Die Spätzlegabel – UEFA-Cup Quali (Rück): Györi ETO FC.

1 gegen Györ

Nach dem Hinspiel gegen Györ, das nach einer mäßigen Leistung und einer mangelhaften Chancenauswertung nur knapp mit 2:1 für Stuttgart endete, fand heute das Rückspiel in Ungarn statt. In Deutschland konnte sich leider kein TV-Sender mit dem ungarischen Club über eine Live-Übertragung einigen (der SWR hatte es probiert) und da auch für vfbtv.de der Aufwand und die Kosten zu hoch waren, gab Live-Bilder von diesem Spiel leider nur im ungarischen Fernsehen zu sehen. Eine Zusammenfassung soll immerhin morgen auf www.vfbtv.de zu sehen sein.

UEFA Cup-Quali Rückspiel: Györi ETO FC – VfB Stuttgart 1:4 (0:2) [Hin: 1:2]

Ein wenig mulmig war mir vorab schon. Bislang hat man sich in den K.O.-Pflichtspielen gegen Ramenskoje, Lüneburg und im Hinspiel gegen Györ zwar letztendlich immer durchsetzen können, aber wirklich überzeugend war das nur in den seltenen Fällen. Hinzu kam dann die erschreckend schwache Begegnung vom Samstag, in der uns die Leverkusener eindrucksvoll unsere Grenzen aufzeigten. So befiel mich also ein Hauch Skepsis vor der Partie gegen den Tabellenneunten der ungarischen Liga, zumal es ja auch ein bisschen Tradition hat, dass sich ein deutscher Verein zu Beginn der Saison auf internationalem Parkett gegen irgendwelche obskuren Teams blamiert, von denen vorher höchstens absolut eingefleischte Fußballexperten mal gehört hatten.

Glücklicherweise kam es dann aber doch so, wie man es vom Papier her hatte erwarten können – und es gab im Nachhinein wenig Grund schwarz zu sehen, ausser bei der Trikotwahl der Stuttgarter.
Der VfB dominierte die Partie vom Startpfiff an, ließ dem Gegner kaum Platz, um das eigene Offensivspiel zu entfalten, während man selbst immer mal wieder gefährlich vors Tor von Györ kam. In der ersten halben Stunde hatte man selbst eine gute Handvoll Chancen, während Lehmann bis dahin kein einziges Mal geprüft wurde. Und so war der Führungstreffer dann auch absolut verdient, der in der 31. Minute von Martin Lanig erzielt wurde, der sich schon jetzt als echte Alternative für die Startelf aufdrängt. Ein Freistoß war dem vorausgegangen, der von Pardo schön von der Seitenauslinie an den Fünfmeterraum geschlagen wurde, wo Lanig dann allerdings auch quasi unbedrängt zum Kopfball kam und den Ball problemlos einnetzte.

Auch nach dem Führungstreffer dann das selbe Bild mit einem konsequent nach vorne spielenden VfB, der durch Gomez wieder eine gute Gelegenheit hatte, bevor er in der 41. Minute den Ball am Strafraum schön auf Hitzlsperger zurücklegte, der dann mit einem seiner klassischen Distanzschüsse trocken unten rechts ins Tor traf und so dem VfB eine sehr beruhigende 2:0-Führung bescherte. Diese Führung war dann auch der Stand beim Halbzeitpfiff, nachdem Tasci kurz vorher den ersten gefährlichen Angriff der Ungarn vereitelt hatte.

Mit dem Hinspielergebnis im Rücken hätte man nun also schon in der zweiten Halbzeit 4 Gegentreffer einfangen müsen, was nach dem bisherigen Verlauf dann doch äusserst unwahrscheinlich erschien. Man konnte also davon ausgehen, dass der VfB sich nun zurücklehnen und wie schon im Hinspiel die Initiative dem Gegner überlassen würde. Doch, auch zu meiner Überraschung, weit gefehlt. Denn der VfB knüpfte nahtlos an die Leistung der ersten Halbzeit an und legte in der 55. Minute durch ein tolles Solo von Gomez nach klasse Pass von Hitzlsperger mit dem 3:0 nach. Und schon 5 Minuten später durfte Gomez dann nochmal jubeln, als er das 4:0 und damit die endgültige Entscheidung herbeiführte. Großes Lob ging bei diesem Treffer allerdings an Marica, der mit einem tollen Lauf über die rechte Seite von der Mittel- bis zur Grundlinie durchzog und dann mit einer klasse Übersicht den am Fünfmeterraum freistehenden Gomez bediente. Der beste Spielzug des ganzen Abends.

Mit diesem Treffer war das Spiel dann tatsächlich durch, der Drops gelutscht und das Gulasch verputzt und der VfB schaltete nun doch ein, zwei Gänge zurück – was mit quasi 6 Toren Vorsprung denn auch durch gerechtfertig war. Highlights gab es dann allerdings noch zwei, beide nicht so ganz zu meinem Wohlgefallen. In der 81. Minute versuchte Lehmann nämlich nach einem eigentlich recht gut zu klärenden Rückpass selbst ein wenig fußballerisch zu glänzend – versagte dabei aber kläglich und legte den Ball passgenau einem Ungarn direkt auf den Fuß, der diesen dann nur noch von der Strafraumecke ins leere Tor schiessen musste, was auch problemlos gelang – 4:1.
Nur wenig später hätte es dann durch Ljuboja noch den fünften Treffer geben müssen/können, doch wurde der Ball von einem ungarischen Abwehrspieler nach Ansicht des Schiedsrichters und seines Assistenten noch gerade so auf der Linie geklärt – dieser Meinung musste man sich nicht unbedingt anschließen, zumindest war es eine Frage von ein paar Papierstärken. Aber keinen Vorwurf, zumal es letzten Endes eh Wurscht war.

Für eine wirkliche Einzelkritik gab das Spiel allerdings insgesamt dann doch zu wenig her. Den Gegner hatte man zu jeder Zeit im Griff, die Abwehr machte einen stabilen Eindruck, selbst als die Offensive nach dem 4:0 mehrere Gänge zurückschaltete und die Ungarn mehrere Angriffe vortragen konnten. Ob das nun auch an Boulahrouz lag, der zur Halbzeit für Boka eingewechselt wurde und ein sauberes Spiel zeigte, ist somit schwierig zu sagen. Er machte wie gesagt einen guten Eindruck, aber Györ war dann doch kein Maßstab.

Wirklich positiv lässt sich so eigentlich nur festhalten, dass der VfB offensiv und dominant aufgetreten ist, so wie man es von einem deutschen Team gegen eine ungarische Mannschaft erwarten sollte, und dass man selbst nach der Vorentscheidung zur Halbzeit diesen Kurs weiter beibehalten hat. Dies gibt Anlass zur Hoffnung und sollte dem weiteren Saisonverlauf auf jeden Fall gut tun.
Wäre das heute nämlich in die Hose gegangen, dann hätte man befürchten müssen, dass dies der Mannschaft nachhaltig einen Knacks gegeben hätte. Aber diese Befürchtungen bleiben glücklicherweise erst einmal in der Konjunktiv-Schublade.

So werden wir also morgen gespannt nach Monaco blicken, wo um 12 Uhr die Auslosung für die erste Runde im UEFA-Cup stattfinden wird und die 40 Paarungen bestimmt werden, die dann am 18. September und 1. Oktober die Teilnehmer an der Gruppenphase ausspielen werden. Gute, mögliche Gegner gibt es zur Genüge, wie z.B. der FC Valencia, AC Mailand oder Benfica Lissabon. Sehe gerade, dass es natürlich doch eine Setzliste geben wird und ein recht komplexes Setzverfahren, bei dem wohl letzten Endes nur aus 5 potentiellen Gegnern ausgelost wird. Schauen wir mal, wen es aus dem Weg zu räumen gilt. Der VfB gehört jedenfalls wie Hamburg, Schalke und Hertha zu den gesetzten Teams. Dortmund und Wolfsburg werden es hingegen mit potentiell schwereren, sprich gesetzten Gegnern zu tun haben.

Spannend wird jedenfalls der Aspekt, dass in diesem Jahr gleich 6 Teams im UEFA-Pokal vertreten sind und dementsprechend dann auch gleich sechs Mannschaften donnerstags spielen müssen. So wird es in dieser Saison sicherlich mehrfach gleich drei Sonntagsspiele geben – das DSF wirds freuen. Premiere wird sich wohl etwas ärgern, denn die exklusiven Freitagsspiele werden so wohl nur selten mit attraktiven Paarungen gefüllt sein.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Ballgefühl

2 Antworten zu “Die Spätzlegabel – UEFA-Cup Quali (Rück): Györi ETO FC.

  1. Die Töpfe der Setzlisten sind jetzt bestimmt. Und es wird dann gleich um 13 Uhr (nicht um 12 wie oben fälschlich angegeben) darum gehen, welchen der folgenden 5 Gegner Stuttgart bekommt:

    – Brondby IF (DEN)
    – FC Twente (NED)
    – SC Vaslui (ROU)
    – PFC Cherno More Varna (BUL)
    – NK Slaven Koprivnica (CRO)

    Da hoffen wir mal, dass es nicht unbedingt Twente Enschede wird…

  2. Nach Saturn Ramenskoje und Györi ETO FC bekommt es Stuttgart nun also wieder mit einem ziemlich unbekannten osteuropäischen Verein zu tun: Cherno More Varna aus Bulgarien.

    Als Referenz: Sie haben gestern in der Quali den Matthäus-Club Netanja rausgekickt. Das war es dann aber auch schon an Wissen.

    Zuerst immerhin ein Auswärtsspiel und anschließend dann zuhause am 1. Oktober. Das muss machbar sein!

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