Geldprobleme.

Everything’s gone green

Komödie, CAN 2006
Laufzeit: 93 Min.
Regie: Paul Fox
Darsteller: Paulo Constanzo, Steph Song, JR Bourne, Aidan Devine

Eines der Filmgenres, die ich am liebsten sehe, sind kleine Independent-Komödien mit tragikomischen Einschüben, einem schönen Soundtrack voller semi-bekannter Bands, jungen unverbrauchten Darstellern und jeder Menge zauberhafter, weil kurioser Einfälle. Und auch wenn sich in diesem Independent-Bereich schon teilweise so etwas wie ein Mainstream herausgebildet hat (wenn ich einen geschätzten Kollegen zitieren darf), gibt es doch noch so viel erfrischendes und schönes in diesem Feld zu sehen, dass ich immer wieder gespannt bin, was mich hier erwartet.  Genauso war es denn auch, als mir Everything’s gone green von einem Kumpel empfohlen wurde, eine kleine kanadische Produktion, die den Sprung nach Deutschland bislang nicht geschafft hat – und ich würde die Chancen auch nicht als allzu groß einordnen, dass sich dies irgendwann ändern wird.

Dieser Film von Paul Fox, der bislang vorwiegend als Regisseur von TV-Serien in Erscheinung getreten ist (u.a. das amüsante „Little Mosque on the prairie“), dreht sich um Ryan Arler, einen klassischen ‚Slacker‘, der sein Geld bislang als technischer Autor verdient hat, bis er eines Tages suspendiert wird, als seine Vorgesetzte entdeckt, dass sein Job ihn zu suizidalen Phantasien treibt. Durch eher kuriose Umstände bekommt er allerdings ziemlich schnell die Chance bei einer Lotteriegesellschaft anzufangen, ein Job bei dem er seinem Hobby, Fotografie, frönen kann. Der Kontakt mit dem Golfplatzdesigner Bryce führt dann dazu, dass er seinen Job allerdings nutzt, um ins Geldwäschegeschäft einzusteigen – was sich als durchaus profitabel erweist.
Wie wir aber alle wissen, ist Geld natürlich längst nicht alles und so stellt er sich bald die Frage nach dem Sinn, nach der Bedeutung und nach dem was ihm wirklich wichtig ist.

An dieser Stelle muss ich dann leider auch erwähnen, dass ich Euch soeben die ganze Story des Films verraten habe, denn wesentlich mehr passiert in diesem Film nicht -mal abgesehen von einigen Nebenschauplätzen, wie der für diese Filme üblichen Drogen-Storyline, die hier erfreulich unkonventionell angesetzt ist. Denn auch wenn sich der Film relativ ambitioniert darstellt, in den Themen, die er anschneidet, so ist leider das Geschehen an sich zu oberflächlich dargestellt, was für mich vor allem am fehlenden Timinggefühl liegt.

Sehr ruhig, fast meditative Sequenzen, die vor allem Stimmungen transportieren, aber wenig zur Geschichte beitragen, wechseln sich mit Stellen ab, an denen plötzlich rasant versucht wird eine Entwicklung über einen längeren Zeitraum in wenige Einstellungen zu verpacken. Das ist schade, denn so bekommt man als Zuschauer kaum Möglichkeiten diese Entwicklungen tiefergehend nachvollziehen, sondern hat eher den Eindruck, dass Regisseur Fox sich gezwungen sah, ab und zu die Geschichte weiterzuerzählen, während eigentlich lieber in den kleinen, stimmungsvollen Momenten verharrt wäre. Und diese Momente waren wirklich meist sehr bezaubernd und haben den Film wirklich sehenswert gemacht, da Fox es wirklich verstand, neben dem überzeugenden Hauptdarsteller Costanzo (u.a. Road Trip) auch noch einen zweiten Hauptdarsteller richtig in Szene zu setzen: Vancouver. Den neben den oben angesprochenen Themen ist Everything’s gone green vor allem auch eine kleine Liebeserklärung an die Stadt im Südwesten Kanadas, von der hier in Verbindung mit dem superben Soundtrack vom Indie-Label Lakeshore Records (u.a. auch zu Little Miss Sunshine, Nacho Libre, The Last Kiss und demnächst zum heiß ersehnten Be Kind Rewind) sehr stimmungsvolle Impressionen geboten werden.

Nimmt man nur diese Aspekte heraus funktioniert der Film denn auch wirklich gut -trotz der angesprochenen Schwächen im Storytelling und im Gesamtrythmus des Films-, so dass man sich hier keinesfalls ärgert, wenn man die ca. 1,5h Lebenszeit für diesen Film aufwendet. Somit:

Wohlwollende 6 von 10 Gabeln

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Cinema Paradiso

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s