Die Spätzlegabel – ST 8: Hertha Berliner SC.

Länderspielpausen können Mannschaften durchaus gut tun – müssen sie aber nicht.

Bundesliga, Spieltag 8:
Hertha Berliner SC – VfB Stuttgart 2:1 (1:0)

Berlin ist ja immer eine Reise wert. Sagt man. Da hat „man“ aber leider nicht wirklich recht. Denn Berlin und ich – wir werden sicherlich keine Freunde mehr in diesem Leben. Ich mag die Stadt nicht, ich mag die Art der Menschen dort nicht wirklich (jaja, Berliner Schnauze… bla bla) – und Berlin mag mich genau so wenig. Jedes Mal wenn ich da bin, dann bedeutet es viel Stress, das Wetter ist scheisse und wenn es das mal nicht ist, dann passiert garantiert etwas anderes, wie z.B. ein Streik des Nahverkehrs und dementsprechend nahezu völliger Verkehrskollaps.
Und auch für den VfB Stuttgart ist Berlin allerhöchstens mal in einem potentiellen Pokalfinale eine Reise wert – gegen die Hertha setzt es allerdings beinahe jedes Mal eine knappe Niederlage, oder höchstens Mal ein Unentschieden. Dies aber auch nur alle Jubeljahre.

Man könnte fast meinen, Fußball sei wirklich pure Statistik und hätte wenig mit Tagesform und sowas zu tun. Während nämlich Werder Bremen einer der beliebtesten Heimgegner für den VfB ist (und man am letzten Spieltag dementsprechend wieder mal haushoch gewann obwohl vorher vieles dagegen sprach), so ist Berlin eben einer der großen Angstgegner für Stuttgart und dementsprechend konnte man den Schwung des überlegenen Sieges gegen Bremen nicht wirklich nutzen, sondern musste wieder einmal ohne einen Zähler die Heimfahrt ins Ländle antreten.

Dabei hätte dieser Fall gar nicht eintreten müssen, ja, eigentlich nicht dürfen! Denn der VfB war insgesamt wohl die klar bessere Mannschaft und dominierte das Spiel über weite Strecken, während Hertha zumeist das tat, was sie am besten können: Unansehnlich und destruktiv spielen.
Aber ganz unschuldig war man an der Misere natürlich selbst nicht, denn das Mittelfeld des VfB blieb einfach die meiste Zeit unter ihren Möglichkeiten und ließ die Durchschlagskraft vermissen, die man gegen -natürlich ungleich offensiv stehendere- Bremer vor zwei Wochen noch an den Tag legte.
Dementsprechend harmlos blieb man dann bei den Versuchen den Ball entscheidend vor das Berliner Tor zu bringen und die eigenen Stürmer einzusetzen.
Und wie das so oft dann ist, bekommt die Hertha dann einmal einen vernünftigen Konter hin, in der Verteidigung träumt Träsch vor sich hin und hebt das Abseits unnötigerweise auf, so dass die Vollendung von Nicu nur noch Formsache war.

In der Halbzeitpause schien Veh dann die richtigen Worte gefunden haben, denn auf einmal entwickelte der VfB doch mehr Druck nach vorne und fand endlich Mittel um den Berliner Antifußball aufzubrechen, so dass der Ausgleich durch den sträflich frei gelassenen Cacau die logische Folge war. Nur blöderweise ist das mit der Logik im Fußball so eine Sache, denn wenn es danach ginge, dann wäre das Spiel sicherlich mit 2:1 für Stuttgart ausgegangen und nicht genau andersrum. Denn nach dem Ausgleich hatte der VfB das Spiel fest in der Hand, und hätte bei konsequenterer Nutzung der Aussenseiten (so wie gegen Bremen perfekt zelebriert) noch mehr Chancen als ohnehin schon rausspielen können. Alleine Cacau und Gomez hatten jeweils Riesenchancen, die zu einem Tor hätten führen müssen, doch beide Male fehlte die Präzision bzw. das Glück.
Stattdessen fuhren die Herthaner dann kurz vor Schluss wieder mal einen ihrer raren Konter, in der Abwehr ging man wieder nicht konsequent genug zu Werke und Lehmann musste einen, sicherlich nicht unhaltbaren Schuss von Kacar passieren lassen. Und so waren die Berliner zum zweiten Mal in Folge der unverdiente Sieger eines Bundesligaspiels in dem sie eigentlich hätten verlieren müssen. Aber das nötigt einem natürlich auch irgendwo Respekt ab. Und um mal eine Phrase zu vermeiden: So ist Fußball…

Apropro „So ist Fußball“: Liebes Premiere! Auch wenn Euer toller Sender seinen Sitz in einem Münchner Vorort hat, so könnte man doch vielleicht mal darüber nachdenken, dass es neben dem FC Bayern München auch noch 17 andere Teams gibt, die in der Bundesliga spielen.
Ich empfinde es als eine große Frechheit, dass man 15 Minuten der netto ca. 23 Minuten dauernden Vorberichterstattung zu einem Samstagspieltag, der satte 7 (in Worten SIEBEN) Partien bereit hielt, für Berichte über das Spiel des FCB beim Karlsruher SC aufwendet. Nicht nur, dass es sich hier um die Begegnung des Tabellen-11. gegen den 12. handelt, ich finde einfach, dass die sogenannte Bayern-Krise in den vorangegangenen Wochen zur Genüge durchgekaut worden ist und die erstmalige Anwesenheit von Oliver Kahn rechtfertigt es auch keinesfalls zu einem so großen Aufhänger gemacht zu werden.
Und dann war es ja auch nicht nur so, dass nur die Vorberichterstattung derart Bayernlastig gewesen wäre – nein, auch die Konferenzschaltung des Spieltags (und darauf war ich leider angewiesen), fokussierte sich im Wesentlichen auf dieses Spiel sowie das Aufeinandertreffen zwischen Bremen und Dortmund (was schon eher verständlich war). Ich habe nicht mitgestoppt, aber auf das Spiel in Karlsruhe entfiel sicherlich über eine Viertelstunde Übertragungszeit, während man zu den restlichen fünf Begegnungen (also ausser des Bremer Spiels) ausser in der Anfangsphase im Grunde nur zu den Toren hinschaltete. Ich könnte das ja verstehen (zumal das Spiel in Berlin sicherlich nicht zu den ansehnlichsten gehörte), wenn die Spiele im Fokus Knallerspiele wären, die viel zu bieten hätten -so wie es dann in Bremen während der letzten 30 Minuten absolut der Fall war- aber in der ersten Hälfte waren beide Begegnungen absolute Nullnummern ohne Highlights und große Torchancen. Da muss man in der Regie von Premiere einfach mal den Blick über den blau-weissen Tellerrand heben können.

Aber so fügte sich das alles dann zu einem in sich stimmigen für mich hochgradig frustrierenden Nachmittag, bei dem ich nur hoffen kann, dass ich ihn schnell vergessse und der VfB möglichst bald wieder sein anderes Gesicht zeigt. Vielleicht ja schon am Donnerstag in Sevilla – wenngleich ich mir da derzeit nicht viele Hoffnungen mache. Spätestens am Sonntag muss dann aber wenigstens die Heimstärke gegen Bochum bestätigt werden. Ansonsten droht dann bei der Enge in dieser verrückten Tabelle nämlich ein heftiges Abrutschen…

Seitenblick – Dritte Liga: Stuttgarter Kickers – VfB Stuttgart II 4:4 (0:3)

Beim „Auswärtsspiel“ im GAZI-Stadion, das man sich mit den Lokalrivalen Stuttgarter Kickers teilt, stellte die Nachwuchstruppe des VfB wieder mal unter Beweis, dass man eine ähnlich große Wundertüte ist, wie die erste Mannschaft. Gegen die bisher sieglosen Kickers legte man los wie die Feuerwehr, ging nach 8 Minuten schon durch Schieber in Führung und baute den Vorsprung bis zur Pause gleich noch auf 3:0 aus – auch in der Höhe verdient. Die Kickers kamen dann allerdings wie verwandelt aus der Kabine und erzielten kurz darauf den Anschlusstreffer, der dann aber wiederum sehr schnell wieder wettgemacht wurde als Klauß 20 Minuten vor dem Ende scheinbar den Sack zumachte. Doch die Jungs vom Degerloch schafften in der Schlussviertelstunde noch ganze drei Tore und bescherten sich somit das zweite Unentschieden in Folge. Sicherlich ein Teilerfolg für die Blauen, aber letzten Endes doch zu wenig, bleibt man doch so mit nur 4 mageren Pünktchen so weiter auf dem letzten Rang der Drittligatabelle.
Für die Reserve des VfB geht es am kommenden Wochenende dann an selber Stelle gegen die Fortuna aus Düsseldorf, wo man dann die Chance auf Wiedergutmachung hat und bei einem Sieg sogar die derzeit auf Rang 5 stehenden Düsseldorfer zu überholen – was mir als Kölner natürlich sehr gefallen wüde. =)

Nationalstürmer-Effektivitäts-Watch

1. Patrick Helmes – 12 Spiele / 9 Tore / 2 Torvorlagen => NEW-Faktor 2,42
2. Mario Gomez – 17 / 10 / 4 => 2,00
3. Stefan Kiessling* – 10 / 4 / 5 => 1,70
4. Miroslav Klose – 15 / 7 / 4 => 1,67
5. Sebastian Freis* – 9 / 5 / 0 => 1,67
6. Lukas Podolski – 15 / 6 / 0 => 1,20
[ Kevin „Leberwurst“ Kuranyi – 14 / 5 / 1 => 1,14]
7. Jan Schlaudraff* – 9 / 3 / 0 => 1,00
8. Mike Hanke* – 7 / 1 / 1 => 0,57
9. Aaron Hunt* – 8 / 1 / 1 => 0,50
10. Oliver Neuville* – 6 / 0 / 1 => 0,17

Bestandteil dieses Rankings sind nur Einsätze in Pflichtspielen von Verein und Nationalmannschaft. Freundschaftsspiele zählen nicht dazu. Das Ranking umfasst deutsche Stürmer der ersten Bundesliga (und rein theoretisch auch ausländischer erster Profiligen).
Der Kneifer aus der Nutella-Werbung ist der Vollständigkeit halber auch noch mit aufgeführt damit man weiterhin sehen kann, welche Argumente er auf seiner Seite hat.
* = derzeit nicht im Nationalmannschaftskader

Die Rote Karte

Die Rote Karte in dieser Ausgabe der Spätzlegabel erhält Torsten Frings, 78facher Nationalspieler, der sich bei der BILD-Zeitung ausheult, weil er von Löw einmal nur für ein paar Minuten und einmal gar nicht eingesetzt worden ist. Geht gar nicht!  Vor allem, wenn man im Rahmen dieses Interviews fehlenden Respekt beklagt, dabei aber die -erwiesenermaßen gut spielenden- Konkurrenten runtermacht. Wer für sich eine Leader-Position in Anspruch nimmt, der sollte dies auch mit entsprechenden Taten untermauern und um seinen Platz im Team kämpfen. Bei Kuranyi kann ich es ja noch verstehen, wenn er keine Perspektive für sich sieht, weil er so gut wie gar keine Einsätze bekommt (wohlgemerkt: die Art und Weise der Verabschiedung ging GAR NICHT!). Nutella-Kevin war aber auch nie so richtig drin, wohingegen Frings noch bis zu diesem Sommer eine absolute Stütze für das Team war und auch am Wochenende noch verbale Unterstützung seitens Löw bekommen hat. Jämmerlich!
Was übrigens auch gar nicht geht, ist das Verhalten der Herren Müller und Allofs. Es sei ihnen ja durchaus belassen, ihre Spieler grundsätzlich zu unterstützen – aber derartige Verhaltensweisen, die im Verein selbst auch keinesfalls toleriert werden würden, gut zu heissen, ist einfach eine Frechheit. Auch hier kann man nur Rot zeigen.

9 Kommentare

Eingeordnet unter Ballgefühl

9 Antworten zu “Die Spätzlegabel – ST 8: Hertha Berliner SC.

  1. Der Verlauf und das Ergebnis des Spiels kommen mir irgendwie bekannt vor.

    Die Bayern haben glaub ich inzwischen sämtliche Sender gekauft. In der Sportschau war das Bayern-Spiel quasi das Topspiel, von den andauernden Bayern-Übertragungen will ich gar nicht erst anfangen und auf Premiere siehts inzwischen ähnlich aus.

    100% agree bzgl. Frings.

  2. Pingback: Totale Dominanz ? « angedacht

  3. Ähem, ich wollte natürlich nicht sagen, dass die Hirngabel kein Qualitätsmedium sei… ganz im Gegnteil: sie sollte herausgehoben werden.

  4. @Jens
    Ja, gruselig, musste auch sehr an Euer Spiel vor zwei Wochen denken. Allerdings hattet ihr ja noch bedeutend mehr Hochkaräter, während Drobny dieses Mal kaum was zu halten hatte (unsere Großchancen gingen entweder an den Pfosten oder direkt vorbei).
    Wenn mir bloß die Hertha nicht so schrecklich unsympathisch wäre, dann würde es mich vielleicht nicht so sehr frustrieren…

    Die Programmpolitik ist ja eigentlich ein alter Hut und von daher war es mir schon beinahe unangenehm, das wieder aufzukochen – aber es hat mich am Samstag einfach ganz extrem genervt, weil es eben so ein banales Spiel war, das zudem auch noch weitestgehend unansehnlich war.
    Man kann ja froh sein, dass es Hoffenheim und Bremen gibt – sonst wäre in der zweiten HZ ähnlich viel Bayern gezeigt worden…

    Was die Bayern-Übertragungen auf der ARD im Pokal angeht, da muss ich allerdings zugeben, dass ich es in 90% der Fälle nachvollziehen konnte, wenn man sich für die Bayern entscheidet. Die sind nun mal *der* Quotengarant, da die Leute entweder Fan von ihnen sind oder zumindest auf ein Scheitern hoffen. Wenngleich ich natürlich auch gar nix gegen mehr Programmentscheidungen im Sinne von Fans anderer Teams haben würde…

    @Heinz
    Keine Sorge, ich habe das schon nicht in den falschen Hals bekommen. =)

  5. Das mit „unansehnlich und destruktiv“ hatte ich zugegebenermaßen zuerst etwas rasch überlesen. Aber den 11Freunde-Redakteuren entgeht nichts😉 Sehr schön!

  6. Wahnsinn, da bin ich von den 11Freunden schon wieder aufgegabelt worden. Ist mir ja beinahe schon peinlich, bei einem Spiel, welches ich selbst nicht mal so wirklich gesehen habe. =)

  7. Ha ho he!:mrgreen:

    Ähm, quatsch, so geht das: V V VfL!!!

    Öhm, was fährst Du auch immer bei schlechtem Wetter nach Berlin? An Dir liegt es also, wenn bei der Berlinale schlechtes Wetter ist!

    Die Hertha spielt aber in der Tat sehr unattraktiven Fußball. Tja, früher war alles anders. Da konnte man sich mit dem Verein noch identifizieren. Nun hat Hoeneß alles niedergewirtschaftet. Dass die Bayern als Letztes kamen, hat mich auch gewundert. Als wenn es sonst keine interessanten Spiele gegeben hätte …

  8. Wann

    Freis und Hunt waren schon mal im Nationalmannschaftskader oder wieso sind sie mit aufgeführt?

  9. @Wann
    Abgesehen davon, dass Hunt durchaus im U21-Nationalmannschaftskader steht, ist die Bedingung für eine Aufnahme in das Ranking eigentlich nur, dass man die Voraussetzung erfüllt in der ersten Bundesliga zu spielen und spielberechtigt für die deutsche Nationalelf wäre. Was ich ja auch in der Erläuterung deutlich geschrieben habe. =)

    @mediensucht
    Das Wetter ist ja nicht nur bei der Berlinale schlecht gewesen, sondern auch immer wieder bei der ITB und auch bei anderen Anlässen scheisse. Und wenns nicht scheisse war ging mir irgendwas anderes gehörig auf den Piss. Und irgendwann hab ich dann angefangen dies persönlich zu nehmen.
    Zumal ich die Stadt insgesamt nicht wirklich schön finde. Interessant ja, aber nicht schön. (Und ja, Köln ist definitiv auch keine *schöne* Stadt)

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