Muttergefühle.

In den 90er Jahren waren Sitcoms sicherlich *das* Ding in Sachen TV-Serien. In erster Linie sind da natürlich die großartigen Friends oder auch Eine schrecklich nette Familie zu nennen, aber auch Sachen wie Frasier, Becker und Co waren tolle und meist sehr erfolgreiche Serien, die das Gesicht der Fernsehlandschaft lange Zeit mitgeprägt haben. In den letzten Jahren gab es dann zwar immer noch Sitcoms, die durchaus international Erfolg hatten, wie z.B. das mittlerweile zu Ende gegangene King of Queens oder auf kleinerer Ebene Two and a half men, doch der ganz große Trends ist sicherlich abgeebbt und die klassischen Sitcoms werden meist immer mehr von Single-Camera-Comedies wie z.B. Scrubs oder My Name is Earl abgelöst (womit ich auch durchaus leben kann, wenn es solche Ergebnisse produziert).

Dies kann man sicherlich auch an der eher überschaubaren Zahl an erfolgreichen Wiederbelebungsversuchen dieses Genres in den letzten Jahren sehen. Dieses Jahr sticht da im Grunde nur The Big Bang Theory hervor, die eine durchaus amüsante klassische Sitcom ist und für mich unverständlicherweise hier in der deutschen TV-Serien-Blogosphäre erstaunlich viel Haue bekommt. In den USA hingegen ist sie ausgesprochen erfolgreich und erzielt in den ersten Wochen der neuen Season sogar regelmäßig bessere Quoten als sein Lead-In am Montagabend.

Und damit wären wir dann schon bei How I Met Your Mother, die das Lead-In für eben jenen Neuling darstellt und für mich die beste Sitcom seit Jahren darstellt.

Der großartige Cast von  

Die Grundkonstellation kommt einem sicherlich irgendwie bekannt vor: Die Geschichte von 5 Freunden, die in New York leben und sich mit den Tücken des Alltags und vor allem der Liebe herumschlagen müssen. Ja, in der Tat, das kommt dem aufmerksamen TV-Zuschauer mehr als bekannt vor und daran ändert erstmal auch der Aufhänger der Serie nichts dran. Denn, wie der Titel schon deutlich macht, ist die Serie quasi eine Nacherzählung von Hauptfigur Ted Mosby, der seinen Kindern erklärt, wie er deren Mutter kennen gelernt hat. Das ist zwar durchaus ein wenig originell, aber macht die Serie nicht wirklich besonders.

Nein, was die Serie so großartig und toll und unterhaltsam macht, ist für mich in erster Linie, dass diese Serie einfach hervorragend geschrieben ist. Die Geschichten sind stringent, die Dialoge hervorragend pointiert und die Figuren unglaublich liebens- und gleichzeitig glaubwürdig (naja, zumindest meistens). 

Wie auch schon damals bei „Friends“ ist es die Konstellation unterschiedlicher aber absolut liebenswürdiger Figuren, die dem Zuschauer -also mir- eine enge Bindung an die Serie ermöglichen, so dass man einfach neugierig ist, wie es diesen Figuren weiter ergeht. Entscheidender Faktor war dabei sicher das ausgezeichnete Casting. Während die beiden Hauptfiguren Ned und Robin mit den vorher weitestgehend unbekannten, aber nicht minder sympathischen Josh Radnor und Colbie Smoulders (Gastrolle in „The L Word“), leistete man sich in den „Nebenrollen“ recht bekannte Gesichter. An erster Stelle sind da die bezaubernde Alyson Hannigan (u.a. Buffy & American Pie) und der tolle Jason Segel (Freaks & Geeks) zu nennen, die als beste Freunde von Ted und langjähriges Pärchen Lilly und Marshall unglaublich harmonieren.

Der heimliche Star ist aber dennoch Barney Stinson, gespielt von Neil-Patrick Harris (u.a. Doogie Howser, Starship Troopers), den man einfach beneiden muss: Wer eine Rolle hat, bei dem jede, aber wirklich jede Dialogzeile ein Lacher, meistens aber sogar ein Brüller ist, der hat es nämlich mehr als leicht zu glänzen. Dennoch überzeugt er, wie auch die anderen, eben auch durch tolles komödiantisches Talent und schafft es durch sein perfektes Timing auch eher flachen Sprüchen Klasse zu verleihen. Zumal er laut Making of auf der Season 1-DVD es wohl auch geschafft hat, einige One-Liner selbst zu etablieren, die mittlerweile zu den Running Gags dieser Serie gehören.

Und wo wir gerade beim Thema „Running Gags“ sind, so ist auch dies eine der Stärken von HIMYM, denn die Macher haben es zwar geschafft, zahlreiche wiederkehrende Witze einzubauen, schaffen es aber dabei diese als eigenständige Merkmale der Serie zu etablieren, ohne dass sie verheizt werden. [Ich sage nur: Slap Bet] Dies ist sicherlich in erster Linie ein Verdienst von Pamela Fryman, die neben ihrem Status als Produzentin eine außergewöhnliche Position inne hat: Denn während die meisten Fernsehserien -egal ob Comedy oder Drama- zahlreiche unterschiedliche Regisseure haben, wird bei HIMYM immer von Pamela Fryman Regie geführt, was natürlich zur Folge hat, dass nicht nur ein Stil durchgängig beibehalten wird, sondern auch auf der inhaltlichen Ebene kontinuierlich gearbeitet werden kann. Und man merkt es HIMYM einfach an, dass hinter den Kulissen sowohl auf konzeptioneller Ebene seitens der Erfinder und Produzenten Carter Bays und Craig Thomas, als auch auf der Realisierungsebene mit Pamela Fryman Hand in Hand gearbeitet werden und alle Seiten eine gemeinsame Vision dieser Serie verfolgen.

Wenn man dann noch sieht, wie nah eine solche Serie an der Realität sein kann, obwohl die Inhalte auf Comedy getrimmt sind, dann kann man einfach nicht anders, als diese Serie lieben zu müssen.

===[SPOILER für SEASON 3]=== 

Bestes Beispiel für diese Realitätsnähe sind da meiner Meinung nach die ersten Folgen der neuen Season. Vielerorts musste ich eher verhaltene Kritiken zu diesen ersten Episoden der 3. Staffel lesen, doch wenn ich sehe, wie hervorragend die Trennungssituation von Ted und Robin getroffen worden ist und wieviel ich selbst davon nachempfinden kann (die zeitliche Parallelität zum eigenen Leben war da nur ein höchst sarkastischer Bogenschlag des Schicksals), dann steckt das so manch hochambitioniertes Liebesdrama locker in die Tasche.

 ===[SPOILER ENDE]===

Außerdem finde ich es großartig, dass HIMYM jede Menge toller Gastdarsteller hat. Neben den ganz bekannten Gesichtern wie zuletzt Enrique Iglesias und Mandy Moore, habe ich mich aber vor allem über die vielen Wiedersehen mit Schauspielern aus anderen tollen Serien wie The Wonder Years (Danica McKellar) und dem schon angesprochenen Freaks & Geeks (Samm Levine, Martin Starr) 

Zum Schluss noch ein Fun Fact: Der Titelsong „Hey Beautiful“ (toll gemachter Fan-Clip übrigens!) wird von der Band The Solids gespielt. Zwei Mitglieder der Solids sind Carter Bays und Craig Thomas – Erfinder und Produzenten von How I Met Your Mother.

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9 Kommentare

Eingeordnet unter Serientäter, Television Madness

9 Antworten zu “Muttergefühle.

  1. Dann auch nochmal an dieser Stelle: Danke! Danke dafür, dass du mich beim Berlinaletreffen mit dieser Serie beschenkt hast. Ich habe zwar bisher immer noch nicht alle Folgen der ersten Staffel gesehen, das liegt aber einfach daran, dass ich die ersten ca. acht Folgen immer wieder gucke, um sie nämlich Leuten aus meinem Bekanntenkreis vorzuführen und ihnen damit zu zeigen, was das für eine unglaublich gute und in ihren Gags nur äußerst selten fehlbare Serie ist.

    Inzwischen sind dadurch sicher mindestens sechs bis sieben neue Fans entstanden, und sie verbreiten den Virus mittlerweile auch weiter.

    Von daher: Du hast Jünger gefunden. 😉

  2. hirngabel

    Bitte, bitte! =)

    Freut mich sehr, dass die Serie auch bei dir solchen Anklang gefunden hat. In meinem engeren Freundeskreis konnte ich bisher glücklicherweise auch schon ca. 6 Leute für diese Serie begeistern und womit? Mit Recht!

    Natürlich ist es letztens „nur“ Unterhaltung und vielleicht nicht so ambitioniert, wie manch andere Serie, aber im Bereich „Unterhaltung“ gibt es einfach wenig anderes, was der konstant auf gutem bis hohen Niveau Woche für Woche bleibt. Daher hat die Serie jede Beachtung verdient, die sie bekommen kann.

    Es wundert mich nur ein wenig, dass die Serie es noch nicht ins deutsche TV geschafft hat, denn auf Pro7 oder Kabel 1 (oder auch RTL) könnte das hervorragend funktionieren, wenn die Synchro halbwegs ordentlich ist. Wohingegen ich mir beispielsweise beim ähnlich großartigen „My Name Is Earl“, das ja schon nach Deutschland (RTL-Gruppe) verkauft worden ist, eine deutschsprachige Umsetzung, die halbwegs adäquat ist, nur sehr schwer vorstellen kann.

    An Dich natürlich der Auftrag: WEITERGUCKEN! Da kommt noch so viel hochklassiges, auf das Du Dich freuen darfst… =)

  3. Bitte nicht noch eine … ;o) Klingt aber wirklich ganz gut. Mal sehen …

    „My Name Is Earl“ läuft schon in irgendeinem Alpenländle (ORF1 und SF2) auf Deutsch. Kann man sich anhören, auch wenn etwas Charme verloren geht.

  4. hirngabel

    Ach, Thoro, es sind doch jeweils nur gut 20 Minuten pro Folge… 😉

    (Okay, hochgerechnet auf jetzt gut 2 Staffeln… aber hey…)

    Auf jeden Fall schön, dass du Dich auch hier blicken lässt! =)

    @all
    Wollte eigentlich noch ein allgemeines Posting dazu bringen, aber habe das aus Zeitgründen am Sonntag nicht mehr geschafft: Bin momentan beruflich die ganze Woche durch Deutschland unterwegs und habe dort leider nicht wirklich die Möglichkeit (geschweige denn die Zeit) mich im Internet rumzutreiben.

    Von mir gibt es also erst Samstags wieder was zu lesen. Vielleicht sogar mit einem Fazit der Woche, aber da muss ich noch überlegen, ob ich das aus Gründen der beruflichen Verschwiegenheit überhaupt bringen kann. (Die Touristik ist eine Branche voller Abgründe…)

  5. Meine vollste Zustimmung! Ich liebe diese Serie. Für mich die beste klassische Sitcom seit „Seinfeld“.

    Auch ich war von den ersten Folgen der dritten Staffel nicht sonderlich begeistert. Die Enrique-Storyline hat mich genervt und auch sonst hat der Pfeffer gefehlt. Nach der letzten Episode bin ich aber wieder mehr als versöhnt und kann die kommenden kaum abwarten!

    Ich hoffe nur, dass die Serie sich noch ein paar Staffeln halten kann. Sie stand ja schon letztes Jahr auf der Kippe…

  6. Die Story rund um Enrique fand ich im Gegenteil sehr treffend inszeniert. Konnte das -leider- mehr als gut nachvollziehen und mir fehlte da auch nicht der nötige Pfeffer.
    Wenngleich natürlich die letzten zwei Folgen nochmal eine Schippe drauf gelegt haben.

    Was die Hoffnung auf eine weitere Zukunft angeht, bin ich natürlich voll bei dir! Die Quoten sind zwar nicht überragend, aber doch zumindest solide und vor allem konstant. Wenn das über die komplette Staffel so bleibt, dann bin ich ganz optimistisch, dass es so bleibt. Die Frage ist eher, inwieweit man das Konzept über mehrere Staffeln weitertragen kann. Schließlich sollte es ja irgendwann schon darum gehen, dass Ted seine Frau trifft.

  7. Hmm… ja okay, dann ist die Sache bei dir anders gelagert. Den ersten Auftritt des Sängers („Gayle… Girl!“ :D) fand ich auch super, aber als dann die ganze Bande in Robins Wohnung saß… naja, ist ja nun sowieso vorbei!

    Was die Storyline betrifft: Da mache ich mir keine Sorgen. Die Autoren sind so geschickt im Verstricken der verschiedensten Erzählstränge (siehe letzte Folge) – einfach genial!

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