I’m in a promising local band.

Gestern war es endlich mal wieder soweit und ich durfte einen meiner beiden blogeigenen HypeKünstler live sehen (der andere Gehypte wird dann in einem Monat wieder bejubelt).

Denn Sam Duckworth, besser bekannt (naja, etwas besser) unter dem Pseudonym Get Cape. Wear Cape. Fly, trat gestern im Kölner Blue Shell auf, um dort sein neues, zweites Album „Searching for the Hows and Whys“ zu promoten, das in den UK-Charts vor wenigen Wochen schon von 0 auf 11 eingestiegen ist.

Wie der aufmerksame Leser vielleicht noch weiß, ist mir GCWCF zum ersten Mal als Opening Act von Kate Nash im vergangenen Dezember begegnet und dort sehr positiv aufgefallen, als er dort alleine mit Gitarre und Laptop auftrat und eine ziemlich feine Show in seinem schwarzen Anzug ablieferte.

Gestern nun war einiges anders: Diesmal, als Headliner, trat er nicht nur nicht im Anzug auf, sondern zudem auch nicht alleine. Vielmehr hatte er als Begleitung Steve dabei, der Schlagzeug spielte, und dabei der Musik noch einen ordentlichen Schlag zusätzlicher Dynamik verlieh. 

Bevor die beiden Jungs ihre Show starten durften, gab es allerdings erst noch einen kleinen Opener: Nil, ein junger deutscher Musiker, der mit Gitarre solo eine Hand voll seiner Songs präsentieren durfte. Die Songs waren dabei auch ziemlich gut und erinnerten ein wenig an die „Hamburger Schule“ (oder wie man es auch immer nennen mag) mit einer stimmlichen Nähe zu Kim Frank, dem früheren Sänger von Echt (die Kinder der 90er unter meinen Lesern mögen sich vielleicht noch daran erinnern). Leider hatte der gute Junge eher wenig Bühnenpräsenz und versuchte seine Unsicherheit mit vorherigem Alkoholgenuß und einer Ismirdochscheissegal-Attitüde zu kaschieren – was zu seinen eher gefühlsbetonten Texten überhaupt gar nicht passte und vom Publikum auch nicht gerade mit Begeisterung quittiert wurde. Schade eigentlich, denn der Junge hat definitiv etwas auf dem Kasten, aber vielleicht schafft er es ja noch daran zu arbeiten. Zumindest aber als Songschreiber hat er sicherlich genügend Potential noch weiteres zu schaffen.
[Edit: Merke gerade beim Hören der Myspace-Songs, dass Nil eigentlich eine dreiköpfige Band ist und tendenziell auch etwas rockiger veranlagt ist, als es bei dem Auftritt rauskam. Nuja. Dennoch wäre ein anderes Auftreten irgendwie passender. Beim nächsten Mal einfach weniger vorher Saufen. =)]

Anyway, mit etwas Verspätung war es dann soweit und GCWCF betraten die kleine Bühne des mit ca. 200 Zuschauern pickepackevollen Blue Shells und präsentierten dort ein knapp anderthalbstündiges Set, dass eine schöne Mischung seines/ihres bisherigen Schaffens war. Im Vordergrund standen natürlich die Songs des neuen Albums, die bis auf drei Songs allesamt gespielt wurden (mit „Better Things“, einem Duett mit Kate Nash, hatte ich ohnehin nicht wirklich gerechnet – dagegen gehabt hätte ich aber sicher nix =)). Das ganze wurde dann ergänzt durch eine ganze Reihe von Titeln seines Debütalbums, sowie eines ziemlich coolen Cover-Medleys, das bislang aus vier Songs besteht, die ich leider nicht mehr auf die Reihe bekomme, da mir nur zwei bekannt vorkamen – und das auch nur vage. Laut Eigenaussage nach dem Konzert soll das Medley aber irgendwann mal 10 verschiedene Stücke beinhalten, die alle zu Sam Duckworths Lieblingssongs gehören. Man darf also auch in der Hinsicht gespannt sein auf die nächsten Auftritte, die hoffentlich bald folgen werden. (Er sprach von der Hoffnung in etwa 2-3 Monaten wieder hier in Deutschland sein zu können)

Auch stilistisch spiegelte die Songauswahl naturgemäß das musikalische Spektrum von Get Cape. Wear Cape. Fly wider, das im Grunde als Indie-Rock mit elektronischen Einflüssen bezeichnet werden kann – wobei man hier sicherlich schnell das Label „New Wave“ bei der Hand hat, was der Musik aber eher nicht gerecht wird. Dazu sind seine ruhigen Songs zu „Singer-Songwriter“-ähnlich und die elektronisch untersützten Songs dank Bläsern und (Elektro-)Streichern viel zu breit angelegt. Man könnte in manchen Fällen sogar beinahe von „Hymnen“ sprechen, wenn man z.B. Songs wie „The Children are“ und „I could build a tower) oder „War of the worlds“ vom alten Album nimmt, die sich zudem durch exzellente, oftmals sozialkritische Lyrics auszeichnen. Meine Favoriten sind – bei aller Freude, wenn Duckworth ordentlich mit Gitarre auf der Bühne abrockt- aber die ruhigen Stücke, wenn er auf die elektronische Unterstützung zumindest weitgehend verzichtet und stattdessen nur seine weiche Stimme, die klugen Texte und sein vorzügliches Gitarrenspiel in den Mittelpunkt rückt. Das sind dann einfach Momente, die richtig unter die Haut gehen, wenn er Stücke wie „Postcards from Catalunya“ oder „Moving Forward“ spielt und sein Gespür für wundervolle Melodien gänzlich zur Entfaltung kommt.

Nichtsdestotrotz würde ich mich freuen, wenn der nächste Auftritt dann mal mit der vollen Besetzung stattfinden würde. Zwar ist Sam Duckworth der Mastermind hinter dem Projekt GCWCF, der die Songs schreibt und am Computer entwickelt, aber zumindest in Großbritannien treten sie in der Regel zu fünft auf und es gesellen sich zu Gitarre und Drums noch Bläser und ein Bassist. Und das würde dem Sound sicherlich noch zusätzliche Kraft und Dynamik verleihen. Zudem, so gut dass Zusammenspiel mit dem Laptop auch passt, gibt eine komplette Liveband doch auch immer noch etwas mehr Raum für Kreativität und Improvisation, was das ganze Liveerlebnis sicherlich auf eine noch höhere Ebene bringen würde.

Wie ihr aus all dem Sermon sicherlich herauslesen konntet: Ich bin ziemlich begeistert und kann daher nur wärmstens empfehlen, Euch zumindest mal eines der beiden Alben zuzulegen und, sofern ihr in naher Zukunft mal die Chance haben solltet, auch eines seiner Konzerte besuchen.

Ich werde hier auf jeden Fall immer mal wieder auf die Band aufmerksam machen – soviel ist sicher. =) Denn abseits aller musikalischer Qualitäten hat sich Sam Duckworth gestern zudem auch noch als ungemein sympathischer Kerl herausgestellt, der sich auch nicht dafür zu fein ist, ausgiebig mit den Zuschauern nach dem Konzert zu quatschen. Ich spreche Künstler ja ungern selbst an, auch wenn ich super gerne mit ihnen reden würde, aber ich habe immer das Gefühl aufdringlich zu sein und lasse sie dann lieber in Ruhe, sind ja schließlich auch nur Menschen.

Gestern allerdings standen wir im Anschluss an das Konzert dann noch eine Weile an der Theke und genehmigten uns die eine oder andere Limonade, als er und der Drummer sich dann irgendwann neben uns stellten und wir ins Gespräch kamen. Schön zu sehen, wenn relativ erfolgreiche -zumindest in Großbritannien- Künstler noch so bodenständig und sympathisch sind und frei von der Leber weg erzählen. Ich hätte ihn am liebsten direkt mitgenommen, um noch ein wenig saufen zu gehen. =) Aber das wäre dann sicherlich schon etwas aufdringlich gewesen.
Also: Get Cape. Wear Cape. Fly hören/kaufen/ansehen!

Am einfachsten direkt mal hier anfangen:
www.myspace.com/getcapewearcapefly

Oder natürlich auf youtube, wo man neben Videoclips und Liveaufnahmen auch einige nett gemachte Podcasts sehen kann.

8 Kommentare

Eingeordnet unter Hast du Töne!?, Muss man wohl dabei gewesen sein...

8 Antworten zu “I’m in a promising local band.

  1. Wann

    Schöner Konzertbericht. Habe mich beim Konzert in Hamburg gewundert, warum er einen Schlagzeuger dabei hat. Gebraucht hätte er ihn nicht, wie man spätestestens bei der Zugabe gemerkt hat. Außerdem war es schon seltsam die Bläser vom Laptop zu hören, aber das Schlagzeug real. Das Publikum hätte noch etwas besser sein können, trotzdem war es ein gelungenes Konzert, auch wenn ich wohl etwas mehr Werbung für Get Well Soon machen werde.🙂

  2. Hi Wann!

    Danke nochmal fürs Drauf-aufmerksam-machen auf die Tour! Ja, der Drummer alleine ist nicht *unbedingt* notwendig gewesen, aber bei den schnelleren Songs, wie z.B. „War of the worlds“, verleiht das dem ganzen schon ein wenig zusätzliche Power.
    Schade, dass das Publikum in HH nicht soo gut war, aber die Hamburger sind ja generell einen Tick reservierter. =) Wie viele Leute waren denn bei Eurem Konzert?

    „Get Well Soon“ werde ich dann auch noch mal ein wenig mehr im Auge behalten. Wobei ich von deinen letzten Erwähnungen vor allem von „Vampire Weekend“ sehr angetan war.

  3. Wann

    Die Umgebung für das Konzert fand ich sehr gut, tolles Ambiente. Ein von der Fläche etwas größeres Wohnzimmer mit einer Art Loge die über zwei Treppen erreichbar war. Mehr als 70 aber weniger als 200 Leute würde ich schätzen. Gut gefüllt, aber nicht zum Brechen voll. Wenn ich zu den enthusiastischen Zuhörern gehörte, sagt das ja schon viel🙂
    Der Versuch ihn zu einem zweiten Zugabenblock zu bewegen, erstarb beinahe jämmerlich und auch das Mitklatschen und Mitsingen war eher mau. Hoher Frauenanteil bei den Zuschauern und ich gehörte eindeutig zu den alten Säcken. Die Bühne war kaum erwähnenswert, da die meisten aber kleiner waren(!), fiel das nicht ins Gewicht. Seine Performance war sehr gut, aber zum Vergleich, bei Get Well Soon standen 7 Musiker auf der Bühne. Da standen teilweise vier Gitarristen, die alle so aus sich herausgingen, wie Sam Duckworth. Das hat dann schon eine andere Wirkung. Die CD kostet bei Amazon gerade 10 Euro, also wenn das ungefähr Deine Richtung ist, zuschlagen.
    Ach ja, Vampire Weekend sind im Mai in Hamburg😉 Dazu dann vielleicht mehr.

  4. Pingback: Streicherlebnis. « Hirngabel

  5. Wann

    Get Cape. Wear Cape. Fly ist demnächst wieder im Lande
    http://www.lastfm.de/event/1641007+Get+Cape.+Wear+Cape.+Fly+at+MTC+on+2+November+2010
    und da ich eh gerade hier bin, Clara Luzia kommt auch. http://www.lastfm.de/event/1600668+Clara+Luzia+at+Geb%C3%A4ude+9+on+29+September+2010

    Weiß jetzt allerdings nicht, ob das etwas für Dich war.

  6. Moin Wann!
    Tickets für GCWCF sind schon geordert.😉

  7. Wann

    Wird 2010 durch Mixtape(s) musikalisch abgeschlossen?
    Absynthe Minded – Envoi http://www.youtube.com/watch?v=PJlOhi-moUE
    Alcoholic Faith Mission – My Eyes To See http://www.lastfm.de/music/Alcoholic+Faith+Mission/_/My+Eyes+To+See

    http://listen.grooveshark.com/#/playlist/2010+I/40172448

  8. Nope, sorry, es wird weder Musik- noch Filmlisten geben. Dazu habe ich von beidem einfach nicht ausreichend mitbekommen.
    Wenn der Blog irgendwann mal wieder aktiver wird, dann wird wohl eher das Thema Serien wieder im Vordergrund stehen. The times they are a changing. Oder so.

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