Hirngäbli #05 – Die unregelmäßige Kolumne zur Euro 2008

Nach großem Kino gestern war heute Magerkost angesagt – immerhin sehr, sehr gut für meine Tipps…

 

Gruppe D

Schweden – Spanien 1:2 (1:1)

Spaß war heute eher ein Fremdwort. Die Spiele heute zu schauen, war eher eine Pflichtaufgabe für  zwanghafte Fußballergucker, wie mich. Immerhin hab ich die ersten 20 Minuten von SWE-ESP schon mal verpasst, da ich noch Einkaufen war – gut, damit sind mir ein Drittel aller Tore des heutigen Tages zwar entgangen, aber so schön war es ja nun auch wieder nicht (zugegeben, war eine schicke Eckballvariante, die sicherlich so ähnlich einstudiert war – nicht wahr, Herr Löw?!). Auf jeden Fall schien mit dem 1:0 von Torres alles seinen erwarteten Gang zu gehen, zumal die Spanier bis dahin auch ein klein wenig überlegen waren. Doch die folgenden 70 Minuten zeigten dann das, was ich schon in einer der vorangegangenen Kolumnen vermutet hatte: der glanzvolle Sieg der Spanier gegen Russland war weniger den -unbestreitbar vorhandenen- Offensivqualitäten der Spanier zuzuschreiben, sondern vielmehr dem stümperhaften Abwehrverhalten der Russen. Die Schweden traten heute hingegen ähnlich kompakt wie gegen Griechenland auf, wagten aber etwas mehr in der Vorwärtsbewegung – wenngleich man nun wahrlich nicht von einem Offensivfeuerwerk sprechen konnte. Dennoch beschränkten sie sich nicht nur darauf, das Mittelfeld dicht zu halten und die Spanier am Spielen zu hindern, sondern kamen gelegentlich zu durchaus gut gespielten Angriffen und deckten dabei auch, besonders deutlich natürlich vor dem Ausgleich durch (wen wohl?) Ibrahimovic, recht deutlich die Schwächen der spanischen Hintermannschaft auf. Sobald im Mittelfeld mal nicht energisch in den Spielaufbau des Gegners eingegriffen wurde, kam die spanische Abwehrreihe ein ums andere Mal in Verlegenheiten. Dadurch dass aber die Versuche an den Strafraum zu kommen nicht allzu häufig war und die Schweden zudem ein Qualitätsproblem im Sturm haben, war das dieses Mal nicht zu problematisch. Und als dann noch zur Halbzeit Ibrahimovic ausgewechselt wurde (bzw. werden musste) war dann auch eigentlich klar, dass die Spanier nicht verlieren würden. Wer sollte denn auch schon das Tor für die Schweden erzielen? Ein Rosenberg garantiert nicht, denn der schien sich heut ein Fernduell mit Charisteas zu liefern um den Titel des ineffektivsten und harmlosesten Stürmers der Gruppe D. Da fehlte völlig die Anbindung an das schwedische Spiel – und wurde er dann mal angespielt verlor er nahezu jedes Mal binnen Sekunden den Ball an einen spanischen Verteidiger.
Die Spanier, das muss man immerhin zugestehen, versuchten wenigstens auf Sieg zu spielen, besonders deutlich wurde das mit der Hereinnahme von Fabregas und Carloza, die nochmal etwas Bewegung in das zu Beginn der zweiten Hälfte extrem statische und einfallslose spanische Spiel brachten. Wohlgemerkt, wir sprechen hier von einer Steigerung auf ziemlich niedrigem Niveau. Und bis auf vereinzelte gute Angriffe, wo es mal gelang, das schwedische Mauerwerk aufzubrechen, sowie sehr seltene Konter der Schweden, gab es denn auch nicht mehr viel berichtenswertes über dieses Spiel zu sagen, abgesehen von einer Situation in Minute 62, wo Schiedsrichter Vink den nicht gegebenen Elfmeter für die Spanier wohl wieder gutmachen wollte und eine Situation weiterlaufen ließ in der Torhüter Isaakson, wenn auch unbeabsichtigt von einem spanischen Knie ausgeknockt wurde und sich für Torres dadurch eine Einschusschance auf das quasi leere Tor ergab, was er aber nicht nutzen konnte. Hier hätte klar unterbrochen werden müssen, deswegen kann man wohl sagen, dass dies -ein wenig- die Benachteiligung der Spanier in HZ 1 wieder ausgeglichen hat. Jedenfalls war die restliche halbe Stunde dann derart ereignisarm, dass alles auf ein Remis hinausläuft. Doch dann kam die Nachspielzeit, die Schweden waren unerklärlicherweise hinten völlig offen, und wie im Russlandspiel konnten die Spanier einen langen Ball auf rechts schlagen, wo dann Villa wieder seine Schnelligkeit und seine Technik ausspielen konnte, Hansson ziemlich alt aussehen ließ und, etwas glücklich, gegen Isaakson einnetzen konnte.
Schade eigentlich, denn bei einem Remis hätte die Tabellensituation dann der Gruppe wenigstens noch etwas zusätzliche Spannung und Dramatik verlieren. So aber bleibt die Gruppe D weiterhin die egalste Gruppe des Turniers und die Spanier dürfen sich über einen sicheren ersten Platz und auf das Viertelfinale gegen eines der drei nichtorangenen Teams aus Gruppe C freuen.
Die Schweden hingegen blicken nun einem Endspiel mit den Russen entgegen, in dem sie die etwas bessere Ausgangsposition haben, da ihnen auch ein Remis reichen würde.

Griechenland – Russland 0:1 (0:1)

Nehmen wir den positiven Aspekt des Spiels mal zuerst: Nach den Leistungen der Griechen, aber auch der Russen vom ersten Spieltag musste man hier ein furchtbares Spiel erwarten. Immerhin wurde es nur ein schlechtes Spiel, dass aufgrund der Unfähigkeiten beider Abwehrreihen doch zumindest einige größere Torchancen bot. Leider aber sind auch beide Sturmabteilungen qualitativ nicht einer Europameisterschaft würdig, so dass diese dann auch in schöner Regelmäßigkeit kläglich versiebt wurden. Besonders Charisteas tat sich hier hervor, der die Torgefahr einer Eckfahne ausstrahlte. Wenn er in Tornähe an den Ball kam, dann fühlte man sich fast so sicher wie die Gegner des FC Köln, wenn im Strafraum Matthias Scherz den Ball bekommt. Da sich aber auch die Russen nicht gerade als Anwärter auf einen Effektivitätspreis hervortaten brauchte es dann schon einen völlig planlosen Nikopolodis, der auf der Suche nach dem Ball im Strafraum herumirrte, als ob er sich kurz vorher ein Fläschchen Ouzo genehmigt hätte. Dass Zyryanov einnetzen konnte, war dann nur noch Formsache – schließlich stand er ca. 4 Meter vor dem leeren Tor, respektvoll aus der Distanz beobachtet von seinen Gegenspielern. Den Rest des Spiels kann man dann mit einem großen Äh beschreiben – Äh wie in Unfähigkeit.
Eigentlich müsste man nach dem Spiel sagen, dass diese beiden Teams nicht ins Viertelfinale gehören (bei den Griechen ist das ja nun auch schon ausgeschlossen) – blöderweise haben die Schweden bislang auch nicht gerade ein Bewerbungsschreiben aufgesetzt, sondern haben bislang auch vorwiegend durch Passivität, Destruktivität und Harmlosigkeit geglänzt. Man mag sich gar nicht ausmalen wollen, wie es gewesen wäre, wenn Ibrahimovic nicht wieder in die Nationalmannschaft zurückgekehrt wäre… Jedenfalls kommt es jetzt am Mittwoch zum Endspiel zwischen Russen und Schweden um den Einzug ins Viertelfinale – in dem man es dann wiederum mit den übermächtig erscheinenden Niederländern zu tun bekommt. Sollte es, durch irgendeinen dummen Zufall, die russische Mannschaft schaffen, dann wird mit einer so wackeligen Abwehr mit Sicherheit im Viertelfinale Schluss sein. Den Schweden würde ich hingegen noch zutrauen gegen Het Elftaal eine Chance zu haben – wenn sie es diesmal schaffen, die Abwehr bis in die Nachspielzeit hinein kompakt zu halten. Die Niederländer würden sich sicherlich mehr über die Russen als Gegner freuen, denn dort bekommt man sicherlich die Räume, die das eigene Spiel braucht.

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