Hirngäbli #04 – Die unregelmäßige Kolumne zur Euro 2008

Ein toller Fußballtag liegt hinter uns…

 

Gruppe C

Italien – Rumänien 1:1 (0:0)

Nach den Leistungen dieser beiden Teams in ihren ersten Gruppenspiel war die Erwartungshaltung an die fußballerische Qualität dieser Begegnung freundlich gesagt begrenzt. Die Italiener wurden phasenweise völlig demontiert von den Niederländern und die 11 rumänischen Spieler beschränkten sich gegen die Franzosen auf ein geschicktes Besetzen der Räume, die bis zu 30 Metern vom eigenen Tor entfernt waren.
Heute war dies glücklicherweise aber alles anders. Die Italiener hatten zwar immer noch alles andere als eine stabile Defensive, aber sie schienen recht gut erholt von der desaströsen EM-Premiere und zeigten phasenweise durchaus ein gutes Aufbauspiel und hatten in der Offensive beinahe ein Dutzend hochkarätiger Chancen, aus denen man gut und gerne 5 Tore hätte machen müssen.
Doch auch die Rumänen schienen irgendwann in den vergangenen vier Tagen entdeckt zu haben, dass das Rasenkarree jenseits der Mittellinie ebenfalls bespielt werden darf. Und so hatten auch sie mehrfach gute Chancen und waren ihrerseits mehrfach nah daran den Führungstreffer zu erzielen – bis es dann in der 55. Minute tatsächlich soweit war und Mutu -nach kapitalem Schnitzer von Zambrotta- den Führungstreffer machen konnte. Zugegeben, eigentlich hätte es nur der Ausgleich sein dürfen, denn Toni hatte kurz vor der Pause das 1:0 für die Italiener erzielt, wurde aber vom Assistent in einer schwierigen Situation fälschlicherweise als Abseits bewertet. Aber so müssen halt auch mal die Italiener mit Fehlentscheidungen zu ihren Ungunsten leben (ich sag nur Australien ’06). Zumal ja dann im direkten Gegenzug zum Treffer der Rumänen nach einem Eckball der Ausgleich durch Panucci fiel.
Dass es dann doch nur bei zwei Törchen in diesem kurzweiligen und unterhaltsamen Spiel blieb, lag neben der Unfähigkeit und dem Pech der Stürmer aber vor allem an zwei großartig aufgelegten Torhütern. Buffon war schon stark und hatte mit dem gehaltenen Elfer in der Schlussphase natürlich die dramatischste Situation auf seiner Seite (wobei auch nicht stark geschossen von Mutu), aber eigentlich war Lobont, der Keeper der Rumänen, der eigentliche Star dieses Spiels. Was der an geilen Paraden, phasenweise im Minutentakt, rausgehauen hat, das war wirklich eine Pracht. Das hat schon echt Spaß gemacht und die beeindruckende Leistung von Boruc im gestrigen Abendspiel noch mal in den Schatten gestellt.
Noch ein abschließendes Wort zum Elfmeter: Meiner Meinung nach durchaus berechtigt, denn Panucci DARF nicht den Arm derart im Würgegriff um den Hals des Rumänen legen – damit zwingt man den Schiedsrichter fast auf den Punkt zu zeigen. Beschwerden waren in dieser Situation wirklich nicht angebracht.

Niederlande – Frankreich 4:1 (1:0)

Was ein Spiel! Nach der starken Leistung der Holländer im ersten Spiel, die ich aber -scheinbar fälschlicherweise- vor allem auf die Schwächen der Italiener zurückgeführt habe, demonstrierten sie heute schon wieder ihre beeindruckende Offensivstärke und fidelten nach dem Weltmeister auch noch den Vize-Weltmeister mit drei Toren Unterschied ab. Das war schon wirklich eine Hausnummer! Und doch war es diesmal ein komplett anderes Spiel, denn trotz eines frühen Rückstandes (nach unterirdischem Stellungsspiel bei einem Eckball) spielten die Franzosen sehr ansehnlich mit und übernahmen im Grunde zwischen der 20. und 59. nicht nur die Initiative sondern dominierten mit zunehmender Dauer das Spiel immer, waren sogar mehrfach ganz knapp am Ausgleich dran. Tja, bis dann wieder das fantastische Konterspiel der Orangenen zuschlug und mehr oder weniger aus dem Nichts das 2:0 erzielt werden konnte. Doch die Franzosen ließen sich davon nicht brechen, kämpften weiter und konnten nach einer guten Aktion vom eigentlich schwachen Sagnol das 1:2 durch den eigentlich schwachen Henry erzielen. Jetzt, so dachte ich, wird es noch mal richtig spannend! Doch dann kam Robben und machte ein Tor, das eigentlich unmöglich erschien – heisser Kandidat für das Tor des Turniers. Danach versuchte Frankreich zwar nochmal ein bisschen was, aber das war dann doch zuviel für die Moral der Franzosen und so plätscherte das Spiel gen Ende hin dann etwas aus. Bis dann wieder Sneijder kam und mit einem traumhaften Distanzschuss aus 18 Metern direkt unter die Latte den Schlusspunkt setzte. Geiler Kick und die Holländer dürfen sich als sicherer Gruppenerster über den Viertelfinaleinzug freuen.

Doch nach soviel Kunst auf dem Platz werden jetzt vor allem zwei Dinge gebraucht: Der Rechenschieber und das Regelbuch.
1. Schlägt Rumänien, wie schon in der Qualifkation, wieder die Niederlande, dann ist es ganz einfach: Rumänien zieht als Gruppenzweiter ins Viertelfinale ein (und wird sich dort aller Voraussicht nach mit den Spaniern duellieren dürfen)
2. Spielt Rumänien Unentschieden, dann müssen sie hoffen, dass FRA-ITA Remis ausgeht, ansonsten kommt der Sieger weiter.
3. Verliert Rumänien wird es kompliziert:
a) FRA oder ITA gewinnen, der Sieger kommt weiter.
b) FRA-ITA spielen Unentschieden. Hier sollte man wissen, dass NICHT das Torverhältnis das entscheidende Kriterium ist, sondern der direkte Vergleich. Da untereinander alle Unentschieden gespielt haben käme es in diesem Fall auf die Zahl der erzielten Tore an und hier hätte Frankreich das Nachsehen, da man 0:0 gegen Rumänien spielte und daher automatisch hinter den Italienern stehen würde.
– Spielen FRA-ITA also 1:1 oder höher wäre dann also Italien dank der mehr erzielten Tore weiter
– Spielen FRA-ITA aber 0:0, dann wäre zwischen Rumänien und Italien im direkten Vergleich alles identisch und es käme drauf an, wie hoch Rumänien gegen die Niederlande verliert. Mehr als drei Tore Abstand wären tödlich für Rumänien. Ein 0:3 wäre ebenfalls tödlich, da dann der UEFA-Koeffizient zum Tragen käme, schließlich wären alle anderen Kriterien gleich – und da hat Italien mit 2,364 gegenüber Rumänien einen leichten Vorteil (2,250 – genauso wie im Übrigen Deutschland). Jeder andere Niederlage mit 3 Toren Rückstand würde allerdings für Rumänien wieder reichen, hätte man dann schließlich mehr erzielte Tore als die Italiener.

Damit dürfte ich dann, glaube ich, alle Eventualitäten abgedeckt haben – und wahrscheinlich wird es sowieso irgendwie anders ausgehen und der Rechenschieber muss gar nicht bemüht werden. Witzig ist es aber allemal, dass es die Konstellation hergeben würde, dass ein Team mit mageren 2 Pünktchen die Qualifikation fürs Viertelfinale schaffen könnte – und das wäre schon kurios.
Sicher ist aber nur eins: Die Spiele am Dienstag abend werden hochspannend! Ist wirklich eine tolle EM bislang, fehlt nur noch die positive Stimmung durch mehr Erfolge der deutschen Elf…

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7 Kommentare

Eingeordnet unter Ballgefühl

7 Antworten zu “Hirngäbli #04 – Die unregelmäßige Kolumne zur Euro 2008

  1. Ja, die Deutschen! Das wird ein richtiges Endspiel am Montag und ich werde es mir, wenn alles gut geht, live anschauen … 😀

  2. Live wie in dem Satz „Ich habe eine Karte um es live im Stadion zu sehen“???

  3. Arsch! (Bei mir hats mit dem Kroatienspiel leider nicht geklappt… war aber wohl auch besser so)

  4. Arsch? Angenehm, Mediensucht! 😀

    Naja, ich kenne da jemanden, der jemanden kennt …

    Und ich hoffe, das wird nicht peinlich! Na immerhin wäre ich dann beim zweiten Cordoba dabei gewesen! ^^

  5. Uuuh, er hat das C-Wort gesagt. Das geht doch nu mal gar nicht! ARD & ZDF schaffen ja schon keine halbe Stunde Vorberichterstattung, um das mindestens einmal zu erwähnen oder direkt Edi Fingers Kommentar zu zitieren, einzuspielen oder in irgendeinem Einspieler zu verarbeiten… Furchtbar einfallslos…

    Nun ja, freu mich für Dich und bitte sorg dafür, dass unsere Elf zum Sieg gepeitscht wird! =)

  6. Ich wollte eigentlich auch nicht in die Versuchung kommen, das C-Wort zu verwenden. Aber irgendeinen psychologischen Ausweg muss man sich ja für den „Worst Case“ schaffen! Aber: Wird schon! 😉

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