte waren da irgendwie uneinheitlich) nicht anschauen konnte, hatte ich doch ein wenig Hoffnung, dass die Spieler vielleicht wieder etwas Selbstvertrauen schöpfen konnten und dies dann auch gegen Frankfurt auf dem Platz mal in einem Auswärtsspiel demonstrieren und erfolgreich ummünzen würden können.

Und prinzipiell funktionierte das ja auch, denn einmal mehr war man die spielerisch überlegene Mannschaft mit den größeren Spielanteilen, der deutlichen Mehrheit an Torchancen. Leider war man aber auch einmal mehr wieder die Mannschaft, die uninspiriert im Mittelfeld den Ball umherkickte, ohne mal konsequent gegen die hessischen Abwehrreihen anzugehen, um wirkliche Großchancen zu erzwingen. Nicht umsonst resultierte das Meiste, was unter der Rubrik Torchancen geführt wurde, vor allem entweder aus Standards oder aus Flanken aus dem Halbfeld heraus.

Man verzweifelt einfach vor dem Fernseher, wenn man sehen muss, dass es vorne so gut wie nie ein Kreuzen gibt, so gut wie nie mal ein Offensivspieler ohne Ball in die (vorhandenen) Lücken zwischen Strafraum und Aussenlinie stößt, um einen Pass aus dem Halbfeld zu fordern oder zumindest mal einen oder zwei gegnerische Verteidiger zu binden bzw. zu irritieren. Stattdessen bleibt jeder Spieler ohne Ball ungefähr da stehen, wo Veh in der Mannschaftssitzung das rote Magnetplättchen auf das Flipchart gepappt hatte. Vielleicht ist das tatsächlich eine Frage der Kondition nach teilweise rund 25 Pflichtspielen, die man seit dem Sommer zu bewältigen hatte.
Wenn ich dann aber sehe, wie man nach dem 0:2 in den letzten 25 Minuten (inkl. Nachspielzeit) den Kampf angenommen hat und wirklich willens war, sich gegen die drohende Niederlage und die gefühlte Benachteiligung durch das Schiedsrichtergespann zu stemmen, dann muss man sich ernsthaft fragen, warum man bis dahin erneut so lethargisch agierte und zu glauben schien, dass man das Spiel schon irgendwie überstehen und gewinnen könnte.

Eventuell brauchte es ja das übersehene, klare Foul von Liberopoulos an Elson, welches dann zum zweiten Gegentor führte, um die Kampfgeister bei Stuttgart zu erwecken. Oder die Einwechslung von mehr Kreativität in Form von Simak, der endlich wieder genesen ist.
Oder es war einfach nur Glück, dass sich die Frankfurter Hintermannschaft von der allgemeinen Hektik in der Schlussphase hat anstecken lassen und so den Stuttgartern mehr Chancen eröffnete, den Weg auf einfachere Art zum Tor zu finden.

Wie dem auch sei. Fakt ist, dass man nach dem Spielverlauf zwar froh über den einen Punkt sein kann, er aber letztlich zu wenig ist, um höheren Ambitionen gerecht werden zu können. Fakt ist ebenso, dass nach wie vor ein großes Defizit im Bemühen um das Erspielen von Torchancen herrscht und das beginnt mir allmählich Sorgen zu machen. Fakt ist auch weiterhin, dass die Defensive nicht sattelfest ist und man sich bei beiden Gegentoren wieder mal auf den Aussen hat ausspielen lassen (exakt durch die Spielzüge übrigens, die unsere Offensive vermissen lässt).

Ich kann mich da nur, Woche um Woche, wiederholen: So lange die beiden letztgenannten Defizite nicht abgestellt oder zumindest auf ein vertretbares Maß minimiert werden, wird aus dieser Saison nichts werden. Man kann nur hoffen, dass die obere Hälfte der Liga bis dahin nicht zu weit enteilt ist. Noch ist es nicht zu dramatisch, aber es sind derzeit einfach zu viele Teams im Rennen um die UEFA-Cup-Ränge, als dass man sich eine ernsthafte, lange Schwächephase erlauben könnte. Gegen Bielefeld muss nächste Woche zwingend ein Sieg her!

Im UEFA-Cup sieht es derweil nach dem Sieg gegen Belgrad zwar nicht übel aus, aber die Gruppenkonstellation ist derzeit durchaus diffizil. Vor allem dadurch, dass Lüttich überraschenderweise Sevilla zuhause mit 1:0 schlagen konnte, wird es womöglich komplizierter als erwartet, stehen doch jetzt gleich vier Teams punktgleich. Nur die besiegten Serben sind noch ohne Zähler, nachdem sie am ersten Spieltag schon gegen die nun spielfreien Genuesen verloren hatte. Und die sind dann in rund zwei Wochen auch nächster Gegner von Stuttgart. Wenn da ein Punkt gelänge, wäre da schon ziemlich hilfreich – ein Sieg vermutlich schon beinahe gleichbedeutend mit dem Einzug in die nächste Runde. Dazu müsste aber mal die Auswärtseffektivitätsschwäche abgelegt werden…

Seitenblick – Dritte Liga: Jahn Regensburg – VfB Stuttgart II 1:1 (0:1)

Auch der kleine VfB musste dieses Wochenende auswärts ran und auch der kleine VfB kam nicht über ein Unentscheiden beim Gastspiel in Regensburg hinaus. Im Gegensatz zu den Profis ging man allerdings selbst in Führung – und das eher glücklich mit dem ersten Angriff, der zu einem von Sebastian Rudy verwandelten Foulelfmeter führte. Die Regensburger waren dabei eigentlich die überlegene Mannschaft, kamen aber erst nach der Pause zum Ausgleich durch Beigang. Nach dem Remis in der vergangenen Woche gegen Sandhausen steht man damit weiterhin im gesicherten Mittelfeld auf Platz 9 mit 20 Zählern aus 14 Spielen. Mit 9 Punkten Abstand zu den Abstiegsplätzen sieht das definitiv vielversprechend aus, um frühzeitig den Klassenerhalt unter Dach und Fach bringen zu können.
Die Kickers konnten übrigens mit einem 2:1 gegen Dresden tatsächlich endlich ihren ersten Saisonsieg feiern. Da steckt also tatsächlich noch ein wenig Leben in unseren Stadionmitbewohnern…

 

Nationalstürmer-Effektivitäts-Watch

Nachdem am vergangenen Sonntagabend Miroslav Klose zum ersten Mal die Spitzenposition in diesem Ranking erobern konnte, fiel dieser nach zwei Null-Spielen wieder auf Rang 3 zurück, während sich Gomez nach einer wirklich starken Woche mit 3 Toren aus Spielen ganz nach oben schoss. Auch die beiden Leverkusener konnten ebenso wieder mal einen Treffer verzeichnen, wie auch Schlaudraff, der nun Podolski überholte.

1. Mario Gomez – 23 Spiele / 15 Tore / 4 Torvorlagen => NEW-Faktor 2,13
2. Patrick Helmes – 16 / 10 / 3 => 2,06
3. Miroslav Klose – 21 / 10 / 8 => 1,81
4. Stefan Kiessling* – 14 / 6 / 5 => 1,64
5. Sebastian Freis* – 14 / 6 / 0 => 1,29
[ Kevin „ich will auf einmal doch wieder in die Nationalelf“ Kuranyi – 20 / 7 / 4 => 1,25]
7. Jan Schlaudraff* – 13 / 5 / 1 => 1,23
6. Lukas Podolski – 20 / 7 / 1 => 1,10
8. Mike Hanke* – 11 / 1 / 1 => 0,36
9. Aaron Hunt* – 12/ 1 / 1 => 0,33
10. Oliver Neuville* – 9 / 0 / 1 => 0,11

Bestandteil dieses Rankings sind nur Einsätze in Pflichtspielen von Verein und Nationalmannschaft. Freundschaftsspiele zählen nicht dazu. Das Ranking umfasst deutsche Stürmer der ersten Bundesliga (und rein theoretisch auch ausländischer erster Profiligen).
Der Kneifer aus der Nutella-Werbung ist der Vollständigkeit halber auch noch mit aufgeführt damit man  sehen kann, welche Argumente er auf seiner Seite hätte.
* = derzeit nicht im Nationalmannschaftskader

Nachtrag:
Jens Lehmann soll endlich mal aufhören, ständig über jede Situation und jede Entscheidung zu meckern, nörgeln und zu mosern. Sowohl auf dem Platz als auch nachher bei den Interviews. So langsam geht mir sein Gesabbel echt auf den Keks. Jens, konzentrier Dich zur Hölle nochmal aufs Fußballspielen! Meckert ja auch niemand daran rum, dass Du den Ball vor dem ersten Gegentor nicht richtig nach aussen faustest!

Nachtrag 2:
Gerade bei den (glücklicherweise sich nicht nur mit puren Verschwörungstheorien beschäftigenden) Kommentaren im Frankfurter Blog-G gelesen, dass man auf den TV-Bildern wohl hören und sehen könne, dass Rafati das Spiel per Pfiff unterbrochen hat bevor der Kopfball von Gomez zum 2:2 die Torlinie überschritt. Das wäre natürlich schon ein kleiner Hammer, denn das würde bedeuten, dass somit das Tor irregulär wäre, selbst wenn Rafati dann nachträglich nicht auf Foul entscheiden würde. Dementsprechend hätte das Spiel dann mit SR-Ball fortgesetzt werden müssen, beim Stand von 2:1 für Frankfurt – wenn das tatsächlich korrekt ist.
Und da das keine Tatsachenentscheidung wäre, sondern ein klarer Regelverstoß des Schiedsrichters müsste es ein Wiederholungsspiel geben.

Die Frage ist, wer daran Interesse hätte, dieses hochzukochen. Stuttgart natürlich nicht. Die Frankfurter (seitens Verein) wohl eher auch nicht, da man mit einem Punkt gegen Stuttgart sicherlich gut leben kann. Die Medien müssten es spätestens morgen aufgreifen, Dienstag wäre das Thema schon quasi veraltet und so interessant sind beide Vereine nun mal auch nicht für große Teile der Republik. Zudem ist der Sachverhalt vielleicht sogar ein bisschen zu komplex für eine „Skandalmeldung“ – ist halt kein „Phantom-Tor“, was jeder direkt versteht. Von daher glaube ich nicht, dass was draus würde. Zumal der DfB wohl auch kein großes Interesse daran hätte, hier von sich aus und ohne Mediendruck etwas zu unternehmen.
Von daher glaube ich nicht, dass -selbst wenn es stimmt- wirklich ein Skandal mit Konsequenzen draus wird.

Und wenn doch: Mit einem Wiederholungsspiel könnte ich gut leben. Würde es doch die Chance geben, ein wenig „Wiedergutmachung“ zu betreiben. Und ein Sieg wäre definitiv machbar.

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