Hirngäbli #07 – Die unregelmäßige Kolumne zur Euro 2008

Nach einem kleinen mehrtägigen Bildausfall gibt es nun auch mal wieder an dieser Stelle ein paar Einschätzungen zu unser aller Lieblingsturnier. Schließlich stehen wir im FINALE!!!

 

Aber erst einmal ein kleiner Rückblick. Schließlich ist ein bisschen was passiert, seitdem ich hier das letzten Mal meinen Senf zu den Geschehnissen auf den grünen Rechtecken der beiden Alpenländer kundgetan habe. Und keine Sorge, es wird jetzt keine Spiel-für-Spiel-Analyse mehr geben. =)

 

Die restlichen Gruppenspiele

Das einprägsamste der letzten Spieltage war sicherlich der „Gigantenkampf“ zwischen den beiden WM-Finalisten in Gruppe C. Es war eine unterhaltsame Begegnung, wenngleich auch sicherlich nicht auf völlig hohem Niveau. Dies lag sicherlich zu nicht unerheblichen Teilen an den fiesen Rückschlägen, die die Franzosen direkt zu Beginn erleiden mussten mit dem Ausfall von Ribery (der sich dann ja zumindest als nicht so langwierig herausstellte) und dem Blackout von Abidal mit anschließendem Platzverweis und Elfmetergegentreffer. Und schwupps waren die Italiener wieder ganz oben auf der Mitfavoritenliste – etwas, was sich, wie so vieles bei diesem Turnier, schnell als Trugschluss erwähnen sollte…
Apropro Trugschluss: Ebenfalls sehr erinnerungswürdig war natürlich die Leistung der Niederländer, die auch bei ihrem dritten Auftritt in Gruppe C eine beeindruckende Offensivstärke gegen die zuvor überraschenden Rumänen an den Tag legten.
Achja, zu erwähnen ist selbstverständlich auch noch „Wien wird Cordoba“ – woraus dann doch nix wurde, sondern ein zu erwartender deutscher Sieg, der allerdings vorwiegend von Angst und Verunsicherung geprägt war. Aber wichtig war ja vor allem eins: Der Sieg und der damit verbundene Einzug ins

 

Viertelfinale

Ein Grund, warum ich in den vergangenen Tagen nicht mehr so viel zur EM geschrieben habe, war, dass ich insgesamt ein wenig genervt war. Weniger genervt vom Fußball an sich, sondern vor allem an dem, was so drumherum war. Zum einen nervte mich die furchtbare Bildregie, die schlechten Kommentatorenleistungen, der mehr als mäßige „Journalismus“ der deutschen Sender rund um die Spiele – aber ebenso nervte mich das Gemecker darüber. Und wenn ich hier was geschrieben hätte, dann wäre ich unweigerlich auf diese Themenbereiche gekommen. Eine Sache, die mich allerdings auch sehr nervte (und jetzt immer noch ein bisschen nervt), sind die Kommentare derer, die nach den überwiegend schwachen bis mäßigen Auftritten der deutschen Elf ihre Häme in diverse Foren und Blogs gekippt haben bzw. sämtliche bisherigen Leistungen nicht nur in Frage sondern teilweise direkt in Grund und Boden geredet haben. Das war mir einfach zu… typisch Deutsch (auch wenn ich diesen Ausdruck hasse).
Nun ja, mit dem Portugal-Spiel kam dann jedenfalls nicht nur die Begeisterung zurück, sondern auch eine gehörige Portion persönlicher Genugtuung, diesen Panikern gegenüber. Und das hätte meinem Posting hier dann sicherlich auch nicht gut zu Gesicht gestanden. Nun ja, jedenfalls war’s ein geiles Spieles, wenn sicherlich auch nicht alles perfekt war. Immerhin hat der Einsatz und natürlich die Effektivität gestimmt.
Der Einsatz und der unbändige Wille stimmte dann erst recht im zweiten VF bei den Türken. Gut, das war nun wirklich ein grauseliges Spiel – bis zur 117. Minute, wo dann plötzlich ein Gähnkick zu einer der denkwürdigsten Partien der vergangenen Jahrzehnte mutierte.
Denkwürdig war dann ebenfalls das nächste Viertelfinale – weniger aus spielerischen oder aus spannungstechnischen Gründen, sondern einfach, weil man wieder einmal beeindruckend demonstriert bekam, wie krass doch der Unterschied zwischen Gruppenphase und K.O.-Runde ist, und das man erst einmal mit der veränderten Drucksituation umgehen kann. Und so phlegmatisierten die Holländer plötzlich und wurden vom begeisternden Top-Favoriten zur Nullnummer, während die Russen plötzlich bei den Buchmachern nach oben schossen.
Im letzten Viertelfinale wurde dann der vierte Teilnehmer ausgerumpelt in einer ebenfalls höchst mäßigen Partie, in der die Spanier das weniger schwache Team waren und dann im Elfmeterschiessen den Einzug klarmachten.

 

Halbfinale

Und wieder kam vieles anders, als es erwartet worden war. Nach der starken Leistung im Viertelfinale wurden schließlich die Deutschen plötzlich zu den großen Favoriten, natürlich vor allem gegen das Überraschungsteam aus der Türkei, mit denen man in dieser Runde nun wahrlich nicht gerechnet hatte. Doch dann sah man wieder einmal, dass es im Fußball nun mal viel auf Psychologie ankommt. Denn die Deutschen schienen sich, analog zum Kroatienspiel, wieder einmal als sicherer Sieger zu fühlen und wurden einmal mehr von einem aggressiven Gegner zu Beginn quasi überrumpelt. Man konnte in den ersten Minuten quasi zuschauen, wie sich das Selbstvertrauen verflüchtigte und eine kaum gekannte Verunsicherung im ganzen Team um sich griff. Wieder einmal fehlte es vor allem an durchgängigem Attackieren im Mittelfeld, wo ich die Ursache auch schon beim Kroatienspiel ausgemacht habe.
Immerhin gelang es dem deutschen Team zumindest zeitweise den Schalter mal umzulegen, und den Türken auch in Sachen Aggressivität mal Paroli zu bieten. Wenn man es so will, kann man dies schon mal als Fortschritt gegenüber dem Kroatienspiel werten. Gerettet hat uns dann aber die Tatsache, dass es gelang, die Effizienz des Viertelfinals beizubehalten und auch in diesem Fall aus wenigen, sich bietenden Torchancen das zu machen, was man braucht: nämlich 1 Tor mehr als der Gegner. Das gibt zumindest Hoffnung fürs Finale…
Gegner dort werden die Spanier sein, die sich gestern mehr als deutlich gegen die Russen durchsetzen konnten – auch etwas, was man nach den Leistungen des Viertelfinals auch nicht unbedingt so erwarten musste.

 

Aber blicken wir doch mal voraus auf das

 

Finale

 

Deutschland gegen Spanien lautet die Paarung, etwas was trotz insgesamt recht überraschenden Turnierverlaufs nicht wenige vorher so auf ihrem Tippzettel stehen hatten. Betrachtet man die bisher gezeigten Leistungen, dann muss man sicherlich die Spanier als Favorit bezeichnen. Und, so paradox das klingen mag, werden wir dadurch irgendwie auch wieder zum Favoriten. Denn so sind vor allem die Spanier wohl Zugzwang, müssen sie doch das Spiel gestalten. Zudem kommt hinzu, dass die Spanier, trotz einer extrem langen niederlagenfreien Serie, sicherlich eine gehörige Portion Respekt vor Deutschland haben – unser Image haben wir schließlich auch im Laufe dieses Turniers wieder mal mehr als gut gepflegt.
Doch das ist natürlich vorwiegend Kaffeesatzleserei und Küchenpsychologie.

Letzten Endes wird es schließlich nur auf die Einstellung des Teams ankommen, dort wird der Schlüssel zum Erfolg liegen. Genauer gesagt, in der Defensivarbeit des Mittelfelds. Wenn es den Spielern, egal wer letztlich aufgestellt wird und in welchem System das geschieht, dort gelingt von Beginn an, dem spanischen Mittelfeld die Luft zum Atmen zu nehmen, am besten ähnlich dem Portugalspiel schon jenseit der Mittellinie den ballführenden Spanier unter Druck zu setzen – dann werden wir mehr als eine realistische Chance haben das Spiel für uns zu entschieden.
Gibt man aber, wie gegen Türkei und Kroatien, wieder freiwillig die Herrschaft des Mittelfelds an den Gegner ab, dann muss wieder sämtliche Abwehrarbeit an der Strafraumgrenze erledigt werden und das klappte schon mehr schlecht als recht in besagten Partien und wird wohl erst recht schwierig gegen die ballsicheren Spanier.

Schafft man es nicht wieder ein solches Forechecking zu leisten, dann stufe ich die Chancen eher gering ein. Denn dann sind wir wirklich nur von spanischen Fehlern abhängig und darauf angewiesen, dass man erneut eine solch gnadenlose Effizienz in der Offensive auf den Platz bringen kann.

So oder so, es wird ungemein spannend und ich freu mich schon wie Bolle auf das Finale!

2 Kommentare

Eingeordnet unter Ballgefühl

2 Antworten zu “Hirngäbli #07 – Die unregelmäßige Kolumne zur Euro 2008

  1. Ballack ist ein Arsch! Ist sich zu fein, das „Danke“-Schild mit anzufassen und streitet sich deshalb noch mit Bierhoff. Der Ballack wollte damals bei der WM schon nicht zur Fanmeile! TS!

  2. Hmm, das hab ich nicht wirklich mitbekommen. Das Problem mit Ballack ist, dass er sich meinetwegen ja gerne arrogant und “herrisch” geben darf – aber dann bitte auch bei gleichzeitiger Top-Leistung. Nur war das leider bei der EM zu selten der Fall. Gerade im Finale hat er mich doch, wie wohl die meisten, sehr enttäuscht.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s