Die Spätzlegabel – ST 2: Bayer Leverkusen.

Meine Lust der Bundesligaberichterstattung zu folgen ist irgendwie ein Stück weit immer sehr stimmungsabhängig – wobei die Stimmung im Wesentlichen dadurch geprägt wird, wie der VfB am jeweiligen Spieltag abschneidet. Wenn er gewinnt, dann verfolge ich, so ich die Zeit dazu habe, alles Mögliche – wenn es aber eine Niederlage setzt, dann kostet es immer auch ein wenig Überwindung, die Berichte über die anderen Teams zu gucken.

 

 

Bundesliga, Spieltag 2: VfB Stuttgart – Bayer Leverkusen 0:2 (0:1)

Dies war dann leider auch an diesem Spieltag der Fall, denn es setzte eine Niederlage gegen Leverkusen. Nein, nicht nur eine Niederlage, das war schon eine halbe Demontage am Samstag. Denn den agilen und offensivstarken Leverkusener hatte der VfB so gut wie gar nichts entgegen zu setzen und so wurde schon der zweite Spieltag zu einem wahren Offenbarungseid der ganzen Mannschaft. Nicht, dass es sich nicht schon im Spiel gegen Mönchengladbach angedeutet hätte, dass Stuttgart hinten extrem anfällig ist, aber die vorgestrige Begegnung war schon äusserst ernüchternd.

Die Abwehrkette, bestehend aus Osorio, Tasci, Delpierre und Boka, war mit den schnellen Angriffen der Leverkusenern einfach heillos überfordert. Gegen die Borussia war das ja noch gut gegangen, da man aus den ersten drei Chancen schon zwei Tore erzielen konnte, aber dieses Mal kam man insgesamt auf jämmerliche drei echte Torchancen und so kann man gegen eine Top-Mannschaft wie Leverkusen, von der ich schon vor der Saison (gerade ohne internationale Zusatzbelastung) viel erwartet habe, einfach nicht bestehen.

Die Hoffnung bleibt natürlich, dass man mit Boulahrouz dort zusätzliche Stabilität reinbekommt, denn so wie es scheint kann ein Delpierre, so sehr ich ihn sonst schätze, nicht die Führung einer Abwehrreihe leiste. Hinzu kam, dass mit Boka ein technisch prinzipiell guter Fußballer auf links steht, der aber einfach zu häufig Bälle verliert und dem es zusätzlich an Übersicht mangelt. Hier würde ich wesentlich lieber den Schweizer Magnin sehen, der in den vergangenen zwei Jahren seine gute Qualität mehrfach unter Beweis stellen konnte und mit seiner Erfahrung sicherlich ein wenig mehr Sicherheit hinten reinbringen könnte. Er scheint aber noch nicht die völlige Fitness aufzuweisen nach der Sommerpause. Gemeinsam mit Tasci (oder auch Osorio) auf rechts könnte man so eine sicherlich solidere Abwehrreihe auf den Platz bringen, die vielleicht nicht ganz so überfordert mit offensivstarken Teams ist. Die Schwierigkeit dabei ist allerdings, dass dies vermutlich noch einige Zeit benötigt, bis man eingespielt ist und bis zudem alle wieder topfit sind.

Die Abwehr war nur leider nicht das einzige Problem an diesem Samstag. Denn wie schon so oft in den letzten Jahren (auch in der Meistersaison, aber da seltener), war es wieder mal ein Komplettausfall, der das ganze Team zu lähmen schien. Auch das eigentlich qualitativ gute Mittelfeld hat, bis auf eine kleine Phase zu Beginn der zweiten Hälfte, zu keiner Zeit auch nur annähernd Normalform erreicht, sondern fügte sich willen- und hilflos in ihr Schicksal. Dass die Stürmer dabei in der Luft hingen und dadurch kaum Chancen hatten zu glänzen, ist dabei dann nur logisch. Vielleicht fehlt es dem Team derzeit einfach an Leadern, Typen, die den Rest des Teams mitreissen und wachrütteln können. Hitzlsperger scheint dies wohl (noch?) nicht ausfüllen zu können, so dass auch hier die Hoffnung auf Boulahrouz im Zusammenwirken mit Lehmann bleibt.
Lehmann alleine scheint zumindest auch (noch?) nicht so viel Einfluss auf das Team und vor allem die Abwehrreihe nehmen zu können, wie man es sicherlich von ihm erhofft hatte. Schließlich war es ein Ziel seiner Verpflichtung, dass so die löchrige Defensive des Vorjahrs mehr Sicherheit gewinnt – dies kann man bisher leider noch als nicht vollständig geglückt bezeichnen. Allerdings ist es hierfür sicherlich auch noch zu früh in der Saison, denn die Qualität von Lehmann steht (trotz des unglücklichen ersten Gegentreffers) sicherlich weiterhin ausser Frage, hat er doch auch dieses Mal einige Torchancen der Leverkusener verhindern können.

Immerhin: Am kommenden Wochenende geht es gegen derzeit noch viel verunsichertere Hannoveraner und hier muss bei der derzeitigen Verfassung der Niedersachsen ein Sieg eigentlich Pflicht sein. Erreicht man dies, dann ist der VfB zumindest wieder auf Kurs. Und wenn dann vorher noch ein Erfolgerlebnis in der UEFA-Cup-Qualifikation gegen ETO Györ am Donnerstand hinzukommt, kann man den Saisonstart sicherlich immer noch insgesamt als gelungen betrachten. Das Problem sind die vielen Konjunktive in den vorangegangenen zwei Sätzen…

Ein Wort zum Abschluss noch zu Bayer Leverkusen: Wie oben schon angedeutet, hatte ich an Bayer hohe Erwartungen, die sie bisher in beiden Spielen erfüllen konnten. Gerade ohne Zusatzbelastungen auf internationaler Ebene dürfte das junge Team in diesem Jahr ohne einen größeren Zusammenbruch durchkommen und wenn man nicht zu oft auf Gegner trifft, die es verstehen dem Offensivwirbel etwas entgegenzusetzen, dann sollte eine erneute Platzierung im oberen Tabellendrittel kein Problem für die Werkself darstellen. An Leverkusen werden wir diese Saison sicherlich einige Freude haben, gerade dank einer exzellenten Offensive, die wirklich klasse aufgestellt ist und von Bruno Labbadia in ihrem Vorwärtsdrang gefördert zu werden scheint.

Querpässe

Ansonsten passierte nicht wirklich viel in der Liga. Sechs der restlichen Partien endeten Remis, die meisten davon höchst unspektakulär. Erwähnenswert ist dabei sicherlich der bislang eher als schwach wahrgenommene Saisonstart der Bayern, die zudem wieder einmal ihren Neu-Kapitän van Bommel aufgrund von Undiszipliniertheiten verloren. Zugegeben, seit dem versuchten Brutal-Ellenbogencheck gegen Pardo in der vorletzten Saison, für den der Holländer unverständlicherweise nicht zur Rechenschaft gezogen wurde, bin ich etwas befangen. Aber auch hier lässt sich eigentlich nicht großartig diskutieren – wer innerhalb von drei Minuten zwei Aktionen macht, bei der beide für sich genommen von strengen Schiedsrichter schon rotwürdig waren, der hat es nicht anders verdient. Aber schön, dass mein Unverständnis darüber, van Bommel zum Kapitän zu machen, so schnell mit Anschauungsbeispielen unterfüttert wird. Maik Franz arbeitet seinerseits mit zwei gelben Karten aus zwei Spielen ebenfalls ja schon daran, das Kapitänsamt ad absurdum zu führen.
Enttäuschend war wieder einmal der Effzeh, der das Spiel gegen Frankfurt eigentlich voll im Griff hatte, aber dann unfassbarerweise nicht in der Lage zu sein schien, dem Gegner in der zweiten Hälfte den entscheidenden Punch zu versetzen. Die Quittung kam dann kurz vor Schluss und trug den Namen Fenin, der endlich mal wieder ein Tor erzielen konnte. Vielleicht trifft er ja diese Saison etwas regelmäßiger – wenngleich ich Frankfurt derzeit insgesamt eher gegen den Abstieg spielen sehe, als um den vorher avisierten sicheren Mittelfeldplatz.
Garantiert nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird sicherlich die TSG Hoffenheim. Auch gegen Mönchengladbach überzeugte man wieder mit ansehnlichem Offensivspiel, dem die Borussen nicht sonderlich viel entgegenzusetzen hatten. Wenn es den Hoffenheimer noch gelingt, die Konsequenz in der Chancenauswertung zu steigern, wobei sicherlich Rückkehrer Obasi bald helfen wird, dann wird Hoffenheim in dieser Saison mindestens auf Platz 9 landen. Ob es zu mehr reicht, wird sich in der kommenden Woche dann gegen Leverkusen zeigen, die sicherlich den ersten „richtigen“ Prüfstein darstellen.

Seitenblick – Dritte Liga: Dynamo Dresden – VfB Stuttgart II  1:0 (0:0)

Interessanterweise verzichtete Trainer Rainer Adrion im vierten Saisonspiel auf Sebastian Hofman, der bislang schon drei Treffer erzielen konnte. Leider sprang aber keiner seiner Teamkollegen in die Bresche und so blieb man gegen insgesamt überlegene Dresdner nicht tor- sondern sogar punktelos nach dem Treffer von Gerrit Müller, der in der 58. Minute den verdienten Siegtreffer nach einem Patzer von Keeper Ulreich erzielte.
Nach den letzten Jahren, wo man in der Regionalliga Süd meist um die vorderen Plätze mitspielte, scheint es für die Nachwuchsmannschaft des VfB in der neugegründeten dritten Liga wohl in diesem Jahr eher um den Abstieg zu gehen, wenn man den Eindrücken der ersten 4 Partien trauen darf. In der nächsten Woche geht es dann zuhause gegen Tabellennachbar Braunschweig, die bisher den eigenen Ansprüchen hinterherhinken. Mit einem Sieg könnte man sich zumindest wieder etwas nach oben orientieren.

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