Hirngäbli #08 – Die unregelmäßige Kolumne zur Euro 2008

Le Fazit

Gut, ich mag so jetzt so ziemlich der letzte Mensch der Welt sein, der ein Fazit zu der vergangenen Europameisterschaft zieht und dies (zumindest mehr oder weniger) einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Aber okay, mit irgendwas muss man sich ja rühmen können und das Thema soll hier in diesem Blog zumindest ein Stück weit auch seinen Abschluss finden.

Das Problem ist dabei nur irgendwie: Gefühlsmäßig ist die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz schon ungefähr soweit weg wie der Confed-Cup 2005…

Klar, unter dem Strich war es ein wirklich cooles Turnier mit einigen hervorragenden Spielen und das letztendliche Abschneiden der deutschen Mannschaft war ja auch mehr als positiv zu bewerten. Eigentlich. Schließlich wären wir ja keine Deutschen, wenn wir das nicht doch alles relativieren müssten. Schließlich hat Deutschland zu oft nicht überzeugt, sogar ein Spiel gegen international höchsten 1b-klassige Kroaten. Okay, da war noch das begeisternde Spiel gegen Portugal. Aber wenn man mal ehrlich ist, dann hätte man da auch genauso gut verlieren können, wenn man nicht so viel Glück bei der eigenen Chancenauswertung und zudem hinten mehrfach am Gegentor vorbeigeduselt wäre.

Ohnehin waren wir insgesamt ja total davon begünstigt, dass wir die leichtere Hälfte des Tableaus hatten.
Neben den schwachen Portugiesen hatten wir es schließlich lediglich mit Polen, Kroatien, Österreich und der Türkei zu tun. Wohingegen z.B. die Spanier ja eine wesentlich schwierigere Hälfte hatten, mit den ganzen starken Teams aus Italien, Russland, Griechenland und Schweden…

Und überhaupt ist das deutsche Team eigentlich total Scheisse. Vor 2 Jahren trotz Heimvorteil schon früh im Halbfinale gescheitert und dieses Mal nur aufgrund von glücklichen Umständen gerade so ins Finale gerumpelt – das ist nun wirklich alles andere als eine erstklassige Bilanz.

Wenn man sich dann noch das Team im Detail anschaut, dann kann man für die kommenden Jahre eigentlich nur schwarz sehen.
Im Tor hatten wir mit Lehmann schon einen absoluten Fliegenfänger mit gelegentlichen Ausreissern nach oben stehen, der nun auch noch aller Voraussicht nach durch einen blutjungen Spieler ersetzt werden wird, der im Grunde gerade der F-Jugend entwachsen ist.

In der Abwehr hat schon dieses Mal die Innenverteidigung ein ums andere Mal gewackelt. Man konnte von Glück reden, dass z.B. die Portugiesen es lange Zeit fast nur mit Distanzschüssen probiert haben. Und auch auf den Aussenverteidigerpositionen kann höchstens ab und zu mal ein Lahm halbwegs erstklassigen Ansprüchen genießen – und das auch mehr in der Offensivbewegung als im Defensivverhalten. Damit hat er dann zumindest schon mal Arne Friedrich eins voraus – der ist nämlich nur in der Verteidigung aktiv, und das auf ähnlich schwachem Niveau.

Im Mittelfeld sieht es dann auch nicht besser aus, denn hier hat man einen dauernd rummeckernden Ballack, der nie ein Finale gewinnen wird. Und das ist dann schon das beste, was wir da haben. Ansonsten nur Mittelklasse und zwei Jungspunde, die beide vor allem beim Jubeln nach dem Spiel auffallen.
Gerade die Kreativabteilung MUSS hier Sorgen bereiten, denn es fehlt das spielerische Moment, die Überraschung im Spiel nach vorne.

Und im Sturm hätten wir dann noch ein paar Chancentode, die wir aber nicht austauschen können weil das was dahinter ist, noch viel schlimmer wäre. Ein Rentner, ein Haareschön-Typ und einer der schon ins Mittelfeld verbannt worden ist.

Eigentlich müsste man nach den herben Enttäuschungen in diesem Jahr und beim vorangegangenen Turnier den kompletten Kader austauschen – das Problem ist nur, dass dahinter nichts ist. Wer sollte da denn schon kommen? Ein paar überschätzte Leute, wie Helmes, Marin und Kroos, die von der heimischen Presse hochgeschrieben werden, weil sie versehentlich die eine oder andere auffällige Leistung in der international eher drittklassigen Bundesliga (oder sogar nur im Unterhaus) gezeigt haben.

Deutschland eine Fußballnation? Das ist wohl nur noch in den Träumen Ewiggestriger so.

Wer das ganze mal realistisch betrachtet, der muss einfach erkennen, dass Deutschland auf Jahre hinaus fußballerisch nicht mehr als eine Statistenrolle ausfüllen wird. Darüber können der dritte Platz bei einer Weltmeisterschaft und der Vizeeuropameistertitel nun wirklich nicht hinwegtäuschen!!

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