Hirngabels ultimativer Serienguide zur Season 07/08 – Comedy: Pushing Daisies.

In dieser Rubrik gebe ich meine Eindrücke zu den Serien wider, die ich im vergangenen Jahr geschaut habe. Die eine oder andere Serie(nstaffel) kann dabei auch zu früheren TV-Seasons gehören. Man kann aus der Reihenfolge der Auflistung, so man denn möchte, eine aufsteigende Positionierung in meiner Gunst ablesen – allerdings ist diese eher von der Tagesform abhängig und daher habe ich denn auch auf eine konkrete Nummerierung verzichtet.

Bisher besprochene Serien:

Back to you
Welcome to the Captain

Samantha Who?
Aliens in America

The Simpsons
Scrubs

My Boys
Reaper

The Big Bang Theory
IT Crowd

My Name Is Earl
Californication

30 Rock
How I Met Your Mother

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Pushing Daisies

 

 

Es gibt Serien, die brauchen ihre Zeit und müssen sich entwickeln, um meine Gunst zu bekommen – so war es beispielsweise bei den Gilmore Girls, um die ich immer noch ein wenig trauere. Aber manchmal gibt es auch Serien, die einen schon bei der ersten Ansicht derart begeistern und umhauen, dass man gar nicht anders kann, als sie direkt in ihr Herz zu schließen. So wie es beim ABC-Neustart Pushing Daisies der Fall war, die mich mit ihrem Look, ihren Figuren, ihren Geschichten und ihrem Charme schon nach wenigen Sekunden der Pilotfolge begeistern konnte. Ein derart unkonventionelles Stück Serie sieht man leider viel zu selten im TV, umso höher muss man es einschätzen, dass ABC dieser Serie eine Chance gibt und ihr weiterhin treu bleibt.

 

Und dies sind die Fakten:

 

Ned ist Kuchenbäcker im „Pie-Hole“ und hat die Gabe, tote Lebewesen wieder zum Leben zu erwecken. Mit der kleinen Einschränkung, dass er dies nur für eine Minute ohne Konsequenzen tun kann: Entweder er berührt da wieder erweckte Lebewesen noch einmal und schickt sie endgültig ins Reich der Toten – oder aber ein anderes Lebewesen in der Nähe muss sterben… Diese Eigenschaft macht sich der findige Privatdetektiv Emerson Cod zunutze, der diese Gabe zufällig entdeckt und Ned für seine Ermittlungen einspannt, um Mordopfer kurz „aufzuwecken“ und nach dem Tathergang zu befragen, so dass beide gemeinsam die Belohnung kassieren können.

Das Duo wird ergänzt durch die energische Charlotte „Chuck“ Charles, die Jugendliebe von Ned, die selbst Opfer eines Mordes war und von Ned wieder zurück unter die Lebenden gebracht wurde.

 

Basierend auf dieser Grundsituation könnte man also von einer Krimiserie mit einer gewissen fantastischen Komponente ausgehen – was „Pushing Daisies“ im Grunde auch ist, gibt es doch, wie bei CSI & Co in jeder Episode einen „Case of the week“, den es vom Ermittlerteam zu lösen gilt.

Doch wäre das alleine natürlich kein Grund für eine so euphorische Exposition, wie ich sie diesem Text gegönnt habe, dieser Grund trägt nämlich den Namen „Bryan Fuller“.

Fuller kann man wohl ohne großen Widerspruch als einen der kreativsten Schaffenden der aktuellen TV- und Kinoszene bezeichnen – leider meist etwas zu kreativ für viele Fernsehsender, denn so scheiterten in der Vergangenheit schon seine ambitionierten Serienprojekte Dead like me (die es seit kurzem nach Jahren im Archiv immerhin zu einer Ausstrahlung auf RTL2 geschafft hat) und Wonderfalls (wobei letztere mir weitaus besser gefallen hat) an den exzentrischen Vorstellungen des Schöpfers, die auf die eher konservativ eingestellten Senderverantwortlichen trafen.

 

Und Exzentrik ist denn auch das Stichwort für „Pushing Daisies“, denn in dieser Serie ist im Grunde fast alles außergewöhnlich. Dies fängt an beim Look, der ein visuelles Feuerwerk ist, geht über die Hintergrundgeschichten der einzelnen Figuren bis hin zu den einzelnen „Kriminalfällen“, die bei von Crash Test Dummies überfahrenen Wissenschaftlern anfangen über einen Rache übenden Geist eines toten Jockeys bis hin zu explodierenden „Duftbüchern“ reichen.

Die Welten, die Fuller dabei entwirft, scheinen direkt aus einem bonbonbunten Comicbuch zu stammen und sind bis ins letzte Detail durchdacht – eine Eigenschaft, die ich besonders schätze (wie z.B. in zwei meiner Lieblingsfilme Die Royal Tenenbaums und Die fabelhafte Welt der Amelie). Alles hat zudem einen wunderbaren Hauch märchenhafter Magie, die stark an die Werke von Tim Burton erinnern. Wer also auf Sleepy Hollow, Edward mit den Scherenhänden und Big Fish steht, der wird sich auch hier mehr als wohl fühlen.

 

Wie bei jeder guten Serie, ist auch hier das Casting sicherlich einer der entscheidenden Faktoren für die hohe Qualität. Die beiden Hauptfiguren sind mit Anna Friel und Lee Pace, der schon bei Wonderfalls eine kleinere Rolle innehatte, absolut adäquat besetzt, ohne dass sie irgendwie außerordentlich herausstechen würden. Okay, das klingt jetzt fieser, als ich es meinte, denn sie füllen ihre Rollen perfekt mit dem benötigten Leben und verleihen der Serie durch ihre ungewöhnliche Liebesbeziehung den nötigen Touch Dramatik und Tragik, um PD eine zusätzliche Ebene zu geben.

 

Doch die wahren Stars sind, beinahe wie bei der thematisch und stilistisch natürlich völlig anders gelagerten Serie HIMYM, auch hier wieder einmal die Nebendarsteller. Zum einen natürlich der grummelige, oft zynische und manchmal etwas schreckhafte Emerson Cod, perfekt verkörpert von Chi McBride, der mit seinen bissigen Kommentaren dem Geschehen immer wieder eine süffisante Note verleiht – vor allem wenn Ned und Chuck wieder einmal mit Liebesschwüren ins Kitschige abzugleiten drohen.

Ganz besonders großartig ist aber sicherlich Kristin Chenoweth als Kellnerin Olive Snook, die ständig ihren unerfüllten Liebesphantasien für Ned nachhängt. Zugegeben, ich hatte erst meine Probleme mit ihrer Figur, doch spätestens als sie anfing in einer Episode den Grease-Klassiker „Hopelessly Devoted to you“ in die Nacht zu schmettern, da musste ich sie einfach ins Herz schließen.

 

Hinzu kommen noch Chucks Tanten Lily und Vivian, die früher mal als Synchronschwimm-Duo „The Darling Mermaid Darlings“ große Erfolge feierten, nun aber, bedingt durch den (vermuteten) Tod ihrer Nichte, kaum noch ihr eigenes Haus verlassen.

Und natürlich jede Menge weiterer, mehr als spleeniger Figuren, die mal kürzere, mal etwas längere Auftritte im Verlauf der Serie haben.

 

Ich könnte jetzt durchaus noch weiter ausholen und auf weitere ganz bezaubernde und begeisternde Aspekte dieser Serie eingehen – aber wenn man die Zeilen dieses Eintrags aufmerksam gelesen hat, dann sollte man eine ungefähre Vorstellung davon bekommen haben, wie ich diese Serie ungefähr einschätze.

 

Wer es aber noch mal etwas deutlicher haben möchte (wie sicherlich der geschätzte Rudi), für den folgt hier meine völlig objektive Bewertung der ersten Staffel von Pushing Daisies, die, auch wenn sie aufgrund des Autorenstreiks nur aus neun Episoden besteht, nur eine einzige Wertung verdient hat:

10 von 10 verzauberten Gabeln

 

PS: Natürlich kann ich diesen kleinen Serienguide zu Pushing Daisies nicht abschließen, ohne zumindest noch kurz auf die deutsche Free-TV-Verwertung einzugehen. Denn ob man es glaubt oder nicht, hat ProSieben sich doch tatsächlich die Rechte an dieser exzentrischen Serie erworben. Erste Pläne besagten sogar mal, dass eine Platzierung unter der Woche am Mittwochabend in der Primetime ab Mitte diesen Monats angedacht war – leider finde ich dafür derzeit keinerlei Anhaltspunkte mehr im Netz, ausser einer sehr inoffiziellen Äußerung eines quotenmeter-Redakteurs, auf die mich Kollege Mediensucht mal aufmerksam machte. Durchforstet man allerdings die Homepage von ProSieben nach Spuren von „Pushing Daisies“ so findet man da genau – Nichts. Wohingegen die demnächst startenden Serien wie HIMYM und Samantha Who schon gelistet werden.

Schade eigentlich, es scheint fast, als hätte man doch noch nicht die Traute, die Serie tatsächlich auf das deutsche Publikum loszulassen. Keine Frage, es ist garantiert ein Risiko, denn die Serie ist nicht unbedingt etwas für die breite Masse – dennoch würde ich mir erhoffen, dass die Serie nicht ein ähnliches Schicksal im Archiv wie Earl ereilt.

 

Noch in dieser Woche: Der Abschluss dieser Hälfte der Rubrik – passend zum Start der Season (auch wenn dann immer noch die „ernste“ Hälfte fehlt…)

12 Kommentare

Eingeordnet unter Serientäter

12 Antworten zu “Hirngabels ultimativer Serienguide zur Season 07/08 – Comedy: Pushing Daisies.

  1. „Pushing Daisies“ – ja, da hatte ich mir viel erwartet. Und ich bekam auch viel. Leider schon fast zu viel. Über die ersten paar Episoden dachte ich eine neue Lieblingsserie gefunden zu haben, doch dann begann ich mich irgendwie zu langweilen. Stets der gleiche Aufbau, stets die gleichen Geschichten. Da konnte selbst die beste Optik und die gelungensten Einzelszenen mein Interesse nicht aufrecht halten. Ich denke „Pushing Daisies“ hätte für mich als burtonesquer Film am besten funktioniert. In Form eine Serie? Über ein paar Episoden grandios, aber auf Dauer zu anstrengend.

  2. Oh wow, sehe ich das richtig? Zum ersten Mal Widerspruch von Dir bzgl. der Beurteilung einer Serie? =)

    Klar hätte das sicherlich auch als Film exzellent funktioniert, aber bei mir stellte sich eben noch keine Übersättigung ein im Laufe der neun Folgen. Im Gegenteil, da mir halt teilweise die Figuren (wie z.B. Olive) noch mehr ans Herz wachsen konnten. Zudem finde ich, dass jede Folge selbst wunderbar auserzählt wird und bis in die Details wirklich durchdacht und regelrecht „komponiert“ sind, was einfach ein großes Vergnügen ist. Bin halt für sowas absolut empfänglich und bis es zu einer Übersättigung kommt, da muss schon noch einiges passieren.

  3. Mhm, hab die Pilotfolge hier irgendwo rumliegen und überall liest man nur das Beste vom Besten – aber wirklich Lust die Serie zu schauen hab ich immer noch nicht. Vielleicht jetzt dann aber mal…vielleicht.

  4. Na, gib Dir mal nen Ruck. Zumindest wenn Du mit den Burton-Filmen was anfangen kannst, dann sollte man in den Piloten schon mal reingeschaut haben…

  5. bullion hat keine Ahnung von Filmen und Serien!😉😉 Fand Pushing Daisies auch ganz großes Kino ( http://www.thwidra.de/?p=390 ) und war restlos von dem Look begeistert. Wenn ich mal groß bin, dann will ich auch in so einer bunten Wohnung oder so einem haus leben.

  6. Naja, der gute bullion hat da in der Regel schon einen ziemlich guten Geschmack. Von daher sei ihm so ein Ausreisser durchaus mal verziehen. =)

    Ach, weiss nicht, ganz soo bunt muss es dann auch wieder nicht sein…

  7. Wäre ja auch langweilig, wenn wir alle nur gleichgeschaltete Geschmackszombies wären…🙂

  8. Pingback: Hirngabels ultimativer Serienguide zur Season 07/08 - Drama: Life / Lost / Prison Break / Private Practice. « Hirngabel

  9. demiansinclair

    Ich möchte hier gerne zustimmen, da ich selber leidenschaftlich gerne Serien schaue. Aber Pushing Daisies hat auch mich ziemlich bald gelangweilt, aus den schon o. genannten Gründen.

    Ich hatte anfangs den Eindruck eine echte Perle entdeckt zu haben, aber durch den immer gleichen (berechenbaren) Ablauf wurde es allzu schnell dröge.

    Naja, die Geschmäcker sind verschieden…

  10. Hi Demian!

    Ich möchte da gar nicht groß widersprechen, denn auch ich kann bei mir zumindest leichte „Verschleisserscheinungen“ in Staffel 2 von Pushing Daisies nicht ganz leugnen. Auch wenn das weiterhin auf einem Top Niveau war.
    Ich drücke es einfach mal so aus: Dass das vorzeitige Ende von PD verkündet wurde, finde ich zwar sehr schade für die Serienlandschaft, aber es hat mich dann doch nicht so tief getroffen, wie ich es zu Beginn der ersten Staffel vielleicht mal erwartet hätte.

  11. Hallo Leute,

    ich schaue mir im TV nicht unbedingt jede Serie an. Ich schaue bei vielem einfach nur rein, um festzustellen, dass die Serie doch nicht mein Fall ist.
    Aber PD habe ich über die Zeit richtig ins Herz geschlossen. Nicht nur, weil ich damit einen guten Grund hatte eine sehr gute Freundin zu besuchen und einen schönen TV Abend zu machen, sondern weil diese Serie so schön anders ist.
    Klar, manche Dinge/Situationen waren mal vorhersehbar (läßt sich manchmal nicht umgehen), aber dennnoch wurde man oft genug überrascht.

    Wenn ProSieben die beiden Staffeln jemals wieder wiederholen sollte (ich hoffe es sehr), dann hänge ich wieder vor dem Flimmerkasten.

    Und ich muß sagen, dass das Staffelende eines der am besten gemachten war, das ich bisher sah.
    Bei manch einer Serie bleiben zig Fragen offen, so das man auf eine neue Staffel wartet, aber dann enttäuscht wird, wenn doch keine weitere kommt.
    Aber hier wurde ein schönes Ende gefunden, indem nahezu alle Fragen geklärt wurden.

    Achso, die „Serienbeschreibung“ ist dir gut gelungen.

    Grüße, macbig2k1

  12. Pingback: Hirngabels kleiner Serienguide zur Season 08/09: Der ganze Rest. « Hirngabel. Reisen, Leben, Popkultur.

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