Nach all dem unwichtigen BlaBla über Fußball, TV-Serien und ähnlich unwichtiges Zeug, ist es mal wieder an der Zeit, dieses Blog mit hartem, faktenbasierten Content zu füttern.
Und da das Thema USA-Einreise nicht nur eines der meistbegehrtesten auf diesem Blog ist, sondern es zudem neue Entwicklungen gibt, die definitiv einer Erläuterung bedürfen, gibt es heute mal einen kleinen Exkurs über “ESTA” (Electronic System for Travel Authorization).
Sollten Sie, lieber Leser, über eine Google-Anfrage hier gelandet sein, um etwas über die Abläufe und die Sicherheitskontrollen bei der Einreise in die USA zu erfahren, dann werfen Sie bitte auch einen Blick in dieses Posting, wo das generelle Prozedere erläutert wird.
Hier nun aber geht es um das Thema “ESTA”, das in den vergangenen Wochen nach der Bekanntgabe schon einige Wellen in der deutschen Presse geschlagen hat. Denn hinter ESTA verbirgt sich die neue Bestimmung, dass USA-Reisende aus Ländern, die zum sogenannten “Visa Waiver Program” gehören (und eines dieser Länder ist Deutschland), sich ab kommendem Jahr vorab online registrieren müssen.
Selbstverständlich sorgte dies natürlich für einen Aufschrei in diversen deutschen Medien - schließlich bedeutet dies ja sozusagen eine “Vorabanmeldung” und man befürchtet eine Art “Visum durch die Hintertür”. Und außerdem ist das Thema “Datenschutz”, speziell hier in Deutschland natürlich auch kein einfaches, schließlich werden hier so einige Daten aufgenommen, von denen man nun nicht wirklich einschätzen kann, wie sie verwendet werden.
Betrachtet man die ganze Geschichte allerdings etwas nüchterner (ein Adjektiv, welches dem deutschen Journalismus aber leider per se schon mal eher fremd ist), dann wird man ganz schnell sehen, dass die Daten, die bei dieser Registrierung aufgenommen werden, ohnehin schon seit Jahren von jedem Reisenden verlangt werden - bislang allerdings in Form des kleinen grünen I-94W-Formulars, welches man bei der Anreise im Flugzeug ausfüllen muss und dann an der Immigration Booth abgibt.
Die einzige Ausnahme wird unter Umständen sein, dass zu den üblichen Angaben wie Name, Adresse, Passnummer, sowie (ggfls.) erste Übernachtungsadresse und einigen eher überflüssigen Fragen, auch noch die Angabe einer Emailadresse hinzu kommt - dies ist aber noch nicht wirklich geklärt und ich halte es derzeit auch für etwas illusorisch, dass dies tatsächlich eine verpflichtende Angabe wird.
Wie aber wird der Ablauf sein?
Die ESTA-Webseite wird ab August 2008 freigeschaltet werden. Bis Ende des Jahres KANN sich jeder USA-Reisende dort eintragen und anmelden - muss er aber nicht. Verpflichtend wird dies dann ab dem 12. Januar für alle deutschen USA-Besucher.
Ab dann muss sich jeder Tourist vor Reiseantritt auf der Webseite mit den oben erwähnten Angaben eingetragen haben - als Frist ist von “bis spätestens 72h vor Abreise” die Rede. Interessanterweise ist das ganze auf dem offiziellen ESTA-Handout folgendermaßen ausgedrückt:
“DHS [Department of Homeland Security; Anm. d. Autors] empfiehlt, dass dies spätestens 72 Stunden vor Reiseantritt erfolgt.“
Interessant ist das natürlich deshalb, da sich an der 72h-Frist die meiste Aufregung entzündet hat. Hier muss man, der Formulierung nach zu urteilen, also nochmal abwarten, wie strikt dies dann tatsächlich gehandhabt wird. Zumal im nächsten Satz auf dem Formular auch davon die Rede ist, dass es ein “Eil-Verfahren für Notfälle” geben wird. Hier bleibt dann natürlich auch wiederum die Frage offen, wie eng die Definition für “Notfälle” gefasst wird.
Grundsätzlich gehe ich aber mal davon aus, dass es also auf jeden Fall auch weiterhin möglich sein wird, kurzfristig in die USA zu reisen - für die kleine Gruppe an Personen, für die dies tatsächlich relevant ist.
Wenn man es nämlich mal realistisch betrachtet, dürften 95% der Personen, die auch mal sehr kurzfristig in die USA reisen müssen, ohnehin häufiger in die USA reisen. Und da kommen wir dann zu dem großen Vorteil dieser neuen Online-Registrierung: Die Gültigkeit der Anmeldung für insgesamt 2 Jahre
Dies bedeutet nämlich, dass man, wenn man sich einmal dort registriert hat, für die danach folgenden 48 Monate “einreiseberechtigt” ist und nicht jedes Mal wieder die gleichen Formulare bei der Einreise ausfüllen muss. Ein erheblicher Pluspunkt für all diejenigen, die häufiger in die USA reisen - also Leute wie mich.
Zusätzlicher Pluspunkt ist, dass man keine konkreten Reisepläne haben muss, um sich dort einzutragen - was zum Einen bedeutet, dass die Angabe der Adresse der ersten Übernachtung schon mal nicht verpflichtend sein kann und zum Anderen, dass diejenigen, die häufig spontan in die USA reisen müssen, sich problemlos “pro forma” eintragen können und dadurch 2 Jahre lang auch kurzfristig einreisen können, obwohl sie zum Zeitpunkt der Anmeldung noch nicht wissen wann oder ob sie überhaupt demnächst in die USA reisen werden.
Wichtig zu wissen ist auf jeden Fall auch noch, dass man das Formular auch für Angehörige ausfüllen kann und dass zudem auch (gerade wichtig für Leute ohne Internetanschluss) Reisebüromitarbeiter das Formular für ihre Kunden ausfüllen dürfen werden.
Das schon erwähnte grüne Formular (I-94W) wird zwar aller Voraussicht in den ersten Monaten noch bleiben, aber mittelfristig wird es sicherlich für Touristen, die nicht über den Landweg (also z.B. mit dem Mietwagen aus Kanada) in die USA einreisen, wegfallen und damit wird der ganze Einreiseprozess schon mal ein ganze Stück weit entbürokratisiert und vereinfacht. Zumindest hoffe ich, dass ich mit diesem Posting die Mär von “drastisch verschäften Einreisebedingungen”, wie sie zum Beispiel das führende deutsche Nachrichtenportal “Spiegel Online” in die Welt setzt, etwas entkräften konnte.
Zum Schluss sei hier noch mal der Link erwähnt, unter dem das ESTA-Formular ab Anfang August zugänglich sein wird: http://esta.cbp.dhs.gov/
Derzeit ist dort nur ein Link zu einer Infoseite über ESTA zu finden, aber ab August wird man sich dort dann registrieren können. Ab Oktober soll es dann zudem die Seite auch in deutscher Sprache (und natürlich auch in mehreren anderen) geben - die Antworten werden allerdings grundsätzlich in Englisch gegeben werden müssen (wobei dafür eigentlich keine wirklichen Sprachkenntnisse notwendig sind).
Ich werde auf jeden Fall an dieser Stelle noch mal ein paar Worte verlieren, wenn ich mich im August dann zum ersten Mal selbst registriert habe.
Auch weise ich nochmal gerne auf meinen Eintrag “Einreise & Sicherheitskontrollen“, wo ich vieles rund um Umsteigedauer auf USA-Flughäfen, erlaubte Dinge im Handgepäck und Abläufe an Immigration Booth und Zoll schon mal erläutert habe.
Und natürlich auch gerne ein Auge auf meine übrigen Einträge in der Kategorie “Work & Travel” werfen. Da gibt es u.a. ein paar Eindrücke aus dem wunderschönen Bundesstaat Colorado zu finden.
Sollten noch irgendwelche Fragen offen geblieben sein, dann beantworte ich diese natürlich sehr gerne in den Kommentaren! Keine Scheu! =)