KieseLland.

Bla bla bla Kate Moss bla bla bla Drogen bla bla bla Pete Doherty bla bla bla Verhaftung bla bla bla.

Was ist uns dieser Pete Doherty in den letzten Monaten nicht auf die Nerven gegangen worden?! Eine Sau nach der anderen wurde von den Boulevard-Journalisten, die nicht den blassesten Hauch einer Ahnung von Dohertys Musik hatten, durch die Gazetten gejagt.

Zugegeben, der gute Pete hat es den Journalisten im Duo mit Modell Kate Moss auch nicht gerade schwer gemacht, aber ein derartiges Buhei, das um ihn herum inszeniert worden ist, war nun wirklich übertrieben. Schließlich ging es in der Regel ja „nur“ um Drogenkonsum (ohne dies jetzt verharmlosen zu wollen), und letztlich ist a) jeder seines eigenen Glückes Schmied und b) haben Drogen ja durchaus eine gewisses Tradition bei Musikern.

Denn solange ein Musiker keine Kinder fickt, oder mit allzu kruden politischen Vorstellungen in der Öffentlichkeit seine Vorbildposition missbraucht, ist mir das Privatleben ziemlich schnurz. Wichtig ist halt nur, dass die Musik stimmt.

Und da kommen wir dann auch endlich zu dem Punkt, um den es hier gehen soll, nämlich zu dem, womit Pete Doherty seine Tütchen Brötchen verdient: Musik!

Vor rund zwei Wochen haben die Babyshambles mit dem Frontsänger Pete Doherty nämlich ihren Nachfolger zum Teil-genialen Erstling „Down in Albion“ auf den Markt gebracht: „Shotter’S Nation

Und um direkt die Katze aus dem berühmten Sack zu lassen: Es ist ein richtig gutes Album geworden.

Wenn man es direkt mit dem Vorgänger vergleichen will, dann lässt sich sicher festhalten, dass SN wesentlich runder und „ausproduzierter“ klingt, als es noch bei dem teilweise sehr brüchigen Erstling der Fall war. Das hatte damals sicherlich seinen Charme und zu großartigen Songs wie dem Kracher „Fuck Forever“ oder der Perle „Albion“ geführt hat, aber eben auch zu dem einen oder anderen schwachen Song.

Shotter’s Nation ist hingegen qualitativ auf hohem Niveau wesentlich homogener und zudem auch musikalisch ungleich variabler. Die Babyshambles nehmen sich Anleihen aus diversen Musikstilen und integrieren sie in ein sehr wohlklingendes Gesamtpaket, das wesentlich melodielastiger daherkommt als die meisten Albion-Songs.

Von den Kinks (Delivery) bis zu The Cure (There she goes) zitieren die Babyshambles hier fröhlich Vorbilder und mäandern ebeno fröhlich durch diverse Spielarten des Rocks (sei es Boogie oder Blues) und wagt sich sogar mit der Cure-Hommage „There She Goes“ in den Swing hinein – und geben hier wie dort eine ähnlich gute Figur ab.

Auf textlicher Ebene steht vor allem das Thema „Liebe & Enttäuschung“ im Vordergrund, was natürlich perfekt zur Trennung von Kate Moss passt. Naja, passen würde, denn ein Großteil der Songs stammt schon aus der Zeit wo beide noch ein Paar waren und so fällt dieser Interpretationsansatz leider etwas flach.

Doch kann man nichtsdestotrotz sagen, dass sich „Shotter’S Nation“ als perfekter Soundtrack für die Zeit kurz nach einer Trennung eignet, da die ganze Bandbreite der Emotionen, sowohl textlich als auch musikalisch, in den Songs widerspiegelt, die munter und ohne erkennbare Struktur zwischen Verlustgefühlen, Aggressionen und Melancholie wechseln. Im Grunde also genauso wie man es selbst nach einer Trennung meist erlebt. Sogar eine Art „Abschluss“-Song gibt es mit dem tollen Titel „The Lost Art of Murder„, den die Babyshambes zusammen mit Folk-Gitarrist Bert Jansch aufgenommen haben und den Hörer am Ende mit einem „versöhnlichen“ Gefühl hinterlassen.

Neben besagtem „Lost Art of Murder“, sind meine Favoriten der Platte aber vor allem das sarkastisch nachtretende „Un Bilo Titled“, das schon erwähnte swingende aber textlich ähnlich nachtretende „There She Goes“ und die relativ straighte Rocknummer „Delivery“, die auch gleichzeitig aktuelle Single ist.

Einziger Wermutstropfen ist für viele vielleicht, dass Shotter’s Nation leider keine brachiale Mitgröl-Nummer à la „Fuck Forever“ hat, aber ich verzichte da gerne drauf, wenn ich stattdessen so viele gute, melodische Stücke bekomme, wie es hier der Fall ist.

 Zum Abschluss möchte ich dann noch einen professionellen Musikkritiker von laut.de zitieren, einen guten Satz ans Ende seines eigenen Reviews gestellt hat:

„Man muss den Mensch Pete Doherty nicht mögen, sollte aber fair genug sein, um sein Talent zu schätzen, das er mit dieser Platte wieder mal unter Beweis stellt.“

Recht hat er.

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