Monatsarchiv: Juni 2008

Hirngäbli #07 – Die unregelmäßige Kolumne zur Euro 2008

Nach einem kleinen mehrtägigen Bildausfall gibt es nun auch mal wieder an dieser Stelle ein paar Einschätzungen zu unser aller Lieblingsturnier. Schließlich stehen wir im FINALE!!!

 

Aber erst einmal ein kleiner Rückblick. Schließlich ist ein bisschen was passiert, seitdem ich hier das letzten Mal meinen Senf zu den Geschehnissen auf den grünen Rechtecken der beiden Alpenländer kundgetan habe. Und keine Sorge, es wird jetzt keine Spiel-für-Spiel-Analyse mehr geben. =)

 

Die restlichen Gruppenspiele

Das einprägsamste der letzten Spieltage war sicherlich der „Gigantenkampf“ zwischen den beiden WM-Finalisten in Gruppe C. Es war eine unterhaltsame Begegnung, wenngleich auch sicherlich nicht auf völlig hohem Niveau. Dies lag sicherlich zu nicht unerheblichen Teilen an den fiesen Rückschlägen, die die Franzosen direkt zu Beginn erleiden mussten mit dem Ausfall von Ribery (der sich dann ja zumindest als nicht so langwierig herausstellte) und dem Blackout von Abidal mit anschließendem Platzverweis und Elfmetergegentreffer. Und schwupps waren die Italiener wieder ganz oben auf der Mitfavoritenliste – etwas, was sich, wie so vieles bei diesem Turnier, schnell als Trugschluss erwähnen sollte…
Apropro Trugschluss: Ebenfalls sehr erinnerungswürdig war natürlich die Leistung der Niederländer, die auch bei ihrem dritten Auftritt in Gruppe C eine beeindruckende Offensivstärke gegen die zuvor überraschenden Rumänen an den Tag legten.
Achja, zu erwähnen ist selbstverständlich auch noch „Wien wird Cordoba“ – woraus dann doch nix wurde, sondern ein zu erwartender deutscher Sieg, der allerdings vorwiegend von Angst und Verunsicherung geprägt war. Aber wichtig war ja vor allem eins: Der Sieg und der damit verbundene Einzug ins

 

Viertelfinale

Ein Grund, warum ich in den vergangenen Tagen nicht mehr so viel zur EM geschrieben habe, war, dass ich insgesamt ein wenig genervt war. Weniger genervt vom Fußball an sich, sondern vor allem an dem, was so drumherum war. Zum einen nervte mich die furchtbare Bildregie, die schlechten Kommentatorenleistungen, der mehr als mäßige „Journalismus“ der deutschen Sender rund um die Spiele – aber ebenso nervte mich das Gemecker darüber. Und wenn ich hier was geschrieben hätte, dann wäre ich unweigerlich auf diese Themenbereiche gekommen. Eine Sache, die mich allerdings auch sehr nervte (und jetzt immer noch ein bisschen nervt), sind die Kommentare derer, die nach den überwiegend schwachen bis mäßigen Auftritten der deutschen Elf ihre Häme in diverse Foren und Blogs gekippt haben bzw. sämtliche bisherigen Leistungen nicht nur in Frage sondern teilweise direkt in Grund und Boden geredet haben. Das war mir einfach zu… typisch Deutsch (auch wenn ich diesen Ausdruck hasse).
Nun ja, mit dem Portugal-Spiel kam dann jedenfalls nicht nur die Begeisterung zurück, sondern auch eine gehörige Portion persönlicher Genugtuung, diesen Panikern gegenüber. Und das hätte meinem Posting hier dann sicherlich auch nicht gut zu Gesicht gestanden. Nun ja, jedenfalls war’s ein geiles Spieles, wenn sicherlich auch nicht alles perfekt war. Immerhin hat der Einsatz und natürlich die Effektivität gestimmt.
Der Einsatz und der unbändige Wille stimmte dann erst recht im zweiten VF bei den Türken. Gut, das war nun wirklich ein grauseliges Spiel – bis zur 117. Minute, wo dann plötzlich ein Gähnkick zu einer der denkwürdigsten Partien der vergangenen Jahrzehnte mutierte.
Denkwürdig war dann ebenfalls das nächste Viertelfinale – weniger aus spielerischen oder aus spannungstechnischen Gründen, sondern einfach, weil man wieder einmal beeindruckend demonstriert bekam, wie krass doch der Unterschied zwischen Gruppenphase und K.O.-Runde ist, und das man erst einmal mit der veränderten Drucksituation umgehen kann. Und so phlegmatisierten die Holländer plötzlich und wurden vom begeisternden Top-Favoriten zur Nullnummer, während die Russen plötzlich bei den Buchmachern nach oben schossen.
Im letzten Viertelfinale wurde dann der vierte Teilnehmer ausgerumpelt in einer ebenfalls höchst mäßigen Partie, in der die Spanier das weniger schwache Team waren und dann im Elfmeterschiessen den Einzug klarmachten.

 

Halbfinale

Und wieder kam vieles anders, als es erwartet worden war. Nach der starken Leistung im Viertelfinale wurden schließlich die Deutschen plötzlich zu den großen Favoriten, natürlich vor allem gegen das Überraschungsteam aus der Türkei, mit denen man in dieser Runde nun wahrlich nicht gerechnet hatte. Doch dann sah man wieder einmal, dass es im Fußball nun mal viel auf Psychologie ankommt. Denn die Deutschen schienen sich, analog zum Kroatienspiel, wieder einmal als sicherer Sieger zu fühlen und wurden einmal mehr von einem aggressiven Gegner zu Beginn quasi überrumpelt. Man konnte in den ersten Minuten quasi zuschauen, wie sich das Selbstvertrauen verflüchtigte und eine kaum gekannte Verunsicherung im ganzen Team um sich griff. Wieder einmal fehlte es vor allem an durchgängigem Attackieren im Mittelfeld, wo ich die Ursache auch schon beim Kroatienspiel ausgemacht habe.
Immerhin gelang es dem deutschen Team zumindest zeitweise den Schalter mal umzulegen, und den Türken auch in Sachen Aggressivität mal Paroli zu bieten. Wenn man es so will, kann man dies schon mal als Fortschritt gegenüber dem Kroatienspiel werten. Gerettet hat uns dann aber die Tatsache, dass es gelang, die Effizienz des Viertelfinals beizubehalten und auch in diesem Fall aus wenigen, sich bietenden Torchancen das zu machen, was man braucht: nämlich 1 Tor mehr als der Gegner. Das gibt zumindest Hoffnung fürs Finale…
Gegner dort werden die Spanier sein, die sich gestern mehr als deutlich gegen die Russen durchsetzen konnten – auch etwas, was man nach den Leistungen des Viertelfinals auch nicht unbedingt so erwarten musste.

 

Aber blicken wir doch mal voraus auf das

 

Finale

 

Deutschland gegen Spanien lautet die Paarung, etwas was trotz insgesamt recht überraschenden Turnierverlaufs nicht wenige vorher so auf ihrem Tippzettel stehen hatten. Betrachtet man die bisher gezeigten Leistungen, dann muss man sicherlich die Spanier als Favorit bezeichnen. Und, so paradox das klingen mag, werden wir dadurch irgendwie auch wieder zum Favoriten. Denn so sind vor allem die Spanier wohl Zugzwang, müssen sie doch das Spiel gestalten. Zudem kommt hinzu, dass die Spanier, trotz einer extrem langen niederlagenfreien Serie, sicherlich eine gehörige Portion Respekt vor Deutschland haben – unser Image haben wir schließlich auch im Laufe dieses Turniers wieder mal mehr als gut gepflegt.
Doch das ist natürlich vorwiegend Kaffeesatzleserei und Küchenpsychologie.

Letzten Endes wird es schließlich nur auf die Einstellung des Teams ankommen, dort wird der Schlüssel zum Erfolg liegen. Genauer gesagt, in der Defensivarbeit des Mittelfelds. Wenn es den Spielern, egal wer letztlich aufgestellt wird und in welchem System das geschieht, dort gelingt von Beginn an, dem spanischen Mittelfeld die Luft zum Atmen zu nehmen, am besten ähnlich dem Portugalspiel schon jenseit der Mittellinie den ballführenden Spanier unter Druck zu setzen – dann werden wir mehr als eine realistische Chance haben das Spiel für uns zu entschieden.
Gibt man aber, wie gegen Türkei und Kroatien, wieder freiwillig die Herrschaft des Mittelfelds an den Gegner ab, dann muss wieder sämtliche Abwehrarbeit an der Strafraumgrenze erledigt werden und das klappte schon mehr schlecht als recht in besagten Partien und wird wohl erst recht schwierig gegen die ballsicheren Spanier.

Schafft man es nicht wieder ein solches Forechecking zu leisten, dann stufe ich die Chancen eher gering ein. Denn dann sind wir wirklich nur von spanischen Fehlern abhängig und darauf angewiesen, dass man erneut eine solch gnadenlose Effizienz in der Offensive auf den Platz bringen kann.

So oder so, es wird ungemein spannend und ich freu mich schon wie Bolle auf das Finale!

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Hirngäbli #06 – Die unregelmäßige Kolumne zur Euro 2008

Heute mal zwischen „Achtelfinale“ und goldener Ananas…

 

Gruppe A

Schweiz – Portugal 2:0 (0:0)

Zweimal Yakin sorgt mit einer schön rausgespielten Passkombination und einem sicher verwandelten Foulelfmeter (der nicht unbedingt hätte gegeben werden müssen) für den versöhnlichen Abschied der Schweizer vom Turnier und für Köbi Kuhn von der Nati(onalmannschaft). Damit ist es dann auch eigentlich schon zusammengefasst. War allerdings ein wirklich unterhaltsames Spiel für son „Goldene Ananas“-Spiel und wenn man ehrlich ist, dann hätten die Portugiesen eigentlich gewinnen müssen, haben sie doch ein Tor wegen Abseits (wars aber nicht) aberkannt bekommen und zudem auch einen Elfmeter nicht bekommen. Damit haben sie, zumindest in der ersten Halbzeit, auf jeden Fall trotz gleich 8 Wechseln in der Startformation eine respektable Leistung abgeliefert und das Spiel nicht einfach nur abgeschenkt. Und selbst in HZ 2 haben sie dann noch die eine oder andere Chance gehabt.
Was man aber auch festhalten muss ist, dass die Portugiesen wieder mal durch einige Unbeherrschtheiten und brutales Spiel aufgefallen sind. Ein bis zwei Situationen wo man dem Gegner ins Gesicht schlug, zudem auch noch ein, zwei harte Grätschen, vor allem von Ferreira gegen Behrami, wo eine rote Karte hätte fallen können. Immerhin konnte der Schweizer dann doch noch weiterspielen.
Und das ist dann schon ganz interessant im Hinterkopf für ein mögliches Viertelfinale GER-POR zu behalten, dass die Portugiesen wieder mal so heissblütig/undiszipliniert sind, obwohl es eigentlich um gar nichts ging.
Aus spielerischer Sicht war die Begegnung dank der völlig „verfälschten“ Aufstellung natürlich ein Muster ohne Wert, da man hieraus natürlich wenig Schlüsse für ein mögliches Viertelfinale ziehen kann. Ich bin allerdings eher ein Vertreter derjenigen, dass es nicht unbedingt gut sein muss, den Kader komplett auszutauschen mittendrin – so von wegen aus dem Tritt kommen und so… Aber wir werden sehen; erstmal sind wir in Zugzwang morgen…

Türkei – Tschechien 3:2 (0:1)

Nach dem enttäuschenden Auftritt der Türken im ersten Spiel gegen Portugal scheinen sie mittlerweile zum Garant für die spektakulärsten Begegnungen dieser EM zu werden. War bis heute abend noch das Duell mit den Schweizern die wohl intensivste Begegnung des bisherigen Turniers. Was sich hier abspielte kann wohl kein Drehbuchautor besser entwerfen (um mal eine Standardphrase des Spielberichtswesens zu benutzen…).
In der ersten Halbzeit waren die Tschechen die um Klassen bessere Mannschaft und dominierten das Spiel weitestgehend nach Belieben, wohingegen die Türken kaum einen Fuß auf den Boden bekamen und so auch völlig zurecht 0:1 durch einen tollen Kopfballtreffer von Koller, der völlig überraschend aufgeboten wurde, hinten lagen. Dann kam die Pause. Dann der Wiederanpfiff. Tja, und dann der Regen. Und was sich nun entwickeln sollte war sicherlich etwas, was man getrost als „le-gen-da-ry“ bezeichnen kann!
Die Türken waren völlig verändert und spielten jetzt die Tschechen ihrerseits völlig an die Wand, eine Flanke nach der anderen flog von den Seiten in den Strafraum rein und der Ausgleich lag aber mal sowas in der Luft. Die Tschechen hingegen sahen im Regen von Genf überhaupt kein Land mehr und kamen nicht einmal gefährlich vors gegnerische Tor. Zumindest bis zur 62. Minute wo man glücklicherweise wegen Verletzung in Überzahl war und 2 höchst gefährliche Konter fuhr, von denen einer dann durch Plasil erfolgreich abgeschlossen wurde.
Dies schien dann der endgültige Todesstoß für die Türken gewesen zu sein, bei denen hernach für gut 10 Minuten wieder nix mehr zusammenlief. Wohl nicht wenige Experten (oder diejenigen, die sich dafür halten, wie ich) hatten zu diesem Zeitpunkt dann wohl mit dem Spiel abgeschlossen und sich auf eine ruhige Hupkonzertfreie Nachtruhe gefreut. Doch plötzlich kam dann doch mal ein Angriff durch und plötzlich war der Ball dank Arda drin und die Türken schnupperten wieder Morgenluft, fingen wieder an zu drücken und glaubten plötzlich wieder an ihre Chance.
Und war es in der ersten Halbzeit noch „ausgerechnet“ Koller, der den Führungstreffer erzielte, war es dann in der 87. „ausgerechnet“ der sonst so großartige Peter Cech der eine hohe Reingabe von aussen nicht richtig festhalten/raushauen konnte, so dass er Nihat genau auf den Fuß tropfte, der dann nur noch vollstrecken musste.
So schien es dann also, dass es tatsächlich zu dem Novum kommen würde, von dem vorher alle sprachen: Die Entscheidung durch Elfmeterschiessen in einem Gruppenspiel. Doch das berühmt-berüchtigte „Momentum“ war auf Seiten der Türken, die dann erneut eine Chance von der mittlerweile völlig auseinanderbrechenden Defensive der Tschechen bekamen und dank eines tollen Distanzschusses von Nihat genau unter die Latte das Spiel unfassbarerweise tatsächlich noch drehen konnten.
Aber in dem Spiel war dann immer noch nicht Schluss, denn auch die Tschechen warfen dann nochmal alles nach vorne – und Volkan den Koller um. Es gab Rot und dank der vorherigen Ausschöpfung des Wechselkontingents musste tatsächlich mit Tuncay noch ein Feldspieler rein. Leider, leider schafften es die Tschechen dann aber nicht mehr den Ball vor das Tor der Türken zu bekommen, zumal der eigentlich sehr gute Schiedsrichter das Spiel dann doch relativ früh abpfiff. So bekamen wir dann doch kein Elfmeterschiessen gegen einen Feldspieler im Tor zu sehen. Wäre sicherlich ein toller Abschluss dieses geilen Spiels gewesen.
Und jetzt geh ich mir Ohropax suchen, damit ich bei dem ganzen Gehupe hier in Köln-Kalk wenigstens noch ein bisschen Ruhe vor dem morgigen Österreich-Tag zu finden…

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Hirngäbli #05 – Die unregelmäßige Kolumne zur Euro 2008

Nach großem Kino gestern war heute Magerkost angesagt – immerhin sehr, sehr gut für meine Tipps…

 

Gruppe D

Schweden – Spanien 1:2 (1:1)

Spaß war heute eher ein Fremdwort. Die Spiele heute zu schauen, war eher eine Pflichtaufgabe für  zwanghafte Fußballergucker, wie mich. Immerhin hab ich die ersten 20 Minuten von SWE-ESP schon mal verpasst, da ich noch Einkaufen war – gut, damit sind mir ein Drittel aller Tore des heutigen Tages zwar entgangen, aber so schön war es ja nun auch wieder nicht (zugegeben, war eine schicke Eckballvariante, die sicherlich so ähnlich einstudiert war – nicht wahr, Herr Löw?!). Auf jeden Fall schien mit dem 1:0 von Torres alles seinen erwarteten Gang zu gehen, zumal die Spanier bis dahin auch ein klein wenig überlegen waren. Doch die folgenden 70 Minuten zeigten dann das, was ich schon in einer der vorangegangenen Kolumnen vermutet hatte: der glanzvolle Sieg der Spanier gegen Russland war weniger den -unbestreitbar vorhandenen- Offensivqualitäten der Spanier zuzuschreiben, sondern vielmehr dem stümperhaften Abwehrverhalten der Russen. Die Schweden traten heute hingegen ähnlich kompakt wie gegen Griechenland auf, wagten aber etwas mehr in der Vorwärtsbewegung – wenngleich man nun wahrlich nicht von einem Offensivfeuerwerk sprechen konnte. Dennoch beschränkten sie sich nicht nur darauf, das Mittelfeld dicht zu halten und die Spanier am Spielen zu hindern, sondern kamen gelegentlich zu durchaus gut gespielten Angriffen und deckten dabei auch, besonders deutlich natürlich vor dem Ausgleich durch (wen wohl?) Ibrahimovic, recht deutlich die Schwächen der spanischen Hintermannschaft auf. Sobald im Mittelfeld mal nicht energisch in den Spielaufbau des Gegners eingegriffen wurde, kam die spanische Abwehrreihe ein ums andere Mal in Verlegenheiten. Dadurch dass aber die Versuche an den Strafraum zu kommen nicht allzu häufig war und die Schweden zudem ein Qualitätsproblem im Sturm haben, war das dieses Mal nicht zu problematisch. Und als dann noch zur Halbzeit Ibrahimovic ausgewechselt wurde (bzw. werden musste) war dann auch eigentlich klar, dass die Spanier nicht verlieren würden. Wer sollte denn auch schon das Tor für die Schweden erzielen? Ein Rosenberg garantiert nicht, denn der schien sich heut ein Fernduell mit Charisteas zu liefern um den Titel des ineffektivsten und harmlosesten Stürmers der Gruppe D. Da fehlte völlig die Anbindung an das schwedische Spiel – und wurde er dann mal angespielt verlor er nahezu jedes Mal binnen Sekunden den Ball an einen spanischen Verteidiger.
Die Spanier, das muss man immerhin zugestehen, versuchten wenigstens auf Sieg zu spielen, besonders deutlich wurde das mit der Hereinnahme von Fabregas und Carloza, die nochmal etwas Bewegung in das zu Beginn der zweiten Hälfte extrem statische und einfallslose spanische Spiel brachten. Wohlgemerkt, wir sprechen hier von einer Steigerung auf ziemlich niedrigem Niveau. Und bis auf vereinzelte gute Angriffe, wo es mal gelang, das schwedische Mauerwerk aufzubrechen, sowie sehr seltene Konter der Schweden, gab es denn auch nicht mehr viel berichtenswertes über dieses Spiel zu sagen, abgesehen von einer Situation in Minute 62, wo Schiedsrichter Vink den nicht gegebenen Elfmeter für die Spanier wohl wieder gutmachen wollte und eine Situation weiterlaufen ließ in der Torhüter Isaakson, wenn auch unbeabsichtigt von einem spanischen Knie ausgeknockt wurde und sich für Torres dadurch eine Einschusschance auf das quasi leere Tor ergab, was er aber nicht nutzen konnte. Hier hätte klar unterbrochen werden müssen, deswegen kann man wohl sagen, dass dies -ein wenig- die Benachteiligung der Spanier in HZ 1 wieder ausgeglichen hat. Jedenfalls war die restliche halbe Stunde dann derart ereignisarm, dass alles auf ein Remis hinausläuft. Doch dann kam die Nachspielzeit, die Schweden waren unerklärlicherweise hinten völlig offen, und wie im Russlandspiel konnten die Spanier einen langen Ball auf rechts schlagen, wo dann Villa wieder seine Schnelligkeit und seine Technik ausspielen konnte, Hansson ziemlich alt aussehen ließ und, etwas glücklich, gegen Isaakson einnetzen konnte.
Schade eigentlich, denn bei einem Remis hätte die Tabellensituation dann der Gruppe wenigstens noch etwas zusätzliche Spannung und Dramatik verlieren. So aber bleibt die Gruppe D weiterhin die egalste Gruppe des Turniers und die Spanier dürfen sich über einen sicheren ersten Platz und auf das Viertelfinale gegen eines der drei nichtorangenen Teams aus Gruppe C freuen.
Die Schweden hingegen blicken nun einem Endspiel mit den Russen entgegen, in dem sie die etwas bessere Ausgangsposition haben, da ihnen auch ein Remis reichen würde.

Griechenland – Russland 0:1 (0:1)

Nehmen wir den positiven Aspekt des Spiels mal zuerst: Nach den Leistungen der Griechen, aber auch der Russen vom ersten Spieltag musste man hier ein furchtbares Spiel erwarten. Immerhin wurde es nur ein schlechtes Spiel, dass aufgrund der Unfähigkeiten beider Abwehrreihen doch zumindest einige größere Torchancen bot. Leider aber sind auch beide Sturmabteilungen qualitativ nicht einer Europameisterschaft würdig, so dass diese dann auch in schöner Regelmäßigkeit kläglich versiebt wurden. Besonders Charisteas tat sich hier hervor, der die Torgefahr einer Eckfahne ausstrahlte. Wenn er in Tornähe an den Ball kam, dann fühlte man sich fast so sicher wie die Gegner des FC Köln, wenn im Strafraum Matthias Scherz den Ball bekommt. Da sich aber auch die Russen nicht gerade als Anwärter auf einen Effektivitätspreis hervortaten brauchte es dann schon einen völlig planlosen Nikopolodis, der auf der Suche nach dem Ball im Strafraum herumirrte, als ob er sich kurz vorher ein Fläschchen Ouzo genehmigt hätte. Dass Zyryanov einnetzen konnte, war dann nur noch Formsache – schließlich stand er ca. 4 Meter vor dem leeren Tor, respektvoll aus der Distanz beobachtet von seinen Gegenspielern. Den Rest des Spiels kann man dann mit einem großen Äh beschreiben – Äh wie in Unfähigkeit.
Eigentlich müsste man nach dem Spiel sagen, dass diese beiden Teams nicht ins Viertelfinale gehören (bei den Griechen ist das ja nun auch schon ausgeschlossen) – blöderweise haben die Schweden bislang auch nicht gerade ein Bewerbungsschreiben aufgesetzt, sondern haben bislang auch vorwiegend durch Passivität, Destruktivität und Harmlosigkeit geglänzt. Man mag sich gar nicht ausmalen wollen, wie es gewesen wäre, wenn Ibrahimovic nicht wieder in die Nationalmannschaft zurückgekehrt wäre… Jedenfalls kommt es jetzt am Mittwoch zum Endspiel zwischen Russen und Schweden um den Einzug ins Viertelfinale – in dem man es dann wiederum mit den übermächtig erscheinenden Niederländern zu tun bekommt. Sollte es, durch irgendeinen dummen Zufall, die russische Mannschaft schaffen, dann wird mit einer so wackeligen Abwehr mit Sicherheit im Viertelfinale Schluss sein. Den Schweden würde ich hingegen noch zutrauen gegen Het Elftaal eine Chance zu haben – wenn sie es diesmal schaffen, die Abwehr bis in die Nachspielzeit hinein kompakt zu halten. Die Niederländer würden sich sicherlich mehr über die Russen als Gegner freuen, denn dort bekommt man sicherlich die Räume, die das eigene Spiel braucht.

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Hirngäbli #04 – Die unregelmäßige Kolumne zur Euro 2008

Ein toller Fußballtag liegt hinter uns…

 

Gruppe C

Italien – Rumänien 1:1 (0:0)

Nach den Leistungen dieser beiden Teams in ihren ersten Gruppenspiel war die Erwartungshaltung an die fußballerische Qualität dieser Begegnung freundlich gesagt begrenzt. Die Italiener wurden phasenweise völlig demontiert von den Niederländern und die 11 rumänischen Spieler beschränkten sich gegen die Franzosen auf ein geschicktes Besetzen der Räume, die bis zu 30 Metern vom eigenen Tor entfernt waren.
Heute war dies glücklicherweise aber alles anders. Die Italiener hatten zwar immer noch alles andere als eine stabile Defensive, aber sie schienen recht gut erholt von der desaströsen EM-Premiere und zeigten phasenweise durchaus ein gutes Aufbauspiel und hatten in der Offensive beinahe ein Dutzend hochkarätiger Chancen, aus denen man gut und gerne 5 Tore hätte machen müssen.
Doch auch die Rumänen schienen irgendwann in den vergangenen vier Tagen entdeckt zu haben, dass das Rasenkarree jenseits der Mittellinie ebenfalls bespielt werden darf. Und so hatten auch sie mehrfach gute Chancen und waren ihrerseits mehrfach nah daran den Führungstreffer zu erzielen – bis es dann in der 55. Minute tatsächlich soweit war und Mutu -nach kapitalem Schnitzer von Zambrotta- den Führungstreffer machen konnte. Zugegeben, eigentlich hätte es nur der Ausgleich sein dürfen, denn Toni hatte kurz vor der Pause das 1:0 für die Italiener erzielt, wurde aber vom Assistent in einer schwierigen Situation fälschlicherweise als Abseits bewertet. Aber so müssen halt auch mal die Italiener mit Fehlentscheidungen zu ihren Ungunsten leben (ich sag nur Australien ’06). Zumal ja dann im direkten Gegenzug zum Treffer der Rumänen nach einem Eckball der Ausgleich durch Panucci fiel.
Dass es dann doch nur bei zwei Törchen in diesem kurzweiligen und unterhaltsamen Spiel blieb, lag neben der Unfähigkeit und dem Pech der Stürmer aber vor allem an zwei großartig aufgelegten Torhütern. Buffon war schon stark und hatte mit dem gehaltenen Elfer in der Schlussphase natürlich die dramatischste Situation auf seiner Seite (wobei auch nicht stark geschossen von Mutu), aber eigentlich war Lobont, der Keeper der Rumänen, der eigentliche Star dieses Spiels. Was der an geilen Paraden, phasenweise im Minutentakt, rausgehauen hat, das war wirklich eine Pracht. Das hat schon echt Spaß gemacht und die beeindruckende Leistung von Boruc im gestrigen Abendspiel noch mal in den Schatten gestellt.
Noch ein abschließendes Wort zum Elfmeter: Meiner Meinung nach durchaus berechtigt, denn Panucci DARF nicht den Arm derart im Würgegriff um den Hals des Rumänen legen – damit zwingt man den Schiedsrichter fast auf den Punkt zu zeigen. Beschwerden waren in dieser Situation wirklich nicht angebracht.

Niederlande – Frankreich 4:1 (1:0)

Was ein Spiel! Nach der starken Leistung der Holländer im ersten Spiel, die ich aber -scheinbar fälschlicherweise- vor allem auf die Schwächen der Italiener zurückgeführt habe, demonstrierten sie heute schon wieder ihre beeindruckende Offensivstärke und fidelten nach dem Weltmeister auch noch den Vize-Weltmeister mit drei Toren Unterschied ab. Das war schon wirklich eine Hausnummer! Und doch war es diesmal ein komplett anderes Spiel, denn trotz eines frühen Rückstandes (nach unterirdischem Stellungsspiel bei einem Eckball) spielten die Franzosen sehr ansehnlich mit und übernahmen im Grunde zwischen der 20. und 59. nicht nur die Initiative sondern dominierten mit zunehmender Dauer das Spiel immer, waren sogar mehrfach ganz knapp am Ausgleich dran. Tja, bis dann wieder das fantastische Konterspiel der Orangenen zuschlug und mehr oder weniger aus dem Nichts das 2:0 erzielt werden konnte. Doch die Franzosen ließen sich davon nicht brechen, kämpften weiter und konnten nach einer guten Aktion vom eigentlich schwachen Sagnol das 1:2 durch den eigentlich schwachen Henry erzielen. Jetzt, so dachte ich, wird es noch mal richtig spannend! Doch dann kam Robben und machte ein Tor, das eigentlich unmöglich erschien – heisser Kandidat für das Tor des Turniers. Danach versuchte Frankreich zwar nochmal ein bisschen was, aber das war dann doch zuviel für die Moral der Franzosen und so plätscherte das Spiel gen Ende hin dann etwas aus. Bis dann wieder Sneijder kam und mit einem traumhaften Distanzschuss aus 18 Metern direkt unter die Latte den Schlusspunkt setzte. Geiler Kick und die Holländer dürfen sich als sicherer Gruppenerster über den Viertelfinaleinzug freuen.

Doch nach soviel Kunst auf dem Platz werden jetzt vor allem zwei Dinge gebraucht: Der Rechenschieber und das Regelbuch.
1. Schlägt Rumänien, wie schon in der Qualifkation, wieder die Niederlande, dann ist es ganz einfach: Rumänien zieht als Gruppenzweiter ins Viertelfinale ein (und wird sich dort aller Voraussicht nach mit den Spaniern duellieren dürfen)
2. Spielt Rumänien Unentschieden, dann müssen sie hoffen, dass FRA-ITA Remis ausgeht, ansonsten kommt der Sieger weiter.
3. Verliert Rumänien wird es kompliziert:
a) FRA oder ITA gewinnen, der Sieger kommt weiter.
b) FRA-ITA spielen Unentschieden. Hier sollte man wissen, dass NICHT das Torverhältnis das entscheidende Kriterium ist, sondern der direkte Vergleich. Da untereinander alle Unentschieden gespielt haben käme es in diesem Fall auf die Zahl der erzielten Tore an und hier hätte Frankreich das Nachsehen, da man 0:0 gegen Rumänien spielte und daher automatisch hinter den Italienern stehen würde.
– Spielen FRA-ITA also 1:1 oder höher wäre dann also Italien dank der mehr erzielten Tore weiter
– Spielen FRA-ITA aber 0:0, dann wäre zwischen Rumänien und Italien im direkten Vergleich alles identisch und es käme drauf an, wie hoch Rumänien gegen die Niederlande verliert. Mehr als drei Tore Abstand wären tödlich für Rumänien. Ein 0:3 wäre ebenfalls tödlich, da dann der UEFA-Koeffizient zum Tragen käme, schließlich wären alle anderen Kriterien gleich – und da hat Italien mit 2,364 gegenüber Rumänien einen leichten Vorteil (2,250 – genauso wie im Übrigen Deutschland). Jeder andere Niederlage mit 3 Toren Rückstand würde allerdings für Rumänien wieder reichen, hätte man dann schließlich mehr erzielte Tore als die Italiener.

Damit dürfte ich dann, glaube ich, alle Eventualitäten abgedeckt haben – und wahrscheinlich wird es sowieso irgendwie anders ausgehen und der Rechenschieber muss gar nicht bemüht werden. Witzig ist es aber allemal, dass es die Konstellation hergeben würde, dass ein Team mit mageren 2 Pünktchen die Qualifikation fürs Viertelfinale schaffen könnte – und das wäre schon kurios.
Sicher ist aber nur eins: Die Spiele am Dienstag abend werden hochspannend! Ist wirklich eine tolle EM bislang, fehlt nur noch die positive Stimmung durch mehr Erfolge der deutschen Elf…

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Hirngäbli #03 – Die unregelmäßige Kolumne zur Euro 2008

Die ersten Entscheidungen sind gefallen…

 

Gruppe A

Portugal – Tschechien 3:1 (1:0)

Viel zu diesem Spiel schreibe kann ich eigentlich gar nicht, denn live gesehen habe ich von der Begegnung herzlich wenig. Lediglich ca. 25 Minuten der ersten Hälfte, bevor ich dann selber kicken gegangen bin. In dieser Phase habe ich zumindest erstarkte Tschechen gesehen, die den Portugiesen durchaus ebenbürtig waren. Dem Vernehmen nach war das wohl auch übers gesamte Spiel betrachtet so, wobei es die Tschechen aus dem Aufdecken der portugiesischen Abwehrschwächen vernünftig Kapital zu schlagen. Und letzten Endes hat dann wohl die größere individuelle Klasse auf Seiten Portugals den Ausschlag gegeben,

Schweiz – Türkei 1:2 (1:0)

Auch hier fehlt mir aufgrund der eigenen Balltreterei die komplette erste Hälfte, von der ich bis auf einen lauten Torjubel aus den umliegenden Gebieten nicht viel mitbekommen habe. Dafür hab ich dann allerdings die zweite Hälfte in einem nahegelegenen Biergarten sehen können (in dem wir zufälligerweise direkt hinter Teilen der deutschen Handballnationalmannschaft saßen…). Und was bin ich froh, dass ich diese zumindest sehen konnte, denn das war sicherlich die bisher intensivste und unterhaltsamste Hälfte dieser EM. Das hatte sicherlich weniger mit der technischen und spielerischen Stärke beider Teams zu tun, sondern vielmehr damit, dass beide Teams ähnlich stark waren, beide mit offenem Visier spielten und wirklich alles gaben auf dem extrem schwer bespielbaren weil völlig durchnässten Rasen. Es ging hin und her, ohne dass man sich mit großem Mittelfeldgeplänkel aufhält und das hat wirklich einfach Riesenspaß gemacht. Irgendwer, ich glaub es war dogfood, schrieb von einem K.O.-Runden-Spiel – und genau so wirkte es wirklich auch die ganze Zeit in der zweiten Hälfte. Dass dann alles auch noch in einem derart dramatischen Finale gipfelte, in dem die Türken in der Nachspielzeit glücklich aber nicht unverdient den Siegtreffer machten, war da eigentlich nur konsequent. Das war natürlich schon sehr schade, da ich doch ein wenig mit den Schweizern sympathisiert hatte, aber so haben wir dann zumindest schon mal die erste endgültige Entscheidung dieses Turniers: Die Schweiz kann sich ab Sonntag abend komplett auf ihre Gastgeberrolle konzentrieren und darf ab dann nur noch zuschauen. Gleichzeitig bedeute diese Konstellation dann auch, dass die Portugiesen nicht nur sicher durch sind, sondern ihre Gruppe auch auf Rang 1 abschließen werden, egal wie sie im letzten Spiel abschneiden und unabhängig vom Ausgang des „Endspiels“ zwischen Türken und Tschechen am kommenden Sonntag (bei Punktgleichheit entscheidet schließlich der direkte Vergleich noch vor dem Torverhältnis und der spricht gegenüber beiden Teams für die Portugiesen).
Daher gilt am Sonntag also volle Konzentration auf das Spiel zwischen den Türken und den Tschechen, und da ist die Sachlage eigentlich ganz simpel: Wer gewinnt, kommt weiter.
Geht das Spiel allerdings unentschieden aus, dann kommen wir zu einem regeltechnischen Sonderfall und einer „Weltpremiere“ – denn dann wird ein Elfmeterschiessen über den Einzug ins Viertelfinale entscheiden, da beide Teams mit dem gleichen Torverhältnis in die Begegnung gehen. Und das wäre doch mal was feines!

 

Gruppe B

Kroatien – Deutschland 2:1 (1:0)

Frust. Ernüchterung. Ratlosigkeit. Das sind so die Worte, die mir als erstes einfallen. Eigentlich würde ich ja das Spiel gerne möglichst schnell vergessen, denn es war gelinde gesagt furchtbar! Man fühlte sich phasenweise (genauer gesagt 90 Minuten lang) an düsterste Ribbecksche Zeiten erinnert. Von vorne bis hinten war dieses Spiel ein einziger spielerischer Offenbarungseid, den ich mir weder vorher vorstellen, noch nachher erklären konnte.
Eine Einzelkritik vorzunehmen fällt mir ehrlich gesagt schwer, denn diese Niederlage war heute weniger an einzelnen Spielern festzumachen, sondern vielmehr ein kollektives Mannschaftsversagen, das mich völlig ratlos zurücklässt. Von vorne bis hinten war die Mannschaft verunsichert, fehlte der Biss, die Struktur, die Abstimmung – im Grunde alles das, was z.B. im Polenspiel noch wie selbstverständlich zu funktionieren schien, zumindest in der ersten Halbzeit.
Einiges hat mich heute an das Spiel von Italien gegen Holland erinnert, wo man ebenfalls den Eindruck hatte, dass die Italiener im Bewusstsein eines sicheren Sieges mit einer gewissen Überheblichkeit aufgetreten sind und dann von aggressiv auftretenden Holländern derart überrannt worden sind, dass Struktur und Ordnung, wie auch Selbstbewusstsein völlig verloren gegangen sind. Und sehr ähnlich war es heute auch. Man hatte das Gefühl Deutschland war schon im Viertelfinale bevor das Spiel angepfiffen wurde. Doch dann kam der Anpfiff und direkt wurde man schon ganz früh im eigenen Spielaufbau von zwei, drei Leuten attackiert und die spielerische Linie ging schon im Ansatz völlig flöten. Man konnte fast denken, dass die Deutschen mit so viel Gegenwehr gar nicht gerechnet hatten.
Das Problem lag da meiner Meinung nach vor allem in der Defensivarbeit der Mittelfeldspieler. Hab das Spiel heute aus Ermangelung an sozial verträglichen Alternativen leider dieses Mal alleine zu Hause verfolgen müssen und hab meinem Frust dann ein wenig im Live-Blog der Kollegen vom EM-Blog Luft machen können. Und dort habe ich just beim Anfang des Spielzugs, der zum 0:1 führte, geschrieben, dass das Mittelfeld viel zu passiv und statisch sei – und das hat sich denn auch wenige Sekunden bitter gerächt.
Ich mein, der allgemeine Tenor scheint ja jetzt zu sein, vorwiegend auf Marcell Jansen rumzuhacken. Und der sah sicherlich auch zweimal eher unglücklich aus. Das Problem lag allerdings eher daran, dass er nur am Ende einer längeren Fehlerkette stand, die meistens mit absolut 0 Forechcecking im Mittelfeld begann, wo man regelmäßig die kroatischen Aufbaubemühungen nur mit Abstand begleitete – also das völlige Gegenteil von dem was eben die Kroaten machten. Dadurch entstanden dann Lücken und Überzahlsituationen gegen die die Abwehrreihen dann oftmals überfordert waren. Ein Grund hierfür, auch wenn es eher unpopulär erscheint, ist wohl auch in dem Experiment mit Podolski im Mittelfeld zu sehen. Bei ihm fehlte heute deutlich die Bindung ans Defensivspiel und hier wäre man wohl mit einer defensiveren Variante wie Hitzlsperger oder Borowski besser gefahren – aber hinterher ist man halt immer schlauer. Aus taktischer Sicht muss man ebenso noch leichte Kritik an der Einwechslung von Odonkor üben. Die Idee mit einem schnellen Mann auf aussen, ein Gegengewicht zu schaffen und die Kroaten mehr in der Defensive zu binden ist durchaus in Ordnung (war ja vor 2 Jahren gegen die Polen ähnlich) – aber dann kann ich ihn nicht nachher dadurch verschenken indem ich ihn auf eine Aussenverteidigerposition versetze. Damit war der gute Junge leider hoffnungslos überfordert.
Meine Vermutung ist daher, dass Löw am kommenden Montag einige Umstellungen vornehmen wird. Podolski wird vermutlich in den Sturm aufrücken und dort eher Gomez denn Klose verdrängen – auch wenn sich beide heute in Sachen Ineffektivität nicht viel gegeben haben. Die Position im MF wird dann zugunsten einer stabileren Defensive gegen die doch recht stürmisch auftretenden Österreicher dann entweder Borowski oder Hitzlsperger übernehmen. Ob dann in der Abwehr Jansen oder Friedrich spielen wird ist dann letztlich wurscht – ich tippe aber auf Friedrich, alleine um die Medien ruhig zu stellen…

Die dann etwas defensivere Grundausrichtung sollte gegen die wie gesagt doch oft im Hurra-Stil spielenden Österreicher sicherlich die richtige Variante sein, indem man hier mit einem dichteren, aggressiv auftretenden Mittelfeld den sicherlich top motivierten und vom Publikum hochgepeitschten Ösis den Zahn versucht zu ziehen, um dann mit gezielten Kontern die entscheidenden Nadelstiche zu versetzen. Denn klar ist: Wir müssen nicht gewinnen, die Österreicher schon, und je länger es nicht zu einer Führung für unsere Alpennachbarn reicht, umso verzweifelter werden sie sicherlich. Von daher sehe ich auf jeden Fall recht positiv für ein Erreichen des Viertelfinals – die Frage ist dann nur was dort kommt… Die Antwort: Portugal. Und die sind ja nun auch alles andere als Laufkundschaft, auch wenn sie definitiv ihre Schwächen haben. Aber bis dahin müssen wir erstmal den entscheidenden Schritt am Montag noch schaffen. Und dafür werde ich dann wahrscheinlich auch in die Heimat reisen, damit ich das Spiel wieder da und mit den Leuten gucken kann, wo ich auch das Eröffnungsspiel und die WM 2006 beinahe komplett geschaut habe.
Aberglaube gehört halt einfach zum Fußball. =)

Österreich – Polen 1:1 (0:1)

Nachdem ich grad schon so ausführlich geworden bin, versuche ich mich dann hier wieder etwas kürzer zu halten. Im Grunde ist das Spiel ja auch schnell zusammengefasst. Österreich drückt wie nichts gutes, hat Chancen für zwei Spiele, glänzt aber neben ansehnlichem, schnellen Kombinationsspiel vor allem durch völlige Unfähigkeit vor dem Tor.  Die Polen hingegen warten relativ cool ab, verlassen sich völlig auf ihren überragenden Keeper Boruc und machen dann einen Angriff, der direkt zum Tor führt. Unverdient und zudem auch noch deutlich Abseits. Anschließend sind die Österreicher erstmal von der Rolle, Polen verdient sich die Führung im Nachhinein und kommt vor allem durch den glänzend aufgelegten Guerreiro immer wieder gut vors gegnerische Tor. Bis dann irgendwann das Spiel ausgeglichener wird, die Österreicher wieder etwas mehr Druck aufbauen können und dann in der Nachspielzeit ein -berechtigter, wie verdienter- Elfmeter zum gerechten Ausgleich führt.
Für die Stimmung im Gastgeberland ist das auf jeden Fall super und sicherlich wird in den kommenden vier Tagen das Thema „Cordoba“ mehr als ohnehin durch die Medienlandschaft in beiden Ländern geprügelt – aber am Ende wird es dann, wenn alles halbwegs normal läuft, doch gut für uns ausgehen. Dazu fehlt den Österreichern einfach ein Stürmer mit richtigem Format und zudem die Sicherheit in der Abwehr. Wenn wir die erste Sturmphase der Ösis gut überstehen und möglichst selbst in dieser Phase noch einige Akzente setzen können, dann wird es reichen. Hauptsache wir treten nicht so furchtbar auf wie heute.

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Hirngäbli #02 – Die unregelmäßige Kolumne zur Euro 2008

Nun ist er also zu Ende, der erste Spieltag, und wir können ein wenig klarer sehen…

 

Gruppe D

Spanien – Russland 4:1 (2:0)

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich Russland vor dem Turnier als ziemlich stark eingeschätzt hatte. Vielleicht war ich da etwas geblendet vom Abschneiden Zenit St. Petersburgs im UEFA-Cup, denn das was die Russen heute zeigten war sehr enttäuschend bezogen auf meine Erwartungshaltung. Zugegeben, ich hab im Grunde nur die zweite Halbzeit gesehen und da war dann schon eine Vorentscheidung gefallen – aber dennoch war das unpräzise Passspiel in der Offensive, das mangelhafte Stellungsspiel in der Defensive und vor allem das beinahe völlig fehlende Tempo im Aufbau- und Konterspiel schon beinahe eine Bankrotterklärung, die ein Errreichen des Viertelfinals eigentlich für illusorisch erscheinen lässt. (Eigentlich: denn danach kam ja noch der Anti-Fußball von Griechenland und Schweden)
Die Spanier auf der anderen Seite sind jetzt natürlich „Favorit des Tages“ nachdem sie, vorwiegend in Halbzeit eins, ein blitzsauberes, überfallartiges Konterspiel gezeigt haben, dass in seiner Anlage schon ziemlich an den gestrigen Auftritt der Holländer erinnert hat. Der Unterschied nur, dass die Niederländer gestern den tendentiell stärkeren Gegner hatten und vor allem hab ich halt noch im Hinterkopf wie begeisternd der erste Auftritt der Spanier 2006 war – und wie bescheiden man dann letzten Endes abgeschnitten hat. Gespannt bin ich dann darauf, wie effektiv sie mit den Steilpässen in die Spitze gegen die voll auf Zerstörung ausgerichteten Schweden und Griechen sein können. Deren Abwehrreihen sahen zwar heut auch alles andere als stabil aus, aber es ist doch wesentlich harter zu knacken, als das luftige Gebilde der Russen, die zumindest versuchten aktiv ins Spiel einzugreifen.

Griechenland – Schweden 0:2 (0:0)

Eigentlich habe ich keine große Lust mich mit diesem Spiel noch ausgiebig auseinanderzusetzen, dass mich sogar dazu getrieben hat, einfach mal so Alkohol zu mir zu nehmen… Eigentlich fing es recht viel versprechend an. Die ersten 10 Minuten waren intensiv geführt und es schien zwar schon auf eine Abwehrschlacht hinauszulaufen – aber eben zumindest auf eine Schlacht. Aber mit zunehmender Spieldauer wurde das Fußballspielen immer mehr eingestellt, und man richtete sich immer mehr wie auf einer Taktiktafel ein: Die Griechen standen hinten dicht gestaffelt in ihrer Hälfte drin, mit Gekas ohne irgendeine Bindung ans restliche Spiel in vorderster Front. Und davor ein sturer schwedischer Dreireiher (442), der sich nicht traute rauszurücken, um dem Europameister ja keine Möglichkeit zu geben, mit einem Glückskonter mal vors gegnerische Tor zu gelangen. Streckenweise war es echt ein Spiel nach dem Motto „Stell dir vor es ist Fußball und keiner spielt mit….“.
Auch in Halbzeit zwei ging dieser Gruselkick dann weiter, bis die Schweden dann plötzlich mal auf den Gedanken kamen, dass man gegen die ältlichen Abwehrriesen doch mal mit schnellem Kurzpassspiel etwas reissen könnte – und schwupps war dann auch der erste Distanzschuss dieser EM im Tor nach einem feinen Doppelpässchen zwischen Ibrahimovic und Larsson. Und als dann noch das 2:0 kurz darauf mehr oder weniger reingestolpert wurde, obwohl man eigentlich schon für die Unfähigkeit zwei Sekunden vorher hätte bestraft werden müssen, war das Spiel dann im Grunde auch durch. Bis auf ein paar Krämpfe passierte nicht mehr viel.
Während ich von den Griechen bei dieser Partie eigentlich nichts anderes erwartet hatte als pure Defensive, war ich von den weitgehend ratlosen, unkreativen und oft feigen Schweden doch ziemlich enttäuscht. Nichtsdestotrotz werden die 3 Punkte Gold wert sein und wenn die Russen keine Leistungsexplosion hinlegen sollten, könnte es für die Schweden wohl für die Viertelfinale reichen – wo sie dann von den Holländern (oder wer auch immer Gruppe C gewinnen wird) zerlegt werden, wie annodazumal gegen Deutschland.

 

Nachdem nun also alle Teams einmal 90 Minuten über die alpinen Rasenflächen traben durften sind wir alle etwas schlauer – oder eben auch nicht. Die Anzeichen deuten auf jeden Fall klar dahin, dass es in der einen Hälfte des Tableaus (Gruppen A und B) auf das von den meisten vorher erwartete Halbfinale zwischen Deutschland und Portugal hinauslaufen wird. Alles andere, soweit kann man sich wohl aus dem Fenster hinauslehnen, wäre wohl mehr als eine Überraschung nach den Eindrücken vom Wochenende.

Für das andere Halbfinale sind nach gestern und heute wohl Spanien und die Niederlande die Favoriten – aber wie ich in meinen beiden Texten schon angedeutet habe, glaube ich trotz der zwei Glanzleistungen gegen Italien bzw. Russland nicht an einen solchen klaren Durchmarsch. Aber wir werden sehen und ich werde mich dann vermutlich gegen Wochenende wieder hier melden.

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Hirngäbli #01 – Die unregelmäßige Kolumne zur Euro 2008

Ein Thema, das in diesem Blog bisher ziemlich kurz gekommen ist, ist eigentlich meine größte und langjährigste Leidenschaft – König Fußball. Und nachdem ich erst während der laufenden Bundesliga-Saison gestartet habe, gibt es natürlich eigentlich keinen besseren Grund jetzt mal mit der Fußballbloggerei im Rahmen der EM zu beginnen. Schließlich werden wir -SPOILER!!!- dieses Jahr ja endlich mal wieder Europameister, und das muss natürlich auch von meiner Seite ein wenig kommentierend begleitet werden.

Da ich nicht weiß, wie häufig ich das Bloggen schaffen werde -zumal die Beitragstaktung hier doch zuletzt relativ zu wünschen übrig ließ- habe ich dies dann auch direkt mal in den Titel mit aufgenommen. Aber genug der Vorworte, gehen wir doch mal rein in das Geschehen, was bisher passierte.

Gruppe A

Schweiz – Tschechien 1:0 0:1(0:0)

Ich bin fast versucht, von einem „typischen Eröffnungsspiel“ zu sprechen. Es war keine große Show, sondern vorwiegend eine relativ verkrampfte Angelegenheit, was sicherlich vor allem mit den beinahe völlig enttäuschenden Tschechen zu tun hatte. Offensiv kam hier über fast das komplette Spiel so gut wie gar nichts und in der Defensive hat man sich vorwiegend auf das Nötigste beschränkt, wurde aber von den Schweizern auch nicht entscheidend gefordert. Die Schweizer haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten sicherlich eine ordentliche Leistung abgeliefert, es fehlte einfach in der Offensive die Durchschlagskraft und das kreative Moment, um gegen einen passiven Gegner etwas reissen zu können. Erschwerend kam dann sicherlich der Ausfall von Torjäger Frei, der sicherlich für die Offensivbemühungen der Schweizer enorm wichtig gewesen wäre. So müssen es die anderen richten und da sehe ich für die Schweiz tendentiell eher schwarz. Gegen die Türken kann es sicherlich noch zu einem Sieg reichen, aber gegen die Portugiesen kann ich mir kaum  einen Punktgewinn vorstellen – zumindest wenn diese so aufspielen wie in ihrem Auftaktspiel.
Die Tschechen wiederum haben keine schlechten Chancen Platz 2 in dieser Gruppe zu erreichen – allerdings im Grunde nur weil sie die drei Zähler gegen die Schweiz schon im Sack haben und die türkischen Leistungen auch nicht gerade für schlotternde Knie gesorgt haben dürften. Läuft also alles nach Plan, dürften die Tschechen am dritten Spieltag den Viertelfinaleinzug in der eigenen Hand haben, wenn es gegen die Türkei geht.

Portugal – Türkei 2:0 (1:0)

Die ersten Glanzpunkte des Turniers in spielerischer Hinsicht haben sicherlich die Portugiesen gesetzt, die gegen ziemlich überforderte Türken eine über weite Strecken spielerisch anspruchsvolle Leistung abgeliefert haben. Das war schon sehr ordentlich und wenn man es aus dem deutschen Blickwinkel betrachtet, muss man wohl sagen, dass Portugal wohl aller Voraussicht nach der erste ernsthafte Prüfstein für die deutsche Mannschaft sein wird – und das wird wohl erst im Halbfinale sein… Man muss allerdings auch nochmal darauf hinweisen, dass die Türken es den Jungs von der iberischen Halbinsel ziemlich leicht gemacht haben. Kaum vernünftiges Offensivspiel, schlechtes Stellungsspiel in der Verteidigung und dazwischen vor allem Unkonzentriertheiten. In der Verfassung wird man selbst gegen die Tschechen und die Schweizer Probleme kriegen, mehr als 1 Punkt einzufahren. Aber für sie wird es sicherlich vor allem darauf ankommen, wie die ohnehin schon emotional hoch aufgeladene Partie gegen die Schweizer laufen wid. Gelingt es die Historie auszublenden und die Emotionen zu zügeln, und die Schweiz fußballerisch zu bezwingen, dann hat man im letzten Spieltag gegen die Tschechen ein direktes Finale. Und dann wäre für die Türken sicherlich noch was drin in dieser Gruppe – allein, mir fehlt nach den Eindrücken der ersten beiden Partien der Glaube daran. Hier lege ich mal fest, dass es wohl hinter den durchmarschierenden Portugiesen zu einem knapp erwürgten zweiten Rang für die Tschechen reichen wird. Dazu haben sie denke ich ausreichend individuelle Klasse – wobei sie dann allerdings im Viertelfinale dann, ähnlich der Schweden ’06, sang- und klanglos von uns rausgehauen werden.

 

Gruppe B

Österreich – Kroatien 0:1 (0:1)

Hier fällt es natürlich relativ leicht einige Parallelen zum Auftritt des anderen Gastgebers zu zeigen. Auch hier war man über weite Strecken feldüberlegen gegen einen weitestgehend passiven Gegner, ohne aber das Fortune im Abschluss zu haben, sondern im Gegenteil das Spiel mehr oder weniger unglücklich komplett zu vergeigen. Das ist nicht toll für die Stimmung in den Gastgeberländern, aber andererseits war es ja auch so erwartet worden. Und auch bei den Österreichern mangelt es vor allem im Offensivspiel, man fand einfach kaum Mittel eine solch massierte Defensive spielerisch zu knacken. Erst mit den Einwechslungen von z.B. Korkmaz kam da ein kreatives Element rein, das Anlass zur Hoffnung gibt – und gleichzeitig auch die Vorlage für heisse Diskussionen in der österreichen Fanlandschaft gab. Schließlich stellt sich schon die Frage warum solch ein Spieler von Hickersberger nicht früher eingewechselt bzw. direkt zu Beginn gebracht wurde. Wenn man sich aber überlegt, dass die Kroaten nun wirklich ungleich stärker erwartet worden sind, dann kann ich die defensive Grundausrichtung von Hicke schon sehr gut nachvollziehen. Schließlich konnte man mit einer über weite Strecken derart schwach agierenden kroatischen Mannschaft eigentlich nicht rechnen.
Ohnehin, die Kroaten. Ziemlich großspurig trat man im Vorfeld auf und nach den Leistungen der letzten Jahre konnte man von Ihnen auch erwarten eher um den ersten Platz in Gruppe B mitzukämpfen, als um das Erreichen des Viertelfinals. Nach diesem Auftaktspiel aber müsste man sich schon eher Gedanken machen, ob das überhaupt reichen wird – wenn man nicht von der extremen Übermotiviertheit der Österreicher zu Beginn profitiert hätte. Nachdem diese extreme Nervosität dann aber abgelegt wurde, konnte man den zarten Offensivbemühungen der Ösis über etwa 70 Minuten lang nicht viel entgegensetzen. Aber auch hier wird es, wie bei den Tschechen wohl reichen, um noch Platz 2 zu schaffen – bevor man dann mit freundlichen Grüßen von den Portugiesen gen Heimat geschickt wird.

Deutschland – Polen 2:0 (1:0)

Ich hatte ja ein 3:1 (mit Halbzeitstand 1:0) getippt und es sah auch längere Zeit so aus, als ob das genauso verlaufen würde – dass es dann doch nicht dazu gereicht hatte, lag dann wohl an zwei Faktoren. Zum Einen war dies natürlich in dieser schwer zu erklärenden ca. 20 minütigen „Schwäche“periode Anfang der zweiten Halbzeit begründet, wo man die Spielkontrolle nahezu komplett an die Polen übergeben hatte. Zum Anderen aber natürlich auch in der erschreckend harmlosen Offensivabteilung der Polen. Dass man aus der ersten Hälfte von Halbzeit 2 aber auch so überhaupt gar kein Kapital schlagen konnte, spricht da schon Bände und lässt für die beiden übrigen Gruppenspiele nur sehr, sehr wenig Hoffnung zu.
Wenden wir uns aber mal dem deutschen Team zu, denn auch wenn die Polen alles andere als ein gefährlicher Gegner waren, kommt man nicht umhin, den Auftritt der deutschen Elf auch ausgiebig zu loben. Denn sieht man mal von der „Auszeit“ ab, war das Spiel, vor allem in der ersten Halbzeit, äußerst stark und sehr gut anzusehen. Man hat mit schönem Zug zum Tor sehr ballsicher kombiniert und dabei den gegnerischen Spielern kaum Möglichkeiten zur Entfaltung gegeben. Auch die Defensive mit Abwehr UND Torwart war der erhoffte sichere Rückhalt und hat sich selbst in der zweiten Halbzeit, als man vom Mittelfeld etwas im Stich gelassen wurde, keine Blöße gegeben.  Das alles hat wirklich Spaß gemacht und vor allem Appetit auf mehr. Wenn man am Donnerstag mit ähnlicher Konzentration zu Werke geht, sollten wir durch sein, denn eine Niederlage gegen Österreich kann ich mir derzeit nicht vorstellen.
Für die Polen hängt wiederum alles vom Auftritt gegen die Österreicher am kommenden Donnerstag ab. Kommt man hier zu drei Punkten und bekommt das Offensivspiel mit Smolarek in Schwung, dann kann man auch hier wieder in der letzten Begegnung den Einzug im „Finalspiel“ gegen die Kroaten aus eigener Kraft schaffen.

 

Gruppe C

Rumänien – Frankreich 0:0

Heute ging es dann also los mit der so genannten „Todesgruppe“, in der sich die früheren Europameister Frankreich, Italien und Niederlande mit dem Quali-Überraschungsteam aus Rumänien messen müssen. Und tödlich wurde es dann auch direkt in der ersten Begegnung – nämlich tödlich langweilig… Das erste 0:0 dieser EM resultierte aus der entschäuend ratlosen französischen Truppe, die sich gänzlich unkreativ an einem massierten Defensivbeton die Zähne ausbissen, der von sehr disziplinierten Rumänen angerührt wurde. Man bekam bei den Rumänen beinahe den Verdacht als hätte Trainer Picurca versucht eine Blaupause des griechischen Spiels von 2004 anzulegen, um mit der reinen Zerstörung hinten und etwas Glück vorne, ein paar Punkte gegen die vermeintlich übermächtigen Gegner dieser Gruppe zu ergaunern. Und wenn ich ehrlich bin, finde ich das, so unansehnlich es ist, bei dieser Gruppenkonstellation eigentlich nur logisch, das Spiel so anzulegen. Man hat schließlich heute gesehen, vor welche Probleme die Franzosen gestellt wurden. Wenn ich es allerdings aus meiner Bundesliga-geprägten Sichtweise betrachte, dann waren die Franzosen daran selbst auch nicht unschuldig. Denn wieso man Ribery von seiner ausgewiesen stärksten Position auf der linken Seite unbedingt nach rechts ziehen musste, das erschließt sich mir nicht so ganz. Auf links, das hat er diese Saison bei den Bayern zuhauf unter Beweis gestellt, ist er eigentlich immens wertvoll für das Offensivspiel seines Teams. Hier sollte Domenech sicherlich für die nächsten Begegnungen umstellen, wenn man weiterkommen will – es sei denn er weiß mehr als ich, was ja nun auch nicht der abwegigste Gedanke wäre…
So oder so ist jedenfalls weder für Frankreich noch für die Rumänen trotz des Graupenkicks von heute das Viertelfinale noch bei weitem nicht ausser Reichweite. Die Rumänen müssen erstmal geschlagen werden, gerade auch von den so extrem konterstarken Niederländern. Und die hüftsteife italienische Defensive ist für die Franzosen sicherlich ein dankbarerer Gegner als die Handballeske Kreisdeckung der Rumänen.

Niederlande – Italien 3:0 (2:0)

Kommen wir nun also zum aufregendsten und spektakulärsten Spiel der bisherigen EM, der heutigen Demontage der Italiener durch die Holländer, die nun natürlich plötzlich alle ganz weit oben auf den Favoritenlisten notiert haben. Und, meine Herren, das war in Halbzeit aber auch mal allererste Sahne, was die Oranjes da auf den Rasen gezaubert haben. Blitzsauberes Konterspiel mit einer perfekten Raumaufteilung und präzisen Pässen, die den eher statischen italienischen Defensivkünstlern die Tränen in die Augen getrieben haben dürften. Das war echt toll anzusehen und hat wirklich Spaß gemacht. Und keine Frage, wenn man diese Leistungen dauerhaft wiederholen kann, dann wird im Finale mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Mannschaft in orangefarbenen Trikots auflaufen.
Aber, bei mir hat sich doch auch ein wenig Skepsis eingeschlichen. Denn ich habe leichte Zweifel, dass das man gegen eine Mannschaft wie Rumänien das gleiche Spiel aufziehen kann. Dieses holländische Spiel braucht Platz, sehr viel Platz – und den wird es, wenn die Rumänen ähnlich auftreten wie heute, garantiert nicht geben. Glücklicherweise ist das allerdings erst der letzte Gegner, so dass man darauf hoffen kann, zu diesem Zeitpunkt schon durch zu sein. Dies würde natürlich einen Sieg gegen die Franzosen voraussetzen, der nach den Eindrücken von heute natürlich beinahe nur eine Formsache zu sein scheint. Aber ich glaube persönlich nicht, dass dies eine so eindeutige Sache sein wird, denn meines Erachtens hat dieser deutliche Sieg der Holländer heute, bei aller spielerischen Stärke, auch einiges mit der Schwäche der Italiener zu tun. Man scheint recht überheblich angetreten zu sein, in der festen Überzeugung, hier gar nicht verlieren zu können, nicht als Weltmeister. Da wurde nicht energisch genug in der Rückwärtsbewegung angegriffen, da wurden die Räume nicht eng genug gemacht. Und dann hat man sich derart überrumpeln lassen, dass es bis in die zweite Halbzeit rein dauerte, um sich von dem Schock zu erholen.
Den Franzosen wird dies sicherlich nicht passierren, die werden nach diesem holländischen Auftritt gewarnt sein und nicht so ins offene Kontermesser reinlaufen. Und was passiert, wenn sich dann das Spiel plötzlich an den Strafraum der Holländer verlagert hat man in den letzen 30 Minuten heute abend gesehen: Diese Verteidigungsreihe braucht ein funktionierendes Offensivspiel um den Ball möglichst weg vom eigenen Tor zu halten. Und wenn die Italiener nicht derartig mental angegriffen gewesen wären (und zudem Van der Sar nicht einige Dinger richtig gut gerettet hätte), dann wären hier einige Treffer drin gewesen. Diese Abwehr ist definitiv zu knacken und ich bin gespannt zu sehen, wie es läuft, wenn man nicht so viel Entgegenkommen vom Gegner hat und die Offensive des Gegners durchschlagskräftiger ist. Zugegeben, der französische Sturm hat heute keine Argumente dafür gesammelt, warum ausgerechnet sie das sein sollten, aber die Franzosen haben in den letzten Jahren gezeigt, dass sie in der Lage sind sich in ein Turnier reinzuarbeiten.
Daher halte ich diese Gruppe nach wie vor für absolut offen, wo ich jedem noch Chancen auf das Viertelfinale zugestehe. Potential ist in jedem Team nämlich eigentlich ausreichend vorhanden – wenngleich die Holländer jetzt natürlich das Momentum absolut auf ihrer Seite haben.

Übrigens sehr amüsant zu sehen, dass diese ungewöhnliche Situation vor dem 1:0 zustande kommt und auf einmal alle aus heiterem Himmel fallen, dass es so ist, wie es ist. Das Ganze war nämlich schon in so ähnlicher Form vor über 10 Jahren in meinen Schiedsrichterprüfung regelmäßiger „Gast“ – und vermutlich auch schon Jahrzehnte davor. Das war ne blöde Situation aber es ist nun mal kein Abseits. Und es zeigt mal wieder wie oberflächlich die Regelkunde bei so vielen Beteiligten ist, die mit diesem Beruf ihre Millionen verdienen… Respekt auf jeden Fall für das Schiedsrichtergespann und auch für Steffen Simon (bzw. dessen Redaktion), an dem ich sonst selten ein gutes Haar lassen kann (allerdings ist diese Kolumne eine Kommentatoren-Bashing-freie Zone – so ich denn nicht dazu genötigt werde; aber ich beklaue ja auch keine Betrunkenen…)

Auf jeden Fall macht die EM durchaus schon wieder Spaß, auch wenn es nicht das erhoffte Offensivspektakel ist, mit einem Schnitt von lediglich 1,5 Toren pro Spiel und bisher immer mind. einem Team das torlos geblieben ist. Morgen werden wir dann sehen, wie sich die nächsten großen Unbekannten des Turniers schlagen werden. Denn in Gruppe D sind direkt 4 Teams, bei denen man nicht so richtig weiß, was man von ihnen erwarten kann.

Bis dahin verbleibe ich mit sportlichem Gruß,
Eure Hirngabel

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