Königsmarathon – Vol. 2

Nachdem wir uns vor gut 2 Monaten schon einmal mit mehren Leuten aus dem Dunstkreis der kino.de-Community in Köln zu einem kleinen Kino-Marathon getroffen haben, wurde dies aufgrund der positiven Erlebnisse gestern wiederholt.Zwar trafen wir uns -wohl u.a. aufgrund der Wetterverhältnisse- dieses mal nur zu sechst am Rex in Köln, aber dennoch hatten wir auch dieses Mal wieder viel Spaß und eine ansehnliche Filmausbeute. Dieses Kino hat nämlich gleich zwei Vorteile. Zum einen laufen dort i.d.R. Filme, die in den regulären Kinos schon nicht mehr laufen, aber noch nicht auf DVD erschienen sind, was eine sehr positive Auswirkung auf die Eintrittspreise hat (2,99€ pro Film!). Zum anderen läuft dort jeder Film pro Tag nur einmal, was dazu führt, dass in den sechs Sälen an einem Samstag ca. 35 verschiedene Filme laufen, so dass man eine wirklich breite Auswahl hat. [Unter der Woche sind es im Übrigen knapp 30 Filme, Sonntags gut 40]

Nur kurz der Vollständigkeit halber sei hier noch erwähnt, dass ich beim ersten Mal fünf Filme geschaut habe: Der tolle „Kill Bill Vol. 2“, der ziemlich verunglückte Film „Der große Ausverkauf“, der überraschend großartige „Shoppen“, der nicht weniger fantastische „Full Metal Village“ und der für mich gar nicht funktionierende „Frank Miller’s 300“. Etwas ausführlichere Ansichten dazu gab es Anfang September hier von mir zu lesen. (Der 13. Kommentar auf der Seite)

Nun aber zum gestrigen Filmprogramm, dass mir dieses Mal folgende 4 Filme bescherte:

Projekt Gold

Ich muss zugeben, dass ich ein großer Fan von sportlichen Großveranstaltungen bin, wie ich mir auch ohnehin sehr gerne viel Sport im TV anschaue. (Ein Psychologe würde mir hierzu vermutlich eine Kompensation eigener Faulheit attestieren – wie gut dass ich ihn schon lange nicht mehr aufsuche…) Und auch die Handball-WM 2007 habe ich dementsprechend verfolgt, so weit es zeitlich möglich war und mich dementsprechend  auch sehr über das tolle Abschneiden des deutschen Teams gefreut. Nun kam also in diesem Sommer, ähnlich wie nach der Fußball-WM, ein Dokumentarfilm über den Weg der deutschen Mannschaft in die Kinos. (Und das soll es dann auch an Vergleichen zum Sommermärchen gewesen sein.)

Der Film war ursprünglich ein Traum von Produzent Frank Stephan Limbach, der dann letztlich von Regisseur Winfried Oelsner (Tsunami) umgesetzt worden ist, und das absolut gelungen. Man erhält wirklich tolle Einblicke in die Mechanismen, denen eine Mannschaft im Verlaufe eines solch intensiven Turniers unterliegt. Die Kamera ist ständig dabei, ohne dass es aber zu einem puren „Draufhalten“ verkommt, was ich sehr angenehm fand. Auch der Soundtrack ist erfreulich unaufdringlich und schafft es die Stimmungen zu verstärken, ohne sie zu inszenieren.

Wovon der Film aber wirklich zehrt, sind die Charaktere der deutschen Handballnationalmannschaft, die hier im Mittelpunkt stehen. Leute wie Pascal Hens, Christian Schwarzer, Michael Kraus, Oliver Roggisch oder Henning Fritz zeigen hier angenehm, dass man als Profisportler durchaus was in der Birne haben kann und legen teilweise sehr feinen Humor an den Tag. Von filmischer Seite fand ich es bei den Spielern auch sehr interessant zu sehen, dass man mehrmals gezeigt hat, wie die Spieler auf die -teilweise unsachliche- Berichterstattung über sie selbst reagiert haben. Das war erfreulich ungekünstelt und ehrlich, und etwas was man sonst eben selten mitbekommt.

Weitere Protagonisten war natürlich das Betreuer-Team der Mannschaft, wo ich besonders den „Hexer“ Andreas Thiel erwähnen möchte und natürlich last but not least der bewundernswerte Bundestrainer Heiner Brand. Schon alleine optisch ist er natürlich eine absolute Type, aber wenn man ihn dann im Film bei seinem Wirken sieht, dann muss man ihm einfach Respekt zollen. Es ist wirklich beeindruckend zu sehen, wie er die Gratwanderung zwischen netter Vaterfigur und absoluter Autoritätsperson hinbekommt und auch in den Halbzeitpausen nie die Ruhe verliert, sondern es glänzend versteht, die richtigen Worte in der Ansprache zu wählen. Ich bin mir sicher, dass er so noch über mehrere Jahre erfolgreich arbeiten kann und nicht wie ein Klinsmann (okay, doch noch ein Vergleich, aber ein sportlicher) nach zwei Jahren verbrannt ist, der mehr über die pure Emotion und Motivation gekommen ist. Etwas was sich sehr schnell totlaufen kann(schöne Grüße an Thomas Doll von dieser Stelle).

Der beeindruckendste Auftritt von Brand war aber mit Sicherheit der völlig unaufgeregte, aber nicht minder bedrohliche Umgang mit dem „Pizza-Zwischenfall“, als einige Spieler sich am Vorabend eines wichtigen Spiels noch spät Pizza aufs Zimmer bestellt hatten. Das war ganz großes Pädagogik-Kino und man erkannte, wie sehr Heiner Brand es neben der offensichtlichen sportlichen Kompentenz auch in Sachen Menschenführung wirklich drauf hat. Ich kann nur hoffen, dass er noch einige Jahre lang die deutschen Nationalmannschaft betreuen wird.

In filmischer Hinsicht sei noch eine Sache erwähnt, die ich für einen sehr gelungenen Kniff hielt. Und zwar war dies die Tatsache, dass man während der Spiele immer mal wieder in die Kommentatorenkabine zu Delling dem wunderbar emotionalen Stefan Kretzschmar geschaltet hat. Sehr schade, dass das in der zweiten Hälfte nur noch selten aufgegriffen worden ist, da dies doch sehr unterhaltsam war, wie Kretsche da abging (und auch mal den Spielkommentator zurechtwies…).

Ansonsten lässt sich eigentlich nur noch ein Wort zu dem Film und vor allem zum letzten Drittel des Films sagen: GÄNSEHAUT!

8 von 10 Gabeln

  

  

Shrek der Dritte

Zugegeben, irgendwie habe ich nicht das Bedürfnis zu diesem Film viel zu schreiben zu müssen. Den ersten Teil liebe ich und ich habe ihn mittlerweile bestimmt etwa 10 Mal gesehen – und ich bin jemand, der sich sehr selten Filme häufiger anschaut. Den zweiten Teil fand ich streckenweise auch sehr gut, aber mittlerweile habe ich doch das Gefühl, dass sich die Franchise totgelaufen hat und die Geschichte auserzählt ist. Wenn den Machern für Teil 4 nicht noch ein paar richtig, richtig gute Sachen einfallen, dann dürfte sich das allmählich wirklich erledigt haben. Denn Teil 3 besteht leider in der Mehrheit mittlerweile aus den üblichen Elementen, die der erste Film noch so vorzüglich aufs Korn genommen hat und das ist einfach sehr sehr schade.

Natürlich gibt es immer noch ein paar wunderbare Einfälle, wie den Überfall der Märchenschurken auf die Stadt und die kurze Sequenz in der das Leben des Lebkuchenmännchens an seinen Augen vorbeizieht – aber gerade hinten raus driftet Shrek der Dritte leider zusehends in die seichte familiengerechte Richtung ab und schrammt teilweise ganz haarscharf an einer Moralpredigt vorbei.

Daher hoffe ich wirklich, dass die Shrek-Serie möglichst bald abgeschlossen wird und man sich bei Dreamworks lieber wieder auf neue, frischere Stoffe konzentriert, als nochmal zu versuchen ein paar mehr Euro aus dieser Franchise rauszuquetschen. Denn das hätte der Oger eigentlich nicht verdient, zu einer puren Familienunterhaltung zu verkommen.

 4 von 10 Gabeln

Hallam Foe – This is my story

Mit sehr gemischten Gefühlen hat mich der dritte Film des Tages hinterlassen, die Verfilmung des schottischen Buchs „Hallam Foe“, in dem der 17jährige Titelheld versucht mit dem Tod seiner Mutter umzugehen, indem er sich möglichst komplett von seiner Umwelt abschottet, diese nur noch durch sein Fernglas beobachtet – und sich dabei in Verschwörungstheorien rund um den Tod seiner Mutter versteigt. Die Hauptrolle in dieser Theorie spielt seine neue Schwiegermutter Verity (Claire Forlani), die, als ehemalige Sekretärin seines Vaters, für den Tod von Hallams Mutter verantwortlich gewesen sein soll, um an Papas Kohle ranzukommen. Als diese Dauerkonfrontation irgendwann zu Eklat führt, flüchtet Hallam aus der heimischen Landidylle in die Anonymität der Stadt, wo er bei einer seiner Beobachtungstouren von den Dächern Edingburghs aus eine Frau entdeckt, die auf frappierende Weise seiner verstorbenen Mutter ähnelt. Hallam gelingt es denn auch mit dieser Frau in Kontakt zu kommen, und sogar dank ihr einen Job im selben Hotel zu bekommen. So mutiert Hallam dann zunehmend zum Stalker, was natürlich auf Dauer nicht gutgehen kann…

Man merkt schon bei dieser -zugegeben etwas holprigen- Beschreibung, dass dieser Film keine wirklich straighte Unterhaltung ist. Alleine die ödipal getriebene Stalker-Geschichte ist, auch auf die Art, wie sie inszeniert ist, ziemlich schwere Kost. Es fiel mir schon schwer, die Motivation einiger Handlungen Hallams wirklich nachzuvollziehen, da sie oft nur schwer mit dem eigenen Menschenverstand und der eigenen Logik vereinbar waren. Hinzu kamen dann noch einzelne Sequenzen, die nüchtern betrachtet einfach schlecht und schwer erklärbar waren, wie beispielsweise die Schlüsselkonfrontation von Hallam und Verity, die völlig unschlüssig endete und ins Absurde abdriftete – wobei absurd hier negativ gemeint ist.

Nun hatte ich aber eingangs schon erwähnt, dass ich den Film sehr zwiespältig aufgenommen habe, und dies liegt daran, dass es zwischen den schwer verständlichen und schlechten Szenen, teilweise ganz wunderbare Sequenzen gibt, die glänzend inszeniert sind, die vor Geist und Witz so sprühen, und beinahe aus einem anderen Film zu stammen scheinen. Vor allem, dann wenn der Film nach Edinburgh wechselt ist er bis auf ganz wenige Sequenzen wirklich toll anzusehen. Und selbst in den eher schwierig zu verarbeitenden Stalker-Szenen schafft es der Film in seinem Edinburgh-Teil immer wieder die Kurve zu kriegen, wie beispielsweise in der Sexszene von Alisdair und Kate und natürlich das ganz wunderbare „Date“ von Hallam und Kate in der Wohnung. Beides Sequenzen, die ganz heisse Anwärter für die Top 10 in der Kategorie „Beste Szene 2007“ sind.

Hinzu kommt dann noch dass die drei Hauptdarsteller den Film über weite Strecken auf beeindruckende Weise tragen. In erster Linie ist dies natürlich der junge Jamie Bell, der schon vor einigen Jahren in „Billy Elliot“ sein Talent unter Beweis gestellt hat, einen Film mit seiner Präsenz tragen zu können, und das hier als kauzig-verschrobener Voyeur mit Mutterkomplex eindrucksvoll bestätigt. Bell ist definitiv eines der Top-Talente in Europas Filmwelt. Es ist wohl kein gewagter Tipp, dass wir von ihm noch sehr viel sehen werden in den kommenden Jahren.

Zudem harmoniert Bell sehr toll mit der wunderbaren Sophia Myles (vielleicht bekannt aus „Underworld“ oder aus der gerade angelaufenen Serie „Moonlight“), die das Mutter-Double Kate spielt und ihrer ebenfalls etwas gebrochenen Figur die nötige Authentizität verleiht. Und zudem auch ganz lecker aussieht…

Toll sieht auch die dritte Hauptdarstellerin aus. Und das ist die Stadt Edinburgh, die hier wunderbar von Regisseur Mackenzie in Szene gesetzt wird und oft mehr als nur eine Kulisse ist, wenn der jugendliche Spanner heimlich über die Dächer der schottischen Stadt turnt. In Kombination mit dem vorzüglichen, u.a. auch auf der Berlinale prämierten, Soundtrack, der ausschließlich aus Songs vom britischen Indie-Label Domino Records besteht, kommen so wirklich stimmungsvolle Impressionen zustande.

Doch all diese positiven Elemente werden eben leider durch die oben angesprochenen grenzwertigen Szenen nach unten gezogen, so dass ich am Ende mehr als unschlüssig aus dem Kino rauskam. Ich überlege mir immer noch ob Hallam Foe ein guter Film, mit ein paar Ausfällen ist, oder ob es ein schlechter Film mit einigen Highlights ist. Schade ist es auf jeden Fall. Mal schauen, was demnächst von Regisseur David Mackenzie noch so kommt.

? von 10 Gabeln 

Schwarze Schafe

Auch der letzte Film des gestrigen Tages hat mich sehr zwiespältig hinterlassen, wenngleich auch aus anderen Gründen.

Dieser deutsche Episodenfilm erzählt die Geschichten mehrerer Menschen in Berlin. Einen wirklichen roten Faden gibt es dabei nicht, außer dass alle Protagonisten auf die eine oder andere Weise scheitern. Ex-Handmodell Boris tritt als Schein-Adliger auf, um hübsche (und reiche) Frauen um den Finger zu wickeln, bevor er auf Nadja trifft. Charlotte versucht finanziell über die Runden zu bekommen, aber wird immer von ihrem Alkoholiker-Freund „zurückgeworfen“. Fred und Arnold versuchen ein satanistisches Ritual durchzuführen. Breslin und Julian versuchen sich Gratisleistungen zu erschleichen und werden dabei selbst ausgenutzt. Und drei halbstarke Jugendliche um Ali (Eralp Uzun aus „Alle lieben Jimmy“) versuchen Frauen zum Flachlegen zu finden.

Diese 5 unterschiedlichen Storys werden hier von Regisseur Oliver Rihs optisch sehr ansprechend in Szene gesetzt -nämlich in Schwarz-Weiss mit gelegentlichen und durchaus passend eingesetzten Farbspielereien (toll z.B. der Wellensittich), wobei sie nicht nacheinander sondern quasi parallel zueinander erzählt werden.

Die 5 verschiedenen Episoden sind dabei mehr als skurril und zeichnen sich -zu Beginn- durch einen hohen Unterhaltungsfaktor aus. Schon die erste Szene ist wohl die beste im gesamten Film, wenn Boris und Nadja ein Date in einem exklusiven Hotelrestaurant haben. Großartig gespielt, toll inszeniert und mit hohem Tempo von Anfang bis Ende durchgezogen. Und auf ähnlich hohem Niveau steigen dann auch alle weiteren Episoden ein und sind dabei äußerst unterhaltsam, wenn beispielsweise der Satanist Arnold erst eine Gruppe christlicher Straßenmusiker verkloppt und anschließend nach Hause kommt, wo er zusammen mit seinen Eltern lebt, und er dort dann erstmal sein T-Shirt umdreht, wo dann ein Kelly Family-Schriftzug erscheint. Dies sind dann die wirklich starken Momente des Films, wo Attitüden ad absurdum geführt werden.

Wie das aber manchmal so ist, wenn sich jemand an der eigenen Qualität berauscht, dann neigt man schon mal dazu, dass man übertreibt – und genau dies tritt bei „Schwarze Schafe“ ein. Denn je weiter der Film voranschreitet, umso weiter driftet der Humor ins Feld der Geschmacklosigkeit ab. Der negative Höhepunkt ist dann eindeutig beim Satanisten-Ritual erreicht, wo auch ich nur noch vor Unverständnis den Kopf schütteln konnte. Tabus sind halt nicht nur da, um gebrochen zu werden – vor allem wenn das auch für die Geschichte einfach unnötig ist. Kurz vorher hat Rihs z.B. noch wunderbar charmant die Kurve bekommen als er seine beiden Satanisten auf den Kinderspielplatz schickte, um ein Opfer für ihr Ritual zu finden.

Hier wurde dann kurz vor Schluss nochmal viel Porzellan zerschlagen, dass auch die qualitativ meist versöhnlichen Schlusssequenzen nicht mehr rausholen konnten.

Aber auch ohne dieses Abdriften ins Geschmacklose hätte es für „Schwarze Schafe“ wohl nicht zu einer richtig hohen Wertung gereicht. Denn bei aller Unterhaltsamkeit, die der Film über weite Strecken an den Tag legt, fehlte mir doch eine übergreifende Klammer, die die 5 Einzelepisoden irgendwie mehr miteinander verbindet, als nur durch die farbliche Inszenierung. Der gemeinsame Handlungsort Berlin trägt da nicht wirklich zu bei, da er im Groben und Ganzen herzlich egal ist, außer vielleicht in der Episode von Charlotte.

Dennoch sicherlich trotz der Ausfälle definitiv einen Blick wert.

6 von 10 Gabeln

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