Hirngäbli #06 – Die unregelmäßige Kolumne zur Euro 2008

Heute mal zwischen „Achtelfinale“ und goldener Ananas…

 

Gruppe A

Schweiz – Portugal 2:0 (0:0)

Zweimal Yakin sorgt mit einer schön rausgespielten Passkombination und einem sicher verwandelten Foulelfmeter (der nicht unbedingt hätte gegeben werden müssen) für den versöhnlichen Abschied der Schweizer vom Turnier und für Köbi Kuhn von der Nati(onalmannschaft). Damit ist es dann auch eigentlich schon zusammengefasst. War allerdings ein wirklich unterhaltsames Spiel für son „Goldene Ananas“-Spiel und wenn man ehrlich ist, dann hätten die Portugiesen eigentlich gewinnen müssen, haben sie doch ein Tor wegen Abseits (wars aber nicht) aberkannt bekommen und zudem auch einen Elfmeter nicht bekommen. Damit haben sie, zumindest in der ersten Halbzeit, auf jeden Fall trotz gleich 8 Wechseln in der Startformation eine respektable Leistung abgeliefert und das Spiel nicht einfach nur abgeschenkt. Und selbst in HZ 2 haben sie dann noch die eine oder andere Chance gehabt.
Was man aber auch festhalten muss ist, dass die Portugiesen wieder mal durch einige Unbeherrschtheiten und brutales Spiel aufgefallen sind. Ein bis zwei Situationen wo man dem Gegner ins Gesicht schlug, zudem auch noch ein, zwei harte Grätschen, vor allem von Ferreira gegen Behrami, wo eine rote Karte hätte fallen können. Immerhin konnte der Schweizer dann doch noch weiterspielen.
Und das ist dann schon ganz interessant im Hinterkopf für ein mögliches Viertelfinale GER-POR zu behalten, dass die Portugiesen wieder mal so heissblütig/undiszipliniert sind, obwohl es eigentlich um gar nichts ging.
Aus spielerischer Sicht war die Begegnung dank der völlig „verfälschten“ Aufstellung natürlich ein Muster ohne Wert, da man hieraus natürlich wenig Schlüsse für ein mögliches Viertelfinale ziehen kann. Ich bin allerdings eher ein Vertreter derjenigen, dass es nicht unbedingt gut sein muss, den Kader komplett auszutauschen mittendrin – so von wegen aus dem Tritt kommen und so… Aber wir werden sehen; erstmal sind wir in Zugzwang morgen…

Türkei – Tschechien 3:2 (0:1)

Nach dem enttäuschenden Auftritt der Türken im ersten Spiel gegen Portugal scheinen sie mittlerweile zum Garant für die spektakulärsten Begegnungen dieser EM zu werden. War bis heute abend noch das Duell mit den Schweizern die wohl intensivste Begegnung des bisherigen Turniers. Was sich hier abspielte kann wohl kein Drehbuchautor besser entwerfen (um mal eine Standardphrase des Spielberichtswesens zu benutzen…).
In der ersten Halbzeit waren die Tschechen die um Klassen bessere Mannschaft und dominierten das Spiel weitestgehend nach Belieben, wohingegen die Türken kaum einen Fuß auf den Boden bekamen und so auch völlig zurecht 0:1 durch einen tollen Kopfballtreffer von Koller, der völlig überraschend aufgeboten wurde, hinten lagen. Dann kam die Pause. Dann der Wiederanpfiff. Tja, und dann der Regen. Und was sich nun entwickeln sollte war sicherlich etwas, was man getrost als „le-gen-da-ry“ bezeichnen kann!
Die Türken waren völlig verändert und spielten jetzt die Tschechen ihrerseits völlig an die Wand, eine Flanke nach der anderen flog von den Seiten in den Strafraum rein und der Ausgleich lag aber mal sowas in der Luft. Die Tschechen hingegen sahen im Regen von Genf überhaupt kein Land mehr und kamen nicht einmal gefährlich vors gegnerische Tor. Zumindest bis zur 62. Minute wo man glücklicherweise wegen Verletzung in Überzahl war und 2 höchst gefährliche Konter fuhr, von denen einer dann durch Plasil erfolgreich abgeschlossen wurde.
Dies schien dann der endgültige Todesstoß für die Türken gewesen zu sein, bei denen hernach für gut 10 Minuten wieder nix mehr zusammenlief. Wohl nicht wenige Experten (oder diejenigen, die sich dafür halten, wie ich) hatten zu diesem Zeitpunkt dann wohl mit dem Spiel abgeschlossen und sich auf eine ruhige Hupkonzertfreie Nachtruhe gefreut. Doch plötzlich kam dann doch mal ein Angriff durch und plötzlich war der Ball dank Arda drin und die Türken schnupperten wieder Morgenluft, fingen wieder an zu drücken und glaubten plötzlich wieder an ihre Chance.
Und war es in der ersten Halbzeit noch „ausgerechnet“ Koller, der den Führungstreffer erzielte, war es dann in der 87. „ausgerechnet“ der sonst so großartige Peter Cech der eine hohe Reingabe von aussen nicht richtig festhalten/raushauen konnte, so dass er Nihat genau auf den Fuß tropfte, der dann nur noch vollstrecken musste.
So schien es dann also, dass es tatsächlich zu dem Novum kommen würde, von dem vorher alle sprachen: Die Entscheidung durch Elfmeterschiessen in einem Gruppenspiel. Doch das berühmt-berüchtigte „Momentum“ war auf Seiten der Türken, die dann erneut eine Chance von der mittlerweile völlig auseinanderbrechenden Defensive der Tschechen bekamen und dank eines tollen Distanzschusses von Nihat genau unter die Latte das Spiel unfassbarerweise tatsächlich noch drehen konnten.
Aber in dem Spiel war dann immer noch nicht Schluss, denn auch die Tschechen warfen dann nochmal alles nach vorne – und Volkan den Koller um. Es gab Rot und dank der vorherigen Ausschöpfung des Wechselkontingents musste tatsächlich mit Tuncay noch ein Feldspieler rein. Leider, leider schafften es die Tschechen dann aber nicht mehr den Ball vor das Tor der Türken zu bekommen, zumal der eigentlich sehr gute Schiedsrichter das Spiel dann doch relativ früh abpfiff. So bekamen wir dann doch kein Elfmeterschiessen gegen einen Feldspieler im Tor zu sehen. Wäre sicherlich ein toller Abschluss dieses geilen Spiels gewesen.
Und jetzt geh ich mir Ohropax suchen, damit ich bei dem ganzen Gehupe hier in Köln-Kalk wenigstens noch ein bisschen Ruhe vor dem morgigen Österreich-Tag zu finden…

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