Kurz aufgepickt: Wall-E.

Da ich meine eher Medien-interessierte Leserschaft hier nicht komplett vergrätzen möchte, wird es mal wieder Zeit,  ein wenig Leinwand-Content zu bringen. Denn es gibt ein bisschen was aufzuarbeiten in Sachen Kinofilme, nachdem ich zuletzt mal wieder etwas häufiger Kinosäle von innen gesehen habe. Die Ausbeute des vergangenen Freitags folgt dann morgen.

Wall-E
Animation, USA 2008

Filme von Pixar sind eigentlich immer eine sichere Bank. Nein, man streiche das „eigentlich“ – denn sie sind immer eine sichere Bank. Bislang gab es noch keinen einzigen Film aus der Animationsschmiede* von Pixar, der mir nicht zumindest gefallen hat. Selbst der für mich eher enttäuschende Ratatouille war letztlich immer noch ansprechende Unterhaltung und hatte einige Highlights zu bieten.
Wall-E ist, nach den Autos aus dem (wirklich fantastischen und vielfach unterschätzten) Cars, nun der zweite Feature Film von Pixar, der etwas nicht organisches Maschinelles quasi zum Leben erweckt (die menschlichen und tierischen Spielzeuge aus Toy Story mal aussen vor gelassen).
Die Geschichte ist (im Grunde auch wie üblich) schnell zusammengefasst: Die Erde wurde von den Menschen so verdreckt, dass sie auf ein gigantisches Raumschiff geflüchtet sind, um dort zu überleben, während auf der Erde die Roboter-Flotte der Buy N Large-Company wieder für Ordnung und Sauberkeit sorgen sollen. Nach mehreren hundert Jahren ist lediglich ein kleiner Aufräumroboter namens Wall-E noch aktiv, der mittlerweile beinahe menschliche Züge entwickelt hat und sich sogar mit einer kleinen Küchenschabe angefreundet hat. Eines Tages trifft er dann auf einen Sondierungsroboter namens EVE, der die Erde nach organischem Material absuchen soll – und (natürlich) verliebt er sich in sie.

Die insgesamt etwas eindimensionale Story, die zudem auch in Sachen Logik einige kleinere und größere Löcher aufweist bzw. Fragen beim Zuschauer hinterlässt, ist dabei ein kleiner Wermutstropfen, wenn man den Film über den Kopf angehen würde. Erfreulicherweise schleicht sich der Film aber, wie so viele Pixar-Werke vorher wieder einmal über Zwerchfell und die Niedlichkeitssynapsen in die Genußzonen des Zuschauers. Denn mit dem Roboter Wall-E, der in seiner Optik mehr als deutlich an seinen Realfilmkollegen Nummer 5 erinnert, ist den Machern wieder mal ein wirklichr Sympathieträger gelungen, der trotz des mechanischen Äußeren einen hohen Niedlichkeitsfaktor besitzt und man dem Streben des kleinen Blechhaufens nach seiner ersten Liebe gerne beiwohnt. Auch humoristisch lässt Wall-E wenig zu wünschen übrig und weist eine weitaus höhere Gag-Dichte auf als noch bei Ratatouille, so dass sich selten Langeweile einstellt. Und ist es mal nicht witzig, so kann man sich wieder einmal wunderbar an den fantastischen visuellen Welten ergötzen, bei denen die Pixar-Macher natürlich auch weit mehr Möglichkeiten hatten als noch beim Vorgängerfilm.
Besonders zugesagt hat mir aber der Kontrast von futuristischem Design im Gegensatz zu den vielen Retro-Elementen. In erster Linie natürlich die Sequenz aus dem Musical Hello, Dolly, die immer wieder eingespielt wird und so etwas wie die Manifestation von Wall-E’s Vermenschlichung ist. Hinzu kommt aber auch, dass der Score von Thomas Newman immer wieder sehr klassisch daherkommt und so schon von der ersten Szene an einen angenehmen Kontrapunkt zur zugemüllten Erde und dem technisierten Raumschif setzen, aber dennoch eine perfekte audiovisuelle Kombination bilden, die extrem zum Wohlfühlfaktor des Films beitragen.

Wenn wir grade beim Stichwort „Retro“ sind, müssen wir natürlich auch noch den Vorfilm Presto erwähnen, der zwar animiert ist, aber voll und ganz in der Tradition klassischer Disney-Cartoons steht und ein 5minütiges Slapstick-Feuerwerk bietet.

Meine Wertung: 8 von 10 Gabeln

* Kann man eigentlich von Pixar reden OHNE den Begriff „Animationsschmiede“ zu verwenden? Ich nicht.

5 Kommentare

Eingeordnet unter Cinema Paradiso

5 Antworten zu “Kurz aufgepickt: Wall-E.

  1. Irgendwie hatte ich von dir nun eine höhere Wertung erwartet… wie „schlecht“ muss dann erst „Ratatouille“ bei dir weggekommen sein!?

    Jaja… immer diese Punkteklauberei…😉

  2. Wie im Text schon kurz angerissen, mir war die gesamte Hintergrundgeschichte insgesamt einfach zu wackelig und zu löchrig, als dass sie einem näheren Hinschauen wirklich standhalten könnte.

    Wenn man sich auf die diversen Prämissen einlässt, die einem der Film im Laufe der Spielzeit ohne größere Erklärung aufs Auge drückt, kann man natürlich einen tollen und richtig schönen Kinoabend verleben (hab ich ja eben auch) – man darf halt nur nicht anfangen zu hinterfragen.
    Es sind ja auch wirklich sehr gute 8/10. =)

    Ratatouille würde ich so bei 6/10, glaube ich, einordnen. War wirklich nicht schlecht, aber fällt doch im Vergleich zum Gesamtwerk für meinen Geschmack etwas nach hinten ab.

  3. Ich glaube ich bin ein viel zu großer Pixar-Fanboy…😉

  4. Es gibt wahrlich Schlimmeres von dem man Fanboy sein könnte. =)

  5. Yay, einer der Ratatouille auch nicht so mochte wie alle anderen =)
    Hab Ratatouille auch ’nur‘ 6/10 gegeben😉

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