Hirngabels ultimativer Serienguide zur Season 07/08 – Drama: Breaking Bad / Burn Notice / Damages.

Nachdem ich in den letzten Wochen nach und nach meine Eindrücke zu den Serien aus dem Bereich „Comedy“ formuliert habe, fehlen nun natürlich noch die Serien, die grob der „Drama“-Kategorie zuzuordnen sind. Natürlich ist wie immer alles rein subjektiv, aber ich hoffe dennoch vielleicht die eine oder andere Anregung geben zu können.

In diesem Abschnitt werde ich es allerdings so handhaben, dass ich dieses Mal keine grob aufsteigende Reihenfolge wähle, sondern die alphabetische Order. Zudem werden die Einzelkritiken einen ganzen Schlag kürzer ausfallen, da die neue Season schon begonnen hat und ich das ganze auch nicht mehr zu lange herauszögern will.

 

Hier sind alle bisher besprochenen Serien aus dem Bereich „Comedy“ zu finden.

 

 

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Breaking Bad

 

Erfreulicherweise geht in der jüngeren Vergangenheit auch bei vielen kleineren amerikanischen Networks der Trend zu eigenproduzierter Fiction, die sich dann thematisch auch oftmals etwas trauen. Eines dieser kleinen Networks ist der Sender AMC, der schon mit Mad Men für einige Furore sorgen konnte – eine Serie über die Zigarettenindustrie der 50er Jahre, die bei mir allerdings gar keinen Anklang fand.
Das zweite Aushängeschild von AMC ist die Serie Breaking Bad, die bei mir schon ungleich mehr Begeisterung wecken konnte. Die Hauptfigur Walter White wird gespielt von Bryan Cranston, der hierzulande vielen wohl in seiner Rolle des chaotischen Familienvater Hal in der wunderbaren Serie Malcolm Mittendrin bekannt sein dürfte.

Doch von dem Image dieser Serie sollte man sich sofort lösen, da Cranston zwar auch hier Vater einer eher dysfunktionalen Familie spielt, aber „Breaking Bad“ doch in eine gänzlich andere Richtung ausgelegt ist.

Walter White, Chemielehrer am lokalen College, hat schwer zu tragen an seinem Leben und leidet an der erkalteten Leidenschaft in seiner Ehe, muss zudem einen Nebenjob in der Autowäscherei bewältigen, um die Behandlungskosten für seinen behinderten Sohn zu stemmen, der sich zudem grad in einer schwierigen Phase der Pubertät befindet.

Dies tut er in der Regel alles ohne groß zu murren – bis bei ihm eines Tages tödlicher Lungenkrebs diagnostiziert wird. Diese Diagnose führt dann bei ihm dazu, dass er mehr oder weniger „durchdreht“. Statt aber wie zum Beispiel William Forster „klassisch“ Amok zu laufen, ergreift White eine sich ihm bietende Gelegenheit und beginnt damit, zusammen mit einem ehemaligen Schüler an, in einem mobilen Labor in der Wüste New Mexicos, Crystal Meth zu produzieren.

 

Der gerade angedeutete Film Falling Down ist ohnehin auch nicht nur wegen der grob ähnlichen thematischen Ausrichtung eine gute Referenz, sondern auch der Stil der Inszenierung erinnert durchaus an den Film von Joel Schumacher. Denn auch Breaking Bad besticht durch eine heisse, stickige Atmosphäre, die wie ein bleierner Schleier auf dem ganzen Geschehen lastet. Sehr passend dazu die Ansiedelung der Geschichte in der staubigen Chihuahua Wüste bei Albuquerque, die hier sehr dreckig, staubig und durch und durch gelb-braun inszeniert wird. Zudem besticht die Serie auch immer wieder durch sarkastische und zynische, beissende Gesellschaftskritik und selbstverständlich vor allem durch einen der besten Hauptdarsteller einer Serie im vergangenen Jahr.

 

Meine Wertung: 8 von 10 Gabeln [für die gerade mal 7 Folgen kurze Staffel 1]

 

PS: Eine zweite Staffel mit insgesamt 13 Episoden ist für Anfang 2009 angekündigt.

 

 

Burn Notice

 

Ebenfalls auf einem der kleineren Networks -nämlich dem USA-Network, das vor allem für die auch in Deutschland sehr erfolgreich laufende Serie „Monk“ bekannt ist-, läuft seit dem Sommer 2007 Burn Notice.

Eine Burn Notice nennt man das Statement eines Geheimdienstes an andere vergleichbare Organisationen, dass ein Agent nicht mehr „vertrauenswürdig“ ist – also quasi eine Art Kündigungsschreiben für Geheimagenten.

Und genau darum geht es denn auch in der so betitelten Serie: Der Top-Agent Michael Westen (klasse: Jeffrey Donovan) wird mitten in einer Operation „gefeuert“ und wird daraufhin nach Miami verfrachtet und dort mehr oder weniger auf Eis gelegt, ohne Zugriff auf sein Vermögen oder seine früheren Kontakte.

Um sich dennoch über Wasser zu halten etabliert er gemeinsam mit seiner Waffenliebenden Ex-Freundin Fiona (einer ehemaligen IRA-Terroristin) und dem Geheimagent und Navy-Seal a.D. Sam (gespielt von B-Movie-Legende Bruce Campbell), eine Einsatzteam, dass für die „Kleinen“ kämpft, die durch unglückliche Umstände oder Dummheit in kriminelle Machenschaften verwickelt worden sind. Mit seinen Fähigkeiten aus seiner Zeit als Geheimagent „löst“ er so also von Woche zu Woche einen Fall, beinahe im Stile eines modernen „A-Teams“, wodurch die Serie im Grunde zu einem klassischen „Case of the week“-Procedural wird. Die große Klammer, die sich dabei über die komplette Staffel spannt, ist natürlich die Ursachenforschung, wie es zur Burn Notice für Westen kam, wer ihm da an den Karren fahren will und warum überhaupt.

 

Das alles ist sicherlich keine ganz große Kunst (und wäre zudem eigentlich im Comedy-Bereich besser angesiedelt – aber hab erst vor kurzem die erste Staffel abgeschlossen, daher muss es hier rein), aber es macht vor allem eines: höllischen Spaß.

Es kracht und wummst ordentlich, es ist wunderbar locker flockig inszeniert, Donovan glänzt dabei als wirklich wandlungsfähiger Darsteller – und darüber hinaus gibt’s auch noch jede Menge leichtbekleideter Strandschönheiten zu sehen, die immer mal wieder als optische Leckerbissen irgendwo reingeschnitten werden.

 

Im Grunde also bestes Popcorn-„Kino“, wie man es sich wünscht, wenn man nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause kommt und sich aufs Sofa haut. Das muss nicht jedem gefallen, mir aber bereitet es großes Vergnügen.

Einen Bonuspunkt gibt es zudem für Westens wunderbar klischeehafte Mutter, die gespielt wird von Sharon Gless.

 

Meine Wertung: knappe 8 von 10 Gabeln

 

 

Damages

 

Und noch mal befinden wir uns auf einem der kleineren Networks, diesmal geht es um FX und dessen preisgekrönte Serie Damages. Alleine wer schon die Cast-Liste sieht, wird sicherlich direkt erkennen können, dass es sich hier im Grunde nur um eine exzellente Serie handeln kann: Glenn Close, Ted Danson, Rose Byrne, Zeljko Ivanek – alles Namen, die den Kenner mit der Zunge schnalzen lassen sollten (in Season zwei werden sich dazu sogar u.a. noch Timothy Olyphant, William Hurt und Marcia Gay Harden gesellen).

Die zentrale Figur der Serie wird dabei von Rose Byrne dargestellt, die die junge Anwältin Ellen Parsons spielt, die von der kompromisslosen Staranwältin Patty Hewes (Close) für ihre Kanzlei angeheuert wird. Diese Kanzlei befindet sich gerade in einem medienträchtigen Gerichtsverfahren, bei dem sie die Angestellten eines großen Konzerns im Kampf gegen ihren Chef Arthur Frobisher vertritt, der wegen Insider-Handel und Betrugs angeklagt wurde.

 

Der Reiz von Damages zieht sich dabei aus der Erzählweise, die immer wieder zwischen verschiedenen Zeitebenen hin- und herspringt. So wird beispielsweise direkt zu Beginn der Pilotepisode gezeigt, wie Ellen Parsons ca. 6 Monate nachdem sie von Hughes angeheuert wird, halbnackt, blutüberströmt und verwirrt über die Straßen New Yorks läuft und, des Mordes an ihrem Verlobten verdächtigt, von der Polizei verhaftet wird.

Im Verlauf der Serie werden also die Hintergründe dieses Zwischenfalls durchleuchtet und schnell wird klar, dass wenig so ist, wie es scheint – und vieles doch irgendwie anders ist.

 

Damages besticht nahezu durchgängig durch eine wirklich dichte Inszenierung, die einen förmlich in diesen Moloch aus Betrug, Manipulation und Intrigen hineinzieht. Nur selten im Verlauf der dreizehn Episoden langen ersten Staffel gibt es mal so etwas wie Leerlauf.

Die schauspielerischen Leistungen stehen dabei ausserhalb jeglicher Diskussion und sind zurecht mit diversen Emmy- und Golden Globe-Nominierungen bedacht worden. In erster Linie natürlich die beiden Hauptdarstellerinnen Rose Byrne und Glenn Close, die hier als ebenso charismatische, wie manipulative Staranwältin brilliert und damit eine Rolle gefunden hat, die ihr wie auf den Leib geschneidert zu sein scheint.

Aber mir persönlich hat auch Ted Danson wirklich großartig gefallen, der den meisten Zuschauern in Deutschland vor allem als zynischer Arzt Becker aus der gleichnamigen Comedy-Serie bekannt sein dürfte. Hier ist er von diesem Comedy-Bereich aber wirklich ganz weit entfernt und glänzt als angeklagter Multi-Millionär, der selbst innerlich zerrissen ist über den Schlamassel, in der sich im Laufe der Zeit hineinmanövriert hat.

 

Meine Wertung: Ganz starke 9 von 10 Gabeln

 

PS: Auch hier ist mit Staffel 2 für Anfang 2009 zu rechnen. Durch den Autorenstreik konnte man die Ausstrahlung nicht wieder im Sommer vornehmen – eine Verlängerung hat die Serie übrigens schon für ganze 2 weitere Staffeln bekommen.

 

Coming Soon: Mord, Reichtum, Partys und Affären.

9 Kommentare

Eingeordnet unter Serientäter

9 Antworten zu “Hirngabels ultimativer Serienguide zur Season 07/08 – Drama: Breaking Bad / Burn Notice / Damages.

  1. Kaum wird’s dramatisch, kenne ich schon keine der Serien mehr. Unglaublich!

  2. Naja, wie schon oben erwähnt, „Burn Notice“ hätte wesentlich besser in den Comedy-Bereich gepasst, da es ein ähnlicher Comedy-Action-Hybrid wie Chuck ist (nur mit weniger Nerd und mehr ALIAS).
    Also wenn Du noch was „leichtes“ suchst, bist Du da definitiv gut aufgehoben.

    Damages und Breaking Bad sind da sicherlich andere Kaliber – aber durchweg empfehlenswert!

    Vom nächsten Drama-Teil wirst Du aber ganz sicher mindestens eine Serie kennen. =)

  3. Ah, schön, da geht es ja schon weiter mit dem Serienüberblick. Drama ist ja so eine Sparte, die mir zwar sehr gefällt, die ich aber leider, leider immer wieder gern vernachlässige. DAMAGES ist schon seit einer kleinen Ewigkeit eingeplant, die anderen zwei kannte ich bisher noch nicht und nehme sie einfach mal als Tipps für freie Zeit … äh … öhm::mrgreen:

  4. Ich hatte Dir ja glaube ich schon mal gesagt, dass Du hier vermutlich mit mehr „Neuem“ rechnen kannst.

    Damages sollte man schon gesehen haben, denke ich. Alleine schauspielerisch ist das einfach Kino-würdig, und zudem halt auch einfach storytechnisch überwiegend exzellent.

    Lediglich bei Staffel 2 bin ich noch ein bisserl skeptisch. Da man nun eigentlich von den Zeitsprüngen in die Zukunft ablassen müsste, wodurch die Serie sicherlich von der Erzählebene etwas „gewöhnlicher“ würde. Aber mal schauen, vielleicht haben die Drehbuchschreiber sich dazu schon ausreichend Gedanken gemacht…

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  8. demiansinclair

    Breakin Bad ist für mich ein absolutes Highlight. Ich hatte kaum noch erwartet, dass eine Synchro Fassung bei uns laufen könnte.

    In der Tat viel zu kurz geraten, die erste Staffel. Die Serie besticht durch ihre sarkastisch zynische Note. Nicht zu vergessen, ein sehr relaxter Soundtrack. Für mich eine Runde Sache.

  9. In der Tat, „Breaking Bad“ wäre nun wirklich nicht eine der Serien, bei denen ich erwartet hätte, dass sie den Sprung schafft. Aber das freut mich natürlich sehr, denn -auch wenn es nur AXN ist- das hat diese exzellente Serie wirklich auch verdient!

    Freue mich schon sehr auf die zweite Staffel, die ja schon bald, am 8. März, in den USA starten wird!

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