Monatsarchiv: Februar 2008

Fertile Myrtle and the Bleeker-Boy.

Da ja bekanntermaßen heute nacht die Verleihung der Oscars ansteht, wird es heute mal Zeit eine Sache nachzuholen, die schon seit mittlerweile einem Monat bei mir auf „Wiedervorlage“ ist: Eine Kritik zu dem Film „Juno“ schreiben.

Schließlich war dieser kleine Independent-Film die Sensation bei der Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen. Mit gleich vier Nominierungen in den Hauptkategorien Regie, Hauptdarstellerin, Drehbuch und sogar Bester Film hatten nur die wenigsten gerechnet.

Juno

Komödie, USA 2007
Laufzeit: 96 min
Regie: Jason Reitman
Darsteller: Ellen Page, Michael Cera, Jason Bateman, Jennifer Garner, J.K. Simmons, Allison Janney

Juno heisst die Hauptfigur dieses Films und sie ist schwanger. Mit 16. Eine Begebenheit, die ihr Highschool-Leben natürlich ordentlich durcheinander wirbelt, denn schließlich stellen sich jetzt einige entscheidende Fragen. Wie werden nun die Eltern reagieren? Was sagt der Typ, der sie geschwängert hat dazu? Und überhaupt, was machen mit so einem Ofen in der Röhre? Abtreiben? Oder doch mehr so Augen zu und durch?
Oder eben das Ding rausbringen und dann an jemand anders abgeben. Sprich: Adoption – die Variante, für die sich Juno letztlich entscheidet.

Schwangerschaft im Teenager-Alter ist sicherlich ein durchaus diffiziles Thema und die oben angerissenen Fragen haben oftmals hochdramatisches Potential. Dementsprechend trifft der Film Juno bei einigen auf Widerspruch, setzt er sich doch „einfach so“ über diese tragischen Aspekte hinweg und spinnt vor diesem problematischen Hintergrund eine ziemlich lockere Komödie, die man salopp mit dem Attribut „Feel-Good-Movie“ belegen könnte und die mir äußerst gut gefallen hat.

Dies ist neben dem guten Gespür für Stimmungen von Regisseur Jason Reitman (Thank you for smoking) und dem exzellenten Soundtrack sicherlich vor allem der Hauptfigur Juno (brillant gespielt von der fantastischen Ellen Page) zu verdanken, die man nicht anders als kess bezeichnen kann. Mit dem Mundwerk eines Bierkutschers und einem sehr ausgeprägten Willen stellt sie sich den Herausforderungen entgegen. Dies mag man für eine 16jährige als zu überzeichnet beurteilen, aber andererseits kommt die Redewendung „Man wächst an seinen Herausforderungen“ ja nicht von ungefähr, so dass ich die Art und Weise des Umgangs von Juno mit der Situation durchaus als realistisch einschätzen würde. Zumal sie ja auch durchaus fragile Momente hat, in denen sie kindliche Züge an den Tag legt und die zeigen, dass ihre große Klappe vor allem auch eine Art Schutzmechanismus ist.

Tja, jetzt ist diese „Kritik“ vor allem zu einer Verteidigungsrede geraten, was sicherlich mit dem langen zeitlichen Abstand zum Kinobesuch zu tun hat. Deswegen sei es hier noch mal kurz auf den Punkt gebracht: Ein wirklich liebenswerter Film mit einer Reihe toller Darsteller (Ellen Page, Michael Cera, Jason Bateman) und einer exquisiten Auswahl an bester Indie-Musik, dem die Balance perfekt gelingt eine Komödie vor diesem thematisch schwierigen Hintergrund zu sein, ohne sich über die Figuren und deren Probleme selbst lustig zu machen. Und aus diesen Gründen kann ich alle Oscar-Nominierungen auch völlig nachvollziehen.

Sehr positiv gestimmte 9 von 10 Gabeln

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Collagenhumor

Über Dinge wie Humor, Witze, Kabarett und ähnliches zu schreiben, empfinde ich ja immer als etwas schwierig. Ein reines „Haha, das ist total lustig und voll geil“ wäre mir doch etwas zu plump. Eine elaborierte Analyse auf der anderen Seite wirkt dann schnell zu hochtrabend und kopflastig. Umso dankenswerter ist es dann, wenn der Künstler selbst die beste Charakterisierung seines eigenen Humoransatzes gibt – so wie es am vergangenen Dienstag während des Auftritts von Rainald Grebe im Bonner Pantheon der Fall war.

Irgendwann im Laufe der dritten oder vierten Zugabe erläuterte Grebe beiläufig, wie das entsprechende Lied denn zustande kam. „Wir saßen mit ein paar Leuten in einer Kneipe, tranken Bier und reihten Hauptsätze aneinander.“
Und das trifft die Sache denn auch ziemlich gut auf den Kopf. Denn Grebes Nummern sind selten geradeheraus erzählt (weder die Lieder noch die rein erzählten „Geschichten“), sondern bestehen oftmals vielmehr aus humoristischen Fragmenten, die lose aneinandergereiht werden. Man könnte fast von Collagen sprechen, die Grebe hier „erstellt“, hingeworfene Brocken, die sich meist ohne erkennbare Struktur oder großartigen aneinanderreihen – fast in bester Tradition des Dadaismus.

Und das muss man einfach wissen, wenn man sich ein Rainald Grebe Konzert anschaut. Denn wenn man sich mit dieser doch sehr speziellen Art eines humoristischen Amoklaufs nicht anfreunden kann, dann sitzt man ganz schnell da und schaut nur noch überfahren aus der Wäsche wie das kleine Grüppchen in der ersten Reihe, während der Saal drumherum knapp 3 Stunden lang kontinuierlich vor Lachen brüllt. Oder es ergeht einem so wie dem konsternierten TV-Total-Publikum vor einigen Jahren:

Ich zähle glücklicherweise dann doch zu denjenigen, die mit dieser speziellen Art von Humor definitiv etwas anfangen können und so war ich dann auch schwer begeistert von diesem Liveauftritt von Rainald Grebe, dessen Programm „Das Robinson Crusoe Konzert“ inkl. einer Pause und einer guten Handvoll Zugaben geschlagene drei Stunden dauerte. Teilweise fragt man sich zwar wirklich „WHAT THE F#!$???“, wenn er von A zu L zu D zu X springt, aber immer wieder schlägt zwischen all dem Nonsens eine durchaus gesellschaftskritische Note durch. Man merkt Grebe zwischen all seinen Kalauern und Nonsensbemerkungen einfach an, dass der man eine sehr feine Beobachtungsgabe hat, mit der er Dinge sehr fein und spitz auf den Punkt bringen kann. Besonders deutlich wird das beispielsweise im wirklich ganz vorzüglichen Song 30jährige Pärchen. Diese Beobachtungsgabe gepart mit einem Talent für gut pointierte Wortspiele und einiges an musikalischem Können am Klavier – das macht die Qualität von Rainald Grebe aus. Im Grunde ist er hier vielleicht am ehesten vergleichbar mit Helge Schneider – wenngleich dieser Vergleich dennoch beiderseits etwas hinkt. Beides sind aber hochtalentierte Menschen, die es durch die Attitüde ihrer „Bühnenfigur“ aber schaffen, sehr leicht unterschätzt zu werden, so dass man schon „zwischen den Zeilen lesen muss“ (…Insider…) um ihre Qualitäten wirklich zu entdecken.

Mich hat es jedenfalls derart begeistert, dass ich mir schon im Mai sein neues Programm anschauen werde. Dann wird er im Kölner Gloria auftreten und diesmal wieder zusammen mit der „Kapelle der Versöhnung“ das neue Programm „1968“ präsentieren, das Ende März in Berlin Premiere feiern wird.

Wer Interesse hat bitte bald bei mir melden. Preislich wieder etwa dasselbe wie dieses Mal. Konzert wird am 22.5. stattfinden, Donnerstag und Fronleichnam – ergo sollte es eigentlich keine Terminprobleme geben. Würde die Karten gerne möglichst bald holen.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Lachsäcke, Muss man wohl dabei gewesen sein...

Wer ist nochmal Oscar?

Wie im vorangegangen Thread schon angedeutet, wählen wir (bzw. hauptsächlich die anderen, da ich so wenig gesehen habe) derzeit in der Community von kino.de, meiner virtuellen Heimat, unsere Preisträger des Kinojahrgang 2007. Am Freitag ist nun der erste Wahlgang zu Ende gegangen, bei dem jeder User seine Top10 (oder mind. Top3) abgegeben hat. Die einzelnen Platzierungen entsprechen dabei unterschiedlichen Punktezahlen, deren Addition dann die 5 Nominierten ergibt.
Um auch kleineren Produktionen eine Chance zu geben, haben wir zudem eine Wildcard-Regelung eingeführt für Filme mit dem höchsten Punkteschnitt bei mind. 5 Nennungen. Dies erklärt dann auch, dass es in manchen Kategorien zu 6 Nominierten gekommen ist.

Im Laufe der kommenden Woche werden nun in geheimer Wahl die jeweiligen Favoriten an die Wahlleiter gesendet, und die Ergebnisse dann im Laufe des kommenden Sonntags, also dem Tag der Oscar-Verleihung, an dieser Stelle bekanntgegeben.

Hier aber nun die Nominierungen der Community in den jeweiligen Kategorien, vorangestellt noch eine zahlenmäßige Übersicht:

Nominierungen pro Film

9x Abbitte
9x Death Proof
8x Zodiac
7x Pans Labyrinth
5x Prestige
4x Sunshine
3x Blood Diamond
3x Letters from Iwo-Jima
2x Hairspray
2x Harry Potter und der Orden des Phoenix
2x Inland Empire
2x Ratatouille
2x Shoppen
2x Tödliche Versprechen
1x 300
1x Black Book
1x Elizabeth – Das goldene Königreich
1x Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford
1x The Fountain
1x Hallam Foe – This is my Story
1x Helloween
1x Lady Vengeance
1x Little Children
1x Mitten ins Herz
1x Persepolis
1x Pirates of the Carribean -At Worlds End
1x The Queen
1x Tagebuch eines Skandals
1x Transformers


Bester Film

Death Proof (Quentin Tarantino)
Lady Vengeance (Park Chan-Wook)
Pans Labyrinth (Guillermo Del Toro)
Prestige – Meister der Magie (Christopher Nolan)
Sunshine (Danny Boyle)
Zodiac – Die Spur des Killers (David Fincher)

Zu den Filmen selbst kann ich nicht soviel sagen, da ich nur zwei Filme davon gesehen habe – die sind aber zumindest auch in meiner persönlichen Top10 gelandet. Wenngleich ich „Prestige“ nicht soo stark einschätzen würde. Sehr interessant jedenfalls zwei Aspekte:
a) Lady Vengeance hat lediglich eine einzige Nominierung bekommen, die aber ausgerechnet bei „Bester Film“
b) Abbitte, deutlich am meisten nominierter Film, hat ausgerechnet keine Nominierung für „Bester Film“ bekommen.

Zur Info noch die Platzierungen hinter den Nominierten:
7. The Fountain
8. Abbitte
9. 300
10. Blood Diamond
11. Letters from Iwo-Jima
12. Das Bourne-Ultimatum
13. Import Export
14. Shoppen
15. Die Ermordung des Jesse James…
      Die Simpsons – Der Film
17. Black Book
18. Tödliche Versprechen
19. Ratatouille
20. Inland Empire


Beste Regie

G. del Toro für Pans Labyrinth
C. Eastwood für Letters from Iwo-Jima
D. Fincher für Zodiac
Q. Tarantino für Death Proof
J. Wright für Abbitte
 

Beste Szene

Abbitte  [„Dünkirchen“ – Kamerafahrt am Strand von Dünkirchen ]
Inland Empire [”Walk of Fame” – Nikki/Susan kotzt Blut auf den Hollywood Blvd., schleppt sich zur Ecke Vine Street und stirbt während des skurrilen Dialogs der Obdachlosen
Letters from Iwo Jima [„Letter“ – Der Brief der Mutter des gefangenen US-Soldaten wird vorgelesen und die japanischen Soldaten erkennen sich selbst darin.]
Pans Labyrinth [„Pale Man , Das Händeaugenmonster“ – Die zweite Aufgabe Ofelias beim Dinner des Pale-Mans.]
Ratatouille [„Ratatouille“ – Der böse Chefkritiker wird durch das Ratatouille Remys in seine Kindheit versetzt.]
Tödliche Versprechen [”Dampfbad” – Der Kampf in der Sauna.]


Beste Hauptdarsteller

Christian Bale für Prestige – Meister der Magie
Leonardo Di Caprio für Blood Diamod
Jack Gyllenhaal für Zodiac – Die Spur des Killers
James McAvoy für Abbitte
Viggo Mortensen für Tödliche Versprechen
 

Beste Hauptdarstellerin

Judi Dench für Tagebuch eines Skandals
Laura Dern für Inland Empire
Carice von Houten für Black Book
Helen Mirren für The Queen
Kate Winslet für Little Children


Bester Nebendarsteller

Djimon Hounsou für Blood Diamond
Michael Caine für Prestige
Mark Ruffalo für Zodiac
Robert Downey Jr. für Zodiac
Sergi Lopez für Pans Labyrinth


Beste Nebendarstellerin

Sairse Ronan für Abbitte
Jennifer Connelly für Blood Diamon
Vanessa Ferlito für Death Proof
Michelle Pfeiffer für Hairspray
Imelda Staunton für Harry Potter und der Orden des Phoenix
 

Bestes Ensemble

Abbitte
Death Proof
Shoppen
Sunshine
Zodiac


Bester Soundtrack

Abbitte
Death Proof
Hairspray
Hallam Foe – This is my Story
Ratatouille
The Fountain


Beste Kamera

Seamus McGarvey für Abbitte
Quentin Tarantino
für Death Proof
Roger Deakins für Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford
Tom Stern für Letters From Iwo Jima
Guillermo Navarro für Pans Labyrinth
Alwin H. Kuchler für Sunshine


Bestes Drehbuch

Christopher Hampton für Abbitte
Christopher Nolan / Jonathan Nolan für Prestige
Marjane Satrapi / Vincent Paronnaud für Persepolis
Quentin Tarantino für Death Proof
James Vanderbilt für Zodiac
Ralf Westhoff für Shoppen


Beste Ausstattung

Abbitte
Elizabeth – Das goldene Königreich
Pans Labyrinth
Pirates of the Caribbean – At Worlds End
Prestige


Beste Special Effects

300
Harry Potter und der Orden des Phönix
Pans Labyrinth
Sunshine
Transformers

Bester Song Chick Habit (April March) aus DEATH PROOF
Hold Tight (Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich) aus DEATH PROOF
Hurdy Gurdy Man (Donovan) aus ZODIAC
Love Hurts (Nazareth) aus HALLOWEEN
PoP! Goes My Heart (Hugh Grant) aus MITTEN INS HERZ
Und nun noch die Negativkategorien:


Zelluloidverschwender

300
Chuck und Larry – Wie Feuer und Flamme
Fantastic Movie
Ghost Rider
Last Days
Saw III


Größte Enttäuschung

300
Pans Labyrinth
Shrek Der Dritte
Spiderman 3
Transformers
 
Und weil Listen sowas tolles sind gibt es hier der Vollständigkeit halber noch die Community-Top10s der vergangenen Jahre (in Klammern dahinter meine damaligen Kandidaten):

Jahrgang 2006

1. Brokeback Mountain          [Science of Sleep]
2. Departed                              [Jarhead]
3. Children of Men                  [Casino Royale] 
4. Miami Vice                           [Walk the line]
    New World                           [Ricky Bobby]
6. Caché                                    [Children of Men]
7. Walk the line                        [Brick]
8. Casino Royale                      [Der ewige Gärtner]
9. Jarhead                                [Inside Man]
10. V wie Vendetta                 [Crank]

Jahrgang 2005

1. Sideways                               [L.A. Crash]
2. King Kong                             [Garden State]
3. Million Dollar Baby              [Sideways]
4. Garden State                        [Million Dollar Baby]
5. L.A. Crash                             [Maria voll der Gnade]
6. Sin City                                  [Saw]
7. Aviator                                   [L’auberge espagnole 2]
8. Haus aus Sand und Nebel    [Hooligans]
9. Batman Begins                      [Mathilde]
10. Star Wars: Episode III      [Kiss Kiss Bang Bang]
       Closer

Jahrgang 2004

1. Kill Bill Vol. 2                         [Sky Captain and the world of tomorrow]
2. Der Herr der Ringe 3           [Big Fish]
3. Lost in translation                [Vergiss mein nicht]
4. Vergiss mein nicht               [Liebe mich wenn Du Dich traust]
5. Oldboy                                   [Kill Bill Vol. 2]
6. Collateral                               [Lost in translation]
7. The Village                            [Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs]
8. Big Fish                                  [The Village]
9. Last Samurai                        [American Splendor]
10. Before Sunset                     [Terminal]

Speziell in diesem Jahr würde die Top10 mittlerweile ganz anders aussehen. „Vergiss mein nicht“ wäre auf eins, „Sky Captain“ und „The Village“ würden ein paar Plätze verlieren, dafür würde zumindest „Dodgeball“ reinrücken und auch „Die Unglaublichen“ würden „Terminal“ den Platz in den Top10 kosten.

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Des Wahnsinns fette Beute – Hirngabels Kinojahr 2007

[Der folgende Eintrag ist natürlich eigentlich viel zu spät für einen Rückblick. Aber in der kino.de-Community ist es mittlerweile guter Brauch, dass wir im Februar die besten Filme des vorangegangen Kinojahres wählen (Unser Oscar heisst „Kino.ED“). Und da der erste Wahlgang heute zu Ende geht, gibt es eben jetzt meinen Rückblick auf das Kinojahr 2007. Gewählt werden können alle Filme, die im Kalenderjahr 2007 einen offiziellen Kino- oder DVD-Erstrelease hatten. Gewählt wird in zwei Wahlgängen. Im ersten Wahlgang gibt jeder Teilnehmer eine Top10-Liste ab, für deren Platzierungen es aufsteigend Punkte gibt. Die 5 Filme mit den meisten Punkten (plus evtl. ein Film mit dem stärksten Punkteschnitt bei mind. 5 Nennungen) kommen dann in den zweiten Wahlgang, bei dem dann jeder für einen Nominierten stimmen kann.]

2007 war ein seltsames Jahr. Nach Jahren des Fortschritts oder zumindest immer einer „gefühlten“ Entwicklung (Versetzung in Schule/Studium, u.ä.), war das vergangene Jahr für mich persönlich vor allem ein Jahr der Konsolidierung. Beruflicher Alltag halt vor allem, schließlich war es das erste Kalenderjahr, in dem ich durchgängig gearbeitet habe. Und wie es die Arbeit, gerade in der oft zeitintensiven Tourismusbranche, so mit sich bringt, bleibt für Dinge wie Kino oftmals nicht soviel Zeit übrig, wie ich es gerne hätte.

Dies hatte dann in diesem Jahr zufolge, dass ich aus dem Kinojahrgang 2007 auf gerade einmal knapp über 30 Filme komme – und das auch hauptsächlich nur, weil ich während mehrer USA-Flüge einiges im Board-Programm sehen konnte und weil wir zwei Marathon-Tage im Kölner Rex-Kino eingelegt haben. Ansonsten wäre ich beinahe in den Dimensionen von Sam gelandet. =)

Da dann noch hinzu kam, dass neben der Quantität auch die Qualität nicht so stimmte, zumindest was die absolute Spitze angeht, musste ich etwas mit mir ringen, ob ich überhaupt an der diesjährigen Wahl teilnehme.
Ich habe mich aber dann doch dazu entschieden, zumindest an der Wahl zum besten Film mit einer Top-Liste teilzunehmen, aber die anderen Kategorien vorwiegend ausser acht zu lassen. Ich habe aber zumindest die Hoffnung, dass sich dies im gerade begonnen Jahr etwas ändern wird – schließlich habe ich nicht umsonst in meine Heimkinoanlage investiert. 😉

Gehen wir nun aber ans Eingemachte, die kleine Liste.

33. 300 – 20%

Ja, das sah natürlich irgendwo ganz hübsch aus. Aber inhaltlich war das einfach völlig krude und ging mir absolut gegen den Strich zu großen Teilen. Und da sich dann auch das visuelle Konzept irgendwann ziemlich schnell erschöpft hatte, kann ich letztlich auch an dieser Frank Miller-Adaption wenig Gutes finden, so dass er in diesem Jahr zurecht ganz unten landete. (Zugegeben, einen 20%-Film hatte ich auch länger nicht mehr ganz unten stehen – gab halt leider gar keine Sneak im Jahr 2007… =))

32. Saw III – 40%

Viele Worte möchte ich hier eigentlich nicht mehr drüber verlieren. Eigentlich ist es eine Schande, wenn man sieht welch uninspirierte Franchise aus dem ersten Film entstanden ist, der definitiv ein Meisterwerk war. Teil 3 hatte immerhin noch ein bisschen Unterhaltung mit dabei, und war nicht ganz so schlimm wie das erste Sequel – aber dem Titel „Saw“ ist er dennoch nicht mal im Ansatz würdig.
Ach, hätten Sie doch…

31. Lady Vengeance – 40%

Es ist schon verdammt lange her, dass ich den Film gesehen habe (irgendwann Mitte 2006 dürfte es gewesen sein), so dass die Erinnerungen verblasst sind. Erinnere mich aber durchaus noch daran, dass die Lady mich, wie es bei asiatischen Produktionen oftmalsvorkommt, schlicht und ergreifend kalt gelassen hat. Ich konnte einfach keinen Zugang zu der Thematik oder den Figuren an sich finden, so dass der Film trotz der teilweise tollen Optik einfach so an mir vorübergezogen ist. Vermutlich verkaufe ich den Film damit unter Wert, aber für mich persönlich war es einfach nicht mein Ding. Oldboy konnte mich da einige Monate vorher doch wesentlich mehr packen.

30. Shrek, der Dritte – 50%

Der erste Shrek-Film zählt immer noch zu den mit Abstand meistgesehensten Filmen bei mir, was bei mir doch eher selten ist, da ich mir lieber Filme anschaue, die ich noch nicht kenne. Teil 2 war dann schon ein kleiner Rückschritt, der mit dem ersten Film nicht mehr wirklich mithalten konnte. Und auch die zweite Fortsetzung geht dann noch weiter in der Qualität runter und mutiert mehr und mehr zu dem, was der Originalfilm mal so genial parodierte. Natürlich gibt es immer noch einige Highlights und auch die Figuren sind immer wieder wunderbar getroffen – aber es wird in Sachen Story leider immer konventioneller, disney-like halt.

29. Der goldene Kompass – 50%

Im Rahmen meiner Kritik hatte ich mich zu diesem Film ja schon ausführlicher geäußert. Er krankt leider an dem Problem vieler Buchadaptionen, denen es nicht gelingt, den Zuschauer nicht merken zu lassen, dass man einige Sachen ausgelassen hat. Eigentlich sehr schade, denn die Optik sah gut aus, die Story bot einiges an (kritischem) Potential und von den Namen her auch einige großartige Schauspieler. Leider stimmt aber eben der Erzählfluss kaum und für mich war es dadurch mehr als schwierig Zugang zur Hauptfigur zu finden. Dennoch bin ich durchaus neugierig auf eine mögliche Verfilmung des zweiten Teils. Potential war, wie gesagt, schließlich einiges da – nur ausgeschöpft wurde es m.E. leider kaum.

28. Vollidiot – 60%

Kannte das Buch nicht und wollte auch eigentlich den Film nicht sehen – aber aus sozialen Gründen wurde man dann halt doch reingeschleppt. Und bekam im Wesentlichen das zu sehen, was ich mir erwartet hatte. Eine vorwiegend belanglose Komödie mit einigen amüsanten Gags, etwas Leerlauf zwischendurch und einem Oliver Pocher, der durchaus gut war – der aber, finde ich, dennoch dem Film nicht gut getan hat. Ein unbekanntes Gesicht wäre wesentlich besser gewesen in der Hauptrolle, als so ein „vorbelasteter“ Semi-Star. Die Buchvorlage an sich hätte denke ich auch so genügend Zugkraft entwickelt, um zu einem Publikumserfolg zu werden.

27. Schwarze Schafe – 60%

Dieser kleine Episodenfilm zählt zu den mit Abstand ärgerlichsten Erlebnissen des vergangenen Jahres. Lange Zeit sah es danach aus, als sollte der Film ziemlich weit oben in der Bewertungsskala landen, mit einigen wirklich hervorragenden Sequenzen und tollen kleinen Geschichten, doch dann versucht er im letzten Drittel auf einmal mit einigen Szenen völlig auf die Kacke zu hauen, dass mir phasenweise wirklich schlecht wurde. Vor allem die Satanisten-Sequenz war einfach viel zu viel des Guten – hier hätte man einfach an einem gewissen Punkt aufhören sollen, nur leider wurde dieser Punkt nicht gefunden. Schade drum! Dennoch gebe ich mal eine eingeschränkte Sehempfehlung ein, so dass sich jeder ein eigenes Urteil drüber bilden mag. Zu 80% hat der Film nämlich auf jeden Fall Beachtung verdient!

26. Nummer 23 – 60%

Ach Gott, das ist so lange her und so verblasst, dass ich zu diesem Paranoia-Thriller mit Jim Carey in einer ernsten Rollen nicht mehr viel sagen kann. War okay, war teilweise ein bisschen nervig, aber eben auch nix worüber man sich in irgendeiner Art und Weise ärgern würde. Belanglos halt.

25. S.H.I.T. – Die Highschool GmbH – 60%

Vor wenigen Wochen noch in den USA zufällig im TV gesehen. Nette Highschool-Komödie mit einem sehr spannenden gedanklichen Ansatz, aber letztlich nicht viel mehr als durchschnittliche Kost. Für einen lustigen DVD-Abend mit etwas Alkohol aber sicherlich eine nette Alternative zu „American Pie“ & Co.

24. Planet Terror – 60%

So wie es scheint habe ich wohl leider nur den schwächeren Teil des Grindhouse-Doppelpacks gesehen, den Rodriguez-Part. Den fand ich für meinen Teil immerhin recht okay und unterhaltsam. Ich kenne die Vorbilder kaum und kann eigentlich nichts dazu sagen, ob PT dem Grindhouse-Kino in irgendeiner Weise gerecht wird. Aber ich habe mich nicht gelangweilt, nicht geärgert, schlicht und ergreifend -ähnlich wie die Filme vorher auf dieser Liste- ein durchschnittlicher Film.

23. Hallam Foe – This is my story – 60%

Durchschnittlich wäre bei Hallam Foe sicherlich nicht das richtige Adjektiv, denn dieser kleine schottische Film ist durchaus außergewöhnlich. Schließlich ist diese Stalker-Geschichte als alles andere als leichte Kost, sondern im Gegenteil ziemlich sperrig, manchmal für mich in manchen Sequenzen dann sogar derart fremd, dass es mich völlig aus dem Film warf. Was durchaus schade war, denn auf der anderen Seite gab es dann wiederum ganz vorzügliche Szenen, in denen der Film wunderbar um alle möglichen Fettnäpfchen herumtänzelte die eigentlich aufgestellt waren. Zudem gab es dann auch noch tolle Impressionen von Edinburgh, einen überzeugenden Hauptdarsteller und einen starken Soundtrack – aber eben auch diese ganz fiesen Ausfälle. So ist diese Prozentwertung im Grunde auch nur als Provisorium zu sehen, bis zu einer zweiten Sichtung…

22. Der gute Hirte

Fuckin‘ Robert de Niro ’n shit! Die Erwartungen waren sehr hoch, schließlich gehört De Niro als Schauspieler zu meinen Alltime-Favorites und sein Regiedebüt „In den Straßen der Bronx“ ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Seine zweite Regie-Arbeit über die Gründungsjahre der CIA mit Matt Damon, Angelina Jolie, Alec Baldwin und weiteren Hochkarätern konnte diese Erwartungen aber leider nicht ganz erfüllen. Denn leider ist „Der gute Hirte“ phasenweise extrem zäh geraten und mäandert sich minutenlang durch das Drehbuch ohne die Geschichte wirklich voranzubringen. Etwas mehr Straffung hätte dem Film sehr gut zu Gesicht gestanden.

21. Bee Movie – 60%

Netter, weitestgehend unterhaltsamer Animationsfilm über eine Biene, die auszieht, um dem fixen Kastensystem des Bienenstocks zu entfliehen – um sich dann am Ende doch wieder einzuordnen und die Stärken des arbeitenden Kollektivs anzuerkennen. Etwas fragwürdige Aussage im letzten Drittel des Films, genaueres dazu in meiner Kritik.

20. Ex-Drummer – 70%

Eine der intensivsten Erfahrungen des vergangenen Kinojahres hat mir diese belgische Produktion beschert, der ich auf dem Fantasy Filmfest begegnet bin. War ein ziemlicher Tritt in die Magengrube und so recht einordnen kann ich es immer noch nicht. Zumindest kann ich hier schon mal den Sonder-Kino.ED für den coolsten Vorspann vergeben.
Ansonsten: Einfach mal gucken, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Er ist es wert.

19. Ratatouille – 70%

Pixar-Filme sind eigentlich immer eine Bank. Tolle Animationen, kreative Geschichten und die disneytypische Liebe zum Detail. Dies gilt im Grunde auch für die Geschichte der Ratte mit der Leidenschaft für gutes Essen in Paris. Doch im Vergleich zu den letzten Werken, wie Die Unglaublichen oder Cars, konnte Ratatouille nicht so richtig zünden bei mir. Wenn auch auf ansprechendem Niveau doch quasi der schwächste Film aus der Animationsschmiede – aber mit Wall.E steht ja schon der nächste potentielle Kracher in den Startlöchern.

18. Flags of our fathers – 70%

Nach dem überraschend starken „Million Dollar Baby“ gab es im vergangenen Jahr mit „Flags of our fathers“ die zweite Zusammenarbeit des Duos Eastwood/Haggis, die sich diesmal allerdings mit der Aufarbeitung amerikanischer Geschichte befasst – dem zweiten Weltkrieg. Bzw. vielmehr einem kleinen Aspekt dieses Kriegs, und zwar die Story rund um eines der bekanntesten Fotos dieser Ära. Eine durchaus interessante Geschichte, die von Eastwood/Haggis auch ziemlich gut umgesetzt worden ist, mit zahlreichen talentierten jungen Darstellern. Leider fehlt mir auch hier das Gegenstück, „Letters from Iwo-Jima“, in dem sich Eastwood mit der japanischen Seite des Kampfs um die Insel Iwo-Jima auseinandersetzt und das wohl auch der stärkere Film sein muss, wenn man den meisten Äußerungen Glauben schenken darf.

17. Stirb langsam 4.0 – 70%

Ein übermäßig großer Fan der Die Hard-Filme war ich ja nie, wenn ich ehrlich bin. Nicht weil ich sie schlecht fände, sondern einfach, weil sie nichtr derart prägend waren, wie für viele meiner Altersgenossen. Deswegen halte ich diesen neuen, vierten Teil auch nicht für so etwas wie eine Majestätsbeleidigung oder ähnliches – schlicht weil ich es nicht aus diesem Blickwinkel betrachte. Daher ist Stirb Langsam 4.0 für mich vor allem ein Actionfilm klassischer Prägung, der weitestgehend Spaß macht und bei dem man auch mal zwei Augen zudrücken kann, wenn es um Sachen wie Logiklöcher und das Schüren diffuser Ängste gegenüber dem fiesen, bösen Internet geht. Es will ja nur spielen.

16. Das Streben nach Glück – 70%

Will Smith hat sich mittlerweile ja durchaus als Charakterdarsteller etabliert und liefert auch in diesem Film eine sehr überzeugende Performance ab. Der Film an sich ist im Grunde eine klassische gestrickte Aufsteiger-Story, die man so schon oft genug gesehen hat. Er vermeidet aber glücklicherweise auch die meisten Fehltritte, so dass man sich das ganze recht gut anschauen kann.

15. Mitten ins Herz – Ein Song für Dich – 70%

Nur spielen wollen auch Hugh Grant und Drew Barrymore in dieser kleinen RomCom mit einem der blödesten deutschen Titel des letzten Jahres. Beide harmonieren ziemlich gut, die Geschichte ist angenehm erzählt und Hugh Grant beweist zudem erfreulich viel Selbstironie. Ein Film, der nicht wirklich viel falsch macht, sondern in den Genreparametern für knapp 100 Minuten lang solide bis gute Unterhaltung abliefert. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

14. Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis – 70%

Gute Unterhaltung für die Laufzeit bietet auch „Hot Fuzz“ – doch im Gegensatz zum vorher genannten Film lautet hier die Devise eher: „Nicht weniger, aber leider eben auch nicht mehr“ Denn bei HF war die Erwartungshaltung meinerseits doch ungleich höher, schließlich zählt der erste Ausflug des Duos Edgar Wright & Simon Pegg, die Zombiefilm-Hommage „Shaun of the Dead“, doch zu einem der herausragenden Debütfilme der vergangenen Jahre. Zudem geht dann auch die wunderbare TV-Serie „Spaced“ auf das Konto der beiden, eine Serie, die ich zu den drei besten britischen Serien zählen würde, die ich persönlich kenne. HF kann mit diesen Vorgängern leider nur bedingt mithalten. Sehr gut gemacht alles, mit einigen wunderbaren Gags und überraschenden Einfällen – aber leider auch einer Story die teilweise etwas schwächelt und insgesamt einfach wenig Langzeitwirkung. Die meisten Erinnerungen sind doch schon wieder verblasst.

13. Die Fälscher – 80%

Da der Film mehr oder weniger meinen Wiedereinstieg ins Kritikenschreiben nach etwa zweijähriger Abstinenz war, zitiere ich mich einfach mal selbst:
DIE FÄLSCHER ist ein wirklich beeindruckendes und intensives Zeitzeugnis geworden, dass vor allem von seinen Darstellern und seiner lakonischen Inszenierung lebt. Auch wenn diese Schwächen bei der Rahmenhandlung aufzeigt, wenn es darum geht, das Leben des Hauptdarstellers außerhalb des KZs zu zeigen. Vor allem die Vor-KZ-Zeit wirkt etwas kurzatmig inszeniert, wenn man Sie mit der „ruhigen“ Inszenierung innerhalb des KZs vergleicht.
Nichtsdestotrotz halte ich DIE FÄLSCHER wirklich für gelungen und der Film stellt in meinen Augen eine wertvolle Ergänzung zu den sonstigen Filmen über die Zeit während des Zweiten Weltkriegs dar.

12. Clerks 2 – 80%

Sicherlich kann das Sequel nicht mit dem ersten CLERKS mithalten, aber er macht halt einfach Spaß. Punkt.

11. Tenacious D. – Kings of Rock – 80%

Auch das macht einfach nur Spaß. Fucking Rocking and Fucking Rolling!
Außerdem mit dem genialsten Casting-Move überhaupt in Sachen Kinder-Casting.

Und damit kommen wir dann auch schon zu dem was wichtig ist, weil es ab hier Punkte gibt: die Top 10!

10. The Prestige – 80%

Auch wenn der Film nicht die ganz große Nachwirkung hatte, die ich mir mal erhoffte, ist doch auch dieser Film von Christopher Nolan wieder optisch wie inhalltlich sehr gelungen. Das Duell der Magier besticht aber in erster Linie vor allem durch seine beiden Hauptdarsteller Bale und Jackman, die stark aufspielen (bei Bale ist man ja fast versucht noch ein „wie üblich“ einzuschieben). Daneben bleibt aber auch die tolle Optik des Films hängen, mit einigen wirklich fantastischen Bildern, wie z.B. die „Lampen“-Sequenz. Zudem auch ein toller Auftritt von David Bowie in einer kleinen Nebenrolle.

9. Hairspray – 80%

Überraschend großen Spaß machte diese Neuverfilmung des Musical-Klassikers „Hairspray“. Eine ganze Reihe erfrischender junger Darsteller, dazu ein tanzender Christopher Walken, nette Songs, eine saubere Inszenierung, schöne Dialoge – das macht wirklich einfach gute Laune (zumindest, wenn man wie ich das Original nicht kennt). Einziger Wermutstropfen ist John Travolta, dessen Besetzung für die weibliche Rolle Schwachsinn war. Entweder besetzt man da einen „echten“ Transvestiten, so wie im Original, oder man nimmt eine Frau. So aber musste man immer an Travoltatravoltatravolta denken. Das hat definitiv gestört.

8. Todeszug nach Yuma – 80%

Ein Nachholprogramm hatte ich in diesem Jahr nicht wirklich, aber glücklicherweise ergab sich unverhofft doch noch die Gelegenheit „3:10 to Yuma“ nachzuholen, was mich sehr freute. Schließlich war der Film eigentlich ein Must See, bin ich doch in den letzten Monaten ein bisschen auf den Western-Trip gekommen. Und dieser Film von Walk the line-Regisseur James Mangold erfüllt eigentlich alle Ansprüche, die man an einen Western klassischer Prägung haben kann. Ein interessantes Duell zwischen Held und Bösewicht, ein paar gute Schiessereien, trockene Dialoge und ein paar nette Impressionen aus dem wilden Westen der USA. Das dann noch gespielt von einer Reihe exzellenter Darsteller – und schon bin ich zufrieden. Ziemlich zufrieden.

7. Der Sternenwanderer – 80%

Auch Stardust habe ich leider im regulären Kinoprogramm verpasst, obwohl ich ihn eigentlich sehen wollte, und konnte ihn ebenfalls unverhofft nachholen. Definitiv das Beste im Bereich „Fantasy“, was im vergangenen Jahr den Weg auf die Kinoleinwand gefunden hat. Mit natürlich toller Optik, einer Geschichte die mit ordentlich Tempo inszeniert wurde, ohne dass man den Anschluss irgendwie verliert und einigen tollen Darstellern, wie z.B. DeNiro in amüsanter Nebenrolle.

6. Schräger als Fiktion – 80%

Eine Romanfigur, die die Stimme der Erzählerin hört und sich auf den Weg macht um seinen eigenen angekündigten Tod zu verhindern – klingt schräg und ist auch schräg. Schräger als Fiktion eben… Muahaha.
Der eher umstrittene (gerade hier im Forum) Regisseur Marc Foster legt mit diesem Film auf jeden Fall nach „Stay“ wieder mal einen optisch sehr gelungenen Film vor, der neben der kruden Story sicherlich von der erfrischend unkomödiantischen Darstellung von Will Ferell lebt.

5. Pans Labyrinth – 90%

Hiermit kommen wir dann endlich in die Punktewertungsregion, die die wirklich herausragenden Filme kennzeichnet, und das sind eben in diesem Jahr leider nur 5 Stück gewesen. Das Labyrinth von Pan zählt aber definitiv zu diesen herausragenden Filmen von 2007. Eine Art Fantasyfilm vor dem historischen Hintergrund des Franco-Regimes, von der viele nach den Trailern sicherlich anderes erwartet hatten, thematisiert der Film doch eben vor allem die Schrecken der Zeit mit denen die junge Hauptfigur konfrontiert wird, und nutzt die Fantasyeinschübe vor allem als Visualisierung von Ofelias Versuchen mit den Grausamkeiten ihrer Umgebung umzugehen. Wenn man sich darauf einlässt, dann ist Guillermo del Torros Film ein wirklich intensives Werk, dass einen noch ein paar Tage nach dem Kinobesuch beschäftigen wird.

4. Projekt Gold – Eine deutsche Handball-WM

Ein intensives Erlebnis der anderen Art war „Projekt Gold“, die Dokumentation zum Erfolg der deutschen Nationalmannschaft zu Beginn des Jahres 2007 bei der WM im eigenen Land. Regisseur Wilfried Oelsner ist hier ein wirklich stimmungsvolles Portrait gelungen, was sicherlich zu großen Teilen auch an den deutschen Handballspielern (und vor allem auch Heiner Brandt) liegt, die -bei aller Liebe für den Fußball- doch irgendwie die interessanteren Typen sind, als die Jungs der deutschen Nationalelf. Das ganze dann garniert mit einem schön unaufdringlichen Soundtrack, der aber die ebenfalls unaufdringliche Inszenierung sehr gut unterstützt. Und die Story des Turniers spricht ja für sich. =)

3. Die Simpsons – Der Film – 90%

Ich liebe die Simpsons. Und der Film vereinigt eigentlich alles was ich an dieser Serie so liebe. Auch wenn einige Figuren leider zu kurz kamen, ist der Film doch absolut gelungen.

2. Shoppen – 90%

Die wohl zweitgrößte Überraschung des Jahres kommt für mich aus Deutschland. Dieser kleine Film über das Phänomen „Speed-Dating“ ist absolut kurzweilig, unterhaltsam, und trotz des teilweise sterilen Ambientes und der Art der Inszenierung erstaunlich herzerwärmend. War sehr angetan vom Spiel des ganzen Ensembles und von den frischen und bis auf wenige Ausnahmen sehr originellen Dialoge. Große Klasse!

1. Full Metal Village – 90-100%

Und auch die größte Überraschung kommt aus Deutschland: Full Metal Village.
FMV ist wirklich ein ganz, ganz hervorragender Film geworden, der genau zeigt, wie man einen Dokumentarfilm machen muss. Vermutlich gerade weil die Regisseurin nicht gebürtige Deutsche ist, ist es ihr gelungen derart tiefe und beeindruckende Einblicke in das Selbstverständnis und das Bewusstsein der deutschen Landbevölkerung zu bekommen, wie man sie selten sieht. Das ist wirklich sehr faszinierend gewesen, schon allein, weil ich so vieles wiedererkannt habe, was ich aus meinem eigenen kleinen Heimatdorf kenne. Und da sich der Film gerade eben nicht über die vielen Schrullen und Eigenheiten lustig macht oder sie in irgendeiner Weise bloßstellt, ohne aber auf der anderen Seite etwas auszusparen, trägt er vor allem den Untertitel völlig zurecht: Ein Heimatfilm.
Ein, wie ich finde, verdienter Sieger – auch wenn er nicht das ganz große Euphorie-Gefühl erzeugt, wie einige andere Sieger es in den letzten Jahren geschafft haben.
Zudem sehr faszinierend, dass es zwei deutsche Film nach ganz oben geschafft haben bei mir – und dazu noch ein dritter deutscher ebenfalls in die Top5.

Das war das Jahr 2007. Aus meiner Sicht.

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Kurz aufgepickt: Der Krieg des Charlie Wilson

„Der Krieg des Charlie Wilson“ behandelt die Geschichte des Kongress-Abgeordneten Charlie Wilson aus Texas, der federführend bei der Unterstützung der Mudschaheddin durch die Amerikaner im Kampf gegen die Sowjets in Erscheinung trat.

Regisseur Mike Nichols (Catch 22, Closer) hat sich gemeinsam mit dem Drehbuchautoren Aaron Sorkin (u.a. das vielfach unterschätzte „Studio 60 on Sunset Boulevard„), sowie Tom Hanks als Produzenten und Hauptdarsteller in Personalunion an die Verfilmung des gleichnamigen Romans von George Criles gewagt und dabei einen Film erstellt, der vorwiegend Wert auf den komödiantischen Aspekt legt, mit ein paar satirisch-bitteren Momenten, die zum Nachdenken anregen können.

Dabei macht es sich das Trio relativ leicht und inszenierte „Den Krieg des Charlie Wilson“ als doch recht leicht bekömmliche Satire vor bitterem Hintergrund. Das reicht durchaus für einen unterhaltsamen Film, was sicherlich vor allem an den sehr gut pointiert geschriebenen Dialogen liegt, ist aber letzten Endes auch nicht der ganz große Wurf, der er hätte werden können – speziell wenn man ihn im Vergleich zu grob ähnlich angelegten Filmen wie Wag the dog oder Three Kings betrachtet.

Neben den schon erwähnten gelungenen Dialogen und einigen kritischen Ansätzen, die wunderbar auf die heutige weltpolitische Situation Bezug übertragen werden können, glänzt vor auch wieder mal ein äußerst charismatischer Phillip Seymour Hoffman (Mission Impossible 3, Capote), der viele Szenen beinahe alleine trägt. Zudem geht der Film sogar im fast richtigen Moment zu Ende, denn was hätte er es sich nochmal versauen können, wenn er Hanks am Schluss nochmal zu einer pathetischen Rede zum Thema „Wiederaufbau“ hätte ausholen lassen… (Okay, am liebsten wäre mir der Schluss kurz vorher auf dem Balkon nach der Party gewesen)

So komme ich unter dem Strich zu einem wohlwollenden Urteil: 7 von 10 Gabeln

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Der Arsch und der Eimer.

Into the wild

Abenteuer/Drama, USA 2007
Laufzeit: 148 min
Regie: Sean Penn
Darsteller: Emile Hirsch, William Hurt, Marcia Gay Harden, Cathrine Keener, Kristen Stewart, Vince Vaughn

Manchmal gibt es Filme, die kommen zum perfekten Zeitpunkt und passen wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Dies war zum Beispiel der Fall als ich -nach einer knapp zweistündigen Zollkontrolle bei der Ausreise aus Israel- auf dem Rückflug von Tel Aviv den Film „Maria voll der Gnade“ sah.

Dies war aber auch vergangene Woche wieder der Fall, als ich auf dem Rückflug aus den USA die Verfilmung des auf Tatsachen basierenden Romans „Into the wild“ (dt. Titel: In die Wildnis) zu sehen bekommen habe.

„Into the wild“ erzählt die Geschichte von Christopher McCandless, einem hochtalentierten jungen Mann, dem, gerade mit besten Noten das College abgeschlossen, sämtliche Türen der Berufswelt offen zu stehen scheinen. Doch statt nun seine Karriere voranzutreiben, entscheidet er sich dazu sämtliche Brücken zu seinem bisherigen Leben abzubrechen, sein bislang angespartes Vermögen der Wohlfahrt zu spenden und sich den lang gehegten Traum endlich zu erfüllen: Ausbruch aus dem konventionellen gesellschaftlichen Leben an der amerikanischen Ostküste und Flucht in die wilde Natur Alaskas. Diese Reise führt ihn dabei quer durch die USA und sogar für einen kurzen Abstecher nach Mexiko, bevor er letztlich sein Traumziel erreicht, wo er dann gänzlich alle Verbindungen zur Zivilisation kappt und alleine in einem verlassenen Bus mitten in der Wildnis Alaskas lebt.

Regisseur Sean Penn erzählt die Geschichte von McCandless, der sich im Laufe der Reise das Pseudonym „Alexander Supertramp“, auf eine leicht verschachtelte Art, indem er seinen Aufenthalt in Alaska immer wieder mit „Flashbacks“ zu dessen Reise aufbricht, um so die Motivation und die Charakterzüge des Aussteigers näher zu beleuchten. Penn verzichtet dabei allerdings auf eine detailliert durcherzählte Geschichte, sondern inszeniert McCandless‘ Reise vielmehr als eine Art happenartigen Bilderreigen, ohne allzu viel Wert auf Text oder Dialoge zu legen – etwas wodurch sich auch schon Penns letzte große Regiearbeit „Das Versprechen“ auszeichnete.

Wie nun der eine oder andere Leser sicherlich schon aus meinen vorangegangenen Blog-Einträgen mitbekommen haben mag, durfte ich im vergangenen Monat selbst eine kleine Reise durch einen Teil der USA machen, der zu den ebenfalls etwas wilderen und natürlichen Regionen dieses Kontinents Landes zählt, nämlich dem südwestlichen Teil Colorados. Natürlich ist meine Art der Reise wesentlich komfortabler, die Motivation eine gänzlich andere und doch konnte ich mich (bzw. meine Erfahrungen) hier sehr gut wiederfinden können. Und dies gleich aus mehreren Gründen.

Zum einen ist es natürlich die grandiose Natur, die Wildnis, die man in diesem beinahe unendlich erscheinenden, größtenteils dünn besiedelten Land so wunderbar nah erleben kann und die hier vielleicht sogar der eigentliche Hauptdarsteller in diesem Film ist. Denn Penn’s Film ist vor allem auch eine innige Liebeserklärung an die schwer fassbare Schönheit seines Heimatlandes – womit er denn auch irgendwie den Geist McCandless‘ atmet.
Zugleich ist der Film aber auch eine Liebeserklärung an die Einwohner der USA – sicherlich nicht aller (schließlich kommen doch die etablierten Autoritäten eher weniger gut weg), aber doch zumindest einiger. Denn McCandless trifft auf seiner Reise immer wieder auf offene, freundliche Menschen, die ihn wie selbstverständlich an ihrem Leben teilhaben lassen. Und auch dies ist etwas, was ich selbst erfahren durfte, denn auch wenn man Amerikanern gemeinhin vorwirft sie seien oberflächlich und ignorant, so ist dies etwas, was ich nur sehr bedingt bestätigen kann – wenn man sich selbst offen und interessiert gibt.

Ein weiterer Aspekt, der den Film so authentisch und greifbar macht -gerade wenn man weiß, dass zumindest weite Teile der Geschichte wahr sind- ist die zugrunde liegende Motivation von McCandless, die vielleicht nicht komplett aber doch zumindest in Teilen nachvollziehbar ist. Denn Ausbruch aus dem Alltag, Rückkehr zu den Wurzeln und ein autarkes Leben in der Natur sind Sehnsüchte, die vermutlich in den meisten Menschen ab und an einmal aufkommen – meistens aber dann doch wieder von der Vernunft verdrängt werden.
McCandless hingegen zog diesen Ausbruch Anfang der 90er in beeindruckender Konsequenz durch und auch wenn man es vielleicht nicht komplett verstehen kann, so bleibt doch zumindest eine Faszination, die den Film über weite Strecken tragen dürfte, selbst wenn man sich nicht mit den oben von mir genannten Aspekten so sehr identifizieren kann.

Da ich mich aber nicht nur damit identifizieren konnte, sondern auch die letztliche (bittere) Erkenntnis von McCandless persönlich teilen durfte und der Film zudem eben einfach grandios bebildert ist, einen fantastischen Soundtrack hat und mit Emile Hirsch (Alpha Dog, Lords of Dogtown) einen unglaublich intensiven Hauptdarsteler aufweist, komme ich nicht umhin hier die Höchstwertung zu ziehen.

Vielleicht kann ich damit ja zumindest ein wenig mehr Aufmerksamkeit für dieses Kleinod generieren, die ihm durch die quasi komplette Nichtbeachtung bei den Oscars verwehrt bleibt. Verdient hat „Into the wild“ sie nämlich allemal!

Persönliche 10 von 10 Gabeln

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The Colorado Experience: Der Reisebericht – Part 1. [Mit Video]

Nachdem ich hier schon allgemein etwas zum Thema „Einreise in die USA“ geschrieben habe, möchte ich nun meinen Trip nach Colorado ein wenig zusammenfassen.
Wie schon an anderer Stelle angedeutet, handelte es sich bei der Reise um eine berufliche Reise und nicht etwa um einen Urlaub – auch wenn man dies als Nicht-Touristiker vielleicht etwas schwerer nachvollziehen kann. Klar ist es eine tolle Geschichte und zählt definitiv zu den angenehmen Seiten meines Berufs, aber es ist eben auch mit Stress verbunden, wenn man einen vollgepackten Zeitplan hat und die touristischen Highlights in eher knapp bemessener Zeit abklappern muss. Beklagen möchte ich mich wiederum aber auch nicht. =)

Anreise

Die Reise begann am 20. Januar relativ frühzeitig am Morgen (zumindest für meine Verhältnisse…) mit einer Zugfahrt von Köln nach Frankfurt, wo ich ca. 3 Stunden vor Abflug eingetroffen bin. Persönlich bin ich der Meinung, dass 2 Stunden vorher auch locker ausreichen, um einen interkontinentalen Flug anzutreten, aber man weiß ja nie was so passiert. Und verpassen will man seinen Flug ja auch wieder nicht. =)
Von Frankfurt bin ich dann mit United Airlines, netterweise in der Kategorie Economoy Plus (die einige Zentimeter mehr Sitzfreiheit im Vergleich zur normalen Econonomy hat – sehr toll für mich als eher größeren Menschen), über Chicago nach Denver geflogen. In Chicago hatte ich dann, wie im Einreise-Thread schon angedeutet, eine recht kurze Umstiegsphase mit 1,5 Stunden.
Die Wartezeit an der Immigration hielt sich dabei aufgrund guter Logistik eher in Grenzen, nur leider kam mein Koffer danach als einer der Letzten raus, wodurch ich zeitlich ziemlich in die Bredouille kam. Zumal ich dann am Zoll auch noch herausgenommen wurde und mein Gepäck einer Einzelkontrolle unterzogen wurde (was aber doch sehr zügig ablief). Etwas stressig wurde demnach dann der Weg vom internationalen zum nationalen United-Terminal, doch letztlich gelangte ich dann doch noch rechtzeitig ans Gate, da der Anschlussflug selbst verspätet war.

Nach etwa drei Stunden Anschlussflug von Chicago kam ich dann gegen ca. 18.30h in Denver an, wo auch schon eine nette Dame auf mich wartete, um mich in Empfang zu nehmen und zu meinem Transfer-Shuttle zu bringen. Aufgrund meiner sehr späten Ankunft hatte ich sogar einen Privat-Chauffeur, da ich der einzige war, der mit diesem Flug ankam. Bzw. eine Privat-Chauffeuse, denn mich fuhr eine schon ältere, aber nette Dame von Denver nach Colorado Springs, die zeitweise einen etwas verwirrten Eindruck machte und kleinere Umwege fuhr. Aber okay, lustig wars irgendwie schon. =)

Gegen 21.30h kam ich dann jedenfalls in Colorado Springs im wunderschönen Broadmoor Hotel an, wo die Tagung stattfand, an der ich teilgenommen habe. Das Broadmoor ist wohl eines der hochklassigsten Hotels in Colorado, wenn nicht sogar in den USA insgesamt und mein Zimmer war einfach… AWESOME.

Tag 1  – Tagungsbeginn

Am Montag begann dann auch direkt das offizielle Tagungsprogramm. Bei dieser Art von Trade Show gibt es im wesentlichen zwei Gruppen: Buyer und Supplier. Wobei die Gruppe der Buyer hauptsächlich aus internationalen Reiseveranstaltern besteht und die Gruppe der Supplier in diesem Fall hauptsächlich aus Leistungsträgern aus dem Westen der USA, was im Wesentlichen Hotels, Tour-Organisatoren und Fremdenverkehrsverbände sind. Da es für uns hauptsächlich darum geht, sich mit den Leistungsträgern der von uns vertretenen Staaten zu treffen, habe ich mich in der Gruppe der Buyer befunden.

Für diese Gruppe war der erste halbe Tag ein sogenannter „Activities Day“, was eigentlich nur bedeutete, dass wir einen Ausflug gemacht haben, um Colorado Springs (COS) kennen zu lernen. Nach einer Besichtigung des schönen Cheyenne Mountain Resorts gab es dementsprechend erst einmal eine kleine Busrundfahrt durch COS.

Ich würde COS nicht unbedingt als touristisch überaus attraktive Stadt bezeichnen, aber es ist sicherlich (gerade für amerikanische Verhältnisse) eine schöne Stadt, in der es sich recht gut leben lassen dürfte. Das spiegelt sich auch darin wider, dass sich COS neben der Vergangenheit als Ausgangspunkt für Minenarbeiter in den umliegenden Bergregionen vor allem einen Namen als Kurort gemacht hat. Dementsprechend gibt es hier einige weitläufige Viertel mit vielen kleineren und größeren schönen Häuschen, die oft im viktorianischen Stil erbaut sind.
Dementsprechend würde ich persönlich Colorado Springs nicht als primär touristisches Ziel bezeichnen, aber die Stadt eignet sich sicherlich sehr gut, um hier zwei, drei Nächte zu verbringen und von hier aus die Region zu erkunden.

Im Anschluss an die Rundfahrt, die uns auch durch Old Colorado City geführt hat -ein Stadtteil, der viele sehr schön restaurierte Gebäude aus der Pionierszeit hat und definitiv einen kleinen Ausflug lohnt-, kamen wir dann zum Garden of the Gods. Der Garden of the Gods ist „nur“ ein City Park (und kein Nationalpark o.ä.) und kostet deswegen keinerlei Eintritt, was schon sehr ungewöhnlich ist. Er ist im wesentlichen eine Art Tal, dass sich durch einige äußerst spektakuläre Gesteinsformationen auszeichnet, die durch Jahrhundertelange Erosion und Gesteinsfaltung entstanden sind und wirklich bizarre Formen ergeben hat, die aussehen, als seien sie von unten durch den Boden geschoben worden. Sehr empfehlenswert ist hierbei die etwa 15minütige, kostenlose Videovorführung, die man sich im Visitor Center am Eingang zum Park anschauen kann. Hier wird sehr gut und anschaulich erklärt, wie dieses Gebiet entstanden ist.
Das Video ist natürlich in Englisch, aber ich denke Menschen mit halbwegs ordentlichen Sprachkenntnissen sollten sich das nicht entgehen lassen. Zumal man auch über die Rocky Mountains insgesamt einiges lernen kann.

Am Nachmittag ging es dann zurück ins Broadmoor, wo dann mit zwei Empfängen die ersten „richtig“ offiziellen Termine anstanden, bei denen es vorwiegend um das Thema „Socialising“ ging und in deren Rahmen sich einige der Sponsoren aus Colorado vorstellen konnten und zahlreiche Produkte aus diesem teilweise immer noch sehr landwirtschaftlich geprägten Bundesstaat gereicht wurden.

Tag 2 & 3 – Die Tagung

Dienstag und Mittwoch waren dann tagsüber bestimmt von drei Dingen:
Meetings, Meetings und Meetings.
Etwas über 50 Termine mit den unterschiedlichsten Leistungsträgern standen in diesen zwei Tagen auf dem Programm, unterbrochen von jeweils ca. 3 Pausen pro Tag – die dann zumeist auch noch mit irgendwelchen Besprechungen oder zumindest lockeren Lunch-Meetings ausgefüllt wurden.
An den Abenden hingegen gab es dann wieder etwas lockereres Programm.

Am Dienstag Abend gab es beispielsweise einen kleinen Ausflug in die etwa 25 Minuten Fahrzeit entfernte Flying W Ranch. Dabei handelt es sich um eine Event Location im Wild West-Stil, die im Sommer jeden Abend ein sogenanntes Chuckwaggon Supper anbietet. Sprich: Ein zünftiges Dinner im Western-Stil mit ordentlich Beef, Beans und Maiskolben, sowie Country-Musik von einer Live-Band und einem passenden Rahmenprogramm. Eine recht coole Sache, denke ich, gerade für größere Gruppen, zumal beeindruckend ist, wie gut sie es dort hinbekommen, mehrere hundert Menschen in kurzer Zeit durch die Buffetstationen zu schleusen.

Das wirklich coole Event gab es dann aber am Mittwochabend – obwohl ich es eigentlich gar nicht erwartet hatte. Und zwar wurden wir mit Bussen nach Canon City gefahren, wo wir dann in einen Zug der Royal Gorge Route Railroad gestiegen sind. Ja, ne coole Sache – aber eben am späten Abend in kompletter Dunkelheit, was bei einem Zug, der durch eine Schlucht fährt irgendwie schade ist. Kann man im Dunklen doch eher wenig sehen.
Aber ein fataler Irrtum!
Denn zum einen war es eine Vollmondnacht und zum anderen (was vermutlich einen größeren Effekt hatte) waren aussen am Zug Scheinwerfer angebracht, die die Schlucht beleuchteten. Und da es neben den normalen Waggons auch offene Wagen gab, auf die man gehen konnte (sogenannte „cattle waggons“), bekam man sogar eine gute Gelegenheit diese atemberaubende Schlucht, die zudem auch noch teilweise von Schnee bedeckt war (der Fluss war sogar streckenweise überfroren!), zu begutachten. Wirklich atemberaubend und ich kann es jedem nur empfehlen, der in der Gegend ist, einen solchen dinner train ride zu machen. Auch wenn es einfach nur schweinekalt auf dem cattle waggon war… Bei Temperaturen um 0° Fahrenheit irgendwie kein Wunder – und der zugefrorene Fluß kommt ja auch nicht von ungefähr… =)
Aber die meisten deutschen Touristen bereisen Colorado ja ohnehin eher im Sommer (Skiurlaube mal ausgenommen) und wenn man es dann noch tagsüber macht, dann ists ohnehin wärmer. Zudem hat man natürlich auch einen besseren Blick auf die Royal Gorge Brige, die, so nebenbei, die höchste Brücke der Welt ist.

Tag 4 – Tagungsende

Der Donnerstag bot dann nochmal die Möglichkeit, eine von mehreren organisierten Touren zu machen, was ich dann aber aus zwei Gründen nicht gemacht habe. Zum einen gab es zwei Touren, deren Programme ich beide teilweise gerne mitgemacht hätte, und zum anderen starteten alle Touren relativ früh, was nach den vorangegangen harten Abenden mit viiiiel Socialising doch irgendwie suboptimal war. Dementsprechend entschied ich mich dann für ein bisschen Ausschlafen bis 9 Uhr und dann eine Fahrt zum Flughafen, um meinen Mietwagen abzuholen, und meine eigene Tour zu starten.

Erster Stopp: Garden of the Gods
Klar, ich war montags schon mal dort, aber zum einen war das Wetter sehr besch…eiden, und zum anderen hatte man vorher mit der Gruppe leider nicht die Möglichkeit, den Park wirklich zu Fuß zu erkunden. Dementsprechend wollte ich unbedingt nochmal dorthin, um einerseits das volle Panorama mit der Bergkette um Pikes Peak genießen zu können und zum anderen, um mal ein wenig durch den Park zu wandern. Denn eines der Dinge, was ich so sehr an den USA mag, ist die tolle Infrastruktur der Parks, die es -fast immer- schaffen, ein ausgiebiges Netz an Wanderwegen (und teilweise auch Straßen) in die Landschaft zu integrieren, ohne den ursprünglichen Charakter dieser zu vernachlässigen.

Zweiter Stopp: Manitou Springs
Am Rande von Colorado Springs liegt Manitou Springs, ein Städtchen, in dessen Renovierung sehr viel Aufwand in den letzten Jahren gesteckt wurde, und das wirklich einen sehr hübschen Kern besitzt, der an den Stil der alten Minenarbeiterzeit angelehnt ist. Am ehesten bekannt ist Manitou Springs aber wohl als Ausgangspunkt der Pikes Peak Cog Railway, einer Zahnradbahn, die Besucher auf den Pikes Peak, den höchsten Berg der Gegend führt.

Dritter Stopp: Florissant Fossil Beds National Monument
Zugegeben, dieser Stopp stand eigentlich nicht auf dem Programm, aber ein National Monument muss man immer mal mitnehmen. Zudem lag es auf dem Weg. Wie der Name des Parks schon erahnen lässt, sind in diesem Park hauptsächlich Fossilien zu sehen, die durch frühere vulkanische Aktivitäten in der Gegend entstanden sind. Ist recht interessant, vor allem da es hier nicht nur um kleine Fossilien von Insekten geht, sondern es dort auch zahlreiche versteinerte Baumstümpfe von (ehemals) riesigen Redwood-Trees, die schon ziemlich beeindruckend sind. Was aber wirklich lohnenswert ist, ist die Umgebung auf dieser Art „Hochplateau“. Nicht umsonst ist die Straße, die entlang des National Monuments nach Cripple Creek führt, ein Scenic Byway. Wirklich eine empfehlenswerte Tour!

Vierter Stopp: Cripple Creek
Das Bergstädtchen Cripple Creek hat sich vor allem durch zwei Dinge einen Namen gemacht:
a) Die Historie als Mining Camp
b) Glücksspiellizenzen
Beides zusammen hat dazu geführt, dass die Innenstadt heute geprägt von restaurierten Wild-West-Gebäuden ist, in denen sich zu großen Teilen Casinos befinden. Das sieht ganz nett aus, und hat nicht ganz den Glitzerstyle von Städten wie Las Vegas und Co, sondern etwas mehr Charme und Flair, aber ist wohl eher ein Anziehungspunkt für amerikanische Touristen. Deutsche Touristen dürften sich hingegen wohl mehr für die Vergangenheit aus der Goldgräberzeit interessieren. So kann man dort z.B. eine Fahrt in eine solche alte Mine unternehmen – die in der Winterzeit leider geschlossen ist. Lohnenswert ist allerdings auch ein Stopp im neu eröffneten Heritage Center, das, sehr schön gelegen auf einem Hügel über der Stadt, die Geschichte der Stadt und der Region ziemlich interessant darstellt.

Fünfter Stopp: Cave of the winds
Auf dem Rückweg, durch einmal mehr beeindruckend spektakuläre Szenerie, habe ich dann noch einen Halt bei den Cave of the winds gemacht, einem Höhlensystem am Rande der Rockies kurz vor Manitou Springs gelegen. Aus Zeitgründen konnte ich leider keine Tour mehr in die Höhlen machen, aber alleine schon die Lage in den Seitenwänden eines Canyons ist ziemlich spektakulär, zumal man einen beeindruckenden Ausblick über Colorado Springs und das dahinter liegende, scheinbar unendliche Flachland im Westen Colorados hat.

Da ich nun schon wieder sehr lang geworden bin, werde ich den ersten Teil des Rückblicks hiermit beschließen, und stattdessen auf das folgende Video hinweisen, dass ich zusammengebastelt habe und die komplette Tour umfasst. Es ist das erste Mal, dass ich ein Video erstellt habe, deshalb seid bitte rücksichtsvoll. Es ist nicht sonderlich aufregend, garantiert nicht witzig und vielleicht auch etwas zu lang geraten, aber ich hoffe Euch doch einen kleinen Eindruck von der atemberaubenden Schönheit des amerikanischen Westens (in diesem Fall: der Schönheit Colorados) geben zu können. Außerdem ist die Musik gut. Und der Hauptdarsteller sieht atemberaubend gut aus. 😉

Have fun!

Noch ein paar Infos zum Soundtrack:
Thomas Newman – Rock Island, 1931 (Road to Perdition OST)
Lindsey Buckingham – Big Love
Johnny Cash – (Ghost) Riders in the sky
Daniel Cirera – Roadtrippin‘
Johnny Cash – Any old wind that blows
Nick Drake – Magic

Stay tuned for more Reisebericht in the next days!

Or just visit www.colorado.com für kostenlose Informationen über Colorado! =)

PS: Ich werde versuchen das Video noch in besserer Qualität bei www.Stage6.com einzustellen – nur leider antworten die Deppen bisher nicht mit einer Bestätigungsmail. Also müsst ihr erstmal mit der durchschnittlichen Qualität auskommen.
Achja, ein bisschen Feedback, gerade zum Video, ist gerne gesehen – damit ich beim nächsten Mal die Videos besser gestalten kann. Oder das ganze einfach bleiben lasse. =)

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Reisen in die USA – Einreise & Sicherheitskontrollen. -{UPDATED}-

Okay, eigentlich wollte ich hier mit der Zusammenfassung meiner USA-Reise beginnen, aber da der Teil über die Einreise in die USA etwas ausgeufert ist und zudem eher allgemeiner Natur ist, habe ich mich dazu entschlossen, diesem Thema einen eigenen Eintrag zu widmen. 

Fliegt man in die USA, wie ich vergangene Woche von Frankfurt über Chicago nach Denver so ist am ersten Flughafen, an dem man US-Boden betritt, (in meinem Fall Chicago) das fällig, was für viel Entrüstung und auch viel Verwirrung sorgt: die Einreise.

Chicago O’Hare Airport

Viele Legenden ranken sich darum, und gerade von vielen Menschen, die im letzten Jahrzehnt nicht in die USA gereist sind, wird die Einreiseprozedur als ein Hauptgrund angeführt, erst einmal nicht dorthin zu reisen. Doch wie ist es wirklich?

Nun, es ist in erster Linie vor allem eins: Sehr lästig.
Gerade wenn man, wie ich in diesem Fall, einen Anschlussflug innerhalb der nächsten 1,5 Stunden erreichen muss, dann ist es schon sehr lästig, wenn man sich erst einmal in die Warteschlangen vor der Immigration Booth einreihen muss.
Und an diesem Punkt liegt dann auch der Vorwurf, den ich dem System machen muss.
Hat man nämlich nicht zufällig das Glück, dass der eigene Flug gerade der einzige ist, der aus Übersee am entsprechenden Flughafen eingetroffen ist, dann muss man sich zumeist mit sehr vielen Menschen gleichzeitig in eine Warteschlange stellen. Und es ist dann einfach ärgerlich, wenn man dann sehen muss, dass nur ein Bruchteil der Schalter geöffnet ist. Dies musste ich bisher vor allem in Washington so erleben, zumal dieser Flughafen auch noch aufgrund der Gebäudestruktur etwas suboptimal für einen Umstieg ist. In Chicago hat man dies aus logistischer Sicht erfreulicherweise recht gut gelöst, wo man dann auch schon mal spontan die Schalter für internationale Besucher öffnet, die eigentlich für US-Citizens gedacht sind.

Hier habe ich auf jeden Fall die Hoffnung, dass sich die Abläufe so allmählich mal mehr in Richtung Servicegedanken orientieren, als nur unter dem Aspekt der „inneren Sicherheit“ ausgerichtet zu sein. Dies äußerte sich diesmal z.B. auch darin, dass ich bei dieser Einreise in Chicago sogar mehrfach auf freundlich LÄCHELNDE Sicherheitsleute traf. Etwas, was ich bisher noch gar nicht erleben durfte und schwer überfällig war.

Wie aber läuft die eigentliche Einreise in die USA ab?
1. Noch im Flugzeug bekommt man zwei Formulare, die man während des Flugs ausfüllen sollte
a) Ein (grünes) VISA-Formular, bei dem man seine Ausweisnummer, die erste Adresse in den USA und einige weitere Angaben einträgt
b) Ein (blau-weißes) Zollformular, bei dem man Infos über die mitgeführten Güter (Waren/Geld) einträgt – sofern man irgendetwas ungewöhnliches dabei hat
2. In die Warteschlange vor der Immigration einreihen
3. Wenn man dann dran ist und tatsächlich in die USA „einreist“, hat man folgendes vor sich:
a) Reisepass und das grüne Formular (VISA) vorzeigen
b) Zwei, drei allgemeine Fragen beantworten (i.d.R. über Anlass der Reise, Dauer des Aufenthalts und Reiseziele in den USA)
c) Sich Fotografieren lassen
d) Fingerabdrücke abgeben (bislang umfasst das beide Zeigefinger; in naher Zukunft wird dies allerdings sämtliche 10 Finger betreffen)

Die meisten Touristen stören sich vor allem an den beiden letzten Dingen. Umgibt die Kombination von „Fotografiert werden“ und „Fingerabdrücke registrieren“ doch immer die Aura von Kriminalität – schließlich kennt man sowas sonst nur aus einschlägigen Fernsehkrimis (zumindest wenn man ein unbescholtener Bürger ist).
Ich persönlich empfinde das als nicht ganz so schlimm, erkenne ich doch den Sicherheitsgedanken dahinter und auch den Nutzen den diese Erfassung bei der Einreise hat bzw. haben kann.

Andererseits kann ich natürlich auch verstehen, wenn jemand sich von dieser Art der Erfassung unangenehm behandelt fühlt. Wenn man es allerdings nüchtern betrachtet, wird es aller Voraussicht nach über kurz oder lang dazu kommen, dass die Einreiseprozesse allgemein eher in diese Richtung gehen werden – egal in welche Region man einreist.

Der für mich persönlich wirklich lästige Teil kommt allerdings erst nach der eigentlichen Einreise. Ist man nämlich durch die Immigration durch muss man -egal ob der betreffende Flughafen Endziel oder nur Umstiegsairport ist- erst einmal sein Gepäck vom Baggage Claim abholen. Hat man sein Gepäck, geht man damit dann durch die Zollkontrolle (wo man das blau-weiße Formular abgibt) und verlässt anschließend entweder den Airport oder, wenn man noch einen Anschlussflug hat, gibt das Gepäck hinter der Zollkontrolle wieder ab und begibt sich in Richtung des Abflug-Gates.

Warum ist dies nun lästig?
Das Problem liegt dabei in der Unberechenbarkeit der Dauer, wie lange man auf sein Gepäck warten muss. Wie weiter oben schon angedeutet hat man meist eher kurze Umstiegszeiten, so dass sich die Wartezeit an der Immigration plus die Wartezeit am Gepäckband (wenn das eigene Gepäck erst sehr spät rauskommt) schon zu einem ziemlichen Zeitproblem auswachsen können – wie es auch dieses Mal bei mir der Fall war.
Zumal bei mir auch hinzu kam, dass ich an der Zollkontrolle herausgepickt wurde und mein Koffer individuell untersucht wurde. In diesem Fall empfiehlt es sich dann aber immer freundlich zu bleiben und zu sagen, dass man unter Zeitdruck steht und seinen Flieger erwischen muss. In der Regel wird das Gepäck dann recht zügig untersucht (solange man nix Verbotenes dabei hat) und man wird schnell weitergelassen.

Hat man das Gepäck nach dem Passieren der Zollkontrolle wieder abgegeben, stehen dann eigentlich nur noch zwei Dinge an:
Eine persönliche Sicherheitskontrolle und möglichst schnell das eigene Gate finden.

Zum Thema Sicherheitskontrollen noch ein paar Worte:
In den USA (wie auch im UK oder in einigen anderen Ländern) zieht man bis auf die Hose, Shirts, Pullis und natürlich die Unterwäsche i.d.R. alles aus. Sprich: Jacken/Mäntel, Schuhe und Gürtel, sowie Oberteile mit Reissverschluss.
Sollte man einen Laptop dabei haben, ist es, wie auch fast überall anderswo, notwendig, diesen aus der Tasche zu nehmen und in einer eigenen Kiste durch die Röntgenmaschine laufen zu lassen.
Immer wieder Fragen wirft auch das Thema „Feuerzeug“ auf. Was ich auch nicht wusste (und weswegen mir dieses Mal auch zwei Feuerzeuge aus dem Koffer genommen worden sind): Feuerzeuge NICHT in den Koffer sondern wenn man eines mitnehmen möchte, dann sollte man dies im Handgepäck mitnehmen!
Ich habe mich extra erkundigt und das ist die aktuelle Anweisung im Januar 2008 – im vergangenen Mai war dies bspw. noch anders…

Zum Thema „Flüssigkeiten im Handgepäck“ gibt es genügend Informationen anderswo. Ich halte es immer so, dass ich einfach gar nichts Flüssiges durch die erste Sicherheitskontrolle mitnehme, so bin ich auf der sicheren Seite. Sollte aber jemand doch etwas mitnehmen müssen, so finden sich in der Regel auf den Homepages der Airlines, wie auch der deutschen Flughäfen immer ausführliche Beschreibungen dessen was man mitnehmen kann und wie man es verpacken soll.

Dass man frische Lebensmittel wie Obst, Fleisch, o.ä. nicht auf einen anderen Kontinent mitnimmt sollte eigentlich selbstverständlich sein. Aber da ich dies nicht erst einmal anders erlebt habe, wollte ich es an dieser Stelle doch noch einmal erwähnen. (Dinge wie eingeschweisste Müsliriegel und ähnliches sind hingegen normalerweise kein Problem!)

Zu guter Letzt möchte ich noch ein paar Worte über das Thema „Reisepass“ verlieren.
Denn dies ist eine der am häufigsten gestellten Fragen, die USA-Reisende stellen, die aber dabei  eigentlich mit am einfachsten zu beantworten ist.
Hat man einen bordeauxroten Reisepass, der maschinenlesbar ist, kann man einreisen. Punkt. Dies gilt natürlich für die in den letzten Monaten ausgestellten Pässe, die ohnehin schon biometrisch ausgelegt sind, aber dies gilt ebenso für die Reisepässe der vorangegangenen Jahre mit dem bordeauxroten Cover und dem maschinenlesbaren, laminierten Pass innen.

Kleiner Tipp zum Abschluss: Um einfach auf der sicheren Seite zu sein, sollte man, so es denn möglich ist (bei mir war es das diesmal nicht), ein Zeitfenster von mindestens zwei bis zweieinhalb Stunden am Umstiegsflughafen einplanen. Damit sollte man eigentlich auskommen. Hat man nur 1-1,5h zur Verfügung kann dies auch klappen – allerdings muss man dann damit rechnen, dass man u.U. ein wenig rennen muss, wenn nicht alles reibungslos abläuft. =)

Allgemeine Visa-Informationen gibt es unter: www.us-botschaft.de
Dort findet man dann auch genauere Infos über die Einreisebestimmungen für Nicht-Deutsche oder über das was man an Lebensmitteln in die USA mitnehmen darf und was nicht.

Nachtrag 14.06.08:
Im vergangenen Monat konnte ich nun auch zum ersten Mal Erfahrungen mit dem Flughafen von Atlanta machen dürfen, über den ich dieses Mal in die USA eingereist bin und ich war ein wenig gespannt. Denn Atlanta ist nicht nur der größte Flughafen der USA sondern der Welt und bei einem Passagieraufkommen von ca. 85 Millionen Menschen pro Jahr -von denen ein nicht unerheblicher Anteil aus anderen Ländern einreist- ist das natürlich ungeheurer logistischer Aufwand der dort tagtäglich erledigt werden muss. Um es kurz zu fassen: Ich war doch insgesamt recht positiv überrascht. An der Immigration gibt es eine große Zahl an Schaltern von denen, soweit ich es gesehen habe, auf die überwiegende Mehrheit geöffnet war. Dementsprechend hielten sich die Wartezeiten auch durchaus in Grenzen, so dass man insgesamt ziemlich schnell durchkam. Auch von der organisatorischen Seite lief alles gut, da überall Personal vorhanden war, die Anweisungen gaben und die Leute „sortiert“ haben, zwar nicht grade mit freundlichem Enthusiasmus, aber doch auch nicht mürrisch-feindselig. Am ehesten passte wohl das Adjektiv „routiniert“ (Ganz im Gegensatz zu meinem sehr miesepetrigen Immigration Officer – aber gut, Spaß würde mir der Job wohl auch nicht machen).
Auch danach lief alles soweit sehr wohlorganisiert, die Abläufe waren gut eingespielt und durch die recht langen Wege waren dann die Wartezeiten am Baggage Claim auch nicht übermäßig lang.
Und damit wären wir dann auch schon bei meiner Empfehlung für Atlanta: 2.15h als  Mindestumsteigezeit würde ich hier auf jeden Fall empfehlen. Denn alleine durch die schiere Größe des Flughafens und die damit verbundenen Wege braucht man einfach eine gewisse Zeit. Ansonsten kann ich aufgrund meiner Erfahrungen aber Atlanta durchaus als Einreiseflughafen empfehlen – ist nur aus meiner persönlichen Sicht meist mit dem Nachteil verbunden, dass man dorthin in der Regel mit Delta Airlines fliegen muss und basierend auf den Erfahrungen, die ich dieses Mal gemacht habe, würde ich diese Airline nun wiederum nicht unbedingt empfehlen. Für Inlandsflüge durchaus – denn da hat man In-Seat-Bildschirme und ein ausgefeiltes Entertainmentprogramm, das amerikanisches Fernsehprogramm und eine breite CD-Auswahl bietet. Auf den Flügen von Deutschland in die USA (und natürlich umgekehrt) hatten wir allerdings sehr alte Flieger mit Fernsehern an der Decke und einer eher begrenzten Auswahl an Musikprogrammen (zumindest für meinen Geschmack). Zudem fiel das Entertainment-System dann auf dem Rückflug auch noch aus, da der Ton nicht funktionierte. Und wäre dem noch nicht genug gewesen hatten wir auf beiden Flügen 2 bzw. 2,5 Stunden Verspätung – auf dem Rückflug verbrachten wir diese Wartezeit sogar auf dem Rollfeld. Aber gut, ich schweife ab und das sind halt letzten Endes auch nur Einzelerfahrungen, die -so hoffe ich für Delta- sicherlich nicht repräsentativ sind.

Zum Thema Online-Registrierung vor Abreise habe ich einen eigenen Eintrag geschrieben, der hier zu lesen ist. Bitte unbedingt durchlesen, da sich durch diese neue Regelung ab kommendem Jahr einige der oben erwähnten Abläufe ändern werden!

Nachtrag, 04.08.08:
Hier bitte auch meinen Test des ESTA-Verfahrens durchlesen und welche Erfahrungen ich dort sammeln konnte.

Falls jemand von Euch Fragen zu diesem Thema haben sollte (gerade auch Besucher, die durch spezifische Suchanfragen hier gelandet sind), beantworte ich diese gerne. Einfach unten in den Kommentaren melden!
Gerne auch meine anderen Einträge zu diesem Themenbereich durchlesen. In der Regel sind diese in der Kategorie „Work & Travel“ abgelegt.

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