Hirngabels ultimativer Serienguide zur Season 07/08: My Name is Earl / Californication.

In dieser Rubrik gebe ich meine Eindrücke zu den Serien wider, die ich im vergangenen Jahr geschaut habe. Die eine oder andere Serie(nstaffel) kann dabei auch zu früheren TV-Seasons gehören. Man kann aus der Reihenfolge der Auflistung, so man denn möchte, eine aufsteigende Positionierung in meiner Gunst ablesen – allerdings ist diese eher von der Tagesform abhängig und daher habe ich denn auch auf eine konkrete Nummerierung verzichtet.

Bisher besprochene Serien:

Back to you
Welcome to the Captain

Samantha Who?
Aliens in America

The Simpsons
Scrubs

My Boys
Reaper

The Big Bang Theory
IT Crowd

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My Name Is Earl

 

 
 

 

Nachdem sich RTL vergangene Woche dann doch mehrere Jahre nach Rechteerwerb dazu erbarmt hat, die NBC-Serie My Name is Earl auszustrahlen, konnte man natürlich hier in der Blogosphäre (und sogar in wenigen „richtigen“ Medien) in diversen Beiträgen etwas über diese Serie lesen. Von daher wird die Serie wohl den meisten meiner Leser sowieso schon sehr bekannt sein, aber dennoch hier für diejenigen, die diese Serie nicht kennen, hier eine kurze Inhaltsbeschreibung:

Der Titel“held“ Earl J. Hickey (großartig: Jason Lee) ist das was man einen Angehörigen des “White Trash” nennt. Ein kleinkrimineller Gelegenheitsgauner mit einer sehr anstrengenden Frau, zwei Kuckuckskindern und einem wunderschönen geräumigen Wohnwagen in einem heruntergekommenen Trailer Park irgendwo in der texanischen Provinz, in dem zudem sein fetter, eher unterbelichteter Bruder lebt (auch prima: Ethan Suplee). Earl ist ein Loser, ein Taugenichts.

Als er dann auch noch Opfer eines Unfalls wird, der ihm zudem eines 100.000 Dollar-Rubelloses beraubt, und im Krankenhaus landet, hört er dort zum ersten Mal in seinem Leben von „Karma“. Berauscht von der Idee, dass ein gutes Verhalten auch zu positiven Ereignissen führt (und natürlich auch durch diverse Medikamente), beschließt Earl sein Leben zu ändern und alle bösen Dinge, die er einmal getan hat, wieder gut zu machen.

 

Das Abarbeiten dieser Liste ist denn auch das zentrale Motiv der Serie, die dadurch zu einer Art „Procedural“ wird, die, ähnlich wie Serien a la House oder CSI, eine „Wiedergutmachung der Woche“ hat, während sich in den Nebenhandlungen das Leben von Earl weiterentwickelt.

 

Zugegeben, ich war zu Beginn ein wenig skeptisch, als ich von dem Konzept hörte. Vor allem zwei Aspekte ließen mich etwas zweifen: Zum einen erschien mir die Tragfähigkeit eines solchen Comedy-Procedurals nicht unbedingt gegeben, da sich so etwas auf die Dauer doch möglicherweise schnell erschöpfen könnte.
Zum anderen schrie die Prämisse des sich ins Positive wandelnden Losers, der nur noch Gutes tut, im Grunde aus allen Poren „Gutmenschentum“ und ich hatte doch arge Befürchtungen, dass das ganz schnell ins Kitschige abdriften würde („Seventh Heaven“ lässt grüßen).

 

Nun, beides hat sich bei der mittlerweile über drei Staffeln laufenden Serie erfreulicherweise nicht bestätigt. Gerade der Kitsch-Aspekt lässt sich im Grunde völlig ausschließen, da aufkeimender Kitsch jedes Mal durch die respektlose Art des Humors (die in Machart und Stil oft an Scrubs erinnert) erstickt wird. Ohnehin ist der Vergleich zu Scrubs sehr naheliegend, denn auch hier schaffen es die Macher immer wieder eine Botschaft bzw. emotionalere Szenen sehr subtil in oftmals brachialen Humor zu verpacken. Nicht umsonst laufen diese Serien daher in den USA auch im Doppelpack am NBC-Comedy-Abend – ein Umfeld, das Earl sicherlich auch wesentlich besser getan hätte als die Platzierung bei RTL hinter alten „Mario Barth präsentiert…“-Folgen irgendwann Freitags nachts. Nun ja…

 

Aber auch die Tragfähigkeit des Konzepts hat sich bisher als durchaus robust erwiesen, denn die Kreativen haben bisher beinahe durchgehend sehr gute Ideen gehabt, um der Serie ausreichend Dynamik zu verpassen. Sogar mehr noch, für meinen Geschmack haben die Macher es sehr gut verstanden, immer noch eine Schippe drauf zu legen. So war der Beginn der dritten Staffel (ich nenne ihn mal die „Prison Break“-Passage) für meinen Geschmack der bislang stärkste Teil der gesamten Serie und wenn es in der Qualität weitergegangen wäre, dann hätte Earl hier sicherlich eine noch bessere Platzierung erreicht.
Doch leider ging es dann Mitte der dritten Season merklich bergab (wenn auch auf immer noch ziemlich hohem Niveau!). Ob dies jetzt nur am Autorenstreik lag oder ein generelles Problem war – mit der Pause durch eben jenen Streik kam es leider auch zu einem Bruch in der Serie und so wurde sich für meinen Geschmack einfach viel zu lange an diesem ganzen Koma-Arc aufgehalten, ja beinahe verzettelt. Auch wenn die grundsätzliche Idee gut war, und dadurch auch mal andere Figuren wie Randy in den Mittelpunkt gerückt wurden, so hätte man hier doch etwas straffen müssen. Zugegeben, eine der großartigsten Episoden überhaupt fällt immerhin in den Koma-Bereich: Killerball

 

Meine Bewertung: 8-9 von 10 Gabeln [für Season 3]

 

 

 

Californication



 

Ich rede hier gar nicht groß um den heissen Brei herum: Mit der Serie habe ich vor allem aus einem einzigen Grund angefangen – die Nacktszene von Madeline Zima! Madeline Zima ist vielleicht noch dem einen oder anderen bekannt aus der (bestimmt immer noch irgendwo laufenden) Serie „Die Nanny“ als jüngste Tochter der Familie. Ja genau, die kleine Gracie – die mittlerweile eine richtige „Perle“ ist. So sagt ihr jungen Leute doch!?

 

Na, wie dem auch sei. Die Zima war definitiv der Grund, warum ich mit der Serie angefangen habe – geblieben bin ich allerdings der hohen Qualität wegen.

 

[An dieser Stelle sei zur groben Einordnung mal erwähnt, dass wir hiermit den Sprung in meine Top 5 geschafft haben!]

 

Californication handelt von Autor Hank Moody (David Duchovny), der nach dem riesigen Erfolg seines Erstling-Romans an einer Schreibblockade leidet. Und nicht nur das, sondern er steht zudem vor den Trümmern seiner Ehe, leidet an Sex- und Alkoholsucht und hasst im Grunde alles um ihn herum. Schwere Kost also, die diese Showtime-Serie thematisiert – sollte man meinen…

 

Doch die Serie kommt erstaunlich leichtfüssig inszeniert daher, weiß durch eine Vielzahl an intelligenten und scharfen, gewitzten Dialogen zu überzeugen und hat darüber hinaus eine zwar sehr misanthropische, aber im besten Sinne zynische und durchaus liebenswerte Hauptfigur in der Tradition von Gregory House. Diese wird perfekt durch David Duchovny verkörpert, der hier mit Sicherheit die brillanteste Leistung seiner Karriere abliefert, und durch seine ungemein charismatische Ausstrahlung die Serie wohl schon alleine tragen könnte.

Aber auch darüber hinaus weiß Californication absolut zu überzeugen, denn es gelingt der Serie perfekt, die Balance zwischen Tragik und Komik zu halten, und so der Serie bei allem Humor ein ansprechendes Maß an Tiefe zu verleihen.

 

Aber natürlich kann man diese Serie nicht besprechen, ohne nicht auch kurz auf das Medienecho einzugehen. Denn, wie schon erwähnt, läuft Californication auf Showtime, einem Pay-TV-Sender, der es sich, wie auch HBO, bei seinen Produktionen erlauben kann, nackte Haut zu zeigen und Gebrauch von „bad language“ zu machen – was die Serie denn auch zur Genüge tut. Was dann selbstverständlich in den USA für die üblichen Protestbekundungen und Skandälchen gesorgt hat – in Deutschland würde die Serie dagegen wohl kaum für größeres Aufsehen sorgen. Doch schauen wir einfach mal, wie die PR-Kampagne ausschauen wird, wenn die Serie im Herbst bei RTL2 (!!) anlaufen wird.

Immerhin: Der Titelstreit um die Serie mit den Red Hot Chili Peppers hat es zu seiner Zeit zumindest schon mal teilweise in die hiesigen Medien geschafft – wenn auch nur am Rande.

 

Ich kann jedenfalls diese exzellente Serie nur empfehlen! Und wer sich nicht nur auf mein Urteil verlassen mag, der darf gerne auch mal bei RealityCheck im neueröffneten, aber schon jetzt sehr empfehlenswerten Sportmedienblog nachlesen, was er zu der Serie zu sagen hat.

 

Meine Bewertung: 9 von 10 Gabeln [für Season 1]

 

 

In der nächsten Episode sehen sie dann: Friends reloaded und eine Frau im Haifischbecken „Medienwirtschaft“

12 Kommentare

Eingeordnet unter Serientäter

12 Antworten zu “Hirngabels ultimativer Serienguide zur Season 07/08: My Name is Earl / Californication.

  1. Vollste Zustimmung zu „Californication“ – was ich mich da auf Season 2 freue. Allein dieser Satzteil Nacktszene von Madeline Zima wird dir übrigens viele Suchanfragen bescheren…😉

    „My Name is Earl“ fand ich in Season drei wirklich schwach. Leider würde bei mir mit Mühe und Not noch 7 Punkte bekommen – wenn überhaupt (ich weiß du hast alle Seasons bewertet und ich will mich auch nicht an den Punkten aufhängen, aber so hast du zumindest eine definitive Einschätzung von meiner Seite).

  2. Ich lag gestern schon im Bett, als mir einfiel „Verdanmmt, du hast bei diesem Eintrag vergessen, die bewerteten Seasons hinzuschreiben“.

    Auf jeden Fall gilt meine Bewertung durchaus exklusiv für die dritte Staffel von Earl. Wie schon geschrieben, die ersten 2/5 der Staffel fand ich überragend. Die ganze Knast-Passage fand ich wirklich brillant und hätte wohl zu einer Einstufung auf Platz 1 oder 2 in dieser Season geführt. Dann ging man über in die Koma-Episoden, die zu Beginn sehr gut waren, aber doch eben auf Dauer (speziell mit den Sitcom-Einsprengseln) etwas zerfaserten und viel von der eigentlichen Dynamik der Serie verloren hatten.
    Immerhin: Zwischendurch gab es Folgen, wie erwähnte „Killerball“, die wiederum fantastisch waren.

    Von daher hatte Season 3 zwar Qualitätsschwankungen drin, die man bisher so nicht kannte – aber dennoch war sehr viel mehr Licht als Schatten da, so dass ich meine Bewertung absolut vertreten kann. Okay, vielleicht wäre die Bewertung 7-9 treffender gewesen…

    Jap, auf die zweite Staffel von Californication freue ich mich ebenfalls schon sehr, bin gespannt, wie es da weitergehen wird. Finde es nur sehr schade, dass der Start diesmal nicht schon so früh stattfindet, wie im vergangenen Jahr, sondern jetzt mehr oder weniger parallel zum normalen Seasonstart.

    Der Satzteil war natürlich pure Kalkulation. =) Finde, das würde sich gut machen, nachdem die meisten Suchbegriffe bisher nur etwas für Terrorfahnder sind: Entweder haben sie mit „Einreise in die USA“ oder „Herstellung von Bomben“ zu tun… ^^

  3. Hihi, heute die in den Top10-Suchanfragen:

    „Madeline Zima Nacktszene Download“

    Das Internet ist sooo berechenbar… =)

  4. Mit der Serie habe ich vor allem aus einem einzigen Grund angefangen – die Nacktszene von Madeline Zima!

    Das trieb auch mich zur Serie. Fand sie ganz nett, aber nicht sonderlich überragend. Ganz im Gegenteil zu MNIE, die ich nach wenigen Folgen der 1. Staffel eingestellt habe, da sie mir gelinde gesagt „am Arsch“ vorbei ging. Aber man kann ja auch nicht alles mögen. Von schauen red ich gar nicht, denn da setzen bullion, mediensucht und du ja Maßstäbe😉

  5. Stimmt, alles kann man in der Tat nicht mögen. Aber Earl sollte man eigentlich schon mögen. =)
    Nee, kann ich schon ein wenig nachvollziehen – meinen Humor hat es halt voll getroffen.

    Nuja, so wenig schaust Du ja nun auch nicht wirklich, wenn Du schon Gossip Girl guckst…😉

  6. Ich schau glaub nur halb so viele Serie wie ihr Drei, da gibt’s ja kaum was im US-TV, das ihr euch entgehen lasst😉

  7. RTL hat My Name is Earl abgesetzt. War zu befürchten, hat die Serie aber nicht verdient.

    Quelle: Sat+Kabel

  8. Danke RC für den Hinweis! War in der Tat zu befürchten. Sollte jetzt „Alles Atze“ (in der wievielten Wiederholung??) tatsächlich auch noch bessere Quoten haben als Earl, dann hat es das deutsche Publikum einfach nicht besser verdient.

    Wobei RTL sich unter Umständen auch ein Quäntchen mehr hätte anstrengen können, damit die Serie vielleicht eine Chance gehabt hätte.

  9. Pingback: Californication « Mediensucht Weblog

  10. demiansinclair

    Bei Madeleine Zima muss ich passen, wenn es hier nicht erwähnt worden wäre, hätte ich keinen blassen Schimmer um wen es sich handelt?!

    Ich habe die Serie mit einiger Skepsis beäugt, weil ich David Duchovny ehrlich gesagt eine authentische Rolle fernab der X-files nicht zugetraut hätte.

    Gerne liess ich mich schnell eines Besseren belehren. Die Serie ist rasant gedreht, überaus dekadent ausgerichtet und als weiteres grosses Plus – von einem feinen Soundtrack unterlegt.

    Madeleine Zima hin oder her, auch die anderen female actors sind gar nicht so übel…😉

  11. demiansinclair

    Eine Anmerkung zu Earl kann ich mir dann auch nicht verkneifen: das Konzept fand ich anfänglich durchaus gewinnend. Leider driftet die Story alsbald in den Kitsch. Mit dem Mute der Verzweiflung (dem Sommerloch sei Dank) habe ich lange durchgehalten. Der Herbst spülte mir ein paar neuere Serien ins Haus, seitdem habe ich es nicht mehr geguckt…

  12. Naja, hab die X-Files nie wirklich geschaut und zudem hat Duchovny ja auch schon mit Filmrollen wie beispielsweise in Kalifornia sein Können unter Beweis gestellt – daher war ich da wenig skeptisch. Dennoch sicherlich eine absolut positive Überraschung insgesamt. Macht wirklich wahnsinnig viel Spaß.

    Und natürlich gibts da einige „Eye-Candies“ in der Serie – aber Madeline Zima ist da schon noch die Kirsche auf der Sahne. =)

    Bei Earl sehe ich es genau gegenteilig: Die große Stärke der Serie ist es meiner Meinung nach eben, dass man es genau vermeidet, dass die Serie ins Kitschige abdriftet. Bin da nach wie vor sehr angetan von der Serie, zumal man mittlerweile auch storytechnisch wieder einen vernünftigen Dreh hinbekommen hat mit der Geschichte um „Crabman“.

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