[Da der Text, völlig entgegen meiner sonstigen Gewohnheit *hüstel*, ziemlich lang geworden ist, empfehle ich DRINGEND zu Beginn auf diesen Link zu klicken und neben dem Lesen die dort zu findende Musik laufen zu lassen. Erläuterungen folgen am Ende des Textes. =)]
Wenn man wie ich (bzw. meine Firma) einen Bundesstaat in den USA vertritt, dann muss man in der Regel einmal im Jahr rüber über den Teich, um dort Bericht zu erstatten, im Rahmen der sogenannten „Governors Conference“. Für „meinen“ Bundesstaat Colorado ist dies alljährlich im Oktober der Fall, genauer gesagt, Ende vergangener Woche.
Da ich aber natürlich die insgesamt etwa 17stündige Anreise (inklusive Bahnfahrt nach Frankfurt, 2 Flüge, Stopover in Chicago und Mietwagenabholung, sowie Fahrt vom Airport nach Denver Downtown) nicht unbedingt nur für die rund 3 Tage dauernde Konferenz auf mich nehmen wollte, bin ich schon am 9.10. rübergeflogen, um mir noch ein paar Ecken Colorados anzuschauen, die ich bislang noch nicht kannte.
Die frühe Anreise hatte allerdings einen kleinen Nachteil, denn am 10.10. fand schließlich das vorentscheidende WM-Qualispiel gegen Russland statt. Aber glücklicherweise gibt es ja das Internet, so dass sich nach einer kurzen Recherche herausstellte, dass nicht nur der Sender Setanta Sports das Spiel live übertragen sollte, sondern es auch noch eine Kneipe gab, die für mich halbwegs günstig lag und schon um 9 Uhr (Mountain Time) geöffnet hatte. Nach einem kurzen, aber leckeren amerikanischen Frühstück (French Toast!) mit mehreren europäischen Reiseveranstaltern, die zufällig gleichzeitig in Denver war, machte ich mich also am kältesten Oktobermorgen in Denver seit 1901 auf den Weg zur „Exchange Tavern“, wo man tatsächlich geöffnet hatte und nach kurzer Aktivierung mehrerer Thekenkräfte dann auch pünktlich zum Beginn der zweiten Hälfte den Kanal fand, auf dem sich Setanta befand (621 – falls Ihr mal dort vorbeikommen solltet und was gucken wollt). An dieser Stelle nochmal Danke für den guten Service dort!
Mit dem guten Gefühl des Weiterkommens ging es dann weiter ins kleine Universitätsstädtchen Boulder, das normalerweise sehr schön sein soll und vor allem eine hübsche lebendige Fußgängerzone hat. Unglücklicherweise war von den Flatiron Mountains, an deren Fuße sich Boulder schmiegt, aufgrund tiefhängender Wolken und Schneefall nichts zu sehen und das Schlendern durch die Fußgängerzone fiel aufgrund der Temperaturen in den 20ern (Fahrenheit, nicht Celsius) eher kurz aus. Also kurz einen Becher heissen Tee aus indianischen Heilwurzeln (Osha) geholt und dann wieder zurück auf die Straße.
Über den Highway 119 ging es von Boulder durch die Flatiron Mountains, auf deren Westseite dann plötzlich strahlend blauer Himmel war, so dass ich ab dem kleinen Kaff Nederland die Fahrt über den „Peak to Peak Scenic Byway“ (Hwy 72 und 7) durch weiß gepuderte Berglandschaften richtig genießen konnte. Blöderweise habe ich es so sehr genossen, dass ich von diesem Teilstück leider keine Fotos gemacht habe…
Ziel des Tages war im Übrigen das Nest Estes Park, seines Zeichens Tor zum Rocky Mountain National Park, einer der touristischen Hotspots in Coloroado – und eine der Regionen, die ich noch gar nicht kannte (obwohl ich schon seit Jahren in Präsentationen und bei Beratungen immer darüber erzählen muss…).
Estes Park bietet nicht nur eine richtig kuschelige, niedliche kleine Altstadt, die sehr viel „Wildwest-Flair“ verbreitet (hatte ich so nicht mit gerechnet), sondern ist im Übrigen auch Heimat des Stanley Hotels. Dieses historische Hotel diente vor Jahren Stephen King, der damals in Boulder lebte, als Inspiration „The Shining“ zu schreiben.
Für den von Kubrick gedrehten Film wurde dieses Hotel zwar nicht als Location genutzt, aber später für die von King favorisierte dreiteilige TV-Verfilmung von 1997 mit Rebecca de Mornay. Nichtsdestotrotz wird die Kubrick-Version mit Jack Nicholson auch heute noch auf einem speziellen Kanal im Hotel-TV auf den Zimmern in einer Dauerschleife gezeigt…
Aprospros Hotel: Wen es mal nach Estes Park verschlagen sollte, dem würde ich empfehlen, auf das Holiday Inn eher zu verzichten, dass bei fast allen deutschen Reiseveranstaltern im Programm ist. Es gibt einfach wesentlich nettere, schönere und besser gelegene Unterkünfte dort.
Nach dem Check-In in meine, sehr nette Unterkunft (Evergreens at Fall River; wie der Name schon sagt direkt am Fluss gelegene Hütten) ging es dann auch direkt in den Rocky Mountain National Park hinein. Und da lass ich dann einfach mal die Bilder für sich sprechen.
Nach so viel Seen gab es aber auch noch was anderes zu sehen, denn schließlich ist momentan Brunftzeit der Wapitihirsche (engl.: Elk), die zu dieser Zeit immer auf den tiefer gelegenen weitläufigen Weiden zu finden sind und meist nur wenige Meter von der Straße entfernt.
Ein kleiner, wenn auch bei der Planung befürchteter, Wermutstropfen war leider, dass sowohl die Trail Ridge Road (ihres Zeichens höchstgelegene geteerte Passstraße Nordamerikas) als auch die Old Fall River Road (die frühere Passstraße durch den Park, unbefestigt und heute nur noch in eine Richtung -aufwärts- befahrbar) aufgrund des frühen Wintereinbruchs in den Rocky Mountains schon gesperrt waren. Beide Straßen sind nur den Sommer über geöffnet, in der Regel von Ende Mai bis Ende Oktober – oder aber wie in diesem Jahr auch schon mal früher.
Aber gut, so hab ich wenigstens einen Grund noch mal wiederzukommen – ganz abgesehen von der an sich schon beeindruckenden Schönheit des Parks.

Im Jahr 1919 brach der Damm eines höhergelegenen Sees und sorgte für diese Ausschwemmung im Tal (und den ein oder anderen Toten)
Nach weiteren Erkundungen der ganzjährig geöffneten Teile des Nationalparks, ging es dann von Estes Park weiter nach Fort Collins, am nördlichen Rand Colorados. Besonders empfehlenswert ist es hier den kleinen Schlenker über die County Road 43 durch die sogenannte Devil’s Gulch und das kleine, charmante Örtchen Glen Haven zu nehmen.
Fort Collins, ebenfalls eine Universitätsstadt, war wie gesagt das nächste Ziel und auch der Ort, wo ich mich dann mit meinen Äquivalenten aus den anderen Auslandsmärkten (Frankreich, UK, Kanada, Japan und Mexiko) traf, um die weiteren Tage in Angriff zu nehmen. Auch hier litt das Programm leider wieder unter dem ungewöhnlich schlechten Wetter und so fiel die geplante Fahrradtour durch das historische Downtown (das angeblich Vorbild für Disneys „Main Street“ gewesen sein soll…) den Temperaturen um -5°C zum Opfer. Stattdessen gab es einen kleinen Ausflug per Auto in den nahegelegenen Cache La Poudre Canyon, der im Sommer ein Raftingparadies sein soll – was ich mir durchaus gut vorstellen kann.

Im Sommer (bei deutlich höherem Wasserstand) ein beliebtes Raftingareal - allerdings streng limitiert auf ca. 10 Rafts pro Tag
Am Abend gab es dann noch ein leckeres „Beer Pairing“ mit Bieren von lokalen Brauereien, von denen wir dann mit der New Belgium Brewing Company (schicke Webseite) am nächsten Tag auch eine besichtigten. Sehr viel von idealistischer Einstellung und Nachhaltigkeit geprägt, sehr sympathisch und empfehlenswert. Und zudem, ja, man kann das Bier dort durchaus gut trinken – empfehle mal das „Fat Tire“ zu probieren, das mittlerweile in sehr vielen Regionen der USA erhältlich ist.
Vom Nordrand Colorados ging es dann in die südöstliche Ecke des Bundesstaates in das kleine Städtchen La Junta, eine Region, die eher ein weißer Fleck auf der touristischen Landkarte ist. Ich mein, ich liebe ja Colorado (und ich sage das wirklich, weil ichs meine und nicht nur weil ich dafür bezahlt werde), aber … puh… die Fahrt dorthin bietet rein landschaftlich eher wenig Reizpunkte, sondern zieht seine Fazsination wohl am meisten daraus, dass man durch die endlos erscheinenden weiten der Great Plains fährt. Wie gesagt, hat eine gewisse Faszination (vor allem wenn man aus dem dicht besiedelten Europa kommt), aber diese ist eben sehr eigen.
Auch La Junta selbst hat einen eher eigenen Charme im Sinne von sehr amerikanischer Kleinstadt, aber gut, man macht sowas natürlich auch mal gerne mit. Zumal es dann auch am Abend sehr beeindruckend war, was man für uns auf die Beine gestellt hatte, mit einer Aufführung indianischer Tänze von Kindern aus der Region extra für uns, und einem Dinnerbuffet, das die Eltern dieser Kinder für uns zu bereitet hatten.
Mindestens so erfreulich wie überraschend war dann für mich auch noch zu hören, dass die meisten internationalen Besucher des Koshare Indian Museums, wo die Veranstaltung stattfand, aus… tada… Deutschland kommen! Hätte ich nun wirklich nicht mit gerechnet, aber nehm ich natürlich gerne mit.
Und die Kinder waren wirklich richtig gut – wenngleich es auch ein wenig strange war, dass es sich nicht um indianische Kinder, sondern um weisse, hispanische und gemischtinidianische Kinder handelte, die hier teils uralte indianische Tänze originalgetreu aufführten. Immerhin, die Truppe besteht schon seit 1933 und dient sogar als Studienobjekt für Indianerstämme der Region…
Am nächsten Morgen gab es dann einen weiteren Exkurs in die Geschichte des Wilden Westens mit einem Besuch des nahegelegenen Bent’s Old Fort, das zum Nationalpark-System der USA gehört. Zwar handelt es sich bei dem Trading Post „nur“ um eine authentische Rekonstruktion des Originalforts (Mister Bent entschied sich bei Verlassen dazu, die ganze Anlage aus ungeklärten Gründen niederzubrennen), doch die Tour, die wir bekommen haben, war wirklich exzellent und ist nur zu empfehlen. Der Guide schaffte es wirklich beeindruckend die Geschichte des Wilden Westens lebendig werden zu lassen! Sollte es also tatsächlich jemanden dorthin verschlagen, kann ich es nur empfehlen, eine geführte Tour dort mitzumachen.

1849 wurde das Fort von William Bent niedergebrannt und verlassen; 1976 rekonstruierte man die Anlage nach Originalzeichnungen
Nach diesem Abstecher ging es dann wieder zurück in den Westen, ins touristisch nur unwesentlich relevantere (aber zumindest etwas besser gelegene) Pueblo, wo die eingangs erwähnte Konferenz stattfand und der entspannte Teil der Woche somit erstmal ein Ende fand. Zum Auftakt stand am Nachmittag nämlich erst einmal ein nettes Board Meeting an, wo ich eine kleine „freihändige“ Präsentation über den deutschen Markt und die wirtschaftliche Entwicklung hier im Land halten durfte. Auf Englisch. Lief erstaunlich gut, wie auchd ie andere Präsentation, die ich zwei Tage später dann zum Thema „Do’s & Don’ts“ im internatioanlen Marketing halten durfte. Es ist mir sogar damit gelungen, einen derart bleibenden Eindruck hinterzulassen, dass ich während der restlichen Konferenz mehrfach auf die Präsentation angesprochen wurde (gut, die Amerikaner sind halt Worte wie „crap“ nicht unbedingt in offiziellem Rahmen gewöhnt und schon gar nicht, wenn man’s wie ich in direktem Zusammenhang mit amerikanischem Bier setzt…).
Pueblo als Stadt selbst ist übrigens nicht so richtig aufregend, aber doch ganz nett. Viele Einflüsse aus dem hispanischen (Mexiko ist nicht so weit entfernt, New Mexico sowieso nicht), die sich sowohl mentalitätsmäßig als auch architektonisch und kulinarisch stark in der Stadt wiederfinden. Eine sehr schöne Idee, wie ich finde, ist die Ausstattung vieler, historischer Gebäude in der Innenstadt, auf denen die jeweilige Geschichte notiert ist. Auch relativ nett ist der Riverwalk, der quer durch Downtown entlang des Arkansas River angelegt wurde. (Auch hier leider wettertechnisch etwas unglücklich.)
Mit dem Ende der Konferenz am Freitag, die insgesamt doch sehr zufriedenstellend verlief, ging es dann wieder „on the road“ mit den anderen internationalen Kollegen (abzüglich UK und Kanada), diesmal nach Colorado Springs, mein erster Aufenthaltsort bei meinem ersten Besuch in Colorado im Januar 2008. Nicht nur deswegen mag ich diese Ecke sehr, sondern einfach auch, weil die Stadt einige wirklich tolle Ecken in fantastischer Umgebung zu bieten hat.
Zum Einen wäre da natürlich das leicht alternativ angehauchte, idyllisch gelegene Manitou Springs mit seinen vielen kleinen Shops und Galerien.
Dann natürlich das beeindruckende Broadmoor Hotel, das älteste 5 Sterne Resort Nordamerikas, wo wir ein exzellentes Dinner hatten (und von meinem Chef noch ein wenig russische Klaviermusik im Foyer vorgespielt bekamen).
Und natürlich einer meiner absoluten Lieblingsparks in den USA, der Garden of the Gods (dessen rote Sandsteinfelsen auf diesem Foto leider überhaupt nicht rauskommen – aber da verweise ich mal auf meinen alten Beitrag und das dort gemachte Video).
Zum Abschluss des mehr oder weniger offiziellen Programms stand dann noch mal eine Aktivität an, die ich selbst schon mal mitgemacht hatte, nämlich eine Fahrt mit der Royal Gorge Route Railroad von Canon City aus. Nur mit dem Unterschied, dass ich die Fahrt damals abends im Dunkeln gemacht hatte (was damals schon wider Erwarten erstaunlich spektakulär und sehr faszinierend war) und dieses Mal die enge Schlucht in ihrer vollen Pracht im Tageslicht – und bei angenehmen 17°C und blauem Himmel genießen konnte (und nicht bei -15°C wie beim letzten Mal…).
Nach diesem weiteren netten Erlebnis durfte ich dann mal wieder Chauffeur spielen und meine Kollegin zu Flughafen und Hotels in und um Denver fahren, wo dann noch ein kurzer Dinnersnack mit der Kollegin von Denver anstand, bevor ich dann gegen 19.15h auf einmal nach rund einer Woche Brassel plötzlich wieder ganz alleine für mich war.
Zeit für mich, die ich denn auch, dank einer Empfehlung ganz gut zu nutzen wusste mit einem Besuch in einem kleinen Club im Süden von Denvers Downtown, namens Hi-Dive. Wirklich sehr sympathischer kleiner Laden für insgesamt vielleicht 300 Leute (zu knapp einem Drittel gefüllt), wo an diesem Samstagabend drei Künstlerinnen auftraten, für den nahezu lächerlichen Preis von $6.
Den Auftakt machte gegen 22 Uhr eine junge Dame aus Denver namens Andrea Ball, die mit gutem Gesang, Gitarre und Klavier relativ klassische Indie-Musik machte (und dabei etwas an Dear Reader erinnerte).
Als Anspieltipp würde ich den Song „Beat Beat Pound“ empfehlen.
Nach dem eher betulichen Auftakt wurde das Tempo und die Lautstärke dann mit der nächsten Künstlerin namens Sissy Wish, einer Norwegerin, die eine beeindruckende Energie auf der Bühne verströmte und musikalisch sehr stark von den elektronischen Seiten der 80er beeinflusst ist. Kudos auf jeden Fall für das mit Musikkassetten dekorierte Top!
Main Act des Abends war wieder eine in Denver ansässige Künstlerin, die allerdings in Schweden geboren ist: Elin Palmer. Ganz bezaubernde junge Dame, die mit vier Musikern (u.a. Cello und Geige) auftrat und einen ganz wunderbaren Indiefolksound darbrachten, der dank eindeutiger schwedischer Einflüsse einen sehr eigenen Charakter hat. Elin Palmer selbst spielte teilweise Gitarre, teilweise Violine und vor allem ein altes schwedisches Instrument namens Nyckelharpa. Das war dann auch die Dame, die ihr im Optimalfall während der Lektüre dieses Textes gehört habt. =)
Achja, und das hier begrüßte mich dann bei meiner Ankunft zu Hause (Vorsicht Kalauer!!!):








































25. Oktober 2009 at 11:43
Die Bilder sind fantastisch. Der Sonnenuntergang großartig!
26. Oktober 2009 at 10:11
Akuter Anfall von Fernweh! Ah!
26. Oktober 2009 at 11:45
@Markus
Ich sag einfach mal Danke. =) Wobei natürlich die Motive auch in der Regel recht dankbar sind.
Mit etwas mehr Glück beim Wetter wäre es halt teilweise noch besser geworden, aber da steckt man halt leider nicht drin.
@bullion
Hehe. Recht so. =)
Übrigens: Vielen Dank und Herzlichen Glückwunsch zum Verfassen des 1000. echten Kommentars auf diesem Blog!
26. Oktober 2009 at 2:20
1000 Kommentare. Toll! Da kann ich uns beiden ja gratulieren…
26. Oktober 2009 at 2:29
Ja, sieht ganz schick aus im Statistikbereich, so eine vierstellige Zahl. =)