Ballade vom möblierten Herzen.

Vor etwas mehr als einem Monat hat meine liebe Patentante das erste halbe Jahrhundert feierlich abschließen können, und als braves Patenkind musste dafür natürlich auch ein adäquates Geschenk her. Am Tag vor der Feier Nach reiflicher, monatelanger Überlegung fand ich dann auch die passende Zusammenstellung, zu der auch ein (in unglaublicher kreativer Weise umgesetzter) Gutschein für einen Besuch im Kölner Senftöpfchen zählte, selbstverständlich inklusive Begleitung durch mich.

Das Senftöpfchen, für die Nicht-Kölner bzw. die nicht so kulturaffinen Leser, ist (neben dem Kom(m)ödchen in der verbotenen Stadt) die wohl bekannteste Kleinkunstbühne NRWs, wenn nicht sogar Deutschlands und besteht seit mittlerweile über 49 Jahren (also quasi ein Jahr weniger alt als meine Tante…). U.a. ist dort auch die Kölner „Heimat“ des berühmten Springmaus Improvisationstheaters.

Wie es bei Gutscheinen für eine Kleinkunstbühne nun mal so ist, hatte also meine Tante die freie Auswahl des Programms und sandte mir dann auch schon kurz nach dem Geburtstag ihren Vorschlag. Und dieser lautete „Tina Teubner“ mit ihrem Programm „Aufstand im Doppelbett“.

Nun ist es so, dass ich zu Frauen und Humor (also beruflicherseits) ein eher angespanntes Verhältnis habe. Es gibt zwar durchaus weibliche Vertreter der Berufsgattung Comedian/Kabarettistin, die mir gefallen, aber diese sind doch eher rar gesät. (Oder kann mir jemand auf Anhieb mehr als 5 aktuelle Vertreterinnen dieses Bereichs nennen?) Das hat meiner Meinung nach meistens damit zu tun, dass sich die Nummern von Frauen doch überproportional häufig, um das Thema „Geschlechterkampf“ drehen und die Künstlerinnen zudem meinen, dass sie immer übertrieben „schrill“ auftreten müssten, was das rein phonetische angeht. Und so beschlichen mich denn auch leise Zweifel, als ich den Titel des Programms las und dann auch noch das Promo-Foto von Tina Teubner sah. Aber bei solchen Geschenken heisst es nun mal „Mitgefangen, Mitgehangen“ und so habe ich zwar meine Skepsis angemerkt, aber selbstverständlich dennoch die Tickets besorgt.

Wie der findige Leser sich sicherlich schon zusammengereimt hat, fand die Veranstaltung nun also am vergangenen Wochenende statt. Und ja: Ich konnte meine Zweifel sehr schnell überwinden und verlebte am Samstag einen wirklich kurzweiligen und vergnüglichen Abend mit Frau Teubner.

Mit „Lieder. Kabarett. Unfug.“ zierte das Programmheft quasi eine Kurzbeschreibung dessen, was Tina Teubner, gemeinsam mit ihrem Pianisten Ben Süverkrup, auf der Bühne ablieferte. Das zweiteilige und etwa 100 Minuten dauernde Programm besteht dabei aus einem Grundgerüst von 12 Liedern (plus Zugaben), zwischen denen sich Teubner mit allen möglichen kleinen und größeren Problemen des Lebens, von Politik über Gesellschaft bis hin zu (natürlich) Beziehungsproblemen auseinandersetzt. Meistens bewegte sie sich dabei durchaus im „anspruchsvollen“ kabarettistischen Terrain im Stile eines Dieter Nuhr, scheute aber auch nicht davor, sich für ein paar Momente in ein Thema hineinzukalauern, oder die eine oder andere Stimmenimitation einzustreuen.

Auch musikalisch war das alles ziemlich abwechslungsreich. Natürlich alles im Bereich „Chanson“ angesiedelt, aber mal als Solo, mal im Duett mit Pianist Süverkrup, der zudem mit dem „Griegklavierkonzert“ seinen großen Auftritt hatte. Eine wirkliche tolle, wenn auch oft „kalauerige“ Nummer, die aber wunderbar spielerisch Ähnlichkeiten zwischen unterschiedlichsten Musikstücken aufzeigte. Ohnehin war Süverkrup, wenn er einbezogen wurde, ein wirklich wertvoller Bestandteil des Programms – wenn die Teubner ihn allerdings nicht mit einbezog, dann sollte man es eher vermeiden, auf ihn zu achten, da er dann doch meist (pardon my french) grenzdebil in der Gegend rumgrinste. Aber gut, ist einfach auch eine der größten Herausforderungen, auf einer Bühne nichts zu tun zu haben, ohne dabei deplatziert zu wirken…
Teubner brachte in ihre Lieder übrigens ihrerseits auch noch etwas musikalische Vielfalt mit hinein, in dem sie in manchen Stücken ihren Pianisten mit Bratsche, Gitarre oder sogar singender Säge (tolles Instrument!!) unterstützte.

Alles in allem kann man also wirklich von einem wunderbar unterhaltsamen und kurzweiligen Abend sprechen, so dass ich einen Besuch bei Tina Teubner wirklich nur weiterempfehlen kann. Wer sich für einen Besuch bei einem Auftritt der charismatischen Dame interessiert, der findet auf ihrer Homepage www.tinateubner.de natürlich den aktuellen Tourkalender.
Sie wird dabei von Dezember bis Anfang März erst einmal pausieren und dann nach der dreimonatigen Unterbrechung mit ihrem neuen Programm „Aus dem Tagebuch meines Mannes“ zurückkehren – ein Titel der wiederum eher „Geschlechterkampf“ vermuten lässt. Aber nach den Eindrücken des vergangenen Samstagabends muss dies nun wirklich nichts heissen…

Leider gibt es im Internet keinerlei Bild- oder Tonnachweise ihrer Darbietungen zu finden. Weder auf youtube in Form von Mitschnitten, noch als offizielle „Arbeitsproben“ auf ihrer Homepage – das ist definitiv eine Lücke, die sie (bzw. ihr Management) in Bälde mal schließen sollte. So müsst ihr Euch also leider nur auf mein Wort verlassen, dass Frau Teubner und Herr Süverkrup auf alle Fälleeinen Besuch wert sind.

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Eingeordnet unter Lachsäcke, Muss man wohl dabei gewesen sein...

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