Harn und Drang.

8 Tage nach der Einladung bei meiner Käthe, wurde ich am vergangenen Freitag wieder zu einer Frau nach Hause eingeladen. Bei dieser Dame mit dem Namen Bette Frost war es dann allerdings weit weniger kuschelig, und zudem stellte sich heraus, das diese Dame eigentlich gar keine Dame ist, sondern drei Männer namens Fettes Brot!

Okay, okay, heute lass ich das mal mit den Metaphern. Dazu sind die Kopfschmerzen von der gestrigen Zechtour (zum ersten Mal seit nem dreiviertel Jahr wieder privat -und nicht geschäftlich- Alkohol in größeren Mengen konsumiert… ich werde alt…) noch zu präsent.

Nun ja, wie dem auch sei. Freitag abend sah ich nun also zum zweiten Mal die Band Fettes Brot beim Abschlusskonzert ihrer kleinen „Quasigeheimen Clubtour“ unter dem anagrammatischen Decknamen „Bette Frost“. Zum zweiten Mal, da ich sie schon einmal als großartige Vorband eines Konzerts der noch großartigeren Ärzte in Oberhausen erleben durfte. Damals gab es nur eine knapp 45minütige Kostprobe ihres Könnens, bei dem sie einige ihrer größten Hits in ziemlich angerockter Version spielten.

Dieses Mal aber waren sie nun der Headliner und zudem stand diesmal die Präsentation ihres neuen Albums „Strom und Drang“ im Vordergrund. Und dementsprechend wurden denn auch die ersten ca. 40 Minuten direkt mit den 11 Songs ihres neuen Werks gefüllt, das im Frühjahr ’08 erscheinen wird.
Die neuen Songs sind dabei weitestgehend dem bekannten Stil treu geblieben (HipHop mit Einflüssen aus Rock, Reggae & Co.), allerdings diesmal, passend zum Albumtitel, noch mit wesentlich mehr elektronischen Einflüssen in einigen Songs. Ganz deutlich wird dies in der ersten Single, die aus „Strom und Drang“ ausgekoppelt werden wird: „Bettina, pack Deine Brüste ein!“. Eine Art Mischung aus „Schwule Mädchen“ und „Emanuela“ mit einem gehörigen Schuß Elektronik. An diesem Song wird im Frühsommer 2008 sicherlich kaum ein Weg vorbeiführen, denn das Ding ist extrem eingängig, hat einen perfekten Gröhlslogan und ist zudem noch sehr tanzbar.
Sehr schön waren auch die 3 „Solo-Songs“, die die Jungs jeweils gesungen haben, wobei mir der Track von Doktor Renz (mit „dem Liebe“ von ihm angekündigt) richtig, richtig gut gefallen hat, da er die elektrische Komponente zugunsten von Ska(?)-Einflüssen vernachlässigt hat, was mir als altem Rocker natürlich sehr zugesagt hat. Auch schön war der eher balladeske Song „Ich lass dich nicht los“ von Björn Beton, der das Thema „Liebe in Zeiten des Internets“ behandelt. Aber auch einige weitere Songs waren wirklich klasse und sicherlich in etwa auf dem Niveau des Vorgängers „Am Wasser gebaut“. Für ein abschließendes Urteil wird es allerdings eines wirklichen Hörens des Albums bedürfen, um auch die Texte wirklich zu verstehen.

Denn leider hatte der Auftritt der Brote im Kölner Gloria, so schön die Location an sich auch war, einen ganz eklatanten Nachteil: Der Sound war leider alles andere als gut. Vielleicht standen wir auch einfach nur schlecht, aber meiner Meinung nach wurde hier beim Soundcheck ziemlich gepfuscht, denn die Musik der 8-köpfigen Band (3 Bläser, Gitarre, Bass, Drums und DJ plus Pascal Finkenauer) übertönte fast durchgängig die Stimmen der drei Jungs, was eben im ersten Teil sehr verhängnisvoll war – kannte doch noch niemand die Texte des neuen Albums. Wäre hier professioneller gearbeitet worden, hätte es wirklich ein perfektes Konzert sein können – selbst für mich als Nicht-HipHopper…

Denn zu was die Jungs imstande waren, sah man dann in der zweiten Hälfte des Konzerts, in denen Sie dann für etwa eine dreiviertel Stunde nochmal rauskamen und den Club mit ihren Klassikern so richtig rocken konnte. Hier war das Verständnis der Texte schließlich vollkommen egal – kennt man doch Songs wie Jein, Schwule Mädchen, Falsche Entscheidung, An Tagen wie diesen, Emanuela, etc., ohnehin mehr oder weniger auswendig (oder zumindest die Refrains). Hier konnte man wirklich richtig gut abfeiern, was ich auch sehr gerne getan hätte, wenn ich nicht mit dem Handicap eines verstauchten Knöchels angetreten wäre… So musste halt heftiges Mitwippen reichen…

Musikalisch sind Jungs jedenfalls auf einem sehr hohen Niveau, was sicherlich der schon erwähnten großen Band zu verdanken ist, die aus den Brote-Konzerten ein echtes Live-Erlebnis machen und sich so erfreulich von (meinem Klischeebild von) anderen Acts aus diesem Genre abheben, die ihre Instrumentals vom DJ einspielen lassen und etwas darüber sprechsingen. Zudem haben Sie nach etwa eineinhalb Jahrzehnten Bandgeschichte die Routine, um auf der Bühne eine wirkliche Show abzuliefern und gerade auch zwischen den Songs das Publikum zu bespaßen, ohne dabei allzu routiniert zu wirken.

Alleine aus diesen Gründen kann man ein Konzert von Fettes Brot daher bedenkenlos empfehlen, auch für diejenigen die nichts mit HipHop am Hut haben (die klassische Bewegung „Hand in die Luft und lässig leicht drückend runter und rauf bewegen“ lernt man sehr schnell…). Und der Sound wird hoffentlich sicherlich auch meistens nicht so suboptimal sein!

Ein Dank zu guter Letzt natürlich noch an meine beiden sympathischen Begleiter, von denen vor allem ein freundlicher Geburtstagsgruß an Karim geht. Alles Gute, Alter! 😉

Fettes Brot
„Bette Frost – Strom und Drang“
14.12.2007
Gloria Theater, Köln
Vorband: -leider keine-

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