Hirngäbli #02 – Die unregelmäßige Kolumne zur Euro 2008

Nun ist er also zu Ende, der erste Spieltag, und wir können ein wenig klarer sehen…

 

Gruppe D

Spanien – Russland 4:1 (2:0)

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich Russland vor dem Turnier als ziemlich stark eingeschätzt hatte. Vielleicht war ich da etwas geblendet vom Abschneiden Zenit St. Petersburgs im UEFA-Cup, denn das was die Russen heute zeigten war sehr enttäuschend bezogen auf meine Erwartungshaltung. Zugegeben, ich hab im Grunde nur die zweite Halbzeit gesehen und da war dann schon eine Vorentscheidung gefallen – aber dennoch war das unpräzise Passspiel in der Offensive, das mangelhafte Stellungsspiel in der Defensive und vor allem das beinahe völlig fehlende Tempo im Aufbau- und Konterspiel schon beinahe eine Bankrotterklärung, die ein Errreichen des Viertelfinals eigentlich für illusorisch erscheinen lässt. (Eigentlich: denn danach kam ja noch der Anti-Fußball von Griechenland und Schweden)
Die Spanier auf der anderen Seite sind jetzt natürlich „Favorit des Tages“ nachdem sie, vorwiegend in Halbzeit eins, ein blitzsauberes, überfallartiges Konterspiel gezeigt haben, dass in seiner Anlage schon ziemlich an den gestrigen Auftritt der Holländer erinnert hat. Der Unterschied nur, dass die Niederländer gestern den tendentiell stärkeren Gegner hatten und vor allem hab ich halt noch im Hinterkopf wie begeisternd der erste Auftritt der Spanier 2006 war – und wie bescheiden man dann letzten Endes abgeschnitten hat. Gespannt bin ich dann darauf, wie effektiv sie mit den Steilpässen in die Spitze gegen die voll auf Zerstörung ausgerichteten Schweden und Griechen sein können. Deren Abwehrreihen sahen zwar heut auch alles andere als stabil aus, aber es ist doch wesentlich harter zu knacken, als das luftige Gebilde der Russen, die zumindest versuchten aktiv ins Spiel einzugreifen.

Griechenland – Schweden 0:2 (0:0)

Eigentlich habe ich keine große Lust mich mit diesem Spiel noch ausgiebig auseinanderzusetzen, dass mich sogar dazu getrieben hat, einfach mal so Alkohol zu mir zu nehmen… Eigentlich fing es recht viel versprechend an. Die ersten 10 Minuten waren intensiv geführt und es schien zwar schon auf eine Abwehrschlacht hinauszulaufen – aber eben zumindest auf eine Schlacht. Aber mit zunehmender Spieldauer wurde das Fußballspielen immer mehr eingestellt, und man richtete sich immer mehr wie auf einer Taktiktafel ein: Die Griechen standen hinten dicht gestaffelt in ihrer Hälfte drin, mit Gekas ohne irgendeine Bindung ans restliche Spiel in vorderster Front. Und davor ein sturer schwedischer Dreireiher (442), der sich nicht traute rauszurücken, um dem Europameister ja keine Möglichkeit zu geben, mit einem Glückskonter mal vors gegnerische Tor zu gelangen. Streckenweise war es echt ein Spiel nach dem Motto „Stell dir vor es ist Fußball und keiner spielt mit….“.
Auch in Halbzeit zwei ging dieser Gruselkick dann weiter, bis die Schweden dann plötzlich mal auf den Gedanken kamen, dass man gegen die ältlichen Abwehrriesen doch mal mit schnellem Kurzpassspiel etwas reissen könnte – und schwupps war dann auch der erste Distanzschuss dieser EM im Tor nach einem feinen Doppelpässchen zwischen Ibrahimovic und Larsson. Und als dann noch das 2:0 kurz darauf mehr oder weniger reingestolpert wurde, obwohl man eigentlich schon für die Unfähigkeit zwei Sekunden vorher hätte bestraft werden müssen, war das Spiel dann im Grunde auch durch. Bis auf ein paar Krämpfe passierte nicht mehr viel.
Während ich von den Griechen bei dieser Partie eigentlich nichts anderes erwartet hatte als pure Defensive, war ich von den weitgehend ratlosen, unkreativen und oft feigen Schweden doch ziemlich enttäuscht. Nichtsdestotrotz werden die 3 Punkte Gold wert sein und wenn die Russen keine Leistungsexplosion hinlegen sollten, könnte es für die Schweden wohl für die Viertelfinale reichen – wo sie dann von den Holländern (oder wer auch immer Gruppe C gewinnen wird) zerlegt werden, wie annodazumal gegen Deutschland.

 

Nachdem nun also alle Teams einmal 90 Minuten über die alpinen Rasenflächen traben durften sind wir alle etwas schlauer – oder eben auch nicht. Die Anzeichen deuten auf jeden Fall klar dahin, dass es in der einen Hälfte des Tableaus (Gruppen A und B) auf das von den meisten vorher erwartete Halbfinale zwischen Deutschland und Portugal hinauslaufen wird. Alles andere, soweit kann man sich wohl aus dem Fenster hinauslehnen, wäre wohl mehr als eine Überraschung nach den Eindrücken vom Wochenende.

Für das andere Halbfinale sind nach gestern und heute wohl Spanien und die Niederlande die Favoriten – aber wie ich in meinen beiden Texten schon angedeutet habe, glaube ich trotz der zwei Glanzleistungen gegen Italien bzw. Russland nicht an einen solchen klaren Durchmarsch. Aber wir werden sehen und ich werde mich dann vermutlich gegen Wochenende wieder hier melden.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Ballgefühl

2 Antworten zu “Hirngäbli #02 – Die unregelmäßige Kolumne zur Euro 2008

  1. Schöne Spielzusammenfassungen sind das. Insgesamt sind wir da auch einer Meinung, wobei ich den Sieg der Holländer schon erwartet habe. Bei vorigen Turnieren hätte ich dagegen nicht erwartet, dass Holland so abkackt und Italien sogar WM wird (obwohl ich das sogar getippt hatte). Für mich läuft diese EM also relativ erwartungsgemäß, was mich auch ziemlich freut. Weiter so!

    p.s.: Habe jetzt doch das olle Vista auf meinem Notebook mit XP ersetzt. Vista hat nur noch genervt. Blrx!

  2. Danke für das Kompliment. War mir vorher wirklich nicht so sicher, was ich von den Holländern halten sollte, aber das war dann doch schon offensiv a la bonheur! Dennoch bin ich gespannt, wie morgen der zweite Spieltag dieser Gruppe abläuft.

    Mit dem „erwartungsgemäß“ hat sich das dagegen wohl heute erstmal erledigt… Werd mich dazu wohl nachher äussern, wenn der Frust verdaut ist…

    PS: Sag ich ja. =)

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