Allmählich wird es mal wieder Zeit, dass ich hier ein paar Serieneindrücke zum Besten gebe. Nachdem ich vor kurzem ein paar Orientierungshilfen zu den Neustarts dieser Season zusammengestellt habe, die auf den ersten Folgen fußten, möchte ich nun ein bisschen zu den Serien schreiben, die mich schon seit längerer Zeit verfolgen… 

How I Met Your Mother

Zu dieser wundervollen Sitcom habe ich mich vergangene Woche ja schon ausführlich geäußert. Wer’s noch nicht gelesen hat, der kann dies hier gerne nachholen.

30 Rock 

Ein weiteres Comedy-Highlight im derzeitigen TV ist 30 ROCK, das im vergangenen Jahr bei NBC Premiere feierte und speziell seitens der Kritiker begeistert aufgenommen wurde – aber auch beim Publikum durchaus Anklang finden konnte und deswegen zurecht um eine weitere Season verlängert wurde.

Die Serie wurde von Tina Fey geschrieben, die als Drehbuchautorin und Darstellerin von “Saturday Night Live” bekannt wurde, und diese Erfahrungen nun in 30 Rock auf hervorragende Weise verarbeitet. Hier spielt sie Liz Lemon, die Headwriterin einer fiktiven Sketch-Show namens “The Girlie Show” – und ist somit eine Art Meta-Serie, ähnlich wie das vielfach unterschätze “Studio 60 at Sunset Boulevard”, nur dass 30 Rock eben nicht nur auf NBC ausgestrahlt wird, sondern “The Girlie Show” zudem auch noch auf NBC spielt. Alleine die daraus entstehenden Möglichkeiten in Sachen Selbstreferenzen und vor allem beissender Selbstironie heben 30 Rock aus dem großen Brei der TV-Shows heraus.

Dies wird besonders in den Szenen deutlich, wenn der großartige Alec Baldwin (und das meine ich hier absolut ernst!) als Jack Donaghy auf den Plan tritt und versucht seine Managerlehren aus der Mikrowellenofen-Branche auf den Unterhaltungsbereich umzulegen. Ohnehin sind es die wirklich fantastisch verschrobenen Charaktere, die diese Serie so liebenswert machen und es Tina Fey erlauben, den Plot in die absurdesten Richtungen zu treiben, ohne gleich die Glaubwürdigkeit komplett zu verlieren. Neben Donaghy sind da vor allem der über-idealistische Assistent Kenneth, der für NBC sein letztes Hemd geben würde, und die Neuverpflichtung für “The Girlie Show”, der leicht durchgeknallte Tracy Jordan (wunderbar gespielt von Tracy Morgan, der ebenfalls durch SNL bekannt wurde).

Hier sieht man wirklich die Stärke von Tina Fey, die es ganz vorzüglich schafft, mit den einzelnen Figuren gewisse Klischees zu bedienen, ohne dass diese Figuren schnell platt wirken. Hinzu kommen dann natürlich noch zahlreiche hochwertige Gastauftritte von Jerry Seinfeld über Conan O’Brien bis hin zu Rip Torn, die sich alle selbst nicht allzu ernst nehmen – eine Sache, die ich Comedy-Serien immer sehr hoch anrechne.

My name is Earl

Ein weiteres Highlight im Bereich Comedy, das ebenfalls den NBC-Donnerstag zu einem der Höhepunkte in der TV-Woche machen, ist das wunderbare My Name Is Earl.

 

 Ein Belgier, der derzeit in Florida lebt und arbeitet, sagte vor einigen Monaten mal zu mir, dass dies eine Serie wäre, die eher für Europäer gemacht worden wäre und wie sie Amerikaner sehen würde. Es ist sicherlich nicht ganz von der Hand zu weisen, dass MNIE gewisse Stereotypen über *den dummen Unterschichten-Amerikaner* bedient und dadurch recht angreifbar ist. 

Doch greift dies letztlich doch etwas zu kurz, denn wenn man die liebevolle Inszenierung und die jeweilige Auflösung sieht, wie das Team um Serienerfinder Greg Thomas Garcia, die potenziell sehr kitschige Idee der Serie ohne große Sentimentalitäten oder gar “gutmenschliche” Tendenzen umsetzt, dann muss man MNIE einfach gern haben.

Denn die Ausgangssituation birgt eine Vielzahl an Gefahren und drohenden Klippen, wenn man bedenkt, dass es darum geht, dass Earl (der großartige Jason Lee), ein Gelegenheitskrimineller, versucht, sein Leben dadurch zu verändern, dass er alle schlechten Taten seiner Vergangenheit versucht wieder gut zu machen. Es ist immer wieder aufs Neue beeindruckend, wie geschickt es hier die Macher schaffen, moralische Fingerzeige einzuflechten, ohne dass an diesem Finger eine Keule mitschwingt - dabei wurden in den ersten gut zwei Staffeln mehr als genug heisse Eisen angepackt, und von Rassismus über Behinderungen bis zum Thema Schwulsein nichts ausgelassen, ohne jemals zur puren “Zurschaustellung” zu verkommen.

Ein sehr cleverer Schachzug war es definitiv auch, das Setting für die dritte Staffel etwas zu ändern, bevor sich womöglich Abnutzungserscheinungen einstellen. Durch die “Umsiedelung” hingegen ergeben sich nun wieder viele neue Möglichkeiten, die bislang wunderbar umgesetzt worden sind.

Dass zudem auch hier neben Jason Lee wieder viele tolle Schauspieler zu sehen sind (Ethan Suplee, Giovanni Ribisi, Jaime Presley, John Leguizamo, Alyssa Milano, etc.), brauche ich wohl nicht mehr zu erwähnen.

Letztlich stellt sich hingegen die Frage, wann die Serie es nach Deutschland ins TV schafft. Sie wurde schon vor einigen Monaten von RTL gekauft und immer wieder als Kandidat für einen Prime-Time-Sendeplatz in diesem Herbst gehandelt. Allerdings kann ich mir nur sehr schwer vorstellen, wie Earl in deutscher Synchro annähernd so gut funktionieren kann, da doch einiges in Sachen Humor über den Südstaaten-Twang läuft und vor allem die Feinheiten der Figuren stark über die Nuancierungen in der Sprache herauskommen. Befürchte, dass das durch die deutsche Synchro sehr schnell ins albern-blöde abdriften kann und die von mir weiter oben gelobte Sensibilität der Serie dadurch verloren geht. Aber vielleicht kommt da auch nur wieder der Synchro-Nazi in mir durch und es wird gar nicht so schlimm sein. Einen Erfolg in Deutschland würde ich der Serie jedenfalls absolut gönnen!

Scrubs 

Der letzte Bestandteil (neben den erwähnten und The Office, das ich aber nicht schaue) des NBC-Comedy-Donnerstags ist vergangene Woche gestartet, mit dem Auftakt in die siebte und letzte Staffel: Scrubs. Der Klassiker unter den Single-Cam-Comedies, und eine Serie, über die ich wohl nicht viele Worte verlieren muss, da sie sich in den letzten Jahren erfreulicherweise auch in Deutschland etablieren konnte. Ich liebe den Humor der Serie, ich liebe die Musikauswahl, ich liebe die fantastischen Darsteller und ich liebe die Mischung aus Slapstick und ehrlichen Gefühlen, die Scrubs wie kaum eine andere Comedy beherrscht, die momentan läuft. Und natürlich liebe ich Scrubs auch deshalb, weil die Serie einen so fantastischen Film wie Garden State erst möglich gemacht hat.

Nichtsdestotrotz denke ich, dass es gut ist, dass Staffel 7 das Ende von Scrubs bedeuten wird. Einerseits würde ich natürlich JD, Elliot, Turk, den Hausmeister, Dr. Cox, Ted und Co. weiterhin noch gerne sehen. Aber andererseits sind viele Stränge doch schon auserzählt und nach einigen Turbulenzen in der vergangenen Season wird es Scrubs so wenigstens ermöglicht, einen würdigen Abschluss zu finden und nicht womöglich irgendwann einfach ohne Ende abgesetzt zu werden, wie es so manch anderer toller Serie erging.

Grey’s Anatomy

Ähnlich wie Scrubs besticht auch Grey’s Anatomy durch eine schöne Mischung von Comedy- und Drama-Elementen, garniert mit einem guten Soundtrack, wobei hier eben eher die dramatischen Storylines durch humoristische Einschübe aufgelockert werden, während es bei Scrubs eher genau andersherum funktioniert. GA ist zudem wesentlich mehr Ärzte-Soap, wodurch ich zu Beginn auch recht skeptisch war, als ich mit der Serie begonnen habe. Dennoch konnte es mich irgendwie begeistern und gerade in den ersten beiden Staffeln richtig packen – wenngleich ich es letztlich immer etwas als “guilty pleasure” bezeichnen würde und ich immer noch nicht ganz sagen könnte, warum ich die Serie so mag… Okay, Ellen Pompeo und Katherine Heigl spielen da sicher keine untergeordnete Rolle…

Bei Staffel 3 war dann bei mir auch ein kleiner Übersättigungsgrad erreicht und ich habe mich teilweise -trotz einiger Highlights- ein wenig durch die Staffel schleppen müssen. Aber nach der Sommerpause bin ich durchaus gerne wieder mit dabei und bin bisher -nicht nur wegen Edward Herrmann- durchaus angetan von der vierten Staffel. Einzig die Storyline zwischen Izy und George geht mir noch ein bisserl auf den Keks.

Prison Break (leichte Spoiler!)

Kommen wir nun zu einem der großen Verlierer der aktuellen US-TV-Season. Die erste Staffel von Prison Break war ein Riesenerfolg und -wie ich in diesem Sommer feststellen konnte- eine sauspannende und trotz einiger logischer Schwächen großartig inszenierte Thriller-Serie, die einen förmlich in den Bann gesogen hat. Staffel 2 war dann nicht mehr ganz so erfolgreich und wurde an vielen Stellen gnadenlos niedergemacht – was ich wiederum nicht wirklich nachvollziehen konnte. Denn einerseits war es klar, dass nach dem Ausbruch die Geschichte sich nunmal zwangsläufig ändern musste und der Kammerspielcharakter und die Enge, die Staffel 1 auszeichneten, verloren gehen würden und andererseits fand ich die Einführung von Agent Mahone (der großartige William Fichtner) als äußerst gelungen, da Michael so endlich ein adäquater Gegenspieler entgegengestellt wurde. Dieses Duell ist es dann auch, was die Story in Staffel 2 sehr gut getragen hat und Spaß machte, PB weiter zu verfolgen.

Staffel 3 ist nun der Schritt “back to the roots” und man merkt den ersten vier Folgen, die ich bislang sah, an, dass PB anfänglich wohl auf zwei Staffeln (Ausbruch & Flucht) angelegt war. Aber dank der guten Quoten wollte FOX die Serie natürlich weiter beibehalten und so wurde mit Sona eben ein neuer Schauplatz eingeführt. Dies ist auch alles nicht übel und durchaus ambitioniert – aber teilweise habe ich doch das Gefühl, dass man im Kopf einfach die ersten beiden Staffeln ausblenden müsste, um S03 auch wirklich schätzen zu können. Dies gelingt mir bislang noch nicht so wirklich, da mich eben an den vorherigen Staffeln so faszinierte, dass es den großen “Masterplan” gab – und das fehlt hier natürlich völlig.

Dennoch werde ich die Serie wohl bis zum Ende der Staffel weiterverfolgen, um zu sehen, wie es weitergeht – aber die Begeisterung fehlt mir mittlerweile dennoch. Ein vernünftiges Ende nach Staffel 2 wäre für die Serie wohl das Beste gewesen. Nun ja, vielleicht lernt FOX daraus ja vielleicht etwas und erzwingt beim nächsten Serial keine überflüssige Verlängerung aus Quotengründen.

Heroes

Wenn wir schon beim Thema Quotenverlierer der aktuellen Season sind, dann kommt man wohl unweigerlich auch zu Heroes. Der Hit der vergangenen Season wurde mit dieser Serie von NBC gelandet und avanciert mittlerweile mit der ersten Staffel auch zu einem weltweiten Erfolg, aktuell zumindest hier in Deutschland auch bei RTL2 mit Mörderquoten.

Staffel 2, dieser Superheldenserie, mag allerdings noch nicht so wirklich fruchten und fährt bis dato in den USA eher enttäuschende (wenn auch nicht richtig schlechte) Quoten ein. Woran das liegen mag, ist eine gute Frage. Ich vermute mal, dass das Finale von Season 1 da eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hat. Dies war doch für viele ziemlich enttäuschend, was ich in Ansätzen auch nachvollziehen kann, wenngleich es für mich kein Grund war, mich direkt von der Serie abzuwenden.

Hinzu kommt zudem, dass der Auftakt von Season 2 eher als… sagen wir mal… verhalten zu bezeichnen ist. Dies war zwar schon in der ersten Staffel der Fall, aber damals musste natürlich das ganze Setting erst eingeführt und die Figuren platziert werden. Heuer wirkt das Ganze eher noch etwas “unentschlossen”. Zudem ist die große übergeordnete Bedrohung verschwunden, die in S01 noch ständig als Damokles-Schwert über allem schwebte, und auch der großartige Bösewicht Sylar ist quasi nur noch ein Schatten seiner selbst. Dadurch entsteht momentan eine Art Bedrohungsvakuum, die der Spannung leider abträglich ist. Eine komplett abstrakte Bedrohung reicht dafür leider nicht.

Aber ich bin dennoch optimistisch dass Tim Kring mit seinem Team hier in nächster Zeit die Kurve kriegen und es noch verdammt krachen wird.