Die Spätzlegabel – UEFA-Cup-Gruppenphase: Auslosung.

Nach den eher mühseligen Spielen in UI Cup, UEFA-Cup-Qualifikation und erster UEFA-Cup-Runde gegen Gegner der Kategorie „Geographie für Fortgeschrittene“ mit so illustren Ortsnamen wie Ramenskoje, Györ und Varna, gab es heute endlich die Auslosung für die Gruppenphase, das erste Ziel aller deutschen Clubs.
Das Ergebnis dieser Auslosung, die nach mysteriösen alchemistischen Regeln durchgeführt wurde, schockierte dann auf den ersten Blick erst einmal etwas:

UEFA-Cup – Gruppe C

FC Sevilla (ESP)
Sampdoria Genua (ITA)
VfB Stuttgart (D)
Partizan Belgrad (SER)
Standard Lüttich (BEL)

Wir haben damit also den UEFA-Cup Sieger von 2007 in der Gruppe, der zudem derzeit Zweiter der spanischen Liga ist. Daneben muss Stuttgart mit dem belgischen Meister Lüttich und dem serbischen Meister Belgrad gegen zwei Teams antreten, die nicht nur ihre Ligen dominiert haben sondern in diesem Jahr zudem beide in der CL-Quali nur knapp gegen stark favorisierte Teams verloren haben (Liverpool bzw. Fenerbahce). Lediglich Sampdoria Genua lebt einzig noch von dem Namen, den sie sich in den frühen Neunzigern erworben haben und stehen derzeit in der italienischen Liga nur auf Rang 17 – immerhin landeten sie in der vergangenen Saison auf einem respektablen sechsten Platz mit lediglich 4 Zählern Rückstand auf den großen AC Mailand (auf die sich Magaths neuerdings italophile Wolfsburger freuen dürfen).
Sportlich ist diese Gruppe also alles andere als mit Laufkundschaft bestückt, sondern eine echte Herausforderung für die Stuttgarter Mannschaft, die international bislang noch nicht mit glanzvollen Auftritten begeistern konnte sondern stets nur das Nötigste tat (und wenn es ein Ausgleich in der vierten Minute der Nachspielzeit war…).

Eine geraume Zeit später hatte dann aber das von der UEFA angeheuerte 174köpfige Team, bestehend aus 114 Atomphysikern, 47 Wettsyndikatsbossen, 12 nobelpreisgekrönten Mathematikern und einem Aushilfslehrer für Altgriechisch, die konkreten Ansetzungen endlich ausbaldowert und bekanntgegeben, wodurch sich meine Skepsis wieder etwas milderte und in leichten Optimismus verwandelte:

1. Spieltag, 23. Oktober: FC Sevilla – VfB Stuttgart
2. Spieltag, 06. November: VfB Stuttgart – Partizan Belgrad
3. Spieltag, 27. November: Sampdoria Genua – VfB Stuttgart
4. Spieltag, 03. Dezember: spielfrei
5. Spieltag, 18. Dezember: VfB Stuttgart – Standard Lüttich

Wenn man sich mal die vergangenen Saisons so anschaut, dann ist es bei diesem seltsamen Gruppenmodus (der ja im nächsten Jahr gottlob nicht mehr so stattfinden wird) generell so, dass man sagen kann, dass 6 Punkte zum Erreichen der Zwischenrunde genügen.
Es ist also im Grunde essentiell (bzw. ausreichend) beide Heimspiele zu gewinnen, die im Falle Stuttgarts erfreulicherweise gegen die beiden am niedrigsten gesetzten Teams stattfinden. Gerade gegen Belgrad ist ein Heimspiel angesichts der Heimstärke der Serben äusserst hilfreich (zumal Belgrad aufgrund von Fanausschreitungen von der letzten UEFA-Cup-Saison ausgeschlossen war). Zudem stehen die Chancen auf einen Punkterfolg oder mehr in Genua auch durchaus gut in Anbetracht der sportlichen Situation der Italiener. Vermutlich wird es dann also auf die letzte Partie gegen Lüttich ankommen – und die findet erfreulicherweise in Stuttgart statt.
Dieses natürlich alles unter der Voraussetzung, dass man in Spanien mit einer Niederlage starten wird. Etwas was sich wohl nicht vermeiden lassen wird – es sollte sich nur nicht allzu negativ auf die Psyche des Teams auswirken.

Vermutlich wird es aber eh anders laufen, von daher ist diese Prognostiziererei natürlich völlig schwachsinnig. Zumindest habe ich aber gewisse Hoffnungen, dass man diese schwierig erscheinende Gruppe überstehen kann und wird.

Die anderen deutschen Teilnehmer können sich ebenfalls Hoffnungen auf ein Weiterkommen machen.

Schalke hat es dabei, trotz guter Topf-Platzierung, relativ schwer erwischt. Zuerst das Duell mit der Sportgemeinschaft aus Paris, dann geht es nach Santander geht, bevor es zum Spiel gegen die neureichen Bürgern aus Manchester kommt. Und zu allem Überfluss kommt das was jeder Mann fürchtet: Das Aufeinandertreffen mit der Ex, die in diesem Fall aus Enschede stammt. Allerdings ist viel verblasster Glanz bei diesen Namen, so dass ich die Chancen auf ein Weiterkommen durchaus bei 80% sehen würde. Wobei man bei Schalke ja auch nie so recht weiss… Zumindest ist man dort auch recht optimistisch.

Die Hertha aus Berlin hat da schon weitaus trübere Aussichten. Der Auftakt ist dabei ein Heimspiel gegen Benfica Lissabon – machbar, aber garantiert nicht einfach. Der zweite Gegner ist mit Piräus ein Team, das jahrelang Stammgast in der CL war – so gut wie sicher eine Niederlage. Danach ein äh Heimspiel in Berlin gegen Galatasaray, was eine ebenso heikle Angelegenheit sein dürfte, wie das letzte Auswärtsspiel bei den unbekannten Weissrussen Ukrainern [sic!] von Metallist Kharkov. Chancen auf ein Weiterkommen: 30%

Bei Wolfsburg, die im fünften Lostopf gesetzt waren, war dementsprechend die Sorge am größten, eine wirklich üble Gruppe zu erwischen. Aus Topf 1 kam dann auch mit dem AC Mailand der wohl prominenteste Teilnehmer des diesjährigen UEFA-Cups – immerhin muss man dorthin erst ganz zum Schluss. Glücklicherweise spielt man zu Beginn allerdings erstmal gegen die weitaus weniger prominenten und als gefährlich eingestuften Teams aus Herrenveen (Heim) und Braga (Auswärts), wo man sich bei einer guten Leistung ein ausreichendes Punktepolster verschaffen könnte um die beiden Partien gegen Portsmouth und in Mailand zu überstehen. Chancen auf ein Weiterkommen: 75%

Ebenfalls recht gute Chancen sollten die Hamburger haben – wenn sie ihre Effizienz aus der Bundesliga bestätigen können. Damit sollte dann ein Auftaktsieg beim slowensichen Vizemeister MSK Zilina ebenso im Bereich des Möglichen sein, wie im Heimspiel gegen die derzeit etwas schwächelnden Amsterdamer. Auch in Prag gegen den tschechischen Meister Slavia, die nur mühsam die Gruppenphase erreichten, ist man sicherlich nicht chancenlos. Zum Abschluss geht es dann zu Hause gegen Aston Villa, den für mich schwersten Gegner der Gruppe, wo das Spiel selbst aber, bei normalem Verlauf nur noch ein Duell um die finale Platzierung sein dürfte. Chancen auf ein Weiterkomen: 90%

Ach, ich liebe es zu vorherzusagen…

11 Kommentare

Eingeordnet unter Ballgefühl

11 Antworten zu “Die Spätzlegabel – UEFA-Cup-Gruppenphase: Auslosung.

  1. Ich denke, dass alle deutschen Clubs die nächste Runde erreichen werden. Was Schalke angeht bin ich froh, dass es keinen wirklich langweiligen Gegner gibt.

    Noch ein Hinweis aus der Klugscheisser-Kategorie:
    Bei dem Club aus Paris handelt es sich um einen FC. Das SG aus PSG steht für Saint-Germain.
    Dabei fällt mir gerade die Frage ein, ob es außerhalb Deutschlands überhaupt eine „Sportgemeinschaft“ im Profifußball gibt?! Das klingt schon sehr deutsch. Vielleicht wird der (demnächst) europäische Spitzenclub aus der Nähe Mannheims seinen Rufnamen ob dieses Alleinstellungsmerkmals und der daraus resultierenden Vermarktungsvorteile irgendwann ja erneut ändern.

  2. Stimmt, allein von den Namen her ist es eine wirklich gut klingende Gruppe und dürfte dementsprechend attraktiv für die Zuschauer sein. Vor allem, dass ihr keine unaussprechliche Mannschaft aus den Tiefen Osteuropas dabei habt, dürfte den Attraktivitätsgrad um einige Punkte steigern.
    Wobei ihr ja eher selten Probleme habt, das Stadion anständig vollzubekommen, im Gegensatz zu uns…

    Hmpf, ich hätte den Zusatz „(ja, ich weiss, dass SG eigentlich für einen Stadtteil steht)“, den ich gestern schon halb getippt hatte, wohl einfach stehen lassen sollen…😉 Naja, okay, der Witz war dann wohl eher nicht so gut.

    Die „Sportgemeinschaften“ sind sicherlich eher im deutschen Sprachraum zu verorten. Wer weiß aber, vielleicht gibts ja auch irgendeinen Club mit diesem Beinamen in Südamerika… Müsste man bei AAS mal anfragen, der ja zuletzt nach kuriosen Vereinsnamen fragte.

    Dein TSG-Bonmot mit den „Zwanzigern“ fand ich letzte Woche schon sehr zum Schmunzeln. Wirklich gelungen, auch wenn die Diskussion darunter etwas abdriftete.

  3. Ich teile Deine Überzeugung voll und ganz. Mit zwei Heimsiegen sollte der VfB durch sein. Und das ist machbar. Insofern ist die Auslosung der Partien so recht glücklich gelaufen (etwa im Vergleich zum HSV, der die „leichten“ Gegner auswärts spielt).

    Sevilla hat ohnehin zuletzt seine besten Spieler verloren (Dani Alves zu Barca, Andi Hinkel zu Celtic), ist aber natürlich trotzdem der Kracher schlechthin und eine echte Herausforderung. Aber vergessen wir nicht, dass selbst Mainz 05 vor drei Jahren ein 0:0 in Sevilla erreicht hat! Und was mit der richtigen Einstellung und dem jetzigen Team möglich ist, haben wir am Samstag erleben können.

    Dann muss ich noch kurz was zum Thema „Geographie für Fortgeschrittene“ sagen: die Weißrussen aus Kharkov sind Dir wohl deshalb unbekannt, weil Sie in ihrem wahren Leben Ukrainer aus der zweitgrößten Stadt des Landes sind. ;o)

  4. Ich hatte Geographie/Erdkunde nur im Grundkurs, daher bitte ich um Nachsicht. =) Hätte aber natürlich auch mal richtig nachschauen können. Immer diese Peinlichkeiten hier… Zumindest freut es mich, dass meine Beiträge auch wirklich gelesen werden. =)

    Ich bin kein großer Experte was den spanischen Ligafußball angeht, daher mag ich also Sevilla vielleicht überschätzen – dennoch sind zwei UEFA-Cup-Titel in jüngster Vergangenheit, selbst bei diversen Abgängen, schon mal eine richtige Hausnummer. Und dementsprechend ist halt in meinen Augen schon fraglich, ob der VfB derzeit die Klasse besitzt um dort mithalten zu können, trotz des exzellenten Auftritts gegen indisponierte Bremer.

  5. Leicht wirds sicher nicht, da geb ich Dir auf jeden Fall recht. Ich will nur nicht den Kopf in den Sand stecken. Weiterkommen ist in dieser Gruppe und bei der Auslosung Pflicht. Schließlich wollen wir ja am liebsten bald wieder Champions League spielen. Und dann sollten wir es guten Mutes mit Lüttich, Belgrad, Genua und auch Sevilla aufnehmen.

  6. berka

    Wenn ich mir das so ansehe erscheint mir Eure Gruppe schwerer als die der Schalker. Aber Ihr wart ja schließlich auch schon mehr als zweimal Meister😉

  7. In Anbetracht dessen, dass ihr eigentlich top-gesetzt wart (ganz im Gegensatz zu Stuttgart), ist eure Gruppe schon auch ordentlich schwer. =)
    Letzten Endes sind wir uns aber sicherlich einig, dass für beide Teams der dritte Platz auf jeden Fall Pflicht ist und auch machbar sein dürfte.

    Achja, Herzlichen Glückwunsch zum 444. Kommentar auf diesem Blog.😀

  8. Glückstreffer, aber irgendwie passend😉
    Vielseitiger Blog übrigens, Kompliment!
    Etwas Vergleichbares kann ich nicht bieten, aber ein bisschen Fußball findet sich unter meinem Link auch.

  9. Denke auch, dass alle Deutschen es schaffen sollten. Ich ärgere mich aber schon, dass es gegen den AC kein Heimspiel gibt! Alles abgekartet! Grrrh!

  10. @berka
    Vielen Dank für das Kompliment! Ich bemühe mich nicht allzu monothematisch zu sein – auch wenns manchmal schwer fällt. =)

    @mediensucht
    Wie geschrieben habe ich bei Hertha meine Zweifel über ein Weiterkommen. Der Rest müsste es aber eigentlich schaffen.
    Stimmt, ein Heimspiel gegen Mailand wäre natürlich super gewesen. Aber Portsmouth ist ja auch kein unattraktiver Heimgegner und auch Herrenveen dürfte durch die Nähe einen ordentlihen Schwung Fans mitbringen, so dass eine gute Stimmung herrschen dürfte. Attraktivere Gegner vom Spiel her dürften sie allemal sein, als die italienischen Mauerbrüder… =)

  11. Nö, ich sehe mir lieber einen Ronaldinho auf dem heimischen Rasen an als einen Peter Crouch! Außerdem gibt es in WOB eine große italienische Kolonie, die schon für Stimmung gesorgt hätte. Aber egal, dann klatschen wir die Mailänder eben auswärts weg!😀

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