Nachdem das neue Online-Formular, das man ab kommendem Jahr vor der Einreise in die USA ausfüllen muss, am vergangenen Freitag freigeschaltet worden ist, wird es nun mal Zeit, dass ich selbst austeste, wie das ganze eigentlich funktioniert.

Nochmal zur Erinnerung:
Ab dem kommenden Jahr muss jeder, der in die USA, einreisen möchte, bis spätestens 72h vor Abreise eine Art “Online-Registrierung” vornehmen, bei der er einige Daten angeben muss und darüber hinaus einige Fragen zu beantworten hat.
Mittelfristig soll diese Online-Registrierung, das “grüne Blatt” ersetzen, das man bislang bei jeder Einreise ausfüllen muss. Der große Vorteil dabei: Ist man einmal online registriert, ist dies dann direkt für 2 Jahre gültig (oder bis zum Ablauf des aktuellen Reisepasses) – so dass man als regelmäßiger USA-Besucher nicht jedesmal den gleichen Kram ausfüllen muss.
Eine detailliertere Auseinandersetzung mit der ganzen Thematik findet sich hier.

Nun aber zu meinem Selbstversuch.

Beginnen tut es… sagen wir mal… suboptimal. Wenn die ESTA-Webseite aufgerufen wird, erscheint erstmal ein dicke Warnung vom Department of Homeland Security (DHS), die den Besucher darauf aufmerksam macht, dass das DHS sämtliche im Zusammenhang mit dem Formular generierten, gesammelten, abgegebenen Informationen “zum Zwecke der Sicherheit” überwachen und auswerten darf. Ist natürlich irgendwo logisch, da es ja genau darum geht (Kontrolle der Menschen, die von aussen in die USA reinkommen), aber es hat doch eben ein Geschmäckle von Big Brother.

Bestätigt man dieses Warn-Fenster, gelangt man auf die Startseite, die recht simpel und übersichtlich strukturiert ist. Direkt ins Auge springt eine Grafik, die die 4 Schritte des Formulars in einer Art “Prozesskette” darstellt, so dass man schon mal grob sieht was einen erwartet:
1) Ausfüllen des Formulars
2) Abschicken
3) Erhalt der “Application Number”
4) Bescheid über Annahme/Ablehnung/Wartestatus der “Application”

Oben im Kopf sieht man dann auch schon eine Möglichkeit zur Sprachenwahl – dies wird allerdings wohl noch einige Monate bis zur Umsetzung dauern. Bislang ist es nur in Englisch verfügbar, aber Deutsch, Spanisch und einige andere Sprachen sind schon angekündigt – Deutsch als eine der Hauptsprachen, der USA-Reisenden ist ja auch nur sinnvoll.
Ebenfalls im Header (und damit während des ganzen Registrierungsprozesses direkt zugänglich) ist ein Link zur Hilfe-Seite, die im Grunde eine Art FAQ-Rubrik ist, in der alle relevanten Fragen beantwortet werden - auch weiterführende Erklärungen über die Hintergründe des VISA Waiver-Programms.

Im Hauptteil der Startseite befindet sich dann ein grün unterlegter Bereich, wo man sich entscheiden kann ob man mit der Online-Registrierung beginnen will, oder aber eine schon getätigte Registrierung aktualisieren will (z.B. Fluginformationen oder die erste Aufenthaltsadresse). Für zweiteres benötigt man sein Geburtsdatum, seine Reisepass-Nummer und natürlich die Bestätigungsnummer, die man bei der Registrierung erhalten hat. Über diesen Link kann man zudem auch den Status seiner früheren Registrierung checken, falls diese nicht unmittelbar bestätigt worden ist.
Zudem ist auf dieser Seite auch eine Emailadresse angegeben, an die man sich bei Problemen wenden kann.


1) Ausfüllen des Formulars

Klickt man dann auf “Apply”, gelangt man erst einmal zu einem “Disclaimer” – im Grunde so wie man es von anderen Online-Angeboten kennt, muss man hier bestätigen, dass man den Disclaimer gelesen (und verstanden) hat. Der Disclaimer fasst noch mal die wichtigsten Informationen über ESTA zusammen:
- Jeder Reisende aus Ländern des VISA WAIVER Programs (wie Deutschland) *muss* die Online-Registrierung vornehmen
- Die abgegebenen Daten werden mit Kriminaldatenbanken abgeglichen
- Eine genehmigte Online-Registrierung bedeutet nicht zwangsläufig, dass man bei der Einreise auch tatsächlich ins Land gelassen wird
- Eine abgelehnte Online-Registrierung bedeutet allerdings auch nicht zwangsläufig, dass man nicht über einen normalen Antrag beim zuständigen US-Konsulat ein Visum bekommt
- Alle Angaben müssen korrekt sein und der Wahrheit entsprechen
- Wer bewusst falsche Angaben macht, der kann dadurch strafrechtlich belangt werden
Im Grunde also das Übliche. Auch hier findet man wieder eine Kontaktemailadresse, für den Fall dass es Probleme gibt, sowie Verlinkungen zur Datensicherheitserklärung der Seite und zur entsprechenden Seite des amerikanischen Zolls (CBP).

Bestätigt man diese Erklärung, gelangt man zur ersten Eingabeseite des Online-Formulars, wo man nun die üblichen Eingaben tätigen muss, die man auch vom grünen Formular I-94W kennt:

a) Persönliche Daten (Vorname, Name, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit, Wohnsitz/Land, Email, Telefonnummer)
=> Email & Telefonnummer sind dabei OPTIONAL und müssen NICHT eingegeben werden

b) Reisepassbezogene Informationen (Passnummer, Ausstellungsland, Ausstellungsdatum, Gültig bis)
=> Sämtliche Informationen müssen direkt abgegeben werden für eine gültige Registrierung

c) Fluginformationen (Abflugsland, Airline, Flugnummer)
=> Diese Informationen sind allesamt OPTIONAL

d) Aufenthaltsort in den USA (Anschrift, Stadt, Staat)
=> Diese Informationen sind zwar verpflichtend, können allerdings nachträglich aktualisiert werden

e) Die sieben Fragen
Hier kommen wir dann zu dem Punkt, der wohl am meisten für Aufsehen und Unverständnis sorgt und auch jetzt gerne als großer Aufhänger von deutschen Medien genommen wird – dabei ist das im Grunde ein alter Hut, da diese Fragen auch schon auf dem grünen Formular immer zu beantworten waren.
Der Reisende wird hier nämlich nach ansteckenden Krankheiten, Drogensucht, Teilnahme an Völkermorden, Spionage oder terroristischen Aktivitäten gefragt. Ebenso muss man darauf antworten, ob man in den USA nach Arbeit sucht, das Kind eines Amerikaners entführt hat, schon einmal ein VISA-Antrag abgelehnt wurde, oder ob man schon mal einen Antrag auf Schutz vor Strafverfolgung gestellt hat.
Dass die Fragen dabei natürlich irgendwo Quark sind, da will ich gar nicht widersprechen – schließlich würde wohl niemand, der ernsthaft böse Absichten hegt, hier wissentlich mit “Ja” antworten. Aber das hat sicherlich den Hintergrund, dass falls dann doch ein ausländischer Tourist bei kriminellen oder sonst wie gearteten negativen Aktivitäten schneller haftbar und aus dem Land geschmissen werden kann. Schließlich ist er ja unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in das Land eingereist.
Jeder, der keinen Dreck am Stecken hat (und keine ansteckende Krankheit, wie z.B. Syphillis oder Typhus), der muss also bei jeder Frage einfach “No” anklicken.

Hat man alle Informationen korrekt eingegeben und alle Fragen wahrheitsgemäß beantwortet, kommt dann am Ende der Seite noch ein “Waiver of Rights” sowie eine “Certification”.
Der “Waiver of Rights” besagt, dass man mit der Registrierung einwilligt, dass die Entscheidung ob man zugelassen oder abgelehnt wird nicht rechtlich anfechten wird. Zudem stimmt man zu, dass die Abgabe von biometrischen Daten bei der Einreise in den USA diese Verzichtserklärung noch einmal bestätigen wird.
Die “Certification”, der man dann per Check-Box zustimmt, besagt dann nochmal, dass man alle Angaben wahrheitsgetreu getätigt hat, und sich auch allen rechtlichen Rahmenbedingungen bewusst ist.
Danach kann man dann wählen, ob man doch lieber abbrechen möchte, die bisher gemachten Eingaben wieder löschen will oder weiter vorangehen möchte.

 

 

Hier kann man noch einmal sämtliche abgegebenen Informationen und Antworten überprüfen, ob alles seine Richtigkeit hat. Zudem kann man sich hier die Seite ausdrucken – dies ist allerdings kein Muss, da bei der Einreise kein Schriftstück vorgezeigt werden muss, dass man die Online-Registrierung getätigt hat.
Bevor man das Dokument dann absenden kann, muss man noch zwei Sicherheits”hürden” überwinden.
Zum einen muss man noch einmal seine Reisepass-Nummer eingeben (kann man natürlich einfach aus dem Formular rüberkopieren), zum anderen gilt es noch ein Captcha einzugeben (also eine Grafik in der ein verfremdetes Wort zu erkennen ist). Kann man dieses Captcha nicht erkennen, gibt es zudem die Option, sich die enthaltene Buchstabenkombination vorlesen lassen. Hat man dies getan, kann man nun das ganze Formular abschicken.


3) Application Number

Hat man das Formular abgeschickt, kommt man nun also zu Schritt drei, wo man seine “Application Number” erhält, also einen Code, der aus 17 Zeichen besteht und quasi eine “Vorgangsnummer” ist. Dies sollte man unbedingt ausdrucken, oder sonst irgendwie abspeichern, da man nur mit dieser Nummer (siehe oben) wieder Zugriff auf seinen Registrierungsvorgang hat, um gegebenenfalls Daten zu aktualisieren oder natürlich falls man die Bestätigung nicht direkt erhält, um den Status später noch einmal zu checken. Zudem würde ich empfehlen, zumindest diese Nummer bei der Einreise dann irgendwo auf einem Zettel mit dabei zu haben – nur für den Fall der Fälle…


4) Bescheid

Hat man dann noch mal auf “Next” geklickt, bekommt man die Information ob der Antrag
a) genehmigt (approved)
b) abgelehnt (travel not authorized) worden ist oder
c) noch überprüft wird (pending)

Diese Information erhält man wohl in der Regel sofort, zumindest hat es bei mir (approved) nur die übliche Ladezeit einer Seite gedauert, grob gesagt also etwa eine Sekunde.
Wenn der Antrag genehmigt worden ist, kann man sich hier nochmal sämtliche Informationen (inkl. Application Number) ausdrucken – auch wenn dies wie gesagt für den Einreiseprozess nicht notwendig ist.
Befindet sich der Antrag noch im Überprüfungsstatus, sollte man den Status noch einmal einige Tage später überprüfen (als Regelzeit werden maximal 72 Stunden angegeben, bis eine Antwort vorliegt).
Wird der Antrag abgelehnt, dann bedeutet dies, wie schon erwähnt, keine generelle Ablehnung der Einreise in die USA, sondern “nur”, dass man nicht innerhalb des VISA-Waiver-Programms einreisen darf, sondern ein entsprechendes Visum beantragen muss. Informationen hierzu finden sich unter www.travel.state.gov oder unter www.us-botschaft.de

Von dieser Seite aus kann man nun den Vorgang abschließen (über “Exit”), noch mal einzelne Informationen aktualisieren (wie z.B. Fluginformationen oder erste Adresse) oder aber einen anderen Reisenden registrieren.
Das Formular kann man nämlich auch für Mitreisende (wie z.B. die eigenen Kinder) ausfüllen (oder falls man ein Reisebüro ist für seine Kunden).

Fazit:Ich finde das Formular wirklich übersichtlich gestaltet, überall gibt es Hilfen oder Hinweise, wie man was auszufüllen hat. Erfreulicherweise werden nicht mehr Informationen als ohnehin schon abgefragt, so dass auch eigentlich den großen Kritikern (speziell unsere lieben deutschen Medien) der Wind aus den Segeln genommen werden dürfte.
Zudem ist der Ablauf wirklich äußerst schnell, vor allem wenn man weiß, was einen erwartet. Der ungeübte Reisende dürfte ca. 10 Minuten benötigen; falls die englische Sprache eine größere Herausforderung ist, dann könnte man natürlich durchaus etwas länger brauchen (wobei ja demnächst die deutsche Sprachvariante kommen wird).
Wer aber das grüne Formular kennt und in Englisch fit ist, der dürfte mit dem ganzen Prozess problemlos in unter 5 Minuten durchkommen.
Wenn dann durch die Online-Registrierung tatsächlich das grüne Formular irgendwann wegfällt und es zudem das versprochene “Notfall-System” für kurzfristig Reisende gibt, dann ist das unter dem Strich eine wirklich sinnvolle Neuerung, die die Einreise vereinfachen dürfte und zudem für weniger Bürokratie sorgen sollte.

 

Weitere Beiträge von mir zum Thema “Einreise in die USA”:
Neue Einreisebestimmungen – ESTA
Ablauf der Einreise und Sicherheitskontrollen

Link zum Formular: https://esta.cbp.dhs.gov/
Nachtrag, 25.10.2008
Mittlerweile ist das Formular in deutscher Sprache verfügbar (wie auch in diversen weiteren Sprachen wie Spanisch, Norwegisch, Holländisch oder sogar Isländisch…). Habe es noch nicht im Detail angeschaut, aber scheint auf den ersten Eindruck gut zu sein.
Zudem schaut es so aus, dass man wohl zukünftig eine verpflichtende Angabe der ersten Adresse in den USA abschaffen wird und dies nur noch als optionale Angabe aufführt. Sehr positiv das!
Ausserdem ist es wohl so, dass in den bisherigen knapp drei Monaten seit Einführung des ESTA-Tools die Approval-Rate (also die Quote derer die unmittelbar eine Genehmigung erhalten haben) bei sehr anständigen 99,6% liegen – ein Wert der wohl über den vorherigen Erwartungen lag.
Allerdings besagt meine Quelle nicht, ob sich diese 99,6% nur auf die deutschen Einreisenden bezieht oder auf Antragssteller aus sämtlichen Ländern des Visa Waiver Programs.

WARNUNG: Es gibt Internetseiten (wie bspw. www.esta.us), die ein offizielles Aussehen haben, aber in keinster Weise etwas mit dem ESTA-Formular zu tun haben. Dort wird angeboten für sehr viel Geld einen “Guide” mit Erklärungen zum Registrierungsprozess zu bestellen oder sogar für einen völlig astronomischen Preis (250 Dollar pro Person) die Registrierung von einem “Travel Professional” durchführen zu lassen. Finger weg, denn das ist pure Geldschneiderei!
Der Prozess wird durch wirklich detaillierte Hilfeangaben begleitet, die mittlerweile zudem ja auch in deutscher Sprache verfügbar sind!
Ausserdem sollte ein gutes Reisebüro, in dem man seine Buchungen vornimmt, diesen Prozess auch kostenlos für oder mit einem durchführen – oder zumindest nur gegen eine geringe Servicegebühr. 250 Dollar pro Nase (für einen Vorgang der gerade mal 10 Minuten dauert) sind wirklich mehr als astronomisch!

 

Zum Abschluss noch eine wirklich gelungene, sehr amüsante Auseinandersetzung mit der Thematik ”Einreisekontrollen” aus einer israelischen Sketch-Show, die wirklich empfehlenswert ist:

http://link.brightcove.com/services/link/bcpid1640183354/bctid1640167178

Kommentare über Erfahrungen mit dem Registrierungstool sind natürlich wie immer sehr gerne gesehen!