Okay, zugegeben, „Wincing the night away“ war 2007 kein wirklich schlechtes Album. Und zugegeben, hier geht es eigentlich gar nicht um die wundervolle Band The Shins, die ich quasi als meine Lieblingsband der letzten Jahre bezeichnen würde (Alltime-Heroen à la Queen nehme ich jetzt mal aus). Es geht vielmehr, um eine Gruppe namens Band of Horses, die ich vor kurzem für mich entdecken durfte, und bei deren Stil sich Vergleiche zu den Shins einfach aufdrängen, da die Songs definitiv eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Stil der Kollegen aus New Mexico aufweisen. 

Wenn man es also nicht besser wüsste, dann könnte man beim ersten Hören einiger Songs vom Album „Cease to begin“ eben meinen, dass The Shins sich dieses Mal nicht wieder ein knappes halbes Jahrzehnt Zeit gelassen hätten für ein neues Album. Doch da ich Band of Horses nicht im Radio sondern ausgerechnet im TV zum ersten Mal gehört habe, ist mir dieses Versehen zumindest nicht passiert.

Ja, ihr habt richtig gelesen, ich habe eine gute Band im TV entdeckt, ja im deutschen Musikfernsehen, richtig, bei MTV!!! Gut, es war nachts um ca. 2 Uhr unter der Woche – aber hey, immerhin mal wieder eine Entdeckung auf einem der beiden Musiksender-Karikaturen!

Der rockige Sound mit Hang zum melancholisch Verspieltem hat mich dann auch sofort angefixt, so dass ich mir dann natürlich mehr oder weniger umgehend das Album zulegen musste. Und dies begeistert schon mit einem wunderschönen Artwork des Covers. Ein Vollmond der über einem schwarzen Meer steht – da spiegelt sich genau das erwähnte verspielt Melancholische schon direkt wieder. Einfach schön.

Und so ist der Opener denn auch direkt die schon erwähnte Single-Auskopplung mit dem Namen „Is there a ghost“, die so getragen beginnt, als ob der Sänger am Ufer eben dieses Meeres steht und in die Nacht rein-brunstet, bevor dann das Tempo und die Lautstärkeregler plötzlich aufgedreht werden. Ich würde ja sagen, dass es sich hier um einen perfekten Song für Liebeskummer handelt, aber dazu schwingt in dem Lied doch irgendwie zu viel Lebensmut und Optimismus mit – vielleicht etwas für jemanden der gerade dabei ist mit seinem früheren Liebeskummer abzuschließen?!
Das würde dann zumindest insofern prima passen, da sich der zweite Titel „Ode to LRC“, direkt das zweite große Highlight des Albums, nahtlos in diese Theorie einfügen würde. Ist dieses Lied doch schließlich auch wieder perfekt dazu geeignet, den Hörer in beste Laune zu versetzen mit seiner positiven Melodie und dem hinten raus hemmungslos wiederholten Slogan „The world is such a wonderful place“.

Track 3 wäre dann zugegebenermaßen wieder ein kleiner Rückfall, handelt es sich doch um eine mindestens ebenso hemmungslose Ballade mit dem Titel „No one’s gonna love you“ (mit dem Zusatz „more than I do“), die einen Platz auf jedem Mixtape haben muss, dass man einer Angebeteten mit dem Anspruch schenkt, darauf Musik aus diesem Jahrzehnt draufpacken zu wollen. Dabei dürfte eigentlich kein Frauenherz ungeschmolzen bleiben (und wenn doch, dann schießt sie in den Wind!).

Verträumt geht es dann auch direkt weiter mit dem wunderschönen Kuschelsong, der auf den gänzlich unkuschligen Namen „Detlef Schrempf“ lautet. Keine Ahnung wie der Bezug dazu kommt, aber als Patriot freut mich eine solche Hommage natürlich sehr, und der Song an sich ist einfach… schön!

Zur Mitte von „Cease to begin“ nehmen die Horses dann wieder an Tempo auf und legen mit dem vom Klavier dominierten “The General Specific“ eine herrlich gutgelaunte und beschwingte Sohle aufs Parkett, bevor das Klavier wieder an die Seite geschoben wird und mit „Islands on the coast“ ein Uptempo-Song in bester Shins-Tradition nachgelegt wird, mit einem treibenden, aber nicht aufdringlichen Gitarrenriff, vielen Tempo-Wechseln und dem markanten Gesang von Ben Bridwell.

Mit dem „Marry Song“ gibt es dann noch mal eine erfreuliche unkitschige Liebeserklärung, was wohl vor allem mit der sehr reduzierten instrumentalen Begleitung zusammenhängt, der aber wunderbar mit dem schon  fast Country-artigen Gesang harmoniert. Und Textzeilen wie „When you smile,  the sun, it peaks through clouds“ gehen natürlich runter wie warmer Honig.

Passend zum gerade angesprochenen Thema „Heiraten“ kommt dann neben mein, neben den ersten beiden Songs, absoluter Lieblingssong des Albums „Cigarettes, wedding bands“. Okay, nur vom Titel her passend, denn „Cigarettes, wedding bands“ ist im Gegensatz zu den 8 vorherigen Stücken sowohl musikalisch als vor allem auch textlich wesentlich pessimistischer und aggressiver, teilweise wie hingerotzt (vielleicht avancierte es gerade deshalb zu meinem Lieblingssong…), aber immer ziemlich ausgefeilt und vom Ablauf her wunderbar durchkomponiert.

Der versöhnliche Abschluss nach der kleinen emotionalen Achterfahrt durch das Album kommt dann mit dem zehnten und letzten Stück der Platte, dem „Windows Blues“. Man ist sozusagen wieder am Meer in der Vollmondnacht angekommen und sitzen wieder am Ufer, während eben jene Nacht so allmählich durch ein zartes Morgengrauen zurückgedrängt wird und man sich allmählich mal wieder nach Hause begeben könnte, um einfach etwas erquickenden Schlaf zu bekommen. Oder so.

Für mich nach den Chroniken eines bohèmen Teenagers das zweitbeste Album 2007 – sehr bezeichnend für diesen kulturell überwiegend sehr mauen bis hochgradig entäuschenden Jahrgang, dass beide Alben erst in den letzten Atemzügen des Jahres den Weg in meine Gehörgänge finden konnten. Wer also The Shins mag, der kann hier nicht viel falsch machen, die Songs der Jungs aus South Carolina sind lediglich etwas rocklastiger. Also: Kaufen!


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