Die Spätzlegabel – ST 4: TSG 1899 Hoffenheim.

Durch eine kleine Geschäftsreise ohne Zugang zum Internet in den vergangenen Tagen musste ich an dieser Stelle bislang leider auf eine Besprechung des vierten Saisonspiels des VfB Stuttgarts verzichten. Dennoch möchte ich dies natürlich der Vollständigkeit halber nachholen, damit mir hier keiner mangelnden Einsatz nachsagen kann…

Bundesliga, Spieltag 4:
TSG 1899 Hoffenheim – VfB Stuttgart 0:0

Viel wurde geschrieben über Hoffenheim in den vergangenen ein bis zwei Jahren, verstärkt natürlich im Vorlauf zu dieser Saison, wo sie als erster „Dorfverein“ in die Annalen der Bundesligageschichte eingehen werden. Und da diese ganzen Themenbereich nun wirklich zur Genüge ausgeleuchtet sind und ich zudem kein Problem mit den wirtschaftlichen Hintergründen dieses Vereins habe, spare ich mir mal Kommentare dazu, sondern gehe mal direkt zum Spiel über.

Leider liegt es aber in der Natur der meisten Spiele, die 0:0 enden, dass es darüber nicht so wirklich viel Berichtenswertes gibt. Der interessanteste Aspekt aus Stuttgarter Sicht war dabei wohl die Startformation. Denn leider sind einige Stuttgarter Nationalspieler verletzt oder angeschlagen aus der Länderspielpause zurückgekehrt, so dass Armin Veh in Sachen Startaufstellung gehörig improvisieren musste und der VfB so mit einem 3-4-2-1 ins Spiel gegen Hoffenheim gehen musste – eine Taktik, die dieser Kader bislang eher selten gespielt hat. Und es stellte sich dann auch heraus, dass dies sicherlich nicht das System ist, das die Saison über zum Erfolg führen wird.
Sicher, für die defensive Stabilität war diese Aufstellung gar nicht mal so schlecht und so stand man hinten gegen die agilen Offensivkräfte der Hoffenheimer weitestgehend sicher – und wenn dies mal nicht der Fall war, so war im Kasten dann immer noch ein Jens Lehmann, der auch in dieser Partie wieder mehrfach unter Beweis stellen konnte, welch exzellenter Einkauf er war. Für die Nationalmannschaft war es im Hinblick auf die Zukunft sicherlich der richtige Schritt nach der EM abzutreten, dennoch bleibt er in meinen Augen der derzeit beste Torhüter Deutschlands und ich bin froh, dass wir ihn in unseren Reihen haben.

Nicht umsonst steht der VfB nach 4 Saisonspielen deshalb trotz einer bislang etwas schwächelnden Abwehr mit den wenigsten Gegentoren im gesamten Profifußball da (oder zählt die dritte Liga mittlerweile dazu?). Das sagt nach vier Spieltagen natürlich noch nicht so viel aus, aber es ist nach den drittmeisten Gegentoren der Liga in der vergangenen Saison schon mal eine sehr positive Tendenz.

Das Problem des 3-4-2-1 lag daher am vergangenen Wochenende viel mehr im Offensivbereich. Die Krux dieses Spielsystems liegt nun mal darin, dass der Solo-Stürmer extrem darauf angewiesen ist, dass ihm aus dem Mittelfeld von den zwei vorgezogenen Spielern sehr viel zugearbeitet werden muss. Hier ist es dann eben enorm wichtig, dass die Nahtstellen zwischen diesen beiden (Lanig & Simak) und der eher defensiv ausgerichteten Viererreihe möglichst eng gehalten werden. Leider fehlte es hier klar an Übung, so dass die Offensivbemühungen zu selten wie aus einem Guss wirkten und Gomez so oft alleine gelassen wirkte. Vor allem von den Aussen der Viererreihe -Boka und der derzeit leider insgesamt schwächelnde Hilbert- hätte hier nach vorne bedeutend mehr kommen müssen, um bei den Angriffsbemühungen ausreichende Durchschlagskraft zu erreichen.

Immerhin ist eine Rückkehr zum bekannten 4-4-2 ja absehbar, denn schon zum morgigen UEFA-Cup-Spiel gegen Cherno More Varna werden einige Spieler zurückkehren. Dazu gehört dann auch der bislang verletzte Cacau von dessen Rückkehr ich mir auch eine Steigerung bei Gomez erhoffe, denn die beiden haben in der vergangenen Saison wirklich exzellent harmoniert.

Und es war ja auch nicht alles schlecht am Samstag. Ein 0:0 beim ambitionierten Aufsteiger Hoffenheim ist sicherlich kein schlechtes Ergebnis und zudem war es insgesamt eine durchaus ansehnliche Partie, in der beide Teams einige Chancen hatten und der VfB trotz des Ausfalls einiger Schlüsselspieler eine ordentliche Leistung zeigte. Lediglich, dass man sich gegen Ende hat mehr und mehr hinten reindrängen lassen, könnte man als ein negatives Zeichen interpretieren. Allerdings sollte man dabei auch bedenken, dass die Einwechslungen von Stuttgart folgende waren: Manuel Fischer (19 Jahre), Sebastian Rudy (18 Jahre) und Georges Mandjeck (19 Jahre) – nicht unbedingt das Personal von dem man einen moralischen Ruck erwarten muss.

Von daher bleibe ich derzeit weiterhin verhalten optimistisch für den weiteren Verlauf dieser Saison. Morgen kann dann mit einem Sieg gegen Cherno More Varna hoffentlich das nächste Erfolgserlebnis eingefahren werden und damit noch etwas mehr Selbstvertrauen in das zu häufig fragile Mannschaftsgebilde gepumpt werden.

 

Seitenblick – Dritte Liga: FC Carl-Zeiss Jena – VfB Stuttgart II 0:6 (0:3)

Der kleine VfB scheint sich mittlerweile nun auch in die dritte Liga eingefunden zu haben, denn am Sonntag folgte dem souveränen 4:0 gegen Braunschweig nun ein wahrer Kantersieg gegen den Zweitliga-Absteiger aus Jena, so dass man nun den Anschluss an die obere Hälfte der Liga wieder geschafft hat. „Held“ des Tages war dabei der 22jährige Johannes Rahn, der mit 2 Toren in den ersten 8 Minuten schon früh die Weichen auf Sieg für Stuttgart stellte. In der zweiten Halbzeit legte er dann noch mal mit dem 4:0 nach (Riemer erzielte zwischendurch noch ein Eigentor) und versetzte damit dann Jena den endgültigen Todesstoß. Die restlichen Tore von Träsch und Schieber kurz vor Abpfiff waren dann dem endgültigen Verfall der Jenaer zuzurechnen.
Stuttgart II scheint sich nun also tatsächlich freigeschwommen zu haben und sollte wenig mit dem Abstieg zu tun haben, wenn man diese Leistung über die Saison weiter konservieren kann – und darum geht es ja im Wesentlichen, damit man in Ruhe weitere junge Talente an den Profibetrieb heranführen kann. Am nächsten Spieltag geht es dann gegen den VfR Aalen, die bislang noch nicht wirklich in Tritt gekommen sind, aber zumindest dem bislang ungeschlagenen Juniorteam der Bayern ein Unentschieden am vergangenen Spieltag abgetrotzt haben.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Ballgefühl

2 Antworten zu “Die Spätzlegabel – ST 4: TSG 1899 Hoffenheim.

  1. Wann

    Ich finde Gomez gut, auch wenn das in der Nationalmannschaft nicht so glücklich aussah zuletzt. Neben Klose funktioniert das meines Erachtens jedoch nicht. Irgendwann könnte es aber auf einen Sturm Helmes und Gomez hinauslaufen.
    Bin ja kein Stuttgart-Fan, aber ich hege große Hoffnungen in Marica. Der könnte so einer werden wie Berbatov. Finde das Mittelfeld vom VfB zurzeit am schwächsten besetzt. Das wird schwer mit der Quali für das internationale Geschäft.

    Ach ja😉
    Elbow – Grounds For Divorce http://de.youtube.com/watch?v=iL4mywCOJXA

    Port O’Brien – I Woke Up Today
    http://de.youtube.com/watch?v=uw3Y84zXLwg

  2. Stimmt, Gomez und Helmes könnte in der Tat ein Sturm sein, der in der Kombination funktionieren könnte. Ich habe nur meine Zweifel daran, dass es in naher Zukunft zu dieser Kombination kommen wird. Dazu sind Klose und Podolski einfach beide zu weit vorne in der Gunst von Löw.
    Wenn man es aber alleine von den Leistungen in den Vereinsspielen dieser Saison abhängig machen würde, dann kann es eigentlich nur auf die Paarung Helmes/Gomez hinauslaufen!
    Ich wünsche zwar niemandem eine Verletzung, aber das ist wohl die einzige Möglichkeit, dass es bis 2010 mal dazu kommen würde, dass Löw diese beiden Stürmer aufstellt.

    Bei Marica bin ich mir noch nicht wirklich sicher. Das letzte Jahr mag ich noch als Lern- und Eingewöhnungsphase durchgehen lassen, aber in dieser Saison muss er definitiv mehr zeigen. Bislang macht er das ja auch ganz ordentlich. Mal schauen, ist ja noch jung, von daher mal abwarten ob er dann wirklich in eine Kategorie „Berbatov“ aufsteigen kann.

    Das Mittelfeld hat durchaus seine Qualitäten – es fehlt alleine noch etwas die Struktur im offensiveren Teil des Mittelfelds. Wie man heute über weite Strecken auch wieder sah.

    Ah, Elbow haben auch mal wieder was gemacht. Schön.
    Port O’Brien konnte mich jetzt auf Anhieb eher visuell begeistern als akkustisch.

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