Die Spätzlegabel – Bundesliga, ST 09: VfL Bochum.

Bayern is the new Bremen, Bremen is the new Mittelmaß, Hertha is the new Cottbus, Hoffenheim is the new Spitze, Leverkusen is the old Leverkusen und Stuttgart is the new Bayern!?

Bundesliga, 9. Spieltag:
VfB Stuttgart – VfL Bochum 2:0 (0:0)

Diese Saison fängt irgendwie an zu nerven. Woche um Woche lassen mich die Spiele und auch die Resultate des VfB wieder ratlos zurück.
Denn das was Stuttgart sich bislang so zusammenkickt, schreit eigentlich geradezu nach Mittelmaß und Bedeutungslosigkeit im tabellarischen Nirvana. Und wenn wir den derzeit sowohl in den Blogs als auch in Fußballdeutschland generell gern verhöhnten Mario Gomez nicht hätten, dann wären wir da wohl auch tatsächlich.

Stattdessen haben wir heute aber mal wieder ein Gurkenspiel gegen einen defensiven Gegner letzten Endes doch mehr schlecht als recht gewonnen, obwohl wir nicht überzeugen konnten – und zu allem Überfluss sind wir dadurch dann auch noch auf Rang 4 gelandet mit nur 3 Punkten Rückstand auf den Tabellenführer. Das ist übrigens ein Punkt weniger als zum gleichen Zeitpunkt in der Meistersaison. Aber das nur so am Rande.

Aber kurz zum Spiel selbst: Im Grunde war es ähnlich wie so häufig diese Saison. Der Gegner igelt sich hinten ein, während der VfB klar die Feldüberlegenheit innehat, ohne aber auch nur ansatzweise ein spielerisches Mittel zu finden. Gleiches hatten wir schon gegen Berlin zuletzt, gegen Karlsruhe, in diversen UEFA-Cup-Spielen und auch in Dortmund vom Prinzip her. Das Problem liegt dabei eindeutig im Mittelfeld, dass scheinbar nicht über die Mittel verfügt eine konzentrierte Defensive wirklich auseinanderzunehmen. Vor allem in Halbzeit eins war das mehr als eklatant, wo man so gut wie keine richtig gute Torchance herausspielen konnte. Immerhin waren die Bochumer nach vorne derart passiv, dass es auch für Lehmann ein mehr als geruhsamer Abend war.

Erst in der zweiten Halbzeit gelang es dann etwas mehr die Initivative zu übernehmen, ohne aber wirklich druckvoll zu agieren. Auch hier lag wieder der schwarze Peter vor allem im Mittelfeld, das es nicht verstand die Pässe entscheidend zu spielen – bis zur 80. Minute, wo dann tatsächlich von Khedira der Pass durch die beiden Innenverteidiger auf Gomez gelang, der dann den Führungstreffer kurz vor Schluss machte. Und drei Minuten später zeigte man dann sogar die zweite Variante, wie man so eine Abwehr eigentlich knacken kann. Die Passkombination über die Aussenseite und der Gang bis zur Aussenlinie, bevor der Pass in den Rückraum kommt. Okay, da war noch der Umweg über einen Bochumer Abwehrspieler, der den Ball abfing und dann zurück ins Halbfeld spielte, wo dann Elson die Chance zur Flanke bekam, die ihren Weg perfekt zu Gomez fand, der dann mal wieder seine Kopfballstärke unter Beweis stellen durfte. Da stellt sich wirklich die Frage, wieso man solche halbwegs konsequent vorgetragenen Angriffe wie vor diesen beiden Treffern nicht häufiger sieht. Eigentlich kann es das Team ja, aber vielleicht mussten auch die Bochumer erst einmal an Substanz verlieren, um diese Tore zu ermöglichen.

Von daher ist das vielleicht auch eine Qualität, die der VfB dieses Jahr zumindest gegen die „kleinen“ Gegner hat. Dass es nämlich gelingt, solange abzuwarten, bis man kurz vor Ende die Chance hat, eine Unaufmerksamkeit im Defensivverbund zu nutzen, die dann den Siegtreffer beschert, obwohl man vorher nicht glänzte. Das wäre dann beinahe so wie Bayern in den letzten Jahren oft gegen kleinere Gegner auftrat, oder auch dieses Jahr gegen den KSC – nur hätten diese „Dusel“-Bayern dann eben auch die Spiele gegen Hertha oder Dortmund zumindest nicht verloren. Beim VfB scheint es dagegen für solche Gegner mit solider Abwehr und gewisser Qualität im Sturm nicht zu reichen.

Und das bereitet mir dann natürlich umso mehr Kopfzerbrechen, wenn ich daran denke, dass der nächste Gegner Hamburger SV heisst, bei denen wir am Mittwoch antreten müssen. Die bekamen zwar heute ganz kräftig ihre Grenzen von Hoffenheim aufgezeigt (grandiose erste Halbzeit!), aber der bisherige Saisonverlauf kann eigentlich nur eine Niederlage vermuten lassen.
Zum einen ist es nämlich ein Auswärtsspiel und bis auf den Auftaktsieg bei Gladbach am ersten Spieltag sprang aus den Auswärtsspielen sonst bislang nur noch ein Remis bei Hoffenheim heraus.
Zum anderen sind alle fünf Siege der Stuttgarter nur bei Spielen gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte entstanden (wo ja Bremen derzeit auch beheimatet ist – was unseren Glanzsieg auch wieder etwas relativiert). Aus den vier Partien gegen Mannschaften der oberen Tabellenhälfte gab es lediglich ein mageres Pünktchen – eben jenes gegen den neuen Spitzenreiter aus Hoffenheim.

Aber schauen wir mal, vielleicht passiert ja mal wieder was völlig anderes. Ich wünschte mir nur, es würde ein wenig mehr Spaß machen. Denn das machten die VfB-Spiele bislang leider nur in den seltensten Fällen.

Zumindest eine erfreuliche Randnotiz der letzten paar Spiele sind die Einsätze von Elson, der sowohl gegen Hertha und Bochum als auch gegen Sevilla einige Zeit ran durfte. Das ist vor allem deswegen interessant, da Elson seit Januar 2005 dem VfB angehört (also noch zu Sammers Zeiten!), und bis zum Beginn dieser Saison wahnsinnige drei Bundesligakurzeinsätze insgesamt hatte. Gut, in der Zwischenzeit hatte er diverse Verletzungen und war an insgesamt drei Vereinen in Brasilien verliehen. Vielleicht zahlt es sich ja dann doch aus, dass Verein Geduld mit ihm bewahrte und an ihn glaubte. Heute hatte er immerhin schon mal seinen ersten Assist zu verzeichnen.

 

Seitenblick – Dritte Liga, ST 11: VfB Stuttgart II – Fortuna Düsseldorf 0:4 (0:2)

Sehr wenig Spaß hatten auch die Stuttgater Fans, die dem gestrigen Spiel der zweiten Mannschaft beiwohnten. Zum dritten Mal innerhalb der letzten vier Spiele kassierte man satte vier Gegentreffer. Während man gegen Bremen II (5 Tore) und die Kickers (4) aber selbst noch zur Genüge traf, war man gestern wohl vollkommen unterlegen und sah gegen das Team aus dem Dorf an der Düssel nicht mal ansatzweise Land – geschweige denn einen eigenen Treffer. Ich hoffe mal, dass sich der Trend von nur einem Punkt aus den letzten drei Begegnungen (die allesamt im eigenen Stadion stattfanden!) sich nicht weiter verfestigt und die Jungs von Rainer Adrion schnell mal wieder ein klares Erfolgserlebnis feiern können. Vielleicht ja schon am Mittwoch gegen den Tabellennachbarn aus Unterhaching. Die könnte man mit einem Sieg hinter sich lassen und so mal wieder in die obere Tabellenhälfte vorstoßen.

 

Nationalstümer-Effektivitäts-Watch

1. Patrick Helmes – 13 Spiele / 9 Tore / 2 Torvorlagen => NEW-Faktor 2,23
2. Mario Gomez – 19 / 12 / 4 => 2,11
3. Miroslav Klose – 17 / 8 / 7 => 1,82
4. Stefan Kiessling* – 11 / 4 / 5 => 1,55
5. Sebastian Freis* – 11 / 5 / 0 => 1,36
[ Kevin „Leberwurst“ Kuranyi – 16 / 6 / 2 => 1,25]
6. Lukas Podolski – 17 / 6 / 0 => 1,06
7. Jan Schlaudraff* – 10 / 3 / 0 => 0,90
8. Mike Hanke* – 8 / 1 / 1 => 0,50
9. Aaron Hunt* – 9 / 1 / 1 => 0,44
10. Oliver Neuville* – 7 / 0 / 1 => 0,14

Bestandteil dieses Rankings sind nur Einsätze in Pflichtspielen von Verein und Nationalmannschaft. Freundschaftsspiele zählen nicht dazu. Das Ranking umfasst deutsche Stürmer der ersten Bundesliga (und rein theoretisch auch ausländischer erster Profiligen).
Der Kneifer aus der Nutella-Werbung ist der Vollständigkeit halber auch noch mit aufgeführt damit man weiterhin sehen kann, welche Argumente er auf seiner Seite hat.
* = derzeit nicht im Nationalmannschaftskader

4 Kommentare

Eingeordnet unter Ballgefühl

4 Antworten zu “Die Spätzlegabel – Bundesliga, ST 09: VfL Bochum.

  1. In der Tat, „diese Saison fängt irgendwie an zu nerven“. Wobei: wenn man nicht so klare Sympathien hätte, könnte man es gar als positiv bewerten, dass nach jedem Spieltag die Tabelle aufs Neue ziemlich durcheinander gewirbelt ist. Wird das nicht immer als Beleg dafür angeführt, dass die Bundesliga eben doch noch besser sei als andere hochgezüchtete Ligen: dass eben jeder gegen jeden verlieren kann? Ok, das ist vielleicht ein zu weites Feld am Montag Vormittag…

    Noch eine kurze Anmerkung zur Feldüberlegenheit des VfB bzw. zum „Einigeln“ der Gäste: in der Cannstatter Kurve habe ich nach etwas 20 Spielminuten einige Kommentare im Sinne von „Das kann doch nicht wahr sein. Jetzt stehen wir schon gegen Bochum nur hinten drin“ gehört, und so ganz konnte ich dem nicht widersprechen. Nicht dass die Bochumer Chancen gehabt hätten, aber das Spiel hat sich deutlich stärker in der VfB-Hälfte abgespielt, als man sich gewünscht hätte.

  2. Keine Frage, das „nerven“ bezog sich ausschließlich auf Stuttgarts Leistungen. Unter dem Strich kann man die Saison bislang nur als wirklich hochinteressant und gelungen bezeichnen, da wirklich dieses Jahr jeder Jeden schlagen zu können scheint – selbst Gladbach und Frankfurt fangen mittlerweile an zu punkten…
    Das habe *ich* persönlich sowieso allemal lieber als etwas wie die Premier League, wo vorher ohnehin das meiste klar ist – ausser eben wer von den vier Teams den Titel holt. Als Fan eines anderen Teams macht das doch kaum Laune.

    Naja, für meine Begriffe wird „einigeln“ dadurch definiert, dass ein Team nahezu komplett auf eigene Offensivaktionen verzichtet, was bei Bochum der Fall war.
    Dass Stuttgart diese Passivität nicht im Geringsten zu nutzen verstand (in HZ1) hat damit dann ja nur zum Teil was zu tun, die „Dominanz“ würde sich aber vermutlich schon im Ballbesitz widerspiegeln.

    Letztlich aber Wurscht, denn wir kritisieren ja beide dasselbe. Die Offensivbemühungen sind meist zu ideenlos und zu ineffektiv und das muss einfach abgestellt werden!

  3. untippbar der VfB. Schrecklich…🙂 Glückwunsch zum Sieg, wobeich da sehr lange Zeit nicht mit gerechnet hätte!

  4. Och, eigentlich sind wir so schwer tippbar nun auch wieder nicht. Das wir gegen Bremen klar gewinnen würden war ebenso statistisch belegt wie eine knappe Niederlage in Berlin.
    Und bei solchen Spielen tippe ich grundsätzlich eh auf den VfB – damit liegt man meist nicht schlecht.

    Aber nee, hast schon recht, einfach macht es der VfB einem derzeit nicht, die Spiele zu tippen. Keine Ahnung bspw. was ich ohne VfB-Brille für den Mittwoch tippen sollte…

    Bei Euch weiß man zumindest, dass man nicht auf ein Remis tippen sollte. =) Und unter dem Strich wars am Freitag bei Euch ja sehr ähnlich, wenn man den Berichten trauen darf. Gesehen habe ich nix, da ich auf einem Konzert war.
    Zerbreche mir aber auch schon den Kopf über den Tipp bei Eurem Spiel morgen, wird sicherlich ein heisses Match. Wobei es irgendwie zur Saison insgesamt passen würde, wenn es 0:0 ausginge…😀

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