8. Februar 2010
Demnächst im hirngabel-Fanshop.
19. Januar 2010
Simon says: Sing.
Zugegeben, sich über trashige Reality-TV-Formate aufzuregen und auszukotzen hat eigentlich sooo einen Bart und es gibt nun wirklich mehr als genug Medienblogger, die in schöner, vorhersehbarer Regelmäßigkeit die entsprechenden Beiträge veröffentlichen. Aber ist ja auch okay, lese ich ja selbst immer mal wieder ganz gerne.
Und dennoch widme ich heute einmal einen kurzen Beitrag dem Sängerwettstreit “Deutschland sucht den Superstar”, der vergangene Woche wieder auf RTL gestartet ist. Denn wie es der Zufall will, hat es sich ergeben, dass ich am Samstag erst die 20.15h-Folge von DSDS gesehen habe und am selben Abend auch noch die erste Episode der 9. Staffel von American Idol, der amerikanischen Variante des britischen Erfolgshits.
Dabei war der Unterschied dann eben derart frappierend, dass es mich doch schon etwas schockiert hat.
Bei DSDS stößt ja besonders vielen Kritikern immer wieder die bloßstellende Art und Weise auf, wie Menschen jenseits der Norm durch die Inszenierung der Lächerlichkeit Preis gegeben werden. Die Macher bei RTL reden sich dann gerne damit heraus, dass ja mittlerweile jeder wissen müsste, worauf er sich da einlässt und mit einer gewissen humoristischen Aufarbeitung rechnen muss.
Das entspricht natürlich durchaus ein bisschen der Wahrheit, da RTL in den letzten Jahren den Weg der Bloßstellung immer weiter beschritten hat. Und ebenso wahr ist, dass dies dennoch immer wieder Leute in Kauf nehmen, mehr oder weniger bewusst (nimmt man mal an, dass da nichts gestellt ist – was ich nur bedingt glauben mag, aber das ist mein Problem). Wahr ist zudem leider, leider auch, dass dies durchaus sein Publikum findet und selbst in meinem Freundeskreis wurde sich in diesem Jahr explizit zum Fremdschämen getroffen – weswegen ich eben am Samstag auch zugeschaut habe.
Teil dieser Wahrheit ist allerdings auch, dass es eigentlich auch beinahe ganz anders funktionieren kann. Das zumindest zeigt die amerikanische Variante American Idol, die vergangene Wochen mit beinahe 30 Mio. Zuschauern absolute Spitzenwerte erreicht hat. Bei einer Nettosendezeit von knapp 90 Minuten wurden gerade einmal drei eher freakige Kandidaten gezeigt (wenn ich mich nicht groß verzählt habe), was ich doch relativ erstaunlich fand. Gut, eine Kandidatin kam dabei direkt als Erste, aber das will ich mal vernachlässigen, denn der Schwerpunkt beim vorangegangenen Satz liegt auf dem Wörtchen “gezeigt”. Nicht verarscht, wie es bei DSDS der Fall ist.
Und das hat mich, neben dem großen Schwerpunkt auf den musikalischen Aspekten, vor allem erstaunt: Auch bei AI gibt es zwar private Interviews, in denen sich schräge Kandidaten selbst bloßstellen können, aber das wird dann auch tatsächlich meist der Wahrnehmung des Zuschauers selbst überlassen. Eher subtil wird zwar ein bisschen mit Musik gearbeitet (wie bei dem eher spirituellen Kandidaten, der mit Enigma – Return to Innocence unterlegt wurde – ein Song, den ich seitdem im Ohr stecken habe…), aber vor allem verzichtet man nahezu komplett -bis auf einen Adlerschrei beim Auftritt des Spiritualitätstypen- auf irgendwelche cartoonistischen Soundeinspielungen und komplett auf irgendwelche grafischen Unterstützungsmittel zur Lächerlichmachung der Kandidaten.
Das geht mir persönlich nämlich am meisten auf den Keks: Wenn sich Leute im Fernsehen lächerlich machen wollen, dann lasst sie es meinetwegen gerne tun, aber doch bitte nicht mithilfe primitiver Geräuscheinspielen und eingeblendeten Cartoongeruchswolken. Besonders bei diesem exzessiven Gebrauch durch RTL, wo beinahe bei jedem einzelnen Kandidaten irgendwas eingespielt wird, fühle ich mich in einer unangenehmen Weise genötigt, diesen oder jenen Kandidaten lächerlich zu finden.
Wieso muss ein Programm unbedingt auf den kleinstmöglichen Verstand potenzieller Zuschauer ausgerichtet sein? Traut RTL seinen Zuschauern nicht zu, dass sie ihre eigene Bewertung eines Auftritts vornehmen können? Ob sie einen Kandidaten wirklich lächerlich, lustig – oder eben vielleicht doch eher bemitleidenswert finden wollen, sollte doch eigentlich jeder selbst entscheiden können, oder nicht?
FOX, sonst ja doch gerne mal im Fokus der Kritiker, scheint dies zumindest seinen Zuschauern zuzutrauen, wodurch die ganze Show doch weit weniger Fremdschämfaktor hat und weit mehr einem echten Gesangswettstreit ähnelt. Klar, mit Sicherheit gibt es in einem Land mit einer fast viermal so großen Bevölkerung weit mehr gute Talente, mit denen man Sendezeit füllen kann und doch muss es eigentlich auch für RTL möglich sein, den Schwerpunkt auch bei den Castings auf das Musikalische zu legen.
Es gibt natürlich noch weitere Aspekte, die erwähnenswerte Unterschiede darstellen. Bei American Idol wird beispielsweise noch jede Folge ein Casting behandelt, während bei RTL mittlerweile lustig Ausschnitte aus den verschiedensten Orten zusammengeschnitten werden, um so vermutlich die vermeintlich optimale Mischung aus Freaks und Schicksalschlägen zu garantieren. Leider bedeutet dies gleichzeitig auch eine gewisse Beliebigkeit, die den Effekt nur verstärkt, dass den Machern der Gesangswettbewerb eigentlich egal ist.
Vielleicht ist das sogar aufrichtiger, denn auch bei American Idol geht es letztlich schließlich nur um Show, Quote und Kohle – aber Spaß macht mir das nicht mehr sonderlich.
Zu guter Letzt liegt sicherlich auch ein gewisser Unterschied in den beiden Jurys. Abgesehen davon, dass bei American Idol ein vierter, prominenter Gastjuror dem ganzen doch noch etwas mehr Glamour verleiht (wie dieses Mal Victoria Beckham), ist eben ein Dieter Bohlen auch kein Simon Cowell, der insgesamt eben einfach etwas eleganter, charmanter rüberkommt, als der Dieter, der eben doch vorwiegend eine Sprüchemaschine ist (wofür das Schimpfwort-Schweinderl nur ein weiteres Indiz ist).
Aber okay, es funktioniert beides in den entsprechenden Märkten durchaus hervorragend und mir muss es ja nicht gefallen. Dennoch wollte ich zumindest mal kurz mein Erstaunen über die extremen Unterschiede in beiden Fassungen niederschreiben.
9. Januar 2010
Hirngabels kleiner Serienguide zur Season 08/09: Der ganze Rest.
Da die Season 2009/2010 mittlerweile schon soweit vorangeschritten ist, dass es wenig Sinn macht, im bisherigen Tempo weiter die vergangene TV-Saison zu besprechen, machen wir es heute mal etwas anders.
Bisher besprochen:
Die “Misfits”
Being Erica
Better Off Ted
The Big Bang Theory
Breaking Bad
Burn Notice
Californication
Chuck
Crusoe
Damages
Dexter
Dollhouse
Drop Dead Diva
Friday Night Lights
Fringe
Gary Unmarried
Greek
Grey’s Anatomy
Gossip Girl
Heroes
House
7. Januar 2010
Rückblick kann doch wirklich jeder – Der Best of 2009-Sampler [CD1].
Ein frohes neues Jahr, liebe Lesergemeinde! Ich hoffe, ihr hattet alle einen guten Rutsch mit einem anständigen Kater.
Um hier mal wieder ein bisschen mehr Leben reinzubekommen, schließen wir heute mal thematisch direkt an den letzten Eintrag von 2009 an und widmen uns wieder der Musik. Und wie der Titel des Eintrags schon vermuten lässt, beschäftigt sich dieser Post mit der musikalischen Ausbeute des abgelaufenen Jahres. Allerdings nicht als schnöde Liste sondern als richtiger Sampler, der auch in diesem Jahr (wie schon 2007) wieder 2 CDs beinhalten wird.
Die Regeln sind dabei ganz simpel:
1) Die Songs müssen ihren offiziellen Release im abgelaufenen Kalenderjahr in Deutschland gehabt haben (entweder auf einem Album oder als Single – oder wahlweise auch als Download)!
2) Der Sampler muss auf eine oder auf zwei Audio-CDs passen – also max. eine Laufzeit von 60-80 Minuten pro CD!
3) Nur ein Song pro Künstler!
Selbstredend sollte man natürlich bei der Zusammenstellung der Trackliste auf einen gewissen Hörfluss achten und darauf dass die Songs jeweils zusammenpassen. Regelwerke dafür wurden ja schon zuhauf zusammengestellt (sei es bei High Fidelity oder bei How I Met Your Mother ["All Rise!"]). Aber das ist natürlich eigentlich Ehrensache eines Mixtape-Machers.
Wer sich selbst einmal daran versuchen möchte, der sei hiermit herzlichst eingeladen. Da ich selbst daran Interesse haben, wie andere Sampler ausschauen und vor allem, was ich alles so verpasst habe, würde ich mich über einen Trackback natürlich freuen.
Wie schon erwähnt wird der Sampler insgesamt 2 CDs umfassen, heute kümmern wir uns aber nur um den ersten Teil des Samplers, der mehr die “untypische” Seite meines Geschmacks reflektiert und Ausflüge in die Genres Rap, HipHop, Elektro und Mainstream-Pop machen wird. Die zweite CD wird dahingehend wesentlich straighter und gitarrenbezogener sein.
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Wer parallel zum Lesen den Sampler hören möchte der klicke bitte hier,
um zur entsprechenden Playlist (jetzt komplett!) bei grooveshark zu gelangen.
22. Dezember 2009
Hirngabels lyrikähnlicher Adventskalender – Grande Finale: 22.12.
Kommen wir nun zum Abschluss dieser schnuckeligen kleinen Serie.
Wie es sich für ein… äh… Grande Finale gehört, gibt es heute selbstverständlich unser quasi Opus Magnum – oder sagen wir besser die qualitativ beste Aufnahme eines Songs von der in Zukunft sicherlich irgendwann mal total erfolgreich werdenden Band “Break Even”.
Die Aufnahmen für diesen Song zogen sich Ende 2005 für mehrere Wochen hin: Das Schlagzeug wurde dabei in einem Tonstudio in Saarbrücken aufgenommen, die Gitarre in einem WG-Zimmer in selbiger Stadt, die Klavier-Spur hingegen in unserem Studentenwohnheim in Bergisch Gladbach, während die Aufnahme des Gesangs und die finale Abmischung des Endprodukts im Hause meiner Eltern in der Nähe von Wipperfürth vollzogen wurde. Es lebe die moderne Technik (und natürlich die Post).
Ich hoffe, diese Adventskalenderserie hat Euch ein wenig gefallen und wenn Ihr Lob, Kritik oder Spot äussern wollt, dann wäre jetzt der perfekte Augenblick, dies in den Kommentaren zu tun.
Vielen Dank für Ihr Mitleid Ihre Anteilnahme und schon mal Frohe Weihnachten!
Master of disguise
Love is a deficit,
Live’s what you make of it.
So try to look forward,
Try to stay always hard.
Emotion is weakness,
So always try your best.
Master of disguise,
Even when the sun rise.
Nobody knows me,
Only now I’m really free…
Don’t let nobody hurt you,
Hide what you are true,
Noone has to know,
What you do and where you go.
Push all problems just away,
And don’t care what people say.
Master of disguise,
Even when the sun rise.
Nobody knows me,
Only now I’m really free…
All feelings are blocked,
Even if you’re on the stage rocked.
Just be everybody’s darling,
Dance on every wedding.
Show all the wanted faces, to
Avoid that anything embarrass you.
Master of disguise,
Even when the sun rise.
Nobody knows me,
Only now I’m really free…
Take drugs, if you need to,
Save whales, if you want to,
Just not to be predictable,
You should be indestructible,
Stop emotional terror,
If noone knows your face – in the mirror.
Master of disguise,
Even when the sun rise.
Nobody knows me,
Only now I’m really free…
[Rechtehinweis: Text und Musik sind Eigentum des Autors dieser Webseite und dürfen nur unkommerziell, unter Verwendung der Quellenangabe weiterverwendet werden. Für alle weiteren Verwendungszwecke ist Rücksprache mit dem Autor (siehe Impressum) zwingend notwendig.]
21. Dezember 2009
Joss Whedon, Du Vollpfosten.
Die erste Staffel von Dollhouse hat mich, wie schon geschildert, ja insgesamt ziemlich kalt gelassen. Auch der Start der zweiten Staffel ist dann eher bescheiden ausgefallen mit 3 soliden Folgen und einer wirklich guten vierten Folge, so dass die Absetzung im November nicht nur nicht überraschend kam, aufgrund sehr schwacher Quoten, sondern mir auch verhältnismäßig egal war.
Dennoch bin ich weiter dran geblieben und plötzlich liefert Joss Whedon sieben Episoden in Reihe ab, die allesamt hochgradig exzellent waren (ich würde sogar soweit gehen und behaupten dass es das zweitstärkste in diesem TV-Halbjahr nach Dexter war) und in mir plötzlich den starken Wunsch hervorruft, dass die Serie doch noch länger geht, als die drei Episoden im Januar!
Mal im Vertrauen, Joss, muss das wirklich sein? Warum nicht gleich so? Warum erst so lange Durchschnittsware abliefern und dann wenn es schon viel zu spät ist, auf einmal solche Episoden aus dem Hut zaubern?
Ich versteh das nicht.
21. Dezember 2009
Hirngabels lyrikähnlicher Adventskalender – 21.12.
Hard ways of desire
Oh, I shit on your boyfriend,
I want you to hold MY hand.
All they say is: you don’t want me.
But I don’t mind cause I am free.
Free of responsability,
I am reigned by sexuality.
Oooh…
I want you in my bed,
Cause I’m not kind, but mad.
You always played with me,
And send these signs to me.
I was just a toy for you,
Only my true love was true.
Oooh…
But now things have changed,
I have things arranged,
I’m no more the man I used to be,
And you are now a cup for me.
Come in my room, and feel my fire,
This is your hard way of desire.
Oooh…
You treated me like your friend,
Played with my heart like a ball,
Seemed that I am in your hand,
Seemed you smashed me at the wall.
But now you only fear my desire,
Burning in you like a fire.
Oooh…
Fuck off your “good friends”,
I will take your hands.
I will pull you on my bed,
Close the door, and treat you bad.
Now you can turn pain into lust,
When you lay down and smell the dust.
[Rechtehinweis: Text ist Eigentum des Autors dieser Webseite und darf nur unkommerziell, unter Verwendung der Quellenangabe weiterverwendet werden. Für alle weiteren Verwendungszwecke ist Rücksprache mit dem Autor (siehe Impressum) zwingend notwendig.]
21. Dezember 2009
Ein Spinatkonzert.
“Man mag es zwar nicht, aber es tut einem zumindest gut.”
So lautete die Selbstbeschreibung des Musikers Bernd Begemann im Laufe seines gestrigen Auftritts in Köln über selbiges Konzert – und kokettierte damit doch sehr heftig. Denn wenn man dem Enthusiasmus des gut gefüllten Publikums in der Kulturkirche in Köln-Nippes Glauben schenken durfte, dann wurde der Auftritt des Entertainers Begemann und seiner Band “Die Befreiung” sehr gemocht. Gut tat es natürlich auch – denn Lachen ist schließlich sehr gesund.
Die meisten der Leser hier werden jetzt aller Voraussicht nach sagen: Bernd Wer? Denn obwohl Begemann seit mittlerweile mehr als 20 Jahren aktiv im Musikbusiness unterwegs ist und für eine gewisse Musikrichtung durchaus mitprägend war, so ist er selbst doch immer eher ein kleiner Held weit abseits des Mainstreams gewesen. In den 80er Jahren war er Mitbegründer des Labels “Fast Weltweit”, das stilprägend für die Hamburger Schule war und aus deren Umfeld Bands wie Blumfeld oder Die Sterne entstanden sind.
Begemanns Band aus der damaligen Zeit, “Die Antwort”, löste sich dann in den 90ern irgendwann auf und seitdem ist er vorwiegend als Solokünstler unterwegs, bzw. seit seiner Zeit beim Hamburger Label “Grand Hotel van Cleef” auch teilweise mit Unterstützung der Band “Die Befreiung”, die insgesamt aus drei Mitgliedern (Keyboard, Bass/Gitarre, Schlagzeug) besteht.
Aber gut, wer will, der kann das alles natürlich auch bei Wikipedia nachlesen…
Das Konzert am gestrigen Abend jedenfalls war schon unser zweiter Versuch*, ein Begemann-Konzert zu besuchen, was im ersten Anlauf vor ca. 5 Jahren allerdings daran scheiterte, dass wir uns dachten, er sei so unbekannt, dass es schon klappen würde, ohne Ticket zur Location zu gehen. Leider Pustekuchen, denn der Veranstaltungsort war mit einer Kapazität von 200 Zuschauern nicht gerade riesig und eine durchaus respektable Fangemeinde hat er sich dann eben doch über die Jahre erspielt. Nicht umsonst hatte sich sein Ruf, ein genialer Live-Musiker zu sein, ja auch bis zu uns herumgesprochen.
Gestern aber waren wir vorbereitet und stapften mit vorher erstandenen Tickets pünktlich zum auf der Karte angegebenen Einlassbeginn um 18.30h durch den Schnee im frostigen Nippes zum Veranstaltungsort – nur um dann festzustellen, dass die Pforte noch verschlossen war, sonst nur ein Mädel herumstand und die Band gerade beim Soundcheck war. Im Angesicht der -15°C drehten wir also um und gingen zur nächsten Eckkneipe auf einen Kaffee und ein Kölsch, sowie die erste Halbzeit von Stuttgart gegen Hoffenheim.
Nach dem mich überaus glücklich machenden Ausgleichstor durch Maicosuel in der 44. Minute, ging es wieder zurück zum Veranstaltungsort und es war glücklicherweise noch nicht übermäßig gefüllt, so dass sich ein Platz in der ersten Reihe ergab – direkt über einem Heizungsausgang. Ein Aspekt, der von einem kaum zu überschätzemdem Wert ist, angesichts der sibyrischen Aussentemperaturen und einem Konzert, dass in einer neogotischen Kirche stattfand.
In der Tat ist die Kulturkirche nicht einfach nur ein bloßer Name und erfreulicherweise handelt es sich bei der Kirche tatsächlich um einen klassischen Bau und nicht um einen dieser modernen trendy Neubauten, sondern eben ein 120 Jahre altes neogotisches Gebäude, das einen mehr als passenden stimmungsvollen Rahmen für den getragenen, sehnsuchtsvollen Sound zahlreicher Songs wie beispielsweise “Bleib zuhause im Sommer”. Aber auch die schnelleren, swingenden und rockenden Songs kamen adäquat kraftvoll in den hohen Gemäuern rüber und brachten uns im Publikum auf den Kirchenbänken anständig zum Wippen.
Doch aus noch einem weiteren Grund war die Kirche ein durchaus passender Rahmen, denn Bernd Begemann habe ich im ersten Absatz nicht umsonst einen “Entertainer” genannt, schließlich ist es neben der guten Musik und den intelligenten Texten vor allem die extreme Bühnenpräsenz der Rampensau Begemann, die einen Konzertbesuch so lohnenswert machen. Und wenn er dann zwischen oder auch während der Songs beinahe anfängt über irgendwelche Themen zu sinnieren oder zu “predigen”, dann passt das eben sehr gut an einen solchen Ort.
Die derzeitige Tour steht zwar ganz im Zeichen des neuen Albums “Ich erkläre diese Krise für beendet” (sowas wie der inoffizielle Nachfolger seines 93er-Albums “Rezession, Baby”…), doch die Setlist des Abends umfasste nur einen Teil dieser neuen Stücke. So wie beispielsweise die gutgelaunte Single “Die neuen Mädchen sind da”, das verträumte “Sie gehört den Sternen”, das treibende “Sie redet Revolution” und vor allem natürlich das ganz wunderbare “Du bist mein Niveau”. Und ja, man kann einen gewissen Themenschwerpunkt durchaus erkennen, wenn man sich diese Titel so anschaut. Aber gut, alleine mit diesem Thema kann man ja auch Berliner Olympiastadien füllen und MediaMarkt-Werbeverträge bekommen. (Es sei an dieser Stelle aber auch einfach noch mal Begemann aus seiner Anmoderation für “Du bist mein Niveau” zitiert: “Mario Barth hat unrecht.” Punkt.)
Abgesehen von diesen ca. Dreiviertel des neuen Album (das sehr schöne, aber dennoch leicht alberne “Wir Drei” sollte noch erwähnt werden), die so etwas wie das Gerüst des gestrigen Abend bildeten, gab es allerdings allem Anschein nach keine wirkliche Setlist im klassischen Sinne. Begemann kam zwar zu Beginn des Konzerts mit einem Zettel auf die Bühne den er vor sich legte – dieser war allerdings ca. Größe DIN A1 und komplett in relativ kleiner Schriftgröße bekritzelt und listete mit Sicherheit weder alle Songtexte des Abends (zu wenig Platz) noch alle gespielten Songs (zu wenig Text) auf. Meine Vermutung ist eher, dass es sich dabei um eine Auswahl von ca. 100 (?) Songtiteln handelt, so mehr oder weniger als Gedankenstütze, schätze ich. Bestätigt wird das zumindest, dass sehr viele Songs an diesem Abend so wirkten, als ob sich Begemann spontan dazu entschied, diesen oder jenen jetzt zu spielen und darüber dann die Band informierte – die an diesem Abend übrigens Keyboarderlos war (was eine prima Rahmenstory für “Unsere Band ist am Ende ergab).
Also, natürlich auch abseits der Songs, die er Zuschauerzuruf spielte, was so ca. 5-6 mal im Laufe des rund dreistündigen Konzerts der Fall war und zu einigen schönen Situationen der Interaktion zwischen Künstler und Publikum führte.
Um es zum Ende hin kurz zu machen: Es war ein wirklich exzellentes Konzert, dass mir extrem großen Spaß bereitet habe und ich kann nur jedem ans Herz legen, der etwas für deutschsprachigen Indie-Pop-Rock und die Hamburger Schule übrig hat, ein Konzert von Bernd Begemann zu besuchen. Es wird unter Garantie ein äußerst vergnüglicher Abend!
Zum Abschluss gibt es daher noch ein Video der aktuellen Singe “Die neuen Mädchen sind da” versehen mit dem Hinweis, dass ich selbst Begemann aus dem Studio lediglich das Prädikat “gut” verleihen würde, live aber eben ein “absolut großartig”.
PS: Neben dem ersten Konzertbesuch gab es übrigens noch ein weiteres erstes Mal an diesem Abend. Denn zum ersten Mal habe ich einem professionellen Musiker ins Gesicht gesagt, dass ich seine Musik mal illegal runtergeladen habe. Kann ich ebenfalls nur empfehlen, mal zu machen, gibt lustige Reaktionen (Finger in die Ohren und “lalalala” rufende Musiker zum Beispiel).
PPS: Bernd Begemann hat übrigens auch einen Podcast, in dem er gemeinsam mit einem Bandkollegen und einem Filmemacher Filme bespricht.
*) Der Vollständigkeit halber sei zumindest noch kurz erwähnt, dass ich Begemann zumindest schon mal live vorher gesehen habe. Denn er hatte vor einigen Jahren mal einen Kurzauftritt im Rahmen der wunderbaren “Sarah Kuttner Show” zu der Zeit als auf deutschen Musiksendern auch tagsüber noch Musik eine Rolle ausserhalb von Klingeltonreklamen fand und bei dieser Show saß ich im Publikum. Toller Auftritt aber natürlich viel zu kurz, um ihn wirklich beurteilen zu können. Immerhin hat er sich noch ein kurzes Wortgefecht mit Ferris MC geliefert, der sich damals aber auch dermaßen asozial benommen hatte, dass sogar ich ihn im Laufe der Sendung ausbuhen musste (was mich dann zumindest mal für einen kurzen Moment ins Bild brachte, nachdem mich die Kameramänner zuvor konsequent zugunsten der hübschen Mädels in den anderen Sofas und Sesseln ignorierten – ha, ihr seid so berechenbar, ihr Aufmerksamkeitshuren!)




