Fertile Myrtle and the Bleeker-Boy.

Da ja bekanntermaßen heute nacht die Verleihung der Oscars ansteht, wird es heute mal Zeit eine Sache nachzuholen, die schon seit mittlerweile einem Monat bei mir auf „Wiedervorlage“ ist: Eine Kritik zu dem Film „Juno“ schreiben.

Schließlich war dieser kleine Independent-Film die Sensation bei der Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen. Mit gleich vier Nominierungen in den Hauptkategorien Regie, Hauptdarstellerin, Drehbuch und sogar Bester Film hatten nur die wenigsten gerechnet.

Juno

Komödie, USA 2007
Laufzeit: 96 min
Regie: Jason Reitman
Darsteller: Ellen Page, Michael Cera, Jason Bateman, Jennifer Garner, J.K. Simmons, Allison Janney

Juno heisst die Hauptfigur dieses Films und sie ist schwanger. Mit 16. Eine Begebenheit, die ihr Highschool-Leben natürlich ordentlich durcheinander wirbelt, denn schließlich stellen sich jetzt einige entscheidende Fragen. Wie werden nun die Eltern reagieren? Was sagt der Typ, der sie geschwängert hat dazu? Und überhaupt, was machen mit so einem Ofen in der Röhre? Abtreiben? Oder doch mehr so Augen zu und durch?
Oder eben das Ding rausbringen und dann an jemand anders abgeben. Sprich: Adoption – die Variante, für die sich Juno letztlich entscheidet.

Schwangerschaft im Teenager-Alter ist sicherlich ein durchaus diffiziles Thema und die oben angerissenen Fragen haben oftmals hochdramatisches Potential. Dementsprechend trifft der Film Juno bei einigen auf Widerspruch, setzt er sich doch „einfach so“ über diese tragischen Aspekte hinweg und spinnt vor diesem problematischen Hintergrund eine ziemlich lockere Komödie, die man salopp mit dem Attribut „Feel-Good-Movie“ belegen könnte und die mir äußerst gut gefallen hat.

Dies ist neben dem guten Gespür für Stimmungen von Regisseur Jason Reitman (Thank you for smoking) und dem exzellenten Soundtrack sicherlich vor allem der Hauptfigur Juno (brillant gespielt von der fantastischen Ellen Page) zu verdanken, die man nicht anders als kess bezeichnen kann. Mit dem Mundwerk eines Bierkutschers und einem sehr ausgeprägten Willen stellt sie sich den Herausforderungen entgegen. Dies mag man für eine 16jährige als zu überzeichnet beurteilen, aber andererseits kommt die Redewendung „Man wächst an seinen Herausforderungen“ ja nicht von ungefähr, so dass ich die Art und Weise des Umgangs von Juno mit der Situation durchaus als realistisch einschätzen würde. Zumal sie ja auch durchaus fragile Momente hat, in denen sie kindliche Züge an den Tag legt und die zeigen, dass ihre große Klappe vor allem auch eine Art Schutzmechanismus ist.

Tja, jetzt ist diese „Kritik“ vor allem zu einer Verteidigungsrede geraten, was sicherlich mit dem langen zeitlichen Abstand zum Kinobesuch zu tun hat. Deswegen sei es hier noch mal kurz auf den Punkt gebracht: Ein wirklich liebenswerter Film mit einer Reihe toller Darsteller (Ellen Page, Michael Cera, Jason Bateman) und einer exquisiten Auswahl an bester Indie-Musik, dem die Balance perfekt gelingt eine Komödie vor diesem thematisch schwierigen Hintergrund zu sein, ohne sich über die Figuren und deren Probleme selbst lustig zu machen. Und aus diesen Gründen kann ich alle Oscar-Nominierungen auch völlig nachvollziehen.

Sehr positiv gestimmte 9 von 10 Gabeln

Advertisements

5 Kommentare

Eingeordnet unter Cinema Paradiso

5 Antworten zu “Fertile Myrtle and the Bleeker-Boy.

  1. Den Film werde ich mir allein schon wegen Michael Cera und Jason Bateman ansehen. Aber wohl erst auf DVD, da ich mir die beiden Schauspieler wirklich nicht synchronisiert vorstellen kann.

    Deine Kritik macht auf jeden Fall Lust auf eine Sichtung!

  2. Hatte ja das Glück, dass ich ihn in den USA im Kino sehen konnte und dadurch natürlich in der OV, was ich sehr angenehm fand (abgesehen von dem völlig verdreckten Kinosaal – bei dem sogar ein Schild vorne dran hing „Sorry for this mess!“ =))

    Muss allerdings sagen, dass ich nach zwei, dreimaligem Ansehen des deutschen Trailers angenehm überrascht war. Das wirkte doch gar nicht so peinlich wie ich erwartet hatte.

    Das Problem bei so jugendsprachlich geprägten Filmen ist halt immer, dass es im deutschen sehr schnell sehr bemüht wirkt. Scheint JUNO aber ganz ansprechend hinzubekommen.

    Ansonsten bin ich eigentlich überzeugt, dass der Film dir zumindest gut gefallen dürfte. Da sind wir uns in Sachen Filmgeschmack denke ich recht ähnlich.

  3. Generell gebe ich Synchros ja doch immer eine Chance – speziell (mangels Alternativen) im Kino. Doch wenn ich die englische Aussprache der Schauspieler schon so gewohnt bin, wie bei Michael Cera und Jason Bateman – immerhin 3 Staffeln „Arrested Development“ – dann fällt mir die Umgewöhnung sehr schwer.

  4. Denke ich werde meine Probleme mit der fehlenden Sozialkritik haben, da das Thema an sich doch äußerst problematisch für ein reines Feel-Good-Movie ist. Aber jetzt wird am Do. erstmal No Country und Michael Clayton geschaut 🙂

  5. @bullion

    Okay, das kann ich natürlich absolut nachvollziehen. Geht mir mittlerweile genauso bei den Leuten, die ich vor allem aus Serien kenne (Arrested Development schaue ich -bisher- noch nicht).
    Wobei es mir durch das vermehrte OV-Gucken in den letzten 2, 3 Jahren generell mittlerweile verstärkt auffällt, wenn Synchros nicht wirklich gut sind.
    Ein OV-Nazi bin ich aber weiss Gott auch nicht. =)

    @Rudi
    Es ist ja eben nicht ausschließlich ein Feel-Good-Movie, sondern es gelingt JUNO eben nur sehr gut, das komplexe Thema sehr spielerisch anzugehen und die problematischen Aspekte durchaus aufzugreifen, aber nicht die Geschichte dominieren zu lassen. Habe das sehr gemocht an JUNO, denn schließlich muss auch in der Realität eine Teenager-Schwangerschaft nicht das Ende aller Lebensfreude bedeuten, oder?

    Wünsche Dir dennoch viel Spaß mit NCFOM und Michael Clayton! Hoffe ja den Oscar-Abräumer auch möglichst bald zu sehen, da ich von den Coens doch so einiges erwarte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s