Brawl.

In meinem unerschütterlichen Kampf um mehr Aufmerksamkeit für ebenso unbekannte wie exzellente Bands gibt es heute mal wieder einen weiteren Versuch, die Bekanntheit einer solchen durch einen Eintrag in diesem Blog in schwindelerregende Höhen zu katapultieren. Denn gestern weilte ich nach mehreren Monaten endlich mal wieder bei einem Konzert. Auf dem Programm stand dieses Mal die britische Band I am Kloot.

 

John Bramwell, Andy Hargreaves, Peter Jobson sind I am Kloot

Wie unzählige andere britische Bands, stammen auch I am Kloot aus Manchester, zählen aber sicherlich bislang zu den Geheimtipps, die, vor allem in Deutschland, nur einem eher übersichtlichen Personenkreis bekannt ist. Dementsprechend war am gestrigen Abend das Luxor in Köln auch nur zu maximal zwei Drittel gefüllt, mit handgeschätzten knapp 300 Gästen. Diese wurden allerdings erstmals kräftig versetzt.

Während es ja durchaus üblich ist, dass bei Konzerten mal ein wenig Verzögerung zu Beginn vorkommt und die Band erst 15-20 Minuten nach der ausgeschriebenen Anfangszeit mit ihrem Auftritt beginnt, haben sich I am Kloot geschlagene 60 Minuten Zeit gelassen, bevor sie mit ihrem Gig loslegten – das war nicht wirklich angemessen, zumal nicht mal ein „Sorry“ seitens der Band kam. Und als die Musiker dann auch allesamt so aussahen, als ob sie die zusätzliche Stunde vorwiegend dazu genutzt haben Sportzigaretten und/oder alkoholhaltige Erfrischungsgetränke zu konsumieren, beschlich mich die leise Ahnung hier eine Art Pete Doherty-Nachahmer-Ensemble vor mir zu haben.

Doch wenn dann Sänger und Leadgitarrist John Bramwell, den man eher als Kopf einer Fußballhooligantruppe erwartet (zumindest aber als Türsteher eines kleinen Pubs im ländlichen Mittelengland), ansetzt um einen der meist melancholischen Songs mit seiner rauchigen, eindringlichen Stimme zum Besten zu geben, verfliegen diese Bedenken im Nu. Unterstützt wird Bramwell dabei von seinen zwei Bandmitgliedern Peter Jobson (Bass) und Drummer Andy Hargreaves, der häufiger an die Muppetshow erinnerte, sowie ihrem Live-Stammpersonal, den zwei McLeod-Brüdern Norman (2. Gitarre / Pedal Steel Guitar) und Keyboarder Colin, der auch als Produzent der Truppe fungiert.

Die musikalische Richtung der Band liegt, wie schon erwähnt, im Bereich „melancholische, melodiöse Ballade“, stilistisch z.B. an Elbow erinnernd (die ihnen bei ihrem Debüt Natural History in 2001 wohl auch unter die Arme griffen), wenngleich eine ganze Kante unaufwändiger, sperriger und weniger leicht zugänglich. Die Songs sind dabei mal eher ins Folkige tendierend, mal eher in Richtung Britpop, mal mit Anleihen aus dem Blues, und mal sogar groovend & swingend. Gemeinsam haben sie aber immer, dass sie eine meist wunderbare Melodiösität sowie wunderbar zynische Lyrics aufweisen – und natürlich über allem Bramwells markante Stimme.

Während die Lieder ihrer, bislang vier, Alben den Indiefreund beim Hören aus der Konserve schon frohlocken lassen, entfalten sie bei den Live-Auftritten eine richtige intensive Wirkung, die den Zuhörer gebannt dastehen und entzückt zuhören lässt. Eigentlich interessant, da die Songs live erstaunlich ähnlich wie auf dem Album klingen. Etwas, was mir grundsätzlich eigentlich nicht gefällt. Doch bei I am Kloot habe ich den Eindruck, dass es hier genau andersrum da ist und es I am Kloot eher gelingt ihren Live-Sound auf die Alben zu übertragen, was im Übrigen auch erklärtes Ziel bei ihrem neuen Album I am Kloot play Moolah Rouge war, welches sie innerhalb weniger Tage aufgenommen haben. Doch dies gilt im Grunde auch für die Songs ihrer vorigen Alben, die sie gestern spielten.
Die gestrige Setlist enthielt nämlich bei weitem nicht nur Songs aus dem aktuellen Release, sondern auch aus den drei Vorgängern Natural History, I am Kloot (2004) und Gods and Monsters (2005) – wobei letzteres mehr als deutlich unterrepräsentiert war. Insgesamt spielten die Jungs dabei gut 20 Songs innerhalb ihres etwa 100 Minuten dauernden Auftritts, die überaus gut aufeinander abgestimmt waren und ein wirklich äh homogenes Lineup bildeten.

Um Euch einen kleinen Eindruck zu verschaffen ist hier mal ein kleines Video vom gestrigen Auftritt. Der Song heisst „From your favourite sky“ vom zweiten, selbstbetitelten Album. Das Video ist dabei nicht von mir.

Und wem dies gefällt, dem seien hier noch drei meiner Lieblingssongs von I am Kloot ans Herz gelegt

Proof (schöne Idee irgendwie, auf jeden Fall passend)

Over my shoulder (leider gestern nicht gespielt worden)

Twist (einer ihrer ersten Songs – großartige Lyrics)

Alles in allem war der gestrige Abend also wirklich gelungen und ich würde es dieser sympathischen Band wirklich sehr gönnen, den Erfolg zu bekommen, den sie eigentlich verdient hätten. Bislang reichte es dazu aber leider noch nicht, wenn auch zumindest einige achtbare Chartplatzierungen in UK zu verzeichnen sind.

 

Zum Abschluss noch ein Gruß an das blonde Arschloch-Pärchen von gestern:

Wer tatsächlich glaubt, dass man sich ZU ZWEIT bei einem Konzert wie diesem (ergo: wo nicht gepogt und gehüpft wird) nach einer Stunde Wartezeit während des zweiten Songs einfach so nach vorne drängeln könnte und einfach IRGENDWO mitten drin stehen bleibt wo EINDEUTIG kein Platz mehr ist (zwischen mir und meinem Vordermann waren keine 30cm Abstand!!), und dann noch nicht mal die Eier hat einen anzuschauen, geschweige denn zu antworten, wenn man gebeten wird, bitte wieder von dort wegzugehen, der braucht sich bitte nicht zu wundern, dass er in den darauffolgenden 45 Minuten ständig angerempelt wird, beim Klatschen Ellenbogen in den Rücken bekommt und alle paar Minuten einen Fuß in die Achillesferse gehauen kriegt.
Ich bin ja echt eigentlich ein ruhiger Mensch (wenn ich nicht gerade beim Doko aufgrund der Unfähigkeit meiner Mitspieler verliere), der nie zu Handgreiflichkeiten neigt – aber ein derartig asoziales, rücksichtsloses und zudem noch im negativsten Sinne arrogantes Verhalten hat mich gestern wirklich zum Rasen gebracht und mir für einige Minuten den Spaß am Konzert beinahe vergällt. Ich kann sowas einfach nicht verstehen – vielleicht bin ich von meinen Eltern einfach zu gut erzogen worden (auch wenn ich im Anschluss sicherlich ein wenig meine gute Kinderstube vergessen ließ).

Der Hohn an der Geschichte war übrigens, dass Madame dann nach einer Dreiviertelstunde doch wieder den Platz verließ, weil es ihr aufgrund des Luftzugs aus der Belüftungsanlage zu kühl wurde. Unfassbar.

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Hast du Töne!?, Muss man wohl dabei gewesen sein...

4 Antworten zu “Brawl.

  1. Wann

    Paar unbekannte Sachen soltest Du auch mal vorstellen 😉 Bin mal gespannt, ob es am Jahresende beim Rückblick Überraschungen gibt. Kings of Leon und Fleet Foxes haben wohl auch einen Platz auf dem Sampler sicher, oder? Kann bei last.fm die Radiostationen zu Künstlern und Nachbarn empfehlen.

  2. Ach, Wann, Wann, Wann,… Du alter Poser. =)

    Ich glaube ja ehrlich gesagt schon, dass I am Kloot definitiv unter das fallen was man gemeinhin als „unbekannt“ bezeichnen würde. Kein Airplay in den Radios, kaum Präsenz auf TV-Musiksendern, nicht mal schlechte Presse aufgrund von Drogenexzessen oder Gewaltorgien. Nur weil DU sie kennst, muss das ja noch lange nicht heissen, dass sie mehr als 0,1% der deutschen Bevölkerung kennen. =)

    Aber vielleicht habe ich ja die Tage noch was für Dich.

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