Eigentlich sollte dieses Thema noch im Resterampe-Beitrag mit verwurstet worden sein und eigentlich hatte ich mir ja ohnehin vorgenommen meine Serienbeiträge auf die Serienguides im Sommer zu beschränken. Aber gut. Über die Weihnachtsfeiertage war ja Serienpause im US-TV angesagt, und auch wenn diese mit den Starts von Scrubs, Damages und Gossip Girl sowie der Rückkehr von Stewart und Colbert mehr oder weniger schon wieder beendet ist, so ist das Angebot derzeit doch eher spärlich.

Daher fühle ich mich verpflichtet an alle darbenden Serienjunkies zumindest eine kleine Empfehlung auszusprechen und auf eine wirklich lohnenswerte Serie aufmerksam zu machen, die erst vor wenigen Wochen an- und über die Feiertage durchlief. Denn bei dieser Serie handelt es sich um den besten, weil bisher einzigen wirklich guten Neustart der TV-Season 08/09, die sonst (wohl auch bedingt durch den Autorenstreik) in Sachen Frischware eher ernüchternd war.

Diese frische Serie bedient sich dabei allerdings eher klassischer Motive, denn es dreht sich um eine Gruppe von Einbruchs- und Trickbetrugsspezialisten, die von einem Mastermind geführt werden, um spezielle Jobs zu erledigen – so wie man es also aus den klassischen Heist- und Rififi-Filmen, wie beispielsweise den Ocean’s Eleven-Filmen kennt. Der Geist der Soderbergh-Filme, mit ihrem jazzigen Soundtrack, den technischen Spielereien und einer süffisanten Note, die den kompletten Inszenierungsstil durchtränkt, ist denn auch allgegenwärtig.

Auch hier ist das Spezialisten-Team mal wieder bunt zusammengewürfelt und sich zu Beginn nicht wirklich komplett grün, da alle eigentlich eher gewohnt sind, alleine zu arbeiten. Doch die großen Coups erreicht man halt nur im Team und so ist auch hier ein „Danny Ocean“ vonnöten, der für alles einen Plan A-M hat und den Haufen beisammen hält, sowie die „Jobs“ ranschafft. Der George Clooney ist hier übrigens der exzellente Timothy Hutton, der vielleicht noch am ehesten aus dem 93er Film „French Kiss“ mit Meg Ryan, Jean Reno und Kevin Kline bekannt sein könnte, sonst aber eher zu Hollywoods 1B-Kategorie zählt.

Das Problem bei Heist-Geschichten, die auf TV-Serien-Ebene erzählt werden, ist natürlich, dass man versucht wird, dies als Serial aufzuziehen, was schwierig sein kann, um die Zuschauer bei der Stange zu halten (ein Konzept, das zuletzt bei Serien wie „Heist“ oder -vielleicht auch aus anderen Gründen- bei der wunderbaren „Knights of Prosperity“ scheiterte). Bei dieser Serie des Kabelsenders TNT geht man allerdings einen anderen Weg, denn man hat sich dazu entschieden, das Spezialisten-Team Woche für Woche einen anderen „Fall“ zu erledigen, so dass die jeweiligen Folgen in sich abgeschlossen sind. Ein Procedural im üblichen Sinne also.

Und damit dass auch von der emotionalen Ebene her halbwegs gut funktioniert (und man nicht zusehen muss, wie sich ein paar Kriminelle einfach Woche um Woche selbst bereichern), hat man der Grundkonstellation einfach eine Art Robin Hood-Ansatz verpasst. Denn schon in der aufwändig produzierten und mit ordentlicher Überlänge versehenen Pilotepisode kassiert das zusammengewürfelte Team eine derartige Menge Geld, dass es sich eigentlich schon zur Ruhe setzen könnte.
Doch da sie allesamt auf den Geschmack gekommen sind, den „Großen“ einen vor den Latz zu hauen, entscheiden sie sich dafür mit ihren speziellen Talenten und ihrem Reichtum in der Hinterhand den Kleinen und Benachteiligten zu helfen, für die im Rahmen des Gesetzes keine Rettungsmöglichkeiten vorhanden sind.

Und so bekommt diese Serie noch ein zweites, großes Vorbild: Das gute, alte A-Team – nur, dass hier eben die Benachteiligten meist nicht durch Trickreichtum und pure Waffengewalt von den Bad Guys errettet werden, sondern von Trickreichtum und smartem Technikeinsatz (und ab und an ein wenig Faustkampf).

Wer also mit diesen beiden Referenzen (Ocean’s Eleven meets A-Team) etwas angefangen hat und die klassischen Rififi-Geschichten wie beispielsweise „Der Clou“ schon immer mochte, dem sei diese neue Serie, von der nun Folge 6 gelaufen ist, absolut dringend ans Herz gelegt. Es ist wirklich eine hochgradig unterhaltsame Serie mit ansprechenden Figuren und gut durchdachten Geschichtchen.

Viel Spaß mit Leverage!

PS: Ein Autor/Produzent der Serie bloggt übrigens. Und hat unabhängig von der Serie zuletzt einen wirklich hochinteressanten, wütenden (und wohl im Nachhinein abgemilderten) Blogpost zum Thema Conservatives vs. Liberals in den USA im Bezug auf Hollywood-Produktionen geschrieben. Eine wirklich lohnenswerte Lektüre.