Die Spätzlegabel – ST 6: BV Borussia Dortmund 09.

Der Grat zwischen Optimismus und Skepsis ist oftmals ein sehr schmaler – manchmal kann er beispielsweise aus nur rund 90 Minuten bestehen. Oder sogar noch weniger, je nachdem wie mans rechnet…


Bundesliga, Spieltag 6:
Borussia Dortmund – VfB Stuttgart 3:0 (2:0)

Nach dem Sieg im Derby gegen Karlsruhe am vergangenen Wochenende habe ich mich ja doch irgendwie dazu hinreissen lassen, ein wenig verhaltenen Optimismus für ein Abschneiden in dieser Saison in mir keimen zu lassen. Zwar stimmten oftmals die gezeigten Leistungen nicht so wirklich, aber doch zumindest die Resultate in sehr überwiegendem Maße.
Doch seit dem späten Nachmittag des letzten Samstag ist dieser Hauch von Optimismus einem sehr eisigen Gefühl der Ernüchterung gewichen. Denn wenn man sich die Leistungen und Ergebnisse der Spiele gegen Dortmund und Leverkusen betrachtet, dann kommt man kaum um die Erkenntnis herum, dass es in dieser Saison beim VfB nicht für Großes reichen wird. Woher sollte auch die Hoffnung auf ein besseres Abschneiden kommen? Bis auf das Spiel gegen Hoffenheim, waren die Übrigen nur gegen, mit Verlaub, Mannschaften der unteren Leistungshälfte der Liga (Mönchengladbach, Karlsruhe und Hannover – gut, nicht unbedingt untere Hälfte, die hatten einfach einen furchtbaren Saisonstart). Die wirklich starken Gegner stehen im Grunde fast alle noch an, was mir einiges an Sorgen bereitet – mit Bremen wartet der erste Kracher direkt am kommenden Wochenende.

Es scheint derzeit einfach nicht zu reichen, gegen Teams, die eine starke Offensive und eine halbwegs souveräne Defensive aufweisen können. Denn es sieht so aus, dass man gegen offensivstarke Teams einfach zu sehr in der eigenen Hälfte gebunden ist, um dem Angriffsspiel entsprechenden Schwung zu verleihen. Das war so gegen Leverkusen, das war auch überwiegend so gegen Hoffenheim und in der ersten Hälfte gegen Karlsruhe (wo man sich dann aufgrund der höheren Substanz letztlich doch durchsetzen konnte) und das war dann nochmals so gegen Dortmund.
Und ich habe große Zweifel, dass sich das in Bälde ändern wird, so dass ich denke, dass Stuttgart so etwas wie das Mittelfeldteam dieser Saison werden wird. Für ca. 9 Teams ist man stark genug und wird sie definitiv hinter sich lassen können, während man gegen etwa ein Drittel der Liga aller Voraussicht nach keine große Schnitte haben dürfte. Mit den restlichen darf man sich dann um die Positionen 7 bis 10 streiten.

Von daher befürchte ich fast, dass die Platzierung, die man jetzt innehat, auch so ungefähr am Ende der Saison für Stuttgart herausspringen wird.

Das einzige µ an Hoffnung, dass ich derzeit noch ein wenig in mir trage, ziehe ich dabei weniger aus dem Vertrauen in Spieler der eigenen Mannschaft oder den Trainer – sondern einzig und allein aus der Tatsache, dass sich in dieser Saison mal wieder extrem viele Teams auf einem ähnlichen Niveau zu befinden scheinen und kaum welche eine wirkliche Konstanz aufweisen können. Wolfsburg und Schalke waren es an diesem Wochenende, die sich gegen eine eigentlich deutlich schwächere Mannschaft blamierten. Davor war es mal Hamburg, mal Leverkusen, mal Bremen – und bisher auch immer wieder die Bayern.
Hier könnte wieder einmal die Chance darin liegen, auch ohne übermäßig souverän zu sein, eine vordere Platzierung zu ergattern – bzw. vielemehr den Anschluss nicht zu verlieren, bis man dann wirklich mal eine gute Serie startet. So wie es 2006/07 beispielweise der Fall war, wo man ja ganz gerne mal vom Zufallsmeister sprach.
Von daher ist es im Grunde essenziell, für ein Team wie Stuttgart gerade die Spiele gegen die Teams der unteren Tabellenhälfte zu gewinnen. Denn wenn man aus diesen 18 Begegnungen, sagen wir mal 15 Siege holen würde, dann würde das aller Voraussicht nach für den Kampf ums internationale Geschäft schon reichen können. Denn das eine oder andere glückliche Erfolgserlebnis gegen die Topteams wird es in der Regel immer mal wieder geben – und sei es auch nur ein Unentschied gegen eine Mannschaft wie Bremen.
Wie gesagt, wichtig ist halt vor allem, dass man die Siege gegen die „Kleinen“ einfährt – und da habe ich für diese Saison schon Hoffnung, denn dafür reicht das Potential und es wurde bislang auch eigentlich immer abgerufen.

Tja, und so bin ich dann am Ende des Textes schon wieder einen ganzen Schlag optimistischer als noch zu Beginn des Eintrags. Wie gesagt, oftmals ist es nur ein schmaler Grat zwischen Optimismus und Skepsis – manchmal können es schon knapp 700 Wörter und ein wenig Statistik-Wälzen sein, die für einen Umschwung der Gefühlswelt reichen können…

Achja, da hätt ich ja fast noch den Aufreger des Spiels vergessen: Selbstverfreilich war das ein Foul vor dem 2:0 von Santana an Lehmann. Und das auch ganz unabhängig davon, ob es im Fünfmeter-Raum oder sonstwo auf dem Spielfeld stattgefunden hätte und auch ob es am Torwart oder an einem Feldspieler – das war ein unkorrektes Luftduell und hätte abgepfiffen werden müssen.
ABER: Das ist völlig wurscht gewesen und sicherlich nicht spielentscheidend. Denn Dortmund war uns glasklar überlegen und wenn das 2:0 da nicht gefallen wäre, dann wäre es höchst wahrscheinlich kurz darauf irgendwann gefallen. Und überhaupt hätte Dortmund ohnehin auch noch einen Elfmeter zugesprochen bekommen müssen. Von daher eh ausgeglichen in Sachen Fehlentscheidungen und damit sowas von egal. 


Seitenblick – Dritte Liga: Werder Bremen II – VfB Stuttgart II 4:5 (2:2)

Ja, es gab am vergangenen Wochenende nicht nur das Wahnsinnsspiel von Bremen gegen Hoffenheim, welches die Berichterstattung der letzten Tage dominierte (gut, neben dem Versagen der Bayern natürlich), sondern schon einen Tag vorher gab es ebenfalls ein Spiel mit 9 Toren und Bremer Beteiligung, allerdings in der dritten Liga und gegenläufiger Verteilung. Hier war es nämlich der Gast aus Stuttgart, der den Sieg holen konnte – und das dem Vernehmen nach auch durchaus verdient. Der VfB führte dabei nach einer Viertelstunde schon mit 2:0, Bremen schaffte zur Halbzeit den Ausgleich. Und in der zweiten Hälfte legte der VfB in den ersten 14 Minuten dann diesmal drei drauf – so dass die Bremer Aufholjagd dieses Mal um ein Tor zu gering war. Rahn und Schieber konnten sich dabei als Doppeltorschützen feiern lassen, während Hofmann sein Trefferkonto auf 5 Tore bei 6 Einsätzen hochschrauben konnte.
Für den jungen VfB bedeutet dies insgesamt jetzt übrigens eine Ausbeute von 15:4 Toren aus den letzten 4 Spielen – wohlgemerkt bei einem 0:0 am vergangenen Spieltag. Nicht schlecht, Herr Specht… Mit den 4 Punkten aus den vorangegangenen 4 Partien steht man somit nun bei 14 Zählern, was derzeit einen angenehmen 8. Platz bedeutet. Freut mich wirklich für die Jungs von Rainer Adrion, die sich sicherlich in diesem Jahr nicht allzu sehr mit dem Abstiegskampf beschäftigen dürften.

 


Nationalstürmer-Effektivitäs-Watch:

1. Patrick Helmes – 9 Spiele / 8 Tore / 2 Assists => NEW-Faktor 2,89
2. Mario Gomez – 12 / 9 / 2 => 2,42
3. Stefan Kiessling* – 8 / 4 / 4 => 2,00
4. Miroslav Klose – 10 / 6 / 0 => 1,80
5. Sebastian Freis* – 7 / 4 / 0 => 1,71
6. Lukas Podolski – 11 / 5 / 0 => 1,36
7. Kevin Kuranyi – 11 / 3 / 1 => 1,18

Bestandteil dieses Rankings sind nur Einsätze in Pflichtspielen von Verein und Nationalmannschaft. Freundschaftsspiele zählen nicht dazu. Das Ranking umfasst deutsche Stürmer der ersten Bundesliga (und rein theoretisch auch ausländischer erster Profiligen).
* = derzeit nicht im Nationalmannschaftskader

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